Sonntag, 25. November 2012
Heiliger des Monats November 2009 Acepsimas von Cyrrhus
Heiliger des Monats November 2009 Acepsimas von Cyrrhus

Fest: 03. November

Laßt uns eine Lanze brechen für die Einsiedler, die Totalaussteiger, die Super-Freaks !
Heute kennen wir (fast) nur noch himmlisches Bodenpersonal, das in Wohnungen mit Zentralheizung wohnt, lange und ordentlich studiert hat und anständig bezahlt wird.
Verlauste, stark riechende Catweazles in Kartoffelsäcken würden wir dagegen kaum direkt als heilige Männer und Frauen ansprechen.

Einer von unzählig vielen: der heilige Acepsimas. Er lebte 60 Jahre lang im 5. Jh. als Einsiedler in den Höhlen nahe der Stadt Cyrrhus - heute eine Ruinenstätte in Syrien. In hohem Alter, kurz vor seinem Tod, wurde er noch zum Priester geweiht. Der Bischof seiner Stadt überliefert uns seinen Namen - und das war's. Was soll man über einen Einsiedler auch schon groß schreiben ? Mit anderen Menschen hat er ja nichts am Hut, er heißt ja nun Einsiedler, nicht Zwei- oder gar Dreisiedler.

In der ganzen christlichen Welt gab es Einsiedler, Eremiten, Klausner. Hier in Deutschland suchten sie sich abgelegene Orte in den ehedem reichlich vorhandenen Wäldern, in Ägypten lebten sie in der Wüste, am Meer oft auf wellenumtosten Inselchen. Gut 1000 Jahre ging das so, dann rollte die Welle aus - und nach der Französischen Revolution wurden sie kaum mehr gesehen. Verträgt sich freiwillige Einsamkeit in der Natur nicht mit modernen Zeiten ?

Die Idee ist simpel und auch heute noch verständlich: man will zum Kern vordringen. Dem eigenen Kern, der Seele, dem göttlichen Funken. Und zum Kern der ganzen Schöpfung, zu Gott. Der Natur ausgesetzt, mit unendlich viel Zeit. Im Ringen mit den eigenen Dämonen, die sich zeigen, es gibt kein Versteck. Im Glück des erfüllten Gebets, des tiefen Gefühls des Eins-Seins mit Schöpfer und Schöpfung.

Manche lernten alle 150 Psalmen auswendig und sangen sie von morgens bis abends, auch bei der Handarbeit, die den einfachen Lebensunterhalt sicherte. Andere lebten wirklich den Robinson, wollten niemand sehen. Manche hattten in ihrer "Einsamkeit" einen Zulauf wie am Kölner Hauptbahnhof, waren begehrte Ratgeber, richtige Popstars.
Am Sonntag, oder auch nur zu den Hochfesten, kam man zur Feier der heiligen Messe in die Zivilisation.

Heute wird Einsamkeit erlitten, mitten unter den Menschen: da ist die eigene Wohnung das, was früher die Einöde war. Aber wird Einsamkeit auch gelebt ? Als bewußt auf sich genommene Herausforderung ?

Wir können von den Einsiedlern lernen, auch von dem verschollenen Heiligen Acepsimas, dessen die Kirche in diesem Monat gedenkt (wenn überhaupt noch jemand an ihn denkt: na ja, wir tun's !).
Momente kraftvoller Einsamkeit lassen sich einfach in den Alltag integrieren, z.B. durch tägliches Gebet, ein paar Minuten genügen, es wirkt. Oder durch energisches Entmüllen des eigenen Lebens - Fernseher wegschmeißen ist sozusagen der halbe Weg in den Wald.

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Heilige des Monats Dezember 2009 Heilige Jungfrau Maria von Guadalupe
Heilige des Monats Dezember 2009 Heilige Jungfrau Maria von Guadalupe

Festtag: 12. Dezember

Schutzpatronin: beider Amerikas und der indigenen Völker

In den Medien hört man zum Thema Kirche und Lateinamerika immer dieselbe Platte: mit den bösen spanischen Eroberern kamen finstere Mönche zu den glücklichen Blumenkindern von Indios, zerstörten deren Kultur und Finsternis war.

Als der Eroberer Cortez in Mexiko zum ersten Mal hoch oben auf dem Haupttempel stand, starrte und klebte dort alles zentimeterdick von geronnenem Menschenblut. Unten am Fuß des Tempels hatte er schon die hohen Gerüste mit tausenden von aufgespießten Menschenköpfen gesehen. Obwohl er damit einen Aufstand auslöste, der ihn und seine Soldaten fast das Leben kostete, wütete er gegen die Bilder der Götter, die solche mörderischen Opfer forderten.

10 Jahre nach dem Sieg weniger Spanier, aber vieler verbündeter Einheimischer über das durchgeknallte, menschenverachtende Aztekenregime geschieht dem getauften, einfachen indianischen Bauern Juan Diego Cuauhtlatoatzin am 9. Dezember 1531 das folgende: ihm erscheint am Fuß des Hügels Tepeyac nahe Mexiko Stadt ein indianisch aussehendes, dunkelhäutiges Mädchen von etwa 15 oder 16 Jahren. Die junge Frau sagt ihm, er solle vom Bischof die Errichtung einer Kirche auf dem Hügel fordern. Der Bischof, Juan de Zumárraga, hört sich die Geschichte an, hält den Indio aber für überspannt und schickt ihn erst mal mit dem Auftrag fort, handfeste Belege von dieser Erscheinung beizubringen. Am 12. Dezember spricht das Mädchen den Juan Diego wieder an: oben auf dem Hügel wüchsen Blumen, die solle er dem Bischof bringen. Tatsächlich findet Juan Diego dort mitten im Schnee ein ganzes Beet von Blumen. Er pflückt sie zusammen mit dem Mädchen in seine Tilmátli, den indianischen Mantel. Als er die Timátli beim Bischof öffnet, fallen die Blumen heraus – und auf dem Mantel findet sich ein Bild seiner Vision, unschwer als Maria zu identifizieren.
Der Bischof läßt die Kirche bauen, ein Neubau erfolgte zuletzt in den 1970ern, der Mantel mit dem Bild blieb immer dort.

Unter der Herrschaft der Azteken erhob sich auf dem Hügel Tepeyac ein Heiligtum der aztekischen Muttergottheit Tonantzin. Die Indios übertragen ihre Gebete, ihre ganze spirituelle Kraft nun auf die Mutter des Herrn, Maria. Wenn auch mancher Aberglaube in Mexiko bis heute weiterlebt, so gelingt die Umwandlung der alten, oft gewaltsamen und zerstörerischen, man kann deutlich sagen, bösen Religion in die neuen Pfade des friedfertigen Menschensohnes aus Nazareth überraschend schnell. Nicht zuletzt, weil in der mexikanischen Kirche schon im 16. Jahrhundert die Kräfte die Oberhand behalten, die den Indios ihre eigene Spiritualität an den altgewohnten heiligen Orten beläßt – in Gelassenheit und Geduld auf die Kraft der neuen Botschaft setzend.

Der mexikanische Unabhängigkeitskrieg gegen die Spanier vor 200 Jahren fand unter der Fahne der Jungfrau von Guadalupe statt, ebenso der Aufstand der indianischen Zapatisten für eine gerechte Verteilung des Ackerlandes vor 100 Jahren. Die Heiligsprechung des Juan Diego am 31. Juli 2002 durch den Papst erfolgt vor 12 Millionen Gläubigen; allein am 11. und 12. Dezember 2009 besuchten über 6 Millionen die Kirche der Jungfrau von Guadalupe.

Eine solche Wucht und Identifikationskraft können Heilige ausstrahlen, wenn die Kirche sich nicht im verbissenen römischen Klein-Klein verliert, sondern sich ihres allumfassenden Auftrages bewußt ist und auf die Menschen zugeht. Die Menschen warten ja nur. Oder nicht ?

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Heiliger des Monats Januar 2010 Arnold Janssen
Heiliger des Monats Januar 2010 Arnold Janssen

Fest: 15. Januar

Eine gute Definition für Heiligkeit ist sicher, das Heilige sturer sein müssen als Normalsterbliche. Wissen wir doch alle, wie verzweifelt schwer es sein kann, selbst im allerengsten Kreis von Arbeit, Gemeinde, der eigenen Familie, dem eigenen Lebensumfeld etwas Gutes in Gang zu bringen oder etwas Schlechtes abzustellen.
Um solche Umschwünge im Größeren zu bewirken, braucht es Power, jede Menge nicht nachlassender Power.

Arnold Janssen, eins von 11 Kindern eines niederrheinischen Fuhrmanns und dessen frommer Ehefrau, war prädestiniert, im benachbarten aufstrebenden Ruhrpott Arbeit zu finden und nicht allzu alt zu werden - die industrielle Revolution war eine schlechte Zeit für Arme, und es war noch ein langer Weg zur sozialen Marktwirtschaft.

Natürlich kam alles anders, sonst wäre er 2003 ja nicht heiliggesprochen worden. Der intelligente Knabe paukte und schaffte es im Revolutionsjahr 1849 auf das kirchliche Gymnasium - denn Bildung gab es für die Armen nur über die Kirche. Die städtischen gehobenen Bildungseinrichtungen waren (wie de facto ja auch heute noch) dem Bürgertum vorbehalten.
Arnold Janssen bleibt auf der kirchlichen Schiene, wird Priester, studiert aber auch Mathematik und Naturwissenschaften, arbeitet ab 1861 selber als Gymnasiallehrer. So weit, so normal.

Nun ist Heiligkeit aber eben nicht normal. Heiligkeit ist mehr. Entweder die heldenhafte Todesverachtung der Märtyrer, oder die Freiheit von Besitz und menschlichen Bindungen der Einsiedler, oder oder oder. Eben mehr, der Schritt raus aus der Normalität.

Wo sich andere, durchaus gut denkende und gut wollende Menschen damit begnügen, Weihnachten ein paar Talerchen für die 3. Welt locker zu machen, will Arnold Janssen weiter, viel viel weiter. Er träumt von einer Organisation, die abseits des machtpolitisch und gewinnorientierten Kolonialismus aller damaligen entwickelten Nationen den Armen weltweit auf die Beine hilft. Motto: erst heilen, dann belehren, dann taufen. Was in der Praxis hieße, erst die soziale Lage zu verbessern, dann Grundlagen für schulische Bildung zu legen, dann eventuell neue Brüder und Schwestern in Christus zu gewinnen - denn erst wer satt ist, kann sich bilden, erst wer ein klares Bild von sich und der Welt hat, kann bewußt spirituelle Entscheidungen treffen (Bertold Brecht drückt das gröber, aber genauso richtig aus: "Erst kommt das Fressen, dann die Moral.").

OK, Arnold Janssen bekommt das hin: als er kurz vor dem ersten Weltkrieg stirbt, diesem großen Schlachtfest der Raubtier-Kapitalisten, der dummen Nationalisten und Militärs, sind rund um die Erde schon 2.000 Frauen und Männer in seinem Sinne unterwegs. Heute, 100 Jahre später, sind es über 10.000 sogenannte Steyler Missionare, die an den sozialen Brennpunkten der Erde täglich für das Gute arbeiten, vor allem für Schulen sorgen. Ohne Bildung gibt es keinen Fortschritt, ohne Bildung wäre aus dem Fuhrmannssohn auch wieder nur ein winziges Rädchen im Getriebe der Mächtigen geworden.

Bleibt natürlich die Frage: woher nehmen die Heiligen ihre Kraft und Ihre Ausdauer zum Guten ? Sind ja auch nur Menschen. Kann das jeder ? Können wir das ? Die Kraft anzapfen ? Wahrscheinlich steht am Anfang immer, daß man sich öffnet zum Guten, so manches losläßt vom Bösen: durch offene Türen kommt dann so Mancherlei hereinspaziert, bloß keine Bange.
Und natürlich eine gewisse "heilige Sturheit": wenn man ein Ziel für erstrebenswert erkannt hat, sollte man es auch festhalten. Es muß nicht alles jeden Tag auf den Markt, wirklich nicht.

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Heilige des Monats Februar 2010 die Märtyrer der heiligen Bücher
Heilige des Monats Februar 2010 die Märtyrer der heiligen Bücher

Fest: 11. Februar

Wobei man heute nicht alles so sein Leben riskiert: im Sport, bei Wetten in Fernseh-Shows, Samstagnacht betrunken auf 4 Rädern, mit kleinen Pillchen gegen den Blues, mit viel zu viel Schweinebraten (wer hätte das je für möglich gehalten). Ließe einer sein Leben beim Versuch, sein Automobil vor Dieben zu retten, er wäre der Boulevardpresse ein nationaler Held.

"Märtyrer der heiligen Bücher" - was für ein schräger Satz. Heute praktisch unsagbar. Erinnert an Selbstmordattentäter. Außer dem Artikel "der" paßt keins der Worte in die moderne Welt. Richtig ein bißchen unheimlich. Wie der Titel eines historischen Krimis mit mindestens 850 Seiten und eimerweise Tinten-Blut. Für Bücher sterben ?

303 startet der römische Kaiser Diokletian die letzte und zugleich brutalste aller Christenverfolgungen. Seinem Ziel eines starken Staates stehen die Christen mit ihren menschenfreundlichen Moralvorstellungen im Weg. Leute mit Prinzipien kann man nicht "durchregieren".
Christen wollen starke Menschen, nicht starke Staaten. Und so ordnet er die Ausrottung an, wie nach ihm noch so viele: die Politiker der französischen Revolution, Mao, Lenin und Stalin. Hitler kam nicht ganz so weit - 12 Jahre waren einfach zu kurz ...
Diokletian läßt die Kirchen in Flammen aufgehen oder abreißen. Er läßt die Priester töten, die christlichen Bücher, Bibeln und Theologisches, überall aufsuchen und verbrennen.

Nicht wenige wiedersetzen sich, besonders im seinerzeit römischen Nordafrika. Lektoren, denen damals die Aufsicht über die Schriften anvertraut war, verstecken diese und sterben lieber unter der Folter als die Bücher preiszugeben.
Bekannt wird das Schicksal des Lektors Tim und seiner jungen Frau Maura, die erst wenige Wochen zuvor geheiratet hatten. Da Tim, befragt wegen der Bücher, deren Herausgabe verweigert, werden seine Frau und er nebeneinander so gekreuzigt, daß sie erst nach 10 endlosen Tagen sterben.

Gern wird die Antike ja in ein goldenes Licht getaucht, von der tollen Kultur geschwärmt etc.pp. - der menschenverachtenden Sklavenwirtschaft, der pausenlosen Kriege, der nur machtorientierten, völligen Grundsatzlosigkeit des Staates wird dagegen eher selten gedacht. - Will sagen: die Christen wußten nicht nur, wofür sie standen, sie wußten auch sehr genau, wogegen.
Und wie pervers ist denn das: zwei unschuldige verliebte Menschen 10 Tage und 10 Nächte lang in aller Öffentlichkeit sterben lassen ?

Die meisten der damaligen Opfer sind für uns namenlos, es waren ja oft Arme, die den Schneid und das Rückgrat hatten, nein zu sagen. Die Kirche gedenkt ihrer unter dem Namen "der Märtyrer der heiligen Bücher" - was ja auch heute der Kern des Widerstands gegen Diktatoren und ähnliches Gesocks ist: die Parolen der Unmenschlichkeit mit der guten Nachricht der Menschlichkeit zu beantworten.

Kleines Gedankenspiel: welches meiner Bücher ist mir am meisten wert ? Welchen dort niedergelegten Gedanken, welches Ideal würde ich nie verraten ? Und was gäbe ich dafür ? Meinen rechten Arm, die Hand, das Schwarze unterm Fingernagel ?

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Heiliger des Monats März 2010 Kardinal Clemens August Graf von Galen
Heiliger des Monats März 2010 Kardinal Clemens August Graf von Galen

Fest: 22. März

Wie Namen täuschen können: da heißt einer Clemens, also "der Sanftmütige", und sein ganzer Charakter zeigt sein Leben lang das Gegenteil von Milde.
Photographien des 2005 seliggesprochenen Bischofs von Münster zeigen oft einen eher grimmigen Kirchenfürsten. Niemand, mit dem man das heute allseits beliebte Batik-Hippie-Hemdchen-Image der Welt-Jugendtag-Kirche verkaufen könnte.

Im Januar haben wir mit Arnold Janssen einen Heiligen kennengelernt, der mit lebenslanger "heiliger Sturheit" und Hartnäckigkeit sein Ziel verfolgt und erreicht. Beim Grafen von Galen geht es um das genaue Gegenteil. Der Bischof von Münster zeigt uns den heiligen Löwenmut im alles entscheidenden Moment.

1878 wird er auf Burg Dinklage aus westfälischem Ur-Adel geboren, und bleibt dieser Prägung sein Leben lang treu. Politisch steht er weit rechts, Demokratie ist nicht wirklich sein Ding, er ist stramm katholisch und stramm deutsch-national. Als Hitler 1936 das seit dem ersten Weltkrieg entmilitarisierte Rheinland besetzen läßt, begrüßt er (seit 1933 Bischof von Münster) das ausdrücklich.

So weit, so normal im damaligen erzkonservativen Klerus - gegen den unsere heutige Bischofskonferenz wie eine wilde Anarcho -Truppe aus 68er Tagen ausschaut.

Bischof Clemens August stellt sich mit dem Papst und den meisten seiner "Kollegen" 1937 in einem Rundschreiben gegen die Rassenpolitik der Nazis - wie bekannt, ohne konkrete Folgen, es ist halt nur ein Protest, das verläuft alles im Sand. Der Papst und die Kirchenleitung taktieren, haben letztlich Angst vor einer echten Auseinandersetzung, einer Situation wie in der Sowjetunion, wo die dortigen Machthaber die Kirche praktisch ausgerottet, zehntausende Priester und Mönche umgebracht haben.

Als die Regierung 1941 jedoch, von Verwaltung, Polizei und unzähligen Ärzten fleißig unterstützt, damit beginnt, in ihren Augen "unwertes" Leben zu vernichten, lernschwache Kinder von der Schulbank weg, Menschen in Altersheimen und Kliniken zu ermorden, kommt für unseren Bischof der Moment der Wahrheit. Anders als viele seiner Amtskollegen entscheidet er sich aus seiner menschenliebenden, christlichen Grundeinstellung für die totale Konfrontation, die die Bereitschaft zum Martyrium einschließt. Er hält 3 Predigten, die zum Deutlichsten gehören, was in der gesamten Nazizeit in Deutschland öffentlich gesagt wurde. Er droht klipp und klar damit, daß sich Katholiken an diesen Staat nicht mehr gebunden fühlen können, er kündigt den Nazis de facto Ihre einseitig verkündete "Volksgemeinschaft" auf.

Hitler schäumt und tobt und fordert den Kopf des Bischofs, doch der gewiefte Machtmensch Goebbels weist nachdrücklich auf die Gefahr hin, daß sich die katholischen Teile Deutschlands tatsächlich abwenden könnten. Die Hinrichtung von Galens wird auf "nach dem Endsieg" verschoben (und findet deshalb nie statt), die sogenannte "Euthanasie"-Mordaktion wird eingestellt.

Das Regime rächt sich für diese massive Niederlage mit einer harten Gangart gegen die Kirche in den verbleibenden Jahren bis zum Zusammenbruch. Alle Orden werden verboten, die kirchlichen Schulen geschlossen, das ganze kirchliche Leben unterdrückt, viele Priester und Gläubige bezahlen mit dem Leben für ihre Überzeugung und ihren Widerstand.

Clemens August ist ein Heiliger des Kairos, des rechten Augenblicks, den die Griechen gar als Gott verehrten. Jetzt oder nie, Sekt oder Selters: manchmal gibt es nur schwarz und weiß, richtig oder falsch.

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Heiliger des Monats April 2010 Benedikt von San Fratello
Heiliger des Monats April 2010 Benedikt von San Fratello

Fest: 04. April

Salopp gesagt, ist die Kirche ein wirklich großer Laden. Ein sehr sehr großer Laden, dessen Stockwerke und Seitenflügel man nicht mit einem Blick erfaßt. Derzeit gilt das allgemeine Interesse vorwiegend einigen gewaltig vermufften Kellergewölbe des Kirchenbaus, in denen verborgen vor dem Licht der Sonne Mißbrauch und Lieblosigkeit ihr langjähriges Zuhause hatten. Wie man hört, soll renoviert werden.


Immer wieder war die Kirche jedoch auch das, was die kritische öffentliche Meinung am wenigsten von ihr erwartet: eine Stütze des Fortschritts, eine tätige Helferin bei der Befreiung des Menschen aus seiner Sündhaftigkeit, seiner Befreiung hin zur Liebesfähigkeit, zur frohen Botschaft, die doch einst am Anfang stand.


Im Jahr 1743 sprach Papst Benedikt XIV. einen unscheinbaren, frommen, demütigen und friedlichen Bettelmönch namens Benedikt selig, 1807 machte ihn Papst Pius VII. zum Heiligen.
Der Schreiber dieser Zeilen sieht vor seinem inneren Auge bereits die gähnenden Leser, die von seit Jahrhunderten vergessenen Kapuzinern mit unwiderstehlicher Macht in den Tiefschlaf vorm Bildschirm getrieben werden: Kinder, wo bleibt die Message ??


Anfang des 18. Jahrhunderts steht die Sklaverei weltweit in Blüte: wie mehr oder weniger schon immer, "der Mensch ist gar nicht gut", der Dichter Brecht hat oft recht. In der westlichen Hälfte der Welt sind vor allem die farbigen Bewohner Afrikas die Opfer der Sklavenjäger. Hauptkunden sind die englischen, französischen, spanischen und portugiesischen Plantagenbesitzer Nord- und Südamerikas. Sie beuten diese versklavten Menschen aus, demütigen und quälen, morden - alles mit dem Einverständnis der weltlichen Obrigkeit. - Vor allem sollen diese unterdrückten Massen keinesfalls zum Bewußsein ihres Wertes als gleichberechtigte Menschen kommen !


Es ist unter diesen Umständen ein erstes, kräftiges Zeichen der Hoffnung, als 1743 dieser stille franziskanische Laienbruder Benedikt den "Seligen" zugeschlagen wird, denen, deren Leben Gott wohlgefällt - denn Benedikt ist der farbige Sohn farbiger Eltern, nach Sizilien "importierter" Sklaven aus Schwarzafrika. Es ist ein Statement für die Gleichheit aller Menschen vor Gott, und es wird verstanden. In den katholischen Sklavenhalterstaaten Lateinamerikas wird der in Europa vergessene Benedikt von San Fratello populär, bis heute ist seine Veehrung in Südamerika verbreitet.


Zum Guten führen 1.000 kleine Schritte - hier gingen Päpste voran. Löblich, das hätten wir gerne öfter.

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Heilige des Monats Mai 2010 Johanna von Orleans
Heilige des Monat Mai 2010 Johanna von Orleans

Fest: 30. Mai

Patronin Frankreichs und des Rundfunks

Es gibt Heilige, die sind so atemberaubend fromm, die kucken kaum aus ihrer Kutte - die sind so lieb, die tragen die Spinnen lebend aus dem Haus in den Garten - und wirken da so behutsam, daß ihnen das Efeu über die Sandalen wächst - ja ja, so was gibt´s. Geht aber auch anders.


Die kleine Johanna hat schon als Mädchen gewaltige Visionen. Gewalttätige Visionen. Sie spricht mit dem Erzengel Michael, dem Träger des Flammenschwerts, dem schreckenerregenden Anführer der himmlischen Heerscharen. Einer muß Dreinschlagen. Einer muß Gottes Vorsehung die Hand reichen, Gottes Hammer sein, die rächende Hand des Herrn. Eine ?


Vor knapp 600 Jahren tobt in Frankreich ein endloser Krieg. Die Engländer haben einen Großteil des Landes besetzt, Kriegshorden aus ganz Europa foltern, morden, vergewaltigen. Die französischen Großen haben resigniert - oder sich arrangiert. Das Volk leidet entsetzlich.


Mit 16 findet Johanna, daß es Zeit ist. Sie erzählt von ihren Erscheinungen: sie, Johanna, habe von Gott klipp und klar den Auftrag erhalten, den jungen französischen Thronfolger zur Krönung nach Reims zu führen. Dieser werde dann als siegreicher König die Engländer aus dem Land werfen.
Niemand kann das einfache Bauernmädchen aufhalten. Wer mit ihr spricht, ist überzeugt, daß sie eine Gesandte Gottes ist. Krieg ist Männersache, Sache der Adligen, aber Johanna dringt bis zum Thronfolger vor. Dieser stimmt zu, wacht aus seiner Lethargie auf, Johanna ist überwältigend.


Das Mädchen greift sich Pferd, Rüstung und Schwert und erfüllt die Prophezeiungen Wort für Wort. Bei Orléans schlägt sie die Engländer in die Flucht, und schon am 17. Juli 1429 wird in der Kathedrale von Reims aus dem ehedem schlappen Prinzen Karl ein König von Frankreich.


Johanna steht dabei neben dem Altar und bezeichnet ihre Mission als beendet. Sie hätte fest bleiben und ihre Jugend von nun an genießen sollen - aber der König hält sie am Hof und beschäftigt sie mit nur halbherzig unterstützten Militäraktionen. Sie fällt den Engländern in die Hände und wird nach einem Schauprozeß verbrannt, gerade 19, im Wonnemonat Mai.


Nach dem grauenhaften 1. Weltkrieg brauchen die Franzosen Trost, wollen aufgerichtet werden: und so spricht man Johanna heilig, deren Tod fast 500 Jahre zurück liegt, die den 100jährigen Krieg seinem Ende ein gutes Stück näher brachte.


Bei einer ländlichen Feldprozession in den 1920ern segnet der Pastor alle Äcker seiner Eifeler Schäfchen - nur vor den Furchen eines besonders faulen Bauern zuckt seine Hand zurück, spricht sein Mund die Worte: "Hier hilft kein Segnen, hier hilft nur Mist !"
Ebenso gibt es politische Situationen, wo Beten nicht genug ist, wo es anderer Kraftakte bedarf: man hätte Hitler aufhalten können, klar.
Oder anders: eine Kalaschnikow macht noch keinen Heiligen - aber es gibt Heilige mit Kalaschnikow.

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Heiliger des Monats Juni 2010 Johannes der Täufer
Heiliger des Monats Juni 2010 Johannes der Täufer

Fest: 24. Juni

Schutzpatron vieler Länder und zahlloser Berufe, u.a. der Schneider, Maurer und Steinmetze, der Sänger, Musiker und Tänzer, außerdem der Schafe und aller Haustiere

Vor und um 1980 lebte mitten unter uns der Punk. Wenn man diesen Ur-Punk denen, die damals noch zu klein waren und denen, die sich die Ohren zugehalten haben, erklären wollte, könnte man sagen: Punk sagt nein, wo andere ja sagen (und umgekehrt), ohne groß auf Inhalte Rücksicht zu nehmen: mal kucken, was passiert, der Teufel ist die Gewohnheit. Durch ständiges den Institutionen "Vor-den-Koffer-treten" mit dem Springerstiefel übt sich der Punk in Materialprüfung. Wo gehobelt wird, fallen Späne.

So einer ist Johannes. Wo die Jerusalemer Tempelpriester in gestickten Paramenten lustwandeln wie nur je ein Papst mit roten Pantoffeln, wickelt er sich in eine grobe Kamelhaardecke, lehnt das Geld ab (was ja auch heute noch den kompletten Outsider macht - dem Mammon gehört unser aller Herzelein), ißt was er findet und hält rotzige Reden am Rande der Wüste. Sein Schlachtruf ist "Kehrt um !", hört auf, ihr seid total bekloppt, no future für euren Highway to Hell. Johannes ist immer für Rabatz zu haben. Mehr und mehr Leute beeindruckt er, er tauft sie im Fluß, gibt ihnen mit "Bereitet dem Herrn den Weg !", alles andere ist Quatsch, ihr habt nur ein Leben, vergeudet es nicht mit aufgeblasenem Mist. Die lieben Bürger nennt er "Schlangenbrut" und Zombies, "übertünchte Gräber" mit verfaultem Inhalt. No future, so jedenfalls nicht.

Eine Gruppe Gutmenschen (Johannes hätte sicher "Sch...liberale" gesagt) will ihn zähmen und einwickeln, quasselt auf ihn ein so à la "Wir kommen alle alle alle in den Himmel, weil wir so brav sind, weil wir Gottes Kinder, weil wir das erwählte Volk sind". Johannes brüllt sie in Grund und Boden: "Aus jedem verdammten Stück Dreck kann Gott Kinder Abrahams machen", Euer Laber interessiert ÜBERHAUPT nobody. Auf jeden einzelnen kommt es an, auf dich kommt es an, tu du das richtige jetzt oder laß es jetzt. It´s up to you what you´re really gonna do. It´s up to you strictly you and you.

Seinen König, der sich um Gott nicht schert und meint, auch im Heiligen Land rumlottern zu können wie die anderen römischen Skavenhalter und Leuteschinder, greift er frontal an: was ihm erst den Knast beschert und dann den Kopf kostet.

Ausgerechnet von ihm sagt Christus: "Echt, glaubt´s mir: unter allen Menschenkindern war keins größer als Johannes der Täufer." - So spontan würde man wohl meinen, wenn Jesus Musik hörte, wäre es Klassik, so hingejubelte Festmessen mit Orgelgeorgel und himmlischen Chören. - Mal im Ernst, ist doch alles gar nicht wahr. Jesus liebt Punk.

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Heilige des Monats Juli 2010 Maria Magdalena
Heilige des Monats Juli 2010 Maria Magdalena

Fest: 22. Juli

Patronin der Frauen insgesamt, im besonderen der reuigen Sünderinnen; der Kinder, die schwer gehen lernen; der Friseurinnen und Kosmetikerinnen, der Parfümhersteller; der Schüler und Studenten

In den 1980er Jahren sang Sandra „I´ll never be Maria Magdalena“, ich werde nie zur Maria von Magdala. Irgendwie gings um wilde Leidenschaft, und sie wollte nichts bereuen müssen. Anders als die Maria Magdalena jedenfalls. Die andere Seite sind dann die Keuschen, die der Fleischeslust fernstehen. Die wollen auch nicht wie Maria Magdalena sein.

Maria Magdalena war immer eine Heilige für uns normale Menschen in der Mitte: der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Einerseits bejahen wir das Gute und sehnen uns danach, andererseits sitzt uns das Teufelchen auf der linken Schulter und flüstert uns was ...

Und sie, die junge Frau aus Magdala im Norden Israels, hatte diesen Widerspruch sozusagen körperlich zu leben.
Die Legende setzt sie mit der namenlosen reuigen Prostituierten gleich, die Jesus bei einem Essen (bei dem man damals ja lag) mit ihren Tränen die Füße wusch und diese dann salbte.

Im Musical „Jesus Christ Superstar“ singt sie „I don´t know how to love him”, wie soll ich ihn nur lieben. Von ganzem Herzen – oder doch mit dem ganzen Körper – und wie schön wäre es, wenn beides ginge !!

Die Evangelien sehen sie, die Jesus aus einer inneren Krise gerettet hatte (damals hieß das „böse Geister austreiben“), immer treu an seiner Seite – auch in den fürchterlichen Todesstunden, als fast alle anderen weg waren, auch am Grab, als er ihr als erster von allen auferstanden erschien. Und da sagt er zu ihr „noli me tangere“, berühre mich nicht !

Die ältere Kunst stellt Maria Magdalena oft verzweifelt am Fuß des Kreuzes dar: alle Träume geplatzt, der eine Gute stirbt unter schrecklichen Qualen, die alltäglichen Mitläufer und die alltäglichen Verbrecher bleiben übrig, Schweinewirtschaft, wie so oft, der Lauf der Welt. Das malt überwältigend der Künstler des Kreuzaltars im Kölner Wallraf-Richartz-Museum: unbedingt anschauen !

Neuere Romane versuchen, die dem Mittelalter eigene fromme Freude an schönen Legenden durch wilde Räuberpistolen zu toppen, in denen Maria Magdalena mit Jesus einen ganzen Kindergarten zeugt und den Babybrei im Heiligen Gral serviert. Wer´s mag, nun denn.

Die Kern-Botschaft der echten Maria ist knackiger: eine Frau in einer Männerwelt hat Probleme, verkriecht sich aber nicht, sondern formuliert sie und teilt sie mit dem Menschen, dem sie vertraut. Sie hat den Mut, ihre Liebe zu leben und den Menschen zu unterstützen, der die Liebe predigt und der ihre Unterstützung braucht (denn Feinde hat er schon mehr als genug). Das Geschwätz der Leute interessiert sie nicht, sie macht´s einfach. Klasse, find ich gut.

P.S. 1: Reue befreit, gibt Power für radikale Neuanfänge. Keine Panik vor dem Spiegelbild, dem Alleinsein - man kann sich eh nicht davonlaufen. Unsere Bibelhelden gingen zum Turnaround in die Wüste, Rheinisch-Katholische können beichten (sehr altmodisch, very cool), allen tut das Pilgern gut (Hape !). Oder einfach ein paar Tage allein in die Dünen setzen. Klappt alles, versprochen, nur nicht bange sein – „uns trennt nichts vom Paradies, außer unsrer Angst“.

P.S. 2: Wallraf-Richartz-Museum nicht vergessen, kostet ja nicht die Welt – und donnerstags ist bis 22 Uhr auf: paßt eigentlich immer.

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Heiliger des Monats August 2010: Friedrich Spee
Heiliger des Monats August 2010: Friedrich Spee

Fest: 7. August

Patron der Dichter, der politischen Journalisten und Sachbuchautoren, der unschuldig Verfolgten, der Gefangenen, von Amnesty International

Nun, es sei gleich zu Beginn gestanden, das obige ist alles pures Wunschdenken – zu schön um wahr zu sein. Man hat manchmal das Gefühl, unsere liebe Mutter Kirche ernenne an prominenten Ordensgeistlichen alles zu Heiligen oder Seligen, was bei 3 nicht auf den Bäumen ist: aber des Jesuitenpaters Friedrich Spee hat sie sich bisher nicht angenommen. Also tun wir es hier und jetzt !

Man verbindet den Begriff „Hexe“ gern mit „finsterem Mittelalter“, aber im Mittelalter gab es weder „Hexenwahn“ noch Folter als „Instrument der Rechtspflege“. Standpunkt der Kirche war, dass es Zauberei gar nicht gäbe, dass das alles nur Einbildung und Aberglaube sei, man eingebildete Sachen aber schlecht bestrafen könne.

Die bekannten „Hexenverfolgungen“ gehen erst nach dem Ende des gar nicht so finsteren Mittelalters los – für den echten Horror braucht es offenbar modernere Zeiten. Der sich von etwa 1550 bis 1700 austobende Hexenwahn hatte viele Väter. Im Kern ist er eine Volksbewegung, die sich in ihren Mechanismen gut mit dem Faschismus des 20. Jahrhunderts vergleichen lässt. Von Sozialneid und blinder Aggression gespeist, denunziert ein Nachbar den anderen - auch die Gestapo des 3. Reichs konnte ja nur einen Bruchteil der pausenlos eingehenden Petzereien bearbeiten, konnte sich vor mordlustigen Normalbürgern kaum retten.

Regelrechte Verbrecher sehen und nutzen da Ihre Chance: die Oberschichten ganzer Städte (nicht nur die Frauen) werden ausgerottet, das Vermögen eingezogen und unter die Kumpane in Politik und Justiz verteilt – und die Unis nicht zu vergessen ! Denn dort verdienen sich die Herren Professoren eine goldene Nase an unsinnigen Rechtgutachten zu den abgekarteten Prozessen.

In diesem Sinne treibt es Anfang des 17. Jahrhunderts auch der Würzburger Bischof als weltlicher Herr seines Ländchens – und hier kommt Pater Friedrich ins Spiel.

Friedrich Spee ist ein Rheinländer aus der Düsseldorfer Umgebung, 1591 in eine durchaus betuchte Adelsfamilie hineingeboren. Gegen den Willen der Eltern wird er mit 19 Jahren Jesuit (statt Beamter oder Militär), er hat Ideale, träumt davon in Indien die Botschaft der Liebe zu verbreiten und ist zudem einer der besten Dichter seines Jahrhunderts (viele seiner Lieder werden heute noch gesungen).

Wohl in Würzburg ist es, wo der junge, hochtalentierte Pater verurteilten „Hexen“ die Beichte abzunehmen hat – und dabei zu der klaren Überzeugung kommt, daß hier Unschuldige hingerichtet werden, denen man mit Hilfe der Folter völlig irre Geständnisse abgerungen hat. Er ist entsetzt und schreibt sich sein Entsetzen von der Seele: „Rechtliches Bedenken wegen der Hexenprozesse - Cautio Criminalis“, nennt er sein Buch, daß 1631 erscheint und die Praxis der erfolterten Geständnisse ad absurdum führt.

Diese Breitseite nehmen ihm insbesondere die hochgestellten Nutznießer dieser sehr einträglichen, reichsweit wohlorganisierten Kriminalität übel. Man will ihn so schnell wie möglich tot sehen, trotz anonymen Erscheinens des Buches kennt und hetzt man ihn bald, das Netz zieht sich zu. Der Orden „versteckt“ seinen mutigsten Priester im Kriegsgebiet, im umkämpften Trier (30jähriger Krieg ...) – wo er sich bei der Pflege verwundeter Soldaten die Pest holt und am 07. August 1635 stirbt, erst 44 Jahre alt.

Sein Grab wurde vor wenigen Jahren wiedergefunden, man kann es in Trier in der Jesuitenkirche besuchen und einem Vorbild aller Aufrechten seine Refernz erweisen: einem Streiter für die Menschlichkeit, für die Schwachen und Verratenen, einem echten Helden – und ganz ganz sicher einem Heiligen, auch wenn Rom das noch nicht bemerkt hat.

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Heilige des Monats September 2010: Thekla von Ikonium
Heilige des Monats September 2010: Thekla von Ikonium

Festtag: 23. September

Patronin der Sterbenden, gegen Augenleiden, in Feuersgefahr

Den Heiligen Friedrich Spee des letzten Monats hat die Kirche noch nicht anerkannt, die heilige Thekla hat die katholische Kirche (nicht die orthodoxe) erst vor wenigen Jahren wieder aus dem Kalender gelöscht – beides schlecht begründet. Bei Thekla heißt es seitens der katholischen Offiziellen, ihr Leben und Wirken sei nicht hinreichend sicher belegbar – dabei gibt es Akten aus urchristlicher Zeit, viele Kirchenväter gedenken ihrer, schon in der Antike ist ihre Verehrung im gesamten östlichen Mittelmeerraum weit verbreitet, die Tradition ist stark und alt. Wieso diese Streichung, wo der Kirche sonst die Tradition wichtiger ist als Bibel, Fakten und gesunder Menschenverstand zusammen ? Der Wind weht hier von wo ganz anders her.

Thekla ist ein Teenager, als der heilige Paulus im Jahr 50 in ihrer Heimatstadt Ikonium (dem heute türkischen Konya) predigt. Zwei Tage lang hört sie ihm vom Balkon ihres Elternhauses aus zu: „Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen ... Selig, die das Fleisch keusch bewahren, denn sie werden Tempel Gottes werden ... Selig die Enthaltsamen, denn zu ihnen wird Gott sprechen.“ Sie ist hingerissen.

Mit dem Feuer der Jugend teilt sie ihren Eltern mit, wo der Hammer hängt, und ihrem Verlobten, dass sie nicht heiraten wird. Die Entscheidung, ihr Ding durchzuziehen, Gott mehr als den Menschen zu folgen, spirituell zu leben, steht. – Die üblichen Repressionen setzen ein: Paulus wird gegeißelt und rausgeschmissen, Thekla zum Feuertod verurteilt, kann aber (wie wunderbar auch immer) aus Ikonium fliehen und Paulus nach Antiochia in Syrien folgen. Dort wehrt sie sich erfolgreich gegen männliche Gewalt – und landet in der Arena vor den wilden Tieren, ein einzelnes Mädchen in einer fremden Stadt, wie es so geht. Sie überlebt, auch Dank des Eingreifens einer mächtigen Frau, der historisch gut belegten Königin Tryphaina von Pontos. So kann Sie in Myra, wohin sie in Männerkleidern gereist ist, endlich Paulus treffen, und erhält vom ihm den Auftrag, ihre Heimatstadt Ikonium zu missionieren. Sie wirkt dort auch erfolgreich, bevor sie nach Seleukia (dem heute türkischen Silifke) geht, wo sie ebenfalls viele Menschen bekehrt und im hohen Alter geachtet und verehrt eines natürlichen Todes stirbt.

Also warum haben die alten Männer in Rom Thekla aus dem Verzeichnis der Heiligen gelöscht? Eine erfolgreiche, jahrzehntelang tätige, vom Apostel Paulus höchstselbst eingesetzte Apostelin, Priesterin, Missionarin? Weil unsere verkalkten, verknöcherten, hartherzigen Hierarchen immer noch nicht verstanden haben, dass Gott den Menschen als Mann und Frau schuf, gleich berechtigt, gleich heilig, ganz wunderbare Geschöpfe, denen nichts fehlt – keinem von beiden.

Heilige Maria, hilf deinen Töchtern – und lass Hirn regnen, reichlich, du weißt schon wo

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Heilige des Monats Oktober 2010: Ursula
Heilige des Monats Oktober 2010: Ursula

Fest: 21. Oktober

Patronin der Stadt Köln, der Jugend, der Erzieher, der Universität Paris, für eine gute Heirat und eine gute Ehe, einen ruhigen Tod, gegen Kinderkrankheiten und Qualen des Fegefeuers, in Kriegszeiten.

Die Sache mit der heiligen Ursula hat besonders viele Facetten. Einmal ist es eine spannende Story aus dem fabulierfreudigen Mittelalter, schön und ausführlich erzählt auf http://www.heilige-ursula.de/legende/legende_13_jahrhundert.html - man erfährt dort von Ursula, der christlichen Prinzessin der Bretagne, die den heidnischen Prinzen von England heiraten soll (Politik ...); die sich die Taufe des Verlobten ausbedingt, 3 Jahre Zeit bis zur Hochzeit und eine Schar von Gefährtinnen; diese selbstbewußte Teenie-Truppe reist dann mitten in der übelsten Völkerwanderungszeit den Rhein runter, über die Alpen bis nach Rom und retour; wird dann von den seinerzeit unter Attila Köln belagernden Hunnen gestellt und hingemetzelt - man wundert sich, daß der sehr farbige Stoff in den 1950er-Jahren nicht in einen Sandalenfilm gegossen wurde.


Zum anderen ist die Geschichte, wie die guten Kölner 1.000 Jahre lang die ganze Welt mit den Reliquien der 11.000 ermordeten Mädels versorgen, auch ein Ding für sich - soll diesen tüchtigen Rheinländern erst mal einer nachmachen ! Was für ein sensationell unverwüstliches Marketing - und alles mit doch irgendwie "nachwachsenden Bio-Rohstoffen"....


Zum Dritten hat die liebe Ursula ein gewaltiges Weiterleben. Ihre Legende macht den Begriff des Opfers, der uns heute ganz unendlich fremd ist, unmittelbar erlebbar. Im festen Glauben, daß die Liebe stärker ist als der Tod und das in einer anderen Welt mit ganz anderer Münze gezahlt wird als mit unserem Blech geht sie trotz Warnungen und Visionen sehenden Auges ins Martyrium. Und sie geht nicht allein - die beispiellose Wucht von 11.000 Märtyrerinnen bekräftigt anders als der vereinzelte Mut eines alleinstehenden Bekenners die Seelengröße, die allein das Vertrauen auf Gott verleiht.


"Katholisch" heißt übersetzt "umfassend", das ist und bleibt Programm der Weltkirche - die eher unkatholisch enge, um nicht zu sagen beschränkte Sicht mancher heutiger, immer und immer noch nur männlicher Kirchenoberen soll uns da nicht täuschen. Welch ein kraftvolles Vorbild für die Mädchen Europas diese Ursula stets war ! Über Sprüchelchen wie Kinder=Küche=Kirche hätte sie zusammen mit ihren 11.000 nur schallend gelacht.


Ursulas zu Hause ist ein wunderschönes Beispiel für die Integrationskraft des Katholizismus. Ihr uraltes Gemäuer zu Köln am Rhein umschließt aufs Friedlichste ein keltisch-römisches Wasserheiligtum (der Brunnen soll sich bis heute in der Unterkirche finden (ich war selbst noch nicht in der Krypta)). Im Volksglauben hieß es, "am Grunde dieses Brunnens spielt die Mutter Maria mit den Seelen der ungeborenen Kölner Kinder". Wilde Mythen der Vorzeit, geborgen im unsichtbaren Kreis der 11.000 Girlies aus der Völkerwanderung, die in der "Goldenen Kammer" im Turm auch im 3. Jahrtausend ausgesprochen handgreiflich wachen ...


An solchen Plätzen schnurren Jahrhunderte zu Augenblicken zusammen, da strömt rheinische Spiritualität - "sursum corda, erhebet die Herzen !" - der Alltag hat einen ja schnell genug wieder.

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Heiliger des Monats November 2010: der heilige Leonhard (=Lennart, Lenny und Leon)
Heiliger des Monats November 2010: der heilige Leonhard (=Lennart, Lenny und Leon)

Fest: 6. November

In 2000 Jahren Kirchengeschichte finden sich Verbrecher, Helden des Alltags wie ich und Du - und Heilige. Deren große Schar auseinanderzuhalten helfen die „Attribute“: Erkennungszeichen, oft die Marterwerkzeuge (merke: die Guten werden nicht alt). Grauslich schaut das aus: Männer mit dem eigenen Kopf unter dem Arm, flotte Juffern mit einem Dolch im Hals, Jünglinge, von Pfeilen durchbohrt.

Auf uns heutige wirkt das eher leidend, passiv und nicht so richtig sportlich. Wie anders da der heilige Leonhard ! Sein Kennzeichen sind stolz vorgezeigte zerbrochene Ketten – und seine Statuen wirken mitunter recht dritte-welt-revoluzzer-mäßig (fehlt nur die Castro-Cap und die Kalaschnikow – der Bart ist da).

Leonhard war um 500 ein fränkischer Adliger im Umfeld des selbst für fränkische Verhältnisse äußerst blutdurstigen ersten getauften Königs Erst-schlagen-dann-fragen-Chlodwig. Ihm ging das alles auf den Senkel, und das Christentum mit seiner gänzlich anderen Message schlug bei ihm Funken. Er ließ seine Adelsvorrechte sausen und wurde ein radikaler Nachfolger dieses friedlichen Menschen aus Nazareth. Überzeugter Veganer ! Diakon, Mönch, vor allem Einsiedler und Waldläufer, selber Klostergründer. Ein spirituelles Leben in sehr unspirituellen Zeiten.

Warum er – wie die meisten Guten – nicht längst vergessen ist ? Leonhard hatte halt fränkischen Eroberergeist in den Genen, er brauchte neben dem Gebet auch direkte Action, und zwar reichlich. Seinerzeit war das ganze Frankenreich übersät mit Guantanamos: man führte ständig Krieg, und Kriegsgefangene wurden übelst behandelt. In Ketten geschmiedet, oft schlecht ernährt, den Hofhunden ging es besser als diesen Sklaven. Und Leonhard ging dazwischen, überall, immer wieder: und erreichte mit seinen Amnesty-International-Einsätzen die Freilassung unzähliger Gefangener. Was für eine coole Type !!

Er starb friedlich und steinalt (Veggie !) .Sein Grab findet sich wohlgepflegt in seiner schönen Kirche in Saint-Léonard-de-Noblat nahe Limoges.

Serge Gainsbourg flüchtete sich 1944 erfolgreich an den Ort des Kettenzerbrechers, um der Gefangenschaft der Nazis zu entgehen. Die Power scheint noch zu wirken.

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Heiliger des Monats Dezember 2010: Die heiligen unschuldigen Kinder
Heiliger des Monats Dezember 2010: Die heiligen unschuldigen Kinder

Fest: 28. Dezember

Ein von der größten Militärmacht der Welt im Vorderen Orient als Marionetten-Präsident eingesetzter Warlord regiert mit blanker Gewalt und übernervös. Bei jedem Schatten von Verrat rollen Köpfe, auch die der eigenen Familie, Massaker sind Mittel der Innenpolitik. – Nicht wirklich neu ? Nein, nicht wirklich neu, 2000 Jahre her, der Mann heißt Herodes, und „homo homini lupus“, der Mensch ist des Menschen Wolf.

Als die damalige Sandalen-Stasi meldet, dass es Unruhe wegen eines angeblich neu geborenen Volkserlösers aus der rechtmäßigen Dynastie gebe, schickt Herodes eine Einsatzgruppe in die Kernregion von deren Clan und lässt in und um Bethlehem alle männlichen Kleinkinder unterhalb des Kindergartenalters töten. Mission accomplished !

Einer aus dem Clan ist mit seinen gastarbeitenden Eltern nach Ägypten entwischt (auch so ein palästinensisches Dauerschicksal). Den kriegen sie erst 30 Jahre später: dann aber richtig.

So geht es zu auf der Welt – Fortschritt gibt es nur in der Waffentechnik.

Und da ist die alte Tante Kirche so vorgestrig, einen vernachlässigbaren Kollateralschaden im „Bemühen um Stabilität in der Region“ Jahr für Jahr als „Fest der heiligen unschuldigen Kinder“ zu begehen ? Wo sich alle anderen doch daran gewöhnt haben, dass Kinder (und Frauen) immer zuerst dran sind ? Dass niemand, aber auch wirklich niemand, zivile Opfer zählt ? Und schon gar nicht die Kinder ?

Das sind wirklich wichtige Heilige – und Dienstag, der 28.12.2010, könnte ein prächtiger Tag sein, darüber nachzudenken, wen man heute wählt, wem man heute Geld schickt, wen man unterstützen und wen man bekämpfen sollte.

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Heiliger des Monats Januar 2011: Bekehrung des Heiligen Paulus
Heiliger des Monats Januar 2011: Bekehrung des Heiligen Paulus

Fest: 25. Januar

Vor 2000 Jahren, türkische Mittelmeerküste. Viel Sand am Strand, die Sonne scheint, das Obst wird süß. Pax Romana, es lässt sich prima leben.

Ein nichtaufdenkopfgefallenes Söhnchen der jüdischen wohlhabenden Mittelschicht, Zelt- oder Tuch- oder Teppichmacher oder –händler, Genaueres gibt die Übersetzung nicht her, will was noch besseres werden, studiert an der hippen Uni zu Jerusalem Theologie. Das Sahnehäubchen: man ist römischer Vollbürger und fühlt sich auch so: the sky is the limit. Keine Sekunde muss der junge Mann überlegen, für welche In-Group sein Herz schlägt: es ist die herrschende Klasse, die Pharisäer, die intellektuelle Elite an den Fleischtöpfen, ohne die nichts geht.

“Es ist besser, einer stirbt für das Volk, als das Volk stirbt“ sagen sie („das Volk sind wir“) bei einem guten Glas Wein über den Spielverderber Jesus, diesen unberechenbaren Bauerntrampel-Führer aus Galiläa (und Galiläa ist für diese Jeunesse Dorée was die Eifel für Köln ist: Misthaufen, Gummistiefel, Kittelschürzen). Also Schluss mit der Provinzposse und hau weg den Wannabe-King – business as usual.

Ein bisschen Aufräumen ist dann noch noch angesagt: wer nicht hören will muss fühlen. Dem Stephan hauen sie so viele Steine auf den Kopf, dass er gleich liegen bleibt. Um die Ausbreitung dieser geistigen Pandemie zu verhindern, meldet sich Paulus gern für Syrien. Jugendliche Großmannssucht und das gute Gefühl, etwas für das eigene Portemonnaie zu tun. Die Mächtigen werden sich erkenntlich zeigen. So reitet er los, aber so kommt er nicht an.

Ein verwirrter Blinder ist es, der schließlich in Syrien um Hilfe bittet: Wirres aus der Wüste erzählt und sich nun zeitlebens als die „Missgeburt“ bezeichnet. (Anmerkung für die, die nicht so bibelfest sind: Als Paulus auf dem Weg in einer Vision dem Herrn begegnete, erblindete er. Ananias, ein Christ aus Damaskus, heilte Paulus von seiner Blindheit, indem er ihm die Hände auflegte. Allerdings tat Ananias dies nicht aus Liebe zu Paulus, sondern aus Liebe zu seinem Herrn, der dies von ihm forderte.)

Was lernen wir daraus ?

Erstens, daß der Chef up-in-the-sky reichlich schwarzen Humor hat. Der Killer wird zum Prediger, das ist lustig. Zweitens, wie schnell man sich verrennt und das Lied „wes Brot ich ess des Fahn´ ich schwenk“ für irgendwie moralisch hält. Drittens: ist nie zu spät, geht auch anders, sicher, auch für uns, für Dich und mich.

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Heilige des Monats Februar 2011: Brigida / Brigitta von Kildare
Heilige des Monats Februar 2011: Brigida / Brigitta von Kildare

Fest: 1. Februar

Patronin Irlands, der Schwangeren, der Kinder und der Haustiere

Auf den ersten Blick könnte uns die liebe heilige Brigida schnurzpiepe sein: viel zu lange her (1.500 Jahre), viel zu wenig Action (nix besonderes passiert). Frommes Mädchen, noch frömmere Nonne, heilige Äbtissin – ich schlaf gleich ein.

Auf den zweiten Blick zeigt uns die Verehrung der heiligen Brigida, wie offenherzig multikulti die Kirche vorhandene spirituelle Kräfte nicht bekämpft, sondern integriert, ja häuft. Indem man ihren Festtag auf den Tag der gleichnamigen keltischen Muttergöttin legte, den alten keltischen Frühlingsanfang am 1. Februar, wurde diese schöne Tradition bewahrt und weiter ausgebaut – insbesondere noch durch „Mariä Lichtmeß“ gleich am Tag darauf.

Dieses Fest des wiedererstarkenden Sonnenlichtes findet sich in den Erzählungen, dass Brigida Flammen auf dem Haupt erschienen seien – in ihrer Kirche in Kildare unterhielten noch 700 Jahre später ihre Klosterfrauen ein immerwährendes Feuer zu ihrem Gedächtnis.

Selbst heute noch flechten in Irland Kinder zum Brigida-Tag kleine Kreuze aus Röhricht, die in der Form an das alte Sonnenrad erinnern. – Reiche vergehen, Völker verschwinden, und die Kirche trägt die Tradition weiter und weiter – man mag das ja unwichtig finden, aber ich rheinischer Katholik steh auf die fette barocke volle Dröhnung. Warum weniger ?

Und Drittens wird es knallmodern: im Kleingedruckten der Lebensbeschreibung Brigidas findet sich eine weibliche Emanzipationsgeschichte.

Brigidas Vater war nämlich ein adliger Militärmacho übelster Strickart: obwohl verheiratet, kaufte er sich Ihre Mutter, eine Unfreie, als Sexsklavin. Als sein Spielzeug schwanger wurde, verkaufte er es mit Rabatt an irgendeinen Kumpel weiter und fragte nicht weiter danach. Das Mädchen Brigida wird getauft, das Christentum hält Einzug: und gibt Brigida, wie so vielen anderen, die Möglichkeit zur Revolte.

Die schöne und intelligente Brigida muß sich nicht wie ihre Mutter verhökern und missbrauchen lassen, ihr bieten sich nun ungeahnte Möglichkeiten. Mit 14 setzt sie durch, Nonne werden zu dürfen und errichtet sich unter einer Eiche – recht hippiemäßig – eine Art Wohnhöhle. Andere stoßen zu ihr: Frauen auf der Flucht vor Männern (die waren damals ja auch nicht besser als heute), Männer auf der Flucht vor dem ewigen Gemetzeln, diesem Dauerblutrausch von Fehde und Blutrache, den sie bis heute nicht so recht sein lassen können.

Es werden auf die Dauer mehrere solcher Kommunen, und hätte die Reformation nicht alles platt gehauen, bestünden sie noch heute. – Merke: wo im Mittelalter die Liebe ist, ist Mittelalter Fortschritt. – Und die Neuzeit ? – Nicht zu schnell antworten, die Frage sollte wirken können.

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Heilige des Monats März 2011: Gertrud von Nivelles
Heilige des Monats März 2011: Gertrud von Nivelles

Festtag: 17. März 659 (Todestag)

Schutzpatronin der Reisenden und Pilger (auch reisender Gesellen) sowie der Gärtner (besonders gegen Mäuseplagen)

Noch dominiert in der Öffentlichkeit der männliche Blick auf die Leben von Frauen. Einfache Nonnen stopft man in die Schublade „verhärmt, weltfremd, im Kloster dahingedämmert“, zu reichen Äbtissinen assoziiert man „von der Familie in den goldenen Käfig abgeschoben, langweiliges und nutzloses Leben hinter hohen Mauern“. – Immer unausgesprochen im Hinterkopf: ein Leben ohne Mann, das kann ja nichts sein.

Im Februar hat uns das arme Mädchen Brigida schon gezeigt, wie viel Frauenpower in Nonnen steckt – jetzt im März werfen wir einen Blick auf die Upperclass.

Gertrud wurde 626 irgendwo im heutigen Belgien in die damalige Hochpolitik hineingeboren. Ihre Familie mischte überall mit – sie selbst ist die Ur-Ur-Großtante Karls des Großen. Mädchen Ihrer Herkunft wurden zwar nicht so billig verschachert wie Brigidas Mutter, aber verschachert wurden sie doch. Die Versuchung war einfach zu groß: ein Fleckchen Land billig zu erheiraten, statt es teuer zu erobern ... so verplante man kleine Mädchen (und die Mütter gleich mit, wenn sie Witwen wurden). Und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt. Soweit die Macho-Theorie – und leider häufig auch die Praxis.

Aber Frauen sind ja nicht dumm. Als es für Gertrud und ihre Mutter 640 brenzlig wird (der Politikergatte stirbt und Gertrud wird 14, also „mannbar“), ziehen beide in trauter Einigkeit die Reißleine. Mutter und Tochter gründen ein Kloster und werden dessen erste Bewohnerinnen. So behalten Sie ihren Besitz, brauchen sich nicht irgendeinem nach selbigem schielenden Tuppes zu unterwerfen, bleiben Chef im eigenen Haus und können ihren Neigungen nachgehen. Gertrud ist nämlich ein schlaues Kind, sie liest: was damals selbst mancher Priester nicht konnte (der hatte das Allernotwendigste halt auswendig gelernt). Sie baut eine Bücherei auf, lässt sogar Bücher aus dem fernen Rom kommen.

Nach dem Tod der Mutter wird Gertrud mit 26 Jahren Äbtissin des Klosters und wirkt tatkräftig. Sie engagiert sich für den Unterricht ihrer Nonnen (die später auch heiliggesprochene Amelberga ist ihre Schülerin), unterstützt Arme, Witwen, Waisen und Gefangene, baut den mittellosen irischen Wandermönchen, die den einfachen Leuten die neue Botschaft der Liebe bringen, ein kleines Krankenhaus.

Als Gertrud mit 33 Jahren stirbt (im Mittelalter lebte und starb man schneller ...), hat sie ein Frauenkloster in Gang, Licht ins Dunkel und in viele Köpfe gebracht, ihr Ding gemacht. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es – Gertrudentag ist ein prima Tag, um ein erstes Mal im Garten rumzuwuseln und der jungen, energischen Patronin der Gärten zu gedenken.

P.S.: Aus dem Krieg gegen Napoleon hat sich eine schöne Geschichte zu unserer Heiligen überliefert:
Da die Legende erzählt, Gertrud hätte einmal eine Mäuseplage mit ihrem Gebet abgewendet, gehören oft Mäuse zu ihren Attributen. Als sich nun 1815 ein siegestrunkener, übermütiger protestantischer preußischer Offizier von einem Einheimischen in Luxemburg durch die Kathedrale führen ließ (und natürlich alles für katholischen, abergläubischen Mumpitz befand), entsetzte ihn eine geschnitzte Figur der Gertrud besonders, da an deren Äbtissinnenstab kleine vergoldete Mäuse als Dank für abgewandte Plagen angebracht waren. „Ja guter Mann: glauben sie denn tatsächlich an so einen zum Himmel schreienden Unsinn ?!“ – „Nicht wirklich, Herr Offizier: sonst hätten wir schon längst auch ein paar kleine vergoldete Preußen schnitzen lassen.“

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Heilige des Monats April 2011: Cantius, Cantianus und Cantianilla
Heilige des Monats April 2011: Cantius, Cantianus und Cantianilla

Festtag in Hildesheim: 1. April (Ankunft der Reliquien)

Schutzpatrone der Kinder

In den vergangenen Monaten hat uns interessiert, was mit mehr oder weniger bekannten Heiligen los ist, so lange sie da sind – heute fragen wir uns einmal, was Heilige bewirken, wenn Sie wieder weg sind.

Sind sie denn weg? Nun, keiner geht so ganz. Es bleiben Andenken, vielleicht Bücher, Bekleidung – und Knochen. Noch in den 1980er Jahren durfte mein auf´s Eifler Dorf gezogene Schwager die Erfahrung machen, dass in seinem Ort die männlichen Nachbarn eine Tote unter die Erde zu bringen hatten. Man trifft sich auf dem Kirchhof, buddelt abwechselnd, trinkt eine spendierte Flasche Schnaps und versteckt die Knochen der den älteren bestens erinnerlichen Vorbelegung diskret tief unten im Loch. – Jetzt macht das auch dort ein Unternehmer, aber vorher war das überall so: in der Grüften räumte man Platz für den nächsten der Familie, auf den Kirchhöfen steckte man die regelmäßig auftauchenden Reste in ein „Beinhaus“. Wohlgemerkt, die Knochen von jedermann, ob mit oder ohne Wappen, ob reich oder arm. Der Tod macht gleich – manche macht er allerdings auch gleicher. Denn wenn es einer in den Himmel schafft, wenn eine wirklich dort oben beim Herrn ist – dann doch die Heiligen !

Da war ein Schauder, eine Aura um deren Überbleibsel, die Reliquien. Die Seele dieses Leibes war sicher geborgen beim Herrn, in Abrahams Schoß: aber hatte diese Seele nicht vorher diese Knochen belebt ? Hatten die Knochen nicht der Seele ganz konkret als Wohnung gedient ? Man fühlte sich diesen heiligen Seelen verbunden, man fühlte sich der jenseitigen Welt zum Greifen nah, war man den Reliquien nah.

Aquae Gradatae bei Aquileia in Norditalien, 304 nach Christus. Drei Kinder bzw. Jugendliche und ein Lehrer werden geköpft. Sie hatten Christen bleiben wollen, trotz der letzten und zugleich massakerreichsten Verfolgung durch den Diktator / Kaiser Diokletian. Aus guter Familie, aber verwaist, hatten sie in Rom alles verkauft und den Armen gegeben, wollten mit ihrem Mentor Protus in der Provinz untertauchen. Kurz vor dem Ziel erkannt, blieben sie ihrer Überzeugung, dem hellen Licht ihres Lebens in all der sie umgebenden römischen Barbarei treu.

Andere Opfer sind längst vergessen, ihr Staub verweht. Der Nachruhm der 3 Geschwister gründet sich darauf, dass ein Priester namens Zoelus ihren Leichen (sicher nicht risikolos) ein gemeinsames Grab zu verschaffen wusste. Den dort verwahrten Reliquien erweisen nun Gläubige seit 1706 Jahren Respekt. In Aquileia ruft man sie als Schutzpatrone der Kinder an, in Kranj (Slowenien) steht eine Kirche zu ihren Ehren – und in Hildesheim in Norddeutschland kamen an einem 1. April vor etwa 1000 Jahren einige Reliquien an. Diese Ankunft der unscheinbaren Knochen war den Menschen dort ein solches spirituelles Ereignis, dass Sie diesen Tag der Ankunft seitdem (bis heute) feiern. Ja, noch 1978 (man glaubt es kaum) wurde der neue Hochaltar der Kirche im benachbarten Söhre mit Teilen der Reliquien versehen.

Natürlich kann man darüber spotten, das macht seit Luther alle Welt, moderne Katholiken stehen da mit in der ersten Reihe: kindischer Aberglaube, schlichte Gemüter ! Es wird milde gelächelt. Als Reliquienverächter ist man zweifellos in allerbester, hochintellektueller Gesellschaft.

Wenn man aber gar nicht so oberschlau sein will, und einen dieser Anhauch aus der anderen Welt anrührt ? Wenn man die ausgestreckte Hand aus dem Himmel nicht ausschlagen will ? – Hat der Chef in seiner komischen Art nicht mal gesagt „Werdet wie die Kinder, sonst kriegt ihr nie die Kurve“ ? Und wie sieht sie aus, unsere Erwachsenenwelt ? Na ? Wie sieht sie aus ?

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Heiliger des Monats Mai 2011: Hermann-Joseph von Steinfeld
Heiliger des Monats Mai 2011: Hermann-Joseph von Steinfeld

Festtag: 21. Mai

Schutzpatron der Uhrmacher, Mechaniker und Obstbauern

„Street Credibility“, am besten schlicht mit Glaubwürdigkeit übersetzt, ist das, wofür nicht wenige Künstler, aber auch so mancher Politiker und Medienstar seine Seele verpfänden würde. Hat man sie, gehen die Leute mit einem durch dick und dünn – hat man sie nicht, bleibt man ein Papiertiger. Glaubwürdigkeit gründet sich darauf, dass man das lebt, was man sagt.

Hermann wurde fast 100 Jahre vor der Grundsteinlegung des jetzigen Kölner Doms um 1150 geboren. Seine Eltern waren verarmte Kölner Bürger, die ihrem begabten Sohn trotzdem den damals noch ganz ungewöhnlichen Schulbesuch ermöglichten. Außerdem lernt er irgendwann das Handwerk des Uhrmachers – diese riesengroßen, handgeschmiedeten Ungetüme von Turmuhren waren damals der letzte Schrei. Er hätte in diesem stark nachgefragten Mode-Beruf ein gutes Auskommen haben können. Statt dessen wird er Mönch, in Steinfeld in der Eifel.

Kein Heiliger ohne Glaubwürdigkeit. Heiligkeit definiert sich geradezu durch diese weitgehende Übereinstimmung von Herz und Leben, von Traum und Wirklichkeit. Was bei den meisten Menschen Gedanke bleibt, wird bei den Heiligen Tat.

Hermann lebt seinen inbrünstigen, tief empfundenen, ihn ganz vereinnahmenden Glauben rückhaltlos, geradezu sinnlich. Der Alltag lässt ihn kalt. Wenn er die Messe liest, lässt er das Geschehen des gewandelten Brotes so unmittelbar auf sich wirken, dass er regelmäßig in Trance fällt. Kaum einer der Mitbrüder mag ihm noch Messdiener sein. Das Heilige ist seinem offenen Herzen so nah wie die Luft, die ihn umgibt. Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.

Als Junge läuft er oft in die Kirche und redet mit Maria und dem Jesuskind wie mit Mutter und Bruder – wie recht er hat. Als er eines Tages im Überschwang seiner Zuneigung dem Jesuskind den wohlverwahrten Frühstücksapfel anbietet, streckt die Figur sich und nimmt den Apfel an – wer hätte auch widerstehen können ?

Wer heute St. Maria im Kapitol besucht, wo dies geschah, der findet fast immer einen Apfel bei der Mutter und dem Kind – ebenso in Steinfeld, am Grabmal des Hermann, den sie schließlich neckend Joseph nannten, weil er mit der Gottesmutter so selbstverständlich auf Du & Du stand.

Schöne Plätze für schöne Gebete – zum Beispiel um die Gnade, unsere allzu gepanzerten Herzen geöffnet zu bekommen: für die Liebe, die tatsächlich alles überwindet.

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Heiliger des Monats: das Fest Fronleichnam
Heiliger des Monats: das Fest Fronleichnam

Festtag: abhängig vom Ostertermin zwischen dem 21. Mai und dem 24. Juni

Vielen Menschen ist der Sinn des Festes Fronleichnam heute nicht mehr zugänglich. Am Feiertag selbst registriert man eventuell noch die Folklore, aber der Unterschied zum örtlichen Standard-Schützenvereins-Umzug erschließt sich nicht mehr so ohne weiteres.

Es gibt ältere Feste. Fronleichnam, die altdeutsche Übersetzung von Corpus Christi, wie der Tag in England immer noch heißt, kam erst in der Ritterzeit auf, im 13. Jahrhundert. Zunächst feierte man es in den Ardennen, in Lüttich – und als dann ein Lütticher Erzdiakon Papst wurde, führte er das Fest allgemein ein. Das hätte auch ein Flop werden können, aber es wurde ein ungeheurer, bis heute andauernder Erfolg.

Weltweit ist Fronleichnam der Tag, an dem Katholiken auf die Straße gehen.

Das 13. Jahrhundert sieht eine Blüte der Innerlichkeit, der Mystik, des persönlichen Gebetes, der direkten Begegnung mit Gott. Man ist nun aus dem finstersten Mittelalter heraus, die Städte wachsen und gedeihen, man strebt ganz allgemein zu Höherem – was man sogar der seinerzeit entworfenen Architektur ansieht: Kölner Dom etc.

Wo aber kann man Gott unmittelbarer erleben als im gewandelten Brot? Die Menschen sind ganz begeistert, richtiggehend hin und weg vom Sakrament der Eucharistie. An der ersten Berliner Love Parade nahmen 150 Raver teil, kurz darauf waren es Millionen. So in etwa muss man sich den Erfolg des Festes Fronleichnam vorstellen: nur das hier nicht der eigene Körper vergöttert und mit Drogen „verwöhnt“ wird, sondern Gott kommt hier zu den Menschen, zieht durch Ihre Straßen, kommt in der am Festtag empfangenen Kommunion in ihre Körper.

Eine globale Love Parade mit Reizen für alle Sinne: Musik, Lieder, Weihrauch, Blumen – und ER, die Liebe selbst, im Brot der vom Priester getragenen Hostie.

Wo sich die Geister dann natürlich fein säuberlich scheiden, da hilft Ökumene auch nicht weiter – oder wie ein Protestant einmal formulierte: „Könnte ich an die katholische Abendmahlslehre glauben, käme ich von den Knien nicht mehr hoch.“ Könnte – tscha.

Es ist ein Fest für Katholiken, da beißt keine Maus einen Faden ab – ein schön verrücktes und intensives Fest.
Und wenn´s regnet ? Normal wird gegangen, auch wenn es aus Eimern schüttet – Ihr glaubt doch nicht im Ernst, das Gott naß werden könnte ?

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Heiliger des Monats Juli 2011: Mariä Heimsuchung
Heiliger des Monats Juli 2011: Mariä Heimsuchung

Fest: 2. Juli

„Mariä Heimsuchung“ – ein altfränkischer, kaum mehr verständlicher Name für diesen Festtag der totalen Frauenpower. Was war da los in Palästina ?

Joseph hat sich mit dem Teenie Maria verbandelt und schwebt im 7. Himmel. - Aber dann: eiskalte Dusche, Tiefschlag, die ist schon schwanger, oh nein, peinlich peinlich peinlich. Das Maria ihm was vom Engel erzählen will, macht die Sache nicht besser (echt nicht). OK, den Macho wird er nicht abgeben, er ist ein cooler Typ. Statt den wilden Mann zu spielen, denkt er über einen diskreten Hinterausgang nach.

Da schwant ihm im Traum, dass das sehr junge Ding an seiner Seite vielleicht wirklich Gott mit ins Spiel gebracht hat. Krass, was tun, Josef ist fromm. Ein „Siebenmonatskind“ gäbe endloses Getratsche, das Mädchen muss aus der Schusslinie. Also packt Maria ihr Rucksäckchen und schwirrt ab, „Tante Lissy besuchen“, nun denn.

Es muss gewaltig gefunkt haben, als die Ladies sich trafen: die alte Dame, wunderbarerweise schwanger mit Johannes dem Täufer, dem Urvater aller Punks, und Girlie Mariechen, schwanger mit seinem und unser aller nicht weniger wildem Chef. Jonnyboy tobt zur Begrüßungs-Umarmung im Bauch, und die beiden Mütter in spe packt der „furor poeticus“ – laut ruft Elisabeth: „Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.“ – und Maria setzt noch eins drauf und singt auf offener Straße:

„Meine Seele preist die Größe des Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.

Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten.

Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind.
Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben
und lässt die Reichen leer ausgehen.

Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen,
das er unseren Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.“

Wow, das nenne ich knackig getextet – für revolutionäre Lyrik von solchem Kaliber kommt man in Dutzenden von Staaten auch heute noch ins Gefängnis. „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen“ – hört sich anders an als „Gott erhalte Franz den Kaiser !“ (oder Karl den Kaputten oder Ferdinand den Verdrehten oder wie die Jungs alle hießen).

„Magnificat“, wie sich das Liedchen auf Latein nennt, wurde 1.000 mal vertont (hört Euch mal was auf You Tube an), aber Gema-Gebühren kriegt Maria keine, wohin auch überweisen ? Und ist jedenfalls ewig viel besser als alles aus den letzten 20 Jahren Eurovision Song Contest Geschwurbels ! – „Mariä Heimsuchung“: so ist Religion, wenn sie schön ist.

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Heilige des Monats August 2011: Helena
Heilige des Monats August 2011: Helena

Fest: 18. August

Patronin der Archäologen und der Schatzsucher, der Stadt Trier, angerufen zur Aufdeckung von Diebstählen und alles Verborgenen

Heilige, die was taugen, sind Radikale, so oder so oder so. Mit dem industriegrau sauertöpfisch-frommen Getue mancher Kirchenkreise / Kirchengreise haben die dann so viel zu tun wie Jesus mit den päpstlichen Samtschlappen, nämlich nüscht.

Helena ist die einem recht schummrigen levantinischen Schankwirt von irgendwem unter dunklen Umständen geborene Tochter. Später führt sie selber eine derbe balkanesische Rummelbude, in der sich die Soldaten der Donaufront “entspannen“. Konni, der wildeste Haudrauf von all den unzählbaren Sandalenheinis wird ihr Dauer-Schatz: und weil er so schön brutal ist und nach 100 Schlachten immer noch lebt bringt er es zum guten Schluss tatsächlich zum römischen Kaiser. Paff pardautz, wer hätte das gedacht ! – Pech nur für Lenchen, denn die muss er nun erst mal in der Besenkammer verstecken und statt dessen eine parfümierte und frisch gebügelte höhere Tochter heiraten.

Konni sitzt in Trier und regiert so vor sich hin aber Helena denkt gar nicht dran, nur in der Eifel spazieren zu gehen und den Wölfen beim Heulen zuzuhören. Sie fuhrwerkt im Hintergrund so lange hin und her, bis die höhere Tochter ins Kabuff kommt und ihr uneheliches Söhnchen Konstantin den römischen Chef abgeben darf. Zähigkeit siegt, man hat der Beispiele mehrere.

Helena, inzwischen Christin geworden, hat viel nachzuholen und tut´s auch: als Queen Mum mit der goldenen Kreditkarte räumt sie im Heiligen Land mit der Brechstange so auf, daß es staubt, läßt Tempel abreißen und Kirchen bauen, findet das Grab Jesu, sein Kreuz, sein letztes Hemd, tonnenweise Souvenirs, es geht richtig rund. Ihr Sprössling, ganz braver Sohn der Matrona Maxima, hat die Christen inzwischen zu ehrlichen Leuten gemacht, die Antike ist vorbei, es geht Vollgas ab ins Mittelalter, Helenas Palast in Trier wird zum Dom umgebaut (und steht immer noch).

Im Nachhinein hat man an Helena viel herumgeflickt „wegen Ihrer Herkunft usw.“, alles Käse. Den Herren Klerikern war die fromme Helene wohl einfach einen Zahn zu steil – aber Jesus stand ja definitiv eher auf die ganze lebensfrohe Prolobande als auf so steifleinene Scheinheilige. – Also denn Prost auf´s Trierer Lenchen mit Riesling aus Riol – und den Deckel holen wir als Heiligenschein !!

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Heiliger des Monats September 2011: Erzengel Michael
Heiliger des Monats September 2011: Erzengel Michael

Fest: 29. September

Schutzpatron: der Deutschen, der Kirche, vieler Berufe

Am auf Pfingsten folgenden Sonntag gehen die Gottesdienstbesucher der Kirche in Uedelhoven nach der Messe nicht heimwärts, sondern sie marschieren zu einem „Heiligenhäuschen“ auf dem nahen „Hausberg“ des Eifeler Ortes. Dieses Dreifaltigkeitskapellchen ist etwas über 100 Jahre alt, und so könnte man hinter diesem Gang eine Frömmigkeitsübung des 19. Jahrhunderts sehen. Nun findet sich aber im Pfarrarchiv ein Vermerk des Pastors Thomae aus der Zeit um 1700, in der er berichtet, dass ihn seine Schäfchen gezwungen hätten, „die Procession uff den Berg zu halten“, obwohl er alternativ vorgeschlagen hatte, einfach ein paar mal um die Kirche zu laufen ...

Tatsächlich gehen die Uedelhovener seit über 2000 Jahren „uff den Berg“.

In der guten alten Zeit vor Caesar und seinen rabiaten Legionen hießen die Eifeler noch Treverer und kamen prima alleine klar. Der oberste Himmlische hieß Lenus, wurde auf den Bergen verehrt und war sowohl Kriegs- als auch Heilgott.

Die Römer, in Fremdsprachen etwa so stark wie heute unsere amerikanischen Freunde, nannten ihn Mars – und als die hügeligen Wälder zwischen Trier und Aachen christlich wurden, taufte man den geduldigen Lenus auf Erzengel Michael um. Michael-zwei-Fäuste-für-ein-Halleluja-schlag-den-Teufel, Chef der beflügelten Heerscharen, starker Arm des Herrn: passte wie Faust auf Auge.

Und so steht man denn auf dem Uedelhovener Michelsberg, im Rücken den Michelsbach, sieht reihum Bergeshöhe an Bergeshöhe, viele nah und fern heißen Michelsberg, und denkt an diesem heiligen Ort an die unglaubliche Macht der lebenden Überlieferung, diesen niemals abgerissenen Strom mündlicher Tradition – der versiegt, der zu einem Ende kommt. Einen normalen Sonntagsgottesdienst im 3. Jahrtausend besuchen etwa 60 Leute, viele davon nicht aus dem Dorf, Altersdurchschnitt über 70, außer den Meßdienern praktisch keine Kinder oder Jugendliche.

Noch 10 Jahre ? Und die gesammelte Spiritualität eines Ortes ist am Nullpunkt, wegen Reichtum geschlossen, wir sind selber Gott. – „Wer ist wie Gott ?“ rief der Engelsfürst dem Teufel als letztes Wort hinterher, „wer ist wie Gott ?“

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Heiliger des Monats Oktober 2011: Lukas
Heiliger des Monats Oktober 2011: Lukas

Fest: 18. Oktober

Patron: der Ärzte und Künstler, insbesondere der Maler und Zeichner

„Lukasgilden“ nannten sich die Vereinigungen der Kunstmaler und Zeichner in vergangenen Jahrhunderten, und bis heute ist er ihr Patron. Anlass für diese besondere Verehrung des Lukas, der ein Evangelium und die Apostelgeschichte verfasste, ist die schöne Legende, Lukas habe Maria selber in Gemälden portraitiert. Tatsächlich schildert Lukas die Gottesmutter in seinem Evangelium ausführlicher und wohlwollender als alle anderen Quellen. Das eindrucksvolle Magnifikat-Lied (siehe „Heiliger des Monats Juli 2011 Mariä Heimsuchung) gibt es sogar nur bei ihm:

„Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan.“

Man hat sehr den Eindruck, dass er die Gottesmutter persönlich gekannt und überaus geschätzt hat.

Und die Malerei ? Man weiß eigentlich gar nicht, wann und wie diese Berichte aufkamen, aber schon um 600 nach Christus ist von Marienbildern die Rede, die Lukas angefertigt haben soll. Aus dieser frühen Zeit hat z.B. die Ikone „Maria Fürsprecherin / Maria Advocata“ überlebt, die in Rom in einem Kloster der Dominikanerinnen verwahrt wird.

Na ja, sagten die Theologen lange Jahre unisono, Lukas als Pinselschwinger, nette Story, aber leider alles Quatsch. Die Jünger sind in Leinensäcken und Schlappen durch den Wüstensand geschlurft bzw. mit so besseren Tretbötchen kreuz und quer über den See Genezareth gepest und waren froh, wenn es abends was zu essen gab. Von Malerei – keine Rede, und natürlich sind auch die Evangelien erst sehr sehr spät geschrieben worden und in den Augen der Oberschlauen sowieso halbe Märchen.

In jüngerer Zeit wird an diesem Bild gekratzt. Man fragt sich, ob solche Vorstellungen nicht eher einem kräftigen mitteleuropäischem Größenwahn als biblischer Realität entsprechen ?

Unsere eigenen Vorfahren, ja die sprangen im Bärenfell den wilden Sauen im Walde hinterher – aber Palästina war als Teil des römischen Reiches doch deutlich komfortabler möbliert. Man nimmt langsam und widerstrebend zur Kenntnis, dass der Grad der Verschriftlichung zur Zeit Jesu umfassend war. Wie heute wurde jeder Blödsinn auf Papier festgehalten, an jeder Ecke kritzelte jemand einen Papyrus voll, Briefe gab es waschkorbweise. Und – die Reden noch des dusseligsten Provinz-Politikers wurden in superschneller Kurzschrift live mitgeschrieben. Warum dann nicht auch die von Jesus, dem Star-Prediger aus Nazareth, dem Straßenfeger, dem wortwörtlich tausende hinterher trabten ? Muss doch keiner meinen, die Evangelisten hätten eine Taube auf der Schulter gebraucht, die Ihnen was ins Ohr flüstert: die gingen wahrscheinlich einfach zum Pressearchiv.

Na denn, mag sein: aber geknipst wurde doch wohl noch nicht ?! – Wie man es nimmt. Im Nachbarland Ägypten, zu dem allerengste Kontakte bestanden, fanden Schatzgräber vor gut 100 Jahren nahe der auch von zehntausenden Juden bewohnten Stadt Alexandria in einer regenlosen Oase unzählige völlig realistisch und modern gemalte Portraits aus der Zeit Jesu, die man Verstorbenen mit ins Mumienpaket gewickelt hatte. Gemalt in einer Enkaustik genannten Wachsfarbentechnik, in der auch alle frühen Ikonen der Kirche gemalt sind.

Wenn es die Tradition hartnäckig überliefert, warum sollte Lukas also nicht so ein Zeichenfex gewesen sein ? Es spricht erst einmal gar nichts dagegen, dass es Gemälde seiner Hand gab (oder immer noch gibt), für die Maria tatsächlich Modell saß.

So ist das mit Legenden: manche sind einfach poetischer als die Wirklichkeit, aber manchmal ist die Wirklichkeit poetisch und trotzdem ganz real. Wir sollten uns der gelegentlichen Wahrheit der Legenden und Märchen nicht vorschnell verschließen: katholisch sein heißt, mit Geheimnissen leben zu können, den Reichtum jenseits der Grenzen des Offensichtlichen öfter mal zuzulassen. Legenden bereichern das Leben, befeuern die Phantasie – und tun der ärmlichen Schulbuchwirklichkeit nicht weh, die auf Wikipedia mittlerweile eh alle 5 Minuten umgeschrieben wird ....

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Heiliger des Monats November 2011: Martin von Tours
Heiliger des Monats November 2011: Martin von Tours

Fest: 11. November

Patron Frankreichs und zahlreicher Berufe, unter anderem der Soldaten, Weber und Schneider, der Bettler und der Gefangenen.

Martins Schicksalstag war nicht der mit dem Bettler. Da war er noch ein Teenager, nur durch Familientradition beim Militär, eigentlich im Geist schon ganz woanders. Mit der Mantelgeschichte machte er sich bei seinen Kameraden gründlich lächerlich, man verstand jetzt, der gehört nicht zu uns, Martin bekam kurz darauf seinen Abschied.

Der Tag, an dem sich vieles entscheidet, findet Martin in Trier. Obwohl ihn das Volk 14 Jahre zuvor zum Bischof von Tours gemacht hat, lebt er jetzt mit 54 Jahren noch genau so radikal arm wie immer seit dem er den Mantel teilte. Martin ist ein Menschenkenner, er weiß um die Macht des Geldes, wie sehr es das Werkzeug des Teufels ist. Keine 10 Pferde bekommen ihn aus seiner Hütte heraus in den Bischofspalast. Während der Messe verweigert er sich dem bischöflichen Thron, sitzt auf einem Holzschemel. Dem bettelnden Wanderprediger aus Galiläa folgt er nach, er meint es ernst. Das Volk verehrt ihn.

Seine Kollegen im Bischofsamt vererben ihre Posten seit Generationen in der Familie – genauer, seit Kaiser Konstantin die Bischöfe in den Rang von hohen Reichs-Beamten erhoben hat. Privilegien, viel Geld, de facto sind sie oft die Bosse ihrer Städte. Martin ist ein Kommunist für sie, sie wollen ihm am Zeug flicken, aber er ist einfach heilig, sie kommen nicht an ihn ran.

Wer noch dringender weg soll, ganz weg, sind die Anhänger und Freunde des Priscillian. Selber Bischof, predigt dieser wie Martin die Abkehr von Pomp und Protz, hält die Hingabe an fleischliche Begierden nicht für den Weg zu gutem Karma, ist Vegetarier, akzeptiert die Frauen in der Kirche als gleichberechtigt – und schreibt und spricht auch darüber, wird den fetten Prälaten gefährlich. Die lieben Mitbrüder im hohen Amt beschließen den Tod Priscillians, treffen sich in Trier mit dem Kaiser, dem sie nachfolgen, ihrem Goldesel.

Martin, der außer Gott niemanden fürchtet, kommt an diesem schrecklichen Tag dazu, redet mit dem Kaiser Tacheles, dass dem Hören und Sehen vergeht. Er muss versprechen, höchstens die Bischöfe unter den Freunden Priscillians abzusetzen – hat nicht Jesus selber gesagt, dass Unkraut soll mit dem Kraut aufwachsen, sortiert wird beim letzten Gericht?

Erst nach der Abreise Martins traut sich der Kaiser, den anderen Bischöfen ihren Spaß zu gönnen: der fromme Mitbruder Priscillian wird gefoltert und ermordet, seine Anhänger vor Sondergerichten abgeurteilt, die nebenbei auch das Vermögen der Opfer einziehen – es wird viel verdient und viel viel christliches Blut vergossen.

Martin ist entsetzt. Er wirkt weitere 15 Jahre in seiner Gemeinde, aber nie wieder besucht er auswärts einen Kirchentag, eine Versammlung. Er kann das feiste Pack nicht mehr ab. Er kennt sie jetzt. Es schüttelt ihn. Zum ersten Mal werden Priester von Priestern ermordet, der Böse fährt eine reiche Ernte ein im Garten des Herrn.

Heute tut die Amtskirche so etwas nicht. Weil sie nicht mehr will – oder weil sie nicht mehr kann ? Das sind so Fragen, die auch Bilder von babyknuddelnden Päpsten nicht beantworten. Die Kirche sollte sich ihrer aktuellen weltlichen Machtlosigkeit eigentlich herzlich freuen: das ist ja eine Chance. Fast wie damals. Auf Anfang.

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Heiliger des Monats Dezember 2011: Franz Xavier
Heiliger des Monats Dezember 2011: Franz Xavier

Fest: 3. Dezember

Patron Indiens, der Seefahrer und der Missionare

Wenn jemand alle „normalen“ Lebensziele wie Wein, Weib und Gesang, Kinder, Haus, Geld und bequemes Leben sausen lässt, sehen wir als Otto Normalverbraucher darin frustrierende Selbstverleugnung und würden uns das nicht freiwillig antun. Diese Einschätzung teilte mit uns der studierte und wohlhabende spanische Adlige Franz Xavier bis zu seinem 28. Lebensjahr uneingeschränkt und handelte auch danach. Bis ihn sein ebenfalls Franz benamster Freund aus Loyola, der spätere Gründer des Jesuitenordens, mit gescheiter geistlicher Lektüre in den Sommerurlaub schickte: und zurück kam ein neuer Mensch, ein Heiliger. So schnell geht das manchmal, wenn sich jemand frei macht, ein Ballon ohne Ballast steigt hoch.

Genau so war es Jahre vorher auch dem Heißsporn aus Loyola selbst ergangen, dem tollkühnen, todesverliebten Offizier. In einer Schlacht, in der alle Vernünftigen schon aufgeben wollten, ganz unnötig noch schwer verwundet, las er gelangweilt im Krankenbett Heiligenlegenden (weil nichts anderes da war) – und verstand: was ist der Kampf gegen warmduschende weicheirige französische Söldner im Vergleich zum Kampf gegen den Teufel selbst ? Ein Quatsch, ein Firlefanz, ein glattes Nichts !! Viel Feind, viel Ehr !!!

Franz von Loyola und seine Handvoll feuriger Mitstreitern gründen die „Gesellschaft Jesu“, den Jesuitenorden – und so ist das auch gemeint. Dieser junge Mann aus Palästina, der hatte doch gewollt, dass die Christen die Welt umkrempeln, Licht ins Dunkel bringen, die Herrschaft des Geldes brechen, den Aberglauben wegfegen (der die Menschen in so schrecklich enge Wege zwingt), die Liebe sonnenhell strahlen lassen und die Liebe zur Herrschaft bringen, ALL YOU NEED IS LOVE, brother, LET IT INTO YOUR HEART, sister !!!

Also rein ins Getümmel, wo es am dickesten ist: aus den neuen Kolonien in Afrika, Indien und weiter hinaus hört man nichts Gutes, da regieren Gewalt und Gier, da will Franz Xavier hin. Der Papst sieht das ähnlich und gibt ihm einen Titel und Briefe in die Hand.

Und was macht unser Franz Xavier jetzt ? Spielt er auf dem Schiff den dicken Prälaten der 7 Weltmeere ? Schlägt er mit seinen Vollmachten in Indien als Mini-Papst auf ? Der sich von den unterdrückten Indern in der Sänfte schaukeln und von den Kolonialbeamten bestechen lässt ?

Entgegen all den liebevoll gepflegten Vorurteilen zum Thema Kirche und Kolonisierung geht er die Sache ganz jesusmäßig an. Schon in Lissabon, wohin er zu Fuß gewandert ist, wohnt er nicht im Palazzo, sondern im Armenkrankenhaus und arbeitet dort auch. Sein Reisegepäck beschränkt sich dann auf die Klamotten am Leib und sein Gebetbuch, einen Diener lehnt er ab. Auf dem Schiff wäscht er sein Zeug selbst, kümmert sich um die einfachen Matrosen und unterrichtet sie unermüdlich, lebt von Almosen der mitreisenden Großkopferten. Glücklich in Indien angelangt, stößt er in der kleinen portugiesischen Kolonie Goa auf völlig haltlose, verrottete Zustände. Ausbeutung und Unterdrückung der Einheimischen sind der Alltag, die Europäer führen ein heilloses Lotterleben, Gemeinsinn ist ein Fremdwort.

Er erlernt mehrere Sprachen der Inder, wirkt unter ihnen und den Portugiesen täglich erfolgreich, sein Vorbild reißt einfach mit. Seine Botschaft der Liebe und der Gleichheit der Menschen aller Rassen und Hautfarben vor Gott begeistert die Menschen, tausende Inder werden Christen, Gesandte aus dem freien Indien bitten ihn hierhin und dorthin. Er bildet einheimische Missionare aus, mit ihm ist eine Apartheid nicht zu machen.

Dem portugiesischen König teilt er mit, Gott habe diesem die neue Welt nicht bloß zur Bereicherung, sondern vielmehr zum Wohle der Menschen und zur Ehre Gottes geschenkt, und wörtlich schreibt er: „Es ist mir, als hörte ich die Stimme Indiens von diesen Erdstrichen gegen den Himmel aufsteigen, klagend, dass von den Schätzen, womit es deine Schatzkammer bereichert, so wenig auf seine dringendsten Bedürfnisse verwendet werde.“ – heute würde er sich mit den Konzernen anlegen, geändert hat sich schließlich nichts.

Franz Xavier macht so weiter, der lässt sich nicht bremsen, Malaysia, Indonesien, 2 Jahre als einer der ersten Europäer in Japan, tausende Briefe mit Klartext Richtung Europa, eine Kerze, die an beiden Enden brennt, er stirbt mit gerade 48 Jahren auf einer Insel vor China.

Ein schönes Vorbild für „wenn, denn“. Kann nicht jeder, traut sich auch nicht jeder – aber halt ein viel viel schöneres Vorbild für ein Leben auf der Überholspur als all diese Pop-Stars, Film-Sternchen und Polit-Clowns, die irgendwann voller Drogen tot im Hotelzimmer, Swimmingpool oder Sportwagen liegen.

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