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Dienstag, 13. November 2012
Heilige des Monats Januar 2012: Paula von Rom
saintblog, 20:35h
Heilige des Monats Januar 2012: Paula von Rom
Fest: 26. Januar
Im 4. Jahrhundert, das Christentum war gerade verwirrend schnell aus Schmuddelecke des Untergrunds zur Staatsreligion aufgestiegen, machte sich der sprachbegabte Christ Hieronymus an eine einheitliche, im ganzen römischen Reich allen verständliche Ausgabe der Bibel. Er mußte dafür die vorhandenen lateinischen Übersetzungen auftreiben und miteinander vergleichen, sowie an Hand des griechischen bzw. hebräischen Originals eine neue, korrekte, gut benutzbare und in der Sprache klare Übersetzung herstellen. Dieses Unternehmen brauchte lange Jahre und viel Mühe, führte aber zum Erfolg: als „die Allgemeine“ (lateinisch „Vulgata“) wurde seine Übersetzung zum Bestseller und verdrängte die fehlerhaften älteren Versuche.
Insbesondere für diesen sehr verdienstvollen Geniestreich wurde Hieronymus durch die Jahrhunderte verehrt, er gilt bis heute mit Ambrosius von Mailand, Augustinus und Papst Gregor als einer der 4 lateinischen Kirchenväter, Stützen des ganzen Kirchengebäudes.
So steht das in den Geschichtsbüchern, so stimmt das auch, und keiner fragt sich, was fehlt. Wenn ich mir heute eine ebenfalls löbliche Aufgabe vornähme, z.B. die Geschichte meines kleinen Eifeldorfes mal so richtig gründlich aus den Urkunden heraus hieb- und stichfest darzustellen, wäre dieser Traum am anderen Morgen schon wieder ausgeträumt - wenn der Wecker geht, einen ins Büro ruft, Geld verdienen, schnöde Realität. Aber halt – höre ich da „Geld“? – Oh yeah, it´s money, that matters, aufgewacht Kinder, ohne Moos war auch früher nix los. Wir nähern uns der Sache mit großen Schritten.
Die Eltern einer jungen römischen Dame namens Paula stammten aus den Familien der Cornelier und Gracchen, ihr Mann war ein Julier. Die ganze Blase ist reich wie der Scheich, denen kommt seit einem halben Jahrtausend das Geld nur so aus den Ohren. Mit 22 Jahren ist Paula dann bereits Witwe und Mutter mehrerer Kinder, der Tod ist halt allgegenwärtig. Kein Problem, da kuckt man sich den nächsten Goldfasan aus und lässt es weiter krachen, in Rom gehen die Lichter nicht aus, the show must go on. Das machen die anderen Reichen so, ob Christenbub oder Heidenmädchen, warum nicht auch Paulinchen. Aber in der jungen christlichen Witwe arbeitet es, sie will sinnvoll wirken. Natürlich Breitspur, Adel verpflichtet.
Nachdem Sie eine Zeitlang die Armen Roms hartnäckig betüddelt hat (was andere ihr Leben lang machen, in Rom werden die Bettler nicht alle), lernt die mittlerweile dezent gelangweilte Paula den flotten Hieronymus kennen, der ihr erstens von seinem Bomben-Projekt „Standard-Bibel“ vorschwärmt und der zweitens unbestrittener Superstar aller frommen Damenkränzchen der Hauptstadt ist. Paula sieht sofort und glasklar das Team des Jahrhunderts vor ihrem inneren Auge: Hieronymus, der hat Ziele und Köpfchen, und sie, sie hat die Kohle.
So geht das dann: als Hieronymus ins Heilige Land zieht und in der Nähe von Bethlehem seine Denkerstirn kräuselt, wäre ihm das Denken vermutlich schnell wieder vergangen, denn „voller Bauch studiert nicht gern“, aber leerer noch viel weniger – wenn er nicht seine allesvermögende Sponsorin gehabt hätte. Paula schnappt sich eine ihrer Töchter (und ein bisschen Dienerschaft), gibt den Rest in der Kita ab und dampft nach Palästina. Sie lässt für Hieronymus und seinen Clan ein Männer- und ein Frauenkloster bauen, finanziert alles und jeden 20 Jahre lang, und wird nach ihrem Tod am 26. Januar 404 von Bischöfen in die Kirche zur Totenmesse getragen.
Ehrlicherweise sollte auf jeder der zigtausend Hieronymus-Statuen der Kirchen und Museen dieser Welt stehen „Hieronymus, gesponsert von Paula“, und auf jeder Ausgabe der Vulgata „Paula-Ausgabe, übersetzt von Hieronymus“ – man sollte überhaupt mehr über Geld reden, das fördert den Durchblick und klare Verhältnisse.
Bertold Brecht schildert in seinem Gedicht „Die Legende von der Entstehung des Buches Tao Te King auf dem Weg des Laotse in die Emigration“, wie ein Zollbeamter den des Landes verwiesenen Weisen Laotse eine Woche lang samt Diener durchfüttert, bis dieser seine Weisheit niedergeschrieben hat und schließt:
„Aber rühmen wir nicht nur den Weisen
Dessen Name auf dem Buche prangt!
Denn man muss dem Weisen seine Weisheit erst entreißen.
Drum sei der Zöllner auch bedankt
Er hat sie ihm abverlangt.“
Fest: 26. Januar
Im 4. Jahrhundert, das Christentum war gerade verwirrend schnell aus Schmuddelecke des Untergrunds zur Staatsreligion aufgestiegen, machte sich der sprachbegabte Christ Hieronymus an eine einheitliche, im ganzen römischen Reich allen verständliche Ausgabe der Bibel. Er mußte dafür die vorhandenen lateinischen Übersetzungen auftreiben und miteinander vergleichen, sowie an Hand des griechischen bzw. hebräischen Originals eine neue, korrekte, gut benutzbare und in der Sprache klare Übersetzung herstellen. Dieses Unternehmen brauchte lange Jahre und viel Mühe, führte aber zum Erfolg: als „die Allgemeine“ (lateinisch „Vulgata“) wurde seine Übersetzung zum Bestseller und verdrängte die fehlerhaften älteren Versuche.
Insbesondere für diesen sehr verdienstvollen Geniestreich wurde Hieronymus durch die Jahrhunderte verehrt, er gilt bis heute mit Ambrosius von Mailand, Augustinus und Papst Gregor als einer der 4 lateinischen Kirchenväter, Stützen des ganzen Kirchengebäudes.
So steht das in den Geschichtsbüchern, so stimmt das auch, und keiner fragt sich, was fehlt. Wenn ich mir heute eine ebenfalls löbliche Aufgabe vornähme, z.B. die Geschichte meines kleinen Eifeldorfes mal so richtig gründlich aus den Urkunden heraus hieb- und stichfest darzustellen, wäre dieser Traum am anderen Morgen schon wieder ausgeträumt - wenn der Wecker geht, einen ins Büro ruft, Geld verdienen, schnöde Realität. Aber halt – höre ich da „Geld“? – Oh yeah, it´s money, that matters, aufgewacht Kinder, ohne Moos war auch früher nix los. Wir nähern uns der Sache mit großen Schritten.
Die Eltern einer jungen römischen Dame namens Paula stammten aus den Familien der Cornelier und Gracchen, ihr Mann war ein Julier. Die ganze Blase ist reich wie der Scheich, denen kommt seit einem halben Jahrtausend das Geld nur so aus den Ohren. Mit 22 Jahren ist Paula dann bereits Witwe und Mutter mehrerer Kinder, der Tod ist halt allgegenwärtig. Kein Problem, da kuckt man sich den nächsten Goldfasan aus und lässt es weiter krachen, in Rom gehen die Lichter nicht aus, the show must go on. Das machen die anderen Reichen so, ob Christenbub oder Heidenmädchen, warum nicht auch Paulinchen. Aber in der jungen christlichen Witwe arbeitet es, sie will sinnvoll wirken. Natürlich Breitspur, Adel verpflichtet.
Nachdem Sie eine Zeitlang die Armen Roms hartnäckig betüddelt hat (was andere ihr Leben lang machen, in Rom werden die Bettler nicht alle), lernt die mittlerweile dezent gelangweilte Paula den flotten Hieronymus kennen, der ihr erstens von seinem Bomben-Projekt „Standard-Bibel“ vorschwärmt und der zweitens unbestrittener Superstar aller frommen Damenkränzchen der Hauptstadt ist. Paula sieht sofort und glasklar das Team des Jahrhunderts vor ihrem inneren Auge: Hieronymus, der hat Ziele und Köpfchen, und sie, sie hat die Kohle.
So geht das dann: als Hieronymus ins Heilige Land zieht und in der Nähe von Bethlehem seine Denkerstirn kräuselt, wäre ihm das Denken vermutlich schnell wieder vergangen, denn „voller Bauch studiert nicht gern“, aber leerer noch viel weniger – wenn er nicht seine allesvermögende Sponsorin gehabt hätte. Paula schnappt sich eine ihrer Töchter (und ein bisschen Dienerschaft), gibt den Rest in der Kita ab und dampft nach Palästina. Sie lässt für Hieronymus und seinen Clan ein Männer- und ein Frauenkloster bauen, finanziert alles und jeden 20 Jahre lang, und wird nach ihrem Tod am 26. Januar 404 von Bischöfen in die Kirche zur Totenmesse getragen.
Ehrlicherweise sollte auf jeder der zigtausend Hieronymus-Statuen der Kirchen und Museen dieser Welt stehen „Hieronymus, gesponsert von Paula“, und auf jeder Ausgabe der Vulgata „Paula-Ausgabe, übersetzt von Hieronymus“ – man sollte überhaupt mehr über Geld reden, das fördert den Durchblick und klare Verhältnisse.
Bertold Brecht schildert in seinem Gedicht „Die Legende von der Entstehung des Buches Tao Te King auf dem Weg des Laotse in die Emigration“, wie ein Zollbeamter den des Landes verwiesenen Weisen Laotse eine Woche lang samt Diener durchfüttert, bis dieser seine Weisheit niedergeschrieben hat und schließt:
„Aber rühmen wir nicht nur den Weisen
Dessen Name auf dem Buche prangt!
Denn man muss dem Weisen seine Weisheit erst entreißen.
Drum sei der Zöllner auch bedankt
Er hat sie ihm abverlangt.“
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Heiliger des Monats Februar 2012: Paul Miki
saintblog, 20:30h
Heiliger des Monats Februar 2012: Paul Miki
Fest: 6. Februar
Einer der Schutzpatrone Japans
Als am 09. August 1945 um 11:02 Uhr über der japanischen Stadt Nagasaki eine amerikanische Atombombe explodiert, ist das Hauptziel eigentlich ein Rüstungsbetrieb der Firma Mitsubishi. Tatsächlich liegt im Zentrum der alles tötenden, alles zerstörenden Explosion eine der wenigen katholischen Kirchen Japans, erst 20 Jahre zuvor fertiggestellt. Zwei Botschaften des Westens an die Welt, die spirituelle der Liebe unter den Menschen und die politische der Dominanz durch technische Überlegenheit, treffen in der Vernichtung aufeinander.
400 Jahre vor diesem Tag des Schreckens war Japan auf dem besten Weg, ein ganz und gar christlicher Staat zu werden. Nach den Anfängen durch Franz Xaver (siehe Heiliger des Monats Dezember 2011) hatten sich Jesuiten und Franziskaner sehr bemüht und die Message der Liebe, des Ausgleichs, der Gemeinschaft der Gotteskinder gefiel im Land der aufgehenden Sonne so ganz und gar, dass die Missionare mit der gewünschten Unterrichtung kaum hinterherkamen. Ganze Gegenden im Süden Japans wenden sich dem Christentum zu, von den einfachen Bauern bis hin zu den herrschenden Schichten. Gepredigt wird in der Landessprache, japanische Sitten werden integriert, einige Jahrzehnte geht das so erstaunlich friedlich.
Zwei Botschaften des Westens an die Welt – die eine will man schon, die andere jedoch nicht. Die autokratischen Militärmachthaber Japans schauen irritiert auf die südlich benachbarten Philippinen. Auch dort breitet sich das Christentum mit überwältigendem Tempo aus – aber zugleich werden diese Inseln mehr und mehr zu spanischen Kolonien. Diese Entwicklung läuft dabei weniger als Eroberung ab, die Spanier integrieren die alten Eliten in ihr System – und die Wirtschaft kommt dabei mächtig in Schwung. Importe quer über den Pazifik aus dem ebenfalls spanisch beeinflussten Mexiko, Handel mit China und ganz Südostasien, Exporte in alle Welt.
Die Bürger Japans wollen genau das auch: Christentum und mehr Wohlstand für alle durch Globalisierung. Bis hier hin ein Märchen, fast schon zu schön. Die Realität holt uns ein. Angst vor zu großem Einfluss fremder Mächte, Neid auf den neuen Reichtum der christlichen Provinzen, die Möglichkeiten purer Gewalt: der Shogun, Japans Herrscher, beschließt die Ermordung der führenden Köpfe der christlichen Gemeinden, die Ausweisung aller Ausländer, die Unterdrückung der daraufhin teils aufständischen südlichen Provinzen. Wie in den schlimmsten Zeiten des römischen Reiches ist das Christsein unter Todesstrafe verboten. In den nächsten Jahrzehnten sterben zehntausende, ein kleiner Rest (die „verborgenen Christen“) bleibt durch die Jahrhunderte beim Glauben, offenbart sich erst in freieren Zeiten.
Paul Miki, unser Heiliger des Monats, ist nur einer von vielen Märtyrern. Sein Vater, ein in Japan bekannter Kriegsheld, ist unter den ersten Getauften, sein Sohn wächst schon als Christ auf, wird Jesuit und erfolgreicher Prediger. Nach der Verhaftung treibt man ihn und zwei Dutzend andere japanische und fremde Christen unter ständigen Quälereien in bitterer Kälte von Kyoto über 900 Kilometer barfuß nach Nagasaki, der Hochburg des christlichen Japan. Dort werden sie alle am 05. Februar 1597 um 10 Uhr morgens öffentlich gekreuzigt. Trotz Ausgangssperre an diesem Tag kommen 4.000 Menschen, um mit den Märtyrern zu beten.
In der Folge isoliert sich das Land komplett, igelt sich ein, hegt und pflegt einen völlig überspannten Nationalismus (man hat ja keinen Vergleich), der im 20. Jahrhundert schließlich die Grundlage für eine Herrenmenschen-Ideologie bildet, die ganz Ostasien unter die Fuchtel zu zwingen versucht, nur in Hitler einen Verbündeten findet – und, siehe den Anfang des Artikels, katastrophal scheitert. Der lange, tödliche Bann gegen alles Christliche wirkt in Japan heute noch nach – in kaum einem Land der Welt gibt es so wenige Christen, wohl nur 1% der Bevölkerung. Gern wird heute ja „regional“ als positives Gegenbild zur bösen Globalisierung verstanden – und natürlich ist es wahr, dass das Zusammenwachsen der Welt Stress macht. Aber genau dieses Einswerden unseres blauen Planeten ist der Traum für unsere Zukunft, nicht dumpfbackig-engstirniges Hinter-dem-Ofen-hocken, schon gar nicht sich abschottender Nationalismus.
Fest: 6. Februar
Einer der Schutzpatrone Japans
Als am 09. August 1945 um 11:02 Uhr über der japanischen Stadt Nagasaki eine amerikanische Atombombe explodiert, ist das Hauptziel eigentlich ein Rüstungsbetrieb der Firma Mitsubishi. Tatsächlich liegt im Zentrum der alles tötenden, alles zerstörenden Explosion eine der wenigen katholischen Kirchen Japans, erst 20 Jahre zuvor fertiggestellt. Zwei Botschaften des Westens an die Welt, die spirituelle der Liebe unter den Menschen und die politische der Dominanz durch technische Überlegenheit, treffen in der Vernichtung aufeinander.
400 Jahre vor diesem Tag des Schreckens war Japan auf dem besten Weg, ein ganz und gar christlicher Staat zu werden. Nach den Anfängen durch Franz Xaver (siehe Heiliger des Monats Dezember 2011) hatten sich Jesuiten und Franziskaner sehr bemüht und die Message der Liebe, des Ausgleichs, der Gemeinschaft der Gotteskinder gefiel im Land der aufgehenden Sonne so ganz und gar, dass die Missionare mit der gewünschten Unterrichtung kaum hinterherkamen. Ganze Gegenden im Süden Japans wenden sich dem Christentum zu, von den einfachen Bauern bis hin zu den herrschenden Schichten. Gepredigt wird in der Landessprache, japanische Sitten werden integriert, einige Jahrzehnte geht das so erstaunlich friedlich.
Zwei Botschaften des Westens an die Welt – die eine will man schon, die andere jedoch nicht. Die autokratischen Militärmachthaber Japans schauen irritiert auf die südlich benachbarten Philippinen. Auch dort breitet sich das Christentum mit überwältigendem Tempo aus – aber zugleich werden diese Inseln mehr und mehr zu spanischen Kolonien. Diese Entwicklung läuft dabei weniger als Eroberung ab, die Spanier integrieren die alten Eliten in ihr System – und die Wirtschaft kommt dabei mächtig in Schwung. Importe quer über den Pazifik aus dem ebenfalls spanisch beeinflussten Mexiko, Handel mit China und ganz Südostasien, Exporte in alle Welt.
Die Bürger Japans wollen genau das auch: Christentum und mehr Wohlstand für alle durch Globalisierung. Bis hier hin ein Märchen, fast schon zu schön. Die Realität holt uns ein. Angst vor zu großem Einfluss fremder Mächte, Neid auf den neuen Reichtum der christlichen Provinzen, die Möglichkeiten purer Gewalt: der Shogun, Japans Herrscher, beschließt die Ermordung der führenden Köpfe der christlichen Gemeinden, die Ausweisung aller Ausländer, die Unterdrückung der daraufhin teils aufständischen südlichen Provinzen. Wie in den schlimmsten Zeiten des römischen Reiches ist das Christsein unter Todesstrafe verboten. In den nächsten Jahrzehnten sterben zehntausende, ein kleiner Rest (die „verborgenen Christen“) bleibt durch die Jahrhunderte beim Glauben, offenbart sich erst in freieren Zeiten.
Paul Miki, unser Heiliger des Monats, ist nur einer von vielen Märtyrern. Sein Vater, ein in Japan bekannter Kriegsheld, ist unter den ersten Getauften, sein Sohn wächst schon als Christ auf, wird Jesuit und erfolgreicher Prediger. Nach der Verhaftung treibt man ihn und zwei Dutzend andere japanische und fremde Christen unter ständigen Quälereien in bitterer Kälte von Kyoto über 900 Kilometer barfuß nach Nagasaki, der Hochburg des christlichen Japan. Dort werden sie alle am 05. Februar 1597 um 10 Uhr morgens öffentlich gekreuzigt. Trotz Ausgangssperre an diesem Tag kommen 4.000 Menschen, um mit den Märtyrern zu beten.
In der Folge isoliert sich das Land komplett, igelt sich ein, hegt und pflegt einen völlig überspannten Nationalismus (man hat ja keinen Vergleich), der im 20. Jahrhundert schließlich die Grundlage für eine Herrenmenschen-Ideologie bildet, die ganz Ostasien unter die Fuchtel zu zwingen versucht, nur in Hitler einen Verbündeten findet – und, siehe den Anfang des Artikels, katastrophal scheitert. Der lange, tödliche Bann gegen alles Christliche wirkt in Japan heute noch nach – in kaum einem Land der Welt gibt es so wenige Christen, wohl nur 1% der Bevölkerung. Gern wird heute ja „regional“ als positives Gegenbild zur bösen Globalisierung verstanden – und natürlich ist es wahr, dass das Zusammenwachsen der Welt Stress macht. Aber genau dieses Einswerden unseres blauen Planeten ist der Traum für unsere Zukunft, nicht dumpfbackig-engstirniges Hinter-dem-Ofen-hocken, schon gar nicht sich abschottender Nationalismus.
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Heiliger des Monats März 2012: Gregor von Nyssa
saintblog, 20:23h
Heiliger des Monats März 2012: Gregor von Nyssa
Fest: 9. März
Dieser junge Mann hat seinen eigenen Kopf. Die Familie lebt im Osten des römischen Reichs, in Kleinasien, der heutigen Türkei, ist ausnehmend fromm, stellt allein in Gregors Zeit gleich mehrere Heilige. Gregor setzt durch, eine gediegene heidnische Ausbildung zu erhalten, wird unter Protest aller Verwandten Lehrer der Rhetorik, und zur Krönung heiratet er dann auch noch. Teenager allein unter Heiligen, wie krass ist das?
Natürlich kriegen sie ihn schließlich doch. Er wird Priester (verheiratet, wie er ist, immer schön locker bleiben) und mit 41 Bischof der Stadt Nyssa - was all seine Freunde und Brüder schon zu sein scheinen, nämlich Bischof, jede Stadt hatte damals einen eigenen, der Job war nicht so kurios wie heute.
Gregor hält wacker zum rechten Glauben, der Ketzerei des Arianismus gibt er auch dann keinen Fußbreit nach, als eine selbst arianische Obrigkeit Druck macht. Seine umfassende Bildung sorgt dafür, dass seinen Büchern Beachtung und Respekt gezollt wird – im Nachhinein zählt man ihn mit Gregor von Nazianz und Basilius dem Großem zu den „drei kappadozischen Vätern“. Er stirbt, mit dem Titel „Metropolit“ geehrt und nachdem er noch nach Palästina gewallfahrtet ist, im damals hohen Alter von knapp 70 Jahren.
Schön schön das alles, aber auch lange her. Bei Gregor von Nyssa ist nicht spannend, wie er lebte, sehr wohl aber, was er lehrte.
Gregor ist einer der wenigen Denker in der ganzen Kirchengeschichte, der sich traut, das heiße Eisen der Apokatastasis anzufassen. Das vielsilbige griechische Wort heißt übersetzt „Wiederherstellung“, und gemeint ist die Wiederherstellung der gesamten Schöpfung am Ende aller Zeiten. Gregor lehrt, dass dann, eines fernen Tages, in Gott alles wieder heil wird. Alles geht am Anfang aus Gott hervor, alles kehrt am Ende zu Gott zurück, und fertig ist die Laube.
Hört sich für den Laien logisch und nicht weiter spektakulär an – aber dem gewieften Fundamentaltheologen fehlt da was: das ewige Feuer, die Hölle! Hat sich Jesus nicht selber mehrfach deutlich zum Thema geäußert? Gott ist die Liebe, aber Gott ist auch die Gerechtigkeit: und jeder kriegt was er verdient, am Tag der Ernte wird das Unkraut aussortiert und verbrannt, zack basta. Oh die schöne Hölle, die lassen sich die Sauertöpfe und Selbstgerechten, die Normübererfüller und Helden der Arbeit im Weinberg des Herrn nicht nehmen – mit einem Wort, die Pharisäer, die ja hier auf Erden schon wissen, dass sie in den Himmel kommen werden, die haben ihre Karten wohl aus dem Vorverkauf.
Gregor steht mit seinen Gedanken in der Nachfolge des großen Theologen Origines, der hauptsächlich wegen der unaussprechlichen Apokatastasis nach seinem Tod in den Bann getan wurde, was auch ein Verbot seiner Bücher nach sich zog. Gregor glaubt einfach nicht an einen ziellos strafenden Gott, einen ohne sinnvolles Ende strafenden Gott. Gregor lehrt, dass auch die Hölle mit all ihren Schrecken letztlich der Läuterung, der Klärung dienen müsse. Alle Seelen kommen von Gott, sind von Gott gewollt – und freier Wille zum Guten oder Bösen hin oder her, zu guter letzt kommt alles von Gott und will zu Gott zurück. Die Hölle ist schmerzlich und langwährend, aber nicht ewig. Ewig ist nicht einmal der Widersacher, der gefallene Engel. Ewig, das heißt außer, vor und nach aller Zeit ist nur Gott, und ganz allein Gott. „Wer ist wie Gott?“ ruft Michael dem Ex-Kollegen Lucifer hinterher. Eben. Keiner.
Origines Bücher wurden verbrannt, Gregor wurde nur gelegentlich getadelt. Die Masse der Theologen drückt sich seitdem um eine Antwort. Dabei ist die Sache nicht so theoretisch und abgefahren, wie es zunächst den Anschein haben mag. Betrachtet man die Hölle mit Gregor als eine Antwort auf das tatsächlich geschehene Böse, also als eine Folge des freien Willens der Menschen, die aber letztlich zeitlich begrenzt ist, so betont man die Liebe Gottes, neben der zum guten Schluss kein anderes Prinzip bestehen kann.
Vertritt man dagegen die offizielle Lesart der nicht endenden Hölle, etabliert man „in alle Ewigkeit“ neben dem liebenden Gott eine zweite, dunkle Welt – so eine Art Katholen-Guantanamo.
„Roma locuta, causa finita“ – Rom hat gesprochen, die Sache ist erledigt, das genügt den meisten. Trotzdem schön, in Gregor einen Patron der Querdenker zu haben – denn ohne Querdenker, die auch mal einfach rechts am Stau vorbeifahren, ginge es ja noch langsamer vorwärts.
Fest: 9. März
Dieser junge Mann hat seinen eigenen Kopf. Die Familie lebt im Osten des römischen Reichs, in Kleinasien, der heutigen Türkei, ist ausnehmend fromm, stellt allein in Gregors Zeit gleich mehrere Heilige. Gregor setzt durch, eine gediegene heidnische Ausbildung zu erhalten, wird unter Protest aller Verwandten Lehrer der Rhetorik, und zur Krönung heiratet er dann auch noch. Teenager allein unter Heiligen, wie krass ist das?
Natürlich kriegen sie ihn schließlich doch. Er wird Priester (verheiratet, wie er ist, immer schön locker bleiben) und mit 41 Bischof der Stadt Nyssa - was all seine Freunde und Brüder schon zu sein scheinen, nämlich Bischof, jede Stadt hatte damals einen eigenen, der Job war nicht so kurios wie heute.
Gregor hält wacker zum rechten Glauben, der Ketzerei des Arianismus gibt er auch dann keinen Fußbreit nach, als eine selbst arianische Obrigkeit Druck macht. Seine umfassende Bildung sorgt dafür, dass seinen Büchern Beachtung und Respekt gezollt wird – im Nachhinein zählt man ihn mit Gregor von Nazianz und Basilius dem Großem zu den „drei kappadozischen Vätern“. Er stirbt, mit dem Titel „Metropolit“ geehrt und nachdem er noch nach Palästina gewallfahrtet ist, im damals hohen Alter von knapp 70 Jahren.
Schön schön das alles, aber auch lange her. Bei Gregor von Nyssa ist nicht spannend, wie er lebte, sehr wohl aber, was er lehrte.
Gregor ist einer der wenigen Denker in der ganzen Kirchengeschichte, der sich traut, das heiße Eisen der Apokatastasis anzufassen. Das vielsilbige griechische Wort heißt übersetzt „Wiederherstellung“, und gemeint ist die Wiederherstellung der gesamten Schöpfung am Ende aller Zeiten. Gregor lehrt, dass dann, eines fernen Tages, in Gott alles wieder heil wird. Alles geht am Anfang aus Gott hervor, alles kehrt am Ende zu Gott zurück, und fertig ist die Laube.
Hört sich für den Laien logisch und nicht weiter spektakulär an – aber dem gewieften Fundamentaltheologen fehlt da was: das ewige Feuer, die Hölle! Hat sich Jesus nicht selber mehrfach deutlich zum Thema geäußert? Gott ist die Liebe, aber Gott ist auch die Gerechtigkeit: und jeder kriegt was er verdient, am Tag der Ernte wird das Unkraut aussortiert und verbrannt, zack basta. Oh die schöne Hölle, die lassen sich die Sauertöpfe und Selbstgerechten, die Normübererfüller und Helden der Arbeit im Weinberg des Herrn nicht nehmen – mit einem Wort, die Pharisäer, die ja hier auf Erden schon wissen, dass sie in den Himmel kommen werden, die haben ihre Karten wohl aus dem Vorverkauf.
Gregor steht mit seinen Gedanken in der Nachfolge des großen Theologen Origines, der hauptsächlich wegen der unaussprechlichen Apokatastasis nach seinem Tod in den Bann getan wurde, was auch ein Verbot seiner Bücher nach sich zog. Gregor glaubt einfach nicht an einen ziellos strafenden Gott, einen ohne sinnvolles Ende strafenden Gott. Gregor lehrt, dass auch die Hölle mit all ihren Schrecken letztlich der Läuterung, der Klärung dienen müsse. Alle Seelen kommen von Gott, sind von Gott gewollt – und freier Wille zum Guten oder Bösen hin oder her, zu guter letzt kommt alles von Gott und will zu Gott zurück. Die Hölle ist schmerzlich und langwährend, aber nicht ewig. Ewig ist nicht einmal der Widersacher, der gefallene Engel. Ewig, das heißt außer, vor und nach aller Zeit ist nur Gott, und ganz allein Gott. „Wer ist wie Gott?“ ruft Michael dem Ex-Kollegen Lucifer hinterher. Eben. Keiner.
Origines Bücher wurden verbrannt, Gregor wurde nur gelegentlich getadelt. Die Masse der Theologen drückt sich seitdem um eine Antwort. Dabei ist die Sache nicht so theoretisch und abgefahren, wie es zunächst den Anschein haben mag. Betrachtet man die Hölle mit Gregor als eine Antwort auf das tatsächlich geschehene Böse, also als eine Folge des freien Willens der Menschen, die aber letztlich zeitlich begrenzt ist, so betont man die Liebe Gottes, neben der zum guten Schluss kein anderes Prinzip bestehen kann.
Vertritt man dagegen die offizielle Lesart der nicht endenden Hölle, etabliert man „in alle Ewigkeit“ neben dem liebenden Gott eine zweite, dunkle Welt – so eine Art Katholen-Guantanamo.
„Roma locuta, causa finita“ – Rom hat gesprochen, die Sache ist erledigt, das genügt den meisten. Trotzdem schön, in Gregor einen Patron der Querdenker zu haben – denn ohne Querdenker, die auch mal einfach rechts am Stau vorbeifahren, ginge es ja noch langsamer vorwärts.
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Heiliger des Monats Mai 2012 Athanasius von Alexandria
saintblog, 20:17h
Heiliger des Monats Mai 2012 Athanasius von Alexandria
Festtag: 02. Mai
Patron und Helfer der Menschen, die unter Kopfschmerzen leiden (Denken kann anstrengend sein)
Athanasius ist ab 328 nach Christus fast ein halbes Jahrhundert lang Erzbischof und Patriarch von Alexandrien in Ägypten, davon insgesamt 17 Jahre auf der Flucht und im Exil. Alexandrien, nach dem Niedergang Athens die intellektuelle Hauptstadt der Antike, an deren Unis die Kugelgestalt der Erde und die Unbeweglichkeit der Sonne im Zentrum der um sie kreisenden Planeten gelehrt wird. Dessen Ingenieure sich selbst öffnende, automatische Türen bauen und die Dampfmaschine auf dem Papier entwerfen, ja durch raffinierte optische Spiegelapparaturen den heidnischen Tempeln spektakulär-kinomäßige Götterauftritte „hinzaubern“.
Diese Metropolis der Antike, dieser kochende Melting Pot, wo Chinesen und Südafrikaner auf Norweger und Araber treffen, wo Ideen, Waren, Menschen gehandelt werden, deren berüchtigte „mean streets“ die Londoner Unruhen von 2011 zum Waldorf-Kindergarten-Ausflug deklassieren. Pogrome, Rassen- und Religionskrawalle mit tausenden von Toten, Aufstände der Verlierer der Globalisierung gegen die Superreichen, eine extrem gereizte politische Stimmung. Über den Hafen dieser Stadt erhält das fette Rom seinen Weizen: die Kaiser fürchten diese Stadt wie keine zweite, schon ihren Ahn Caesar hat sie fast das Leben gekostet, sein Gegener Antonius stürzt sich hier ins Schwert.
Diesem Hexenkessel steht Athanasius kirchlich vor, und kann sich nicht einen Tag seines Lebens sicher sein. Schon als Sekretär des vorigen Erzbischofs hat er energisch gegen die Arianer gekämpft, hat er dieser überwältigend erfolgreichen Sekte keinen Zentimeter Boden preisgegeben. Aber sein Posten scheint verloren, selbst die Kaiser neigen der Irrlehre zu, er wird vertrieben und herumgeschubst sein Leben lang.
Kern und Angelpunkt des Arianismus ist eine klare Botschaft: Jesus Christus war nicht Gott gleich. Irgendwie ähnlich schon, man verliert sich da in Spitzfindigkeiten, aber halt nicht gleich. Die schwer vermittelbare, wirklich revolutionäre Botschaft des Neuen Tesatmentes, das Gott selbst Mensch wurde, das Gott selbst sich klein machte, ein hilfloses Baby in Windeln, am Schluß gequält und gekreuzigt, dann aus eigener Machtvollkommenheit wieder auferstanden, das kreatürliche „Fressen und Gefressenwerden“, den Tod, besiegend, hautnah an uns Menschen dran – wird umfrisiert in eine Lehre, die einen entfernten Gott kennt, der weit weg von den Menschen ist, dann einen Gesandten schickt, na ja.
Der Arianismus gefällt besonders den Eliten: denn nur wenn Gott selbst sich klein macht, muß man sich auch selber klein machen wollen, nur wenn Gott selbst sich hingab, muß man zum Opfer bereit sein. Wenn Jesus dagegen nur ein Gesandter war, läßt sich ungestörter regieren, aussaugen, unterdrücken – ja, man kann sich als Kaiser dann leicht selber zum Gesandten stilisieren, zum gerade aktuellen Vertreter des den Menschen unerreichbaren Gottes. Die Kaiser lieben diese Idee, die germanischen Haudraufheerführer nicht weniger: dieser ganze erzlästige demutsvolle Fußwaschungskram kommt in die Mottenkiste. - Das Christentum ist in Gefahr, innerhalb von wenigen Jahrem im Sumpf des spätantiken Religionsbreis zu versinken, zu gut für diese Welt, und ab dafür.
In Konstantinopel und Rom ist man zu nah an den Herrschern dran, die größte Last des Widerstands liegt auf den Schultern des Athanasius. Schon kurz nach seinem Amtsantritt steht die Situation auf Messers Schneide, vielen scheint die Sache entschieden. Athanasius setzt sein Leben, die Kirche, einfach alles auf eine Karte, seine letzte Karte, genauer gesagt: auf einen Old-School-Punk.
Tief in der Wüste südlich Alexandriens lebt Antonius, fast 80, 105 soll er werden, verehrt wie kein anderer Mensch, der legendenumwobene Vater der Mönche, voll schwarzen Humors und struppigen Haars, niemanden fürchtend, einem Kaiser auf dessen Befehl zur Reise nach Konstantinopel hin antwortend, „nein, keine Chance, ein Mönch gehört der Wildnis, nicht der Stadt, ich bleibe, wo ich bin“, diesen Antonius besucht Athanasius in seiner Einöde, seiner totalen Armut, seiner Hingabe an den Herrn. Er schildert ihm den verzweifelten Ernst der Lage, die beiden beten tagelang zusammen, und das Wunder geschieht: Antonius verläßt die Wüste und folgt Athanasius für eine Zeit in den Sündenpfuhl.
Dieser Coup überwältigt die begeisterungsfähigen Alexandrier, die Stimmung kippt, alles glüht für Athanasius. Wenn Antonius, der lebende Heilige, für ihn ist, dann sind sie es auch. Die nächsten Jahrzehnte kann sich ihr Erzbischof auf seine Schäflein verlassen, durch dick und dünn stehen sie zur Orthodoxie, zum schwierigen, fordernden, rechten Glauben.
Athanasius, uns Heutigen ein vergessener Name vergangener Tage, wird später mit dem Ehrentitel „Säule der Kirche“ benannt. Tatsächlich sind es nur eine Handvoll Menschen, die das Steuer herumreißen, die den Bau vor dem Einsturz bewahren, vor der Entsorgung auf der riesigen Müllhalde der spätantiken Beliebigkeit, den Glauben retten vorm endlosen, fruchtlosen esoterischen Spintisieren.
Die neuere Geschichtsschreibung hört so etwas nicht gerne. Soziale Entwicklungen sind am Werk, ökonomische Strömungen, Klassengegensätze. - Aber, Geschichte ist Geschichte von Menschen, Geschichte wird gemacht, jeden Tag, von uns.
Festtag: 02. Mai
Patron und Helfer der Menschen, die unter Kopfschmerzen leiden (Denken kann anstrengend sein)
Athanasius ist ab 328 nach Christus fast ein halbes Jahrhundert lang Erzbischof und Patriarch von Alexandrien in Ägypten, davon insgesamt 17 Jahre auf der Flucht und im Exil. Alexandrien, nach dem Niedergang Athens die intellektuelle Hauptstadt der Antike, an deren Unis die Kugelgestalt der Erde und die Unbeweglichkeit der Sonne im Zentrum der um sie kreisenden Planeten gelehrt wird. Dessen Ingenieure sich selbst öffnende, automatische Türen bauen und die Dampfmaschine auf dem Papier entwerfen, ja durch raffinierte optische Spiegelapparaturen den heidnischen Tempeln spektakulär-kinomäßige Götterauftritte „hinzaubern“.
Diese Metropolis der Antike, dieser kochende Melting Pot, wo Chinesen und Südafrikaner auf Norweger und Araber treffen, wo Ideen, Waren, Menschen gehandelt werden, deren berüchtigte „mean streets“ die Londoner Unruhen von 2011 zum Waldorf-Kindergarten-Ausflug deklassieren. Pogrome, Rassen- und Religionskrawalle mit tausenden von Toten, Aufstände der Verlierer der Globalisierung gegen die Superreichen, eine extrem gereizte politische Stimmung. Über den Hafen dieser Stadt erhält das fette Rom seinen Weizen: die Kaiser fürchten diese Stadt wie keine zweite, schon ihren Ahn Caesar hat sie fast das Leben gekostet, sein Gegener Antonius stürzt sich hier ins Schwert.
Diesem Hexenkessel steht Athanasius kirchlich vor, und kann sich nicht einen Tag seines Lebens sicher sein. Schon als Sekretär des vorigen Erzbischofs hat er energisch gegen die Arianer gekämpft, hat er dieser überwältigend erfolgreichen Sekte keinen Zentimeter Boden preisgegeben. Aber sein Posten scheint verloren, selbst die Kaiser neigen der Irrlehre zu, er wird vertrieben und herumgeschubst sein Leben lang.
Kern und Angelpunkt des Arianismus ist eine klare Botschaft: Jesus Christus war nicht Gott gleich. Irgendwie ähnlich schon, man verliert sich da in Spitzfindigkeiten, aber halt nicht gleich. Die schwer vermittelbare, wirklich revolutionäre Botschaft des Neuen Tesatmentes, das Gott selbst Mensch wurde, das Gott selbst sich klein machte, ein hilfloses Baby in Windeln, am Schluß gequält und gekreuzigt, dann aus eigener Machtvollkommenheit wieder auferstanden, das kreatürliche „Fressen und Gefressenwerden“, den Tod, besiegend, hautnah an uns Menschen dran – wird umfrisiert in eine Lehre, die einen entfernten Gott kennt, der weit weg von den Menschen ist, dann einen Gesandten schickt, na ja.
Der Arianismus gefällt besonders den Eliten: denn nur wenn Gott selbst sich klein macht, muß man sich auch selber klein machen wollen, nur wenn Gott selbst sich hingab, muß man zum Opfer bereit sein. Wenn Jesus dagegen nur ein Gesandter war, läßt sich ungestörter regieren, aussaugen, unterdrücken – ja, man kann sich als Kaiser dann leicht selber zum Gesandten stilisieren, zum gerade aktuellen Vertreter des den Menschen unerreichbaren Gottes. Die Kaiser lieben diese Idee, die germanischen Haudraufheerführer nicht weniger: dieser ganze erzlästige demutsvolle Fußwaschungskram kommt in die Mottenkiste. - Das Christentum ist in Gefahr, innerhalb von wenigen Jahrem im Sumpf des spätantiken Religionsbreis zu versinken, zu gut für diese Welt, und ab dafür.
In Konstantinopel und Rom ist man zu nah an den Herrschern dran, die größte Last des Widerstands liegt auf den Schultern des Athanasius. Schon kurz nach seinem Amtsantritt steht die Situation auf Messers Schneide, vielen scheint die Sache entschieden. Athanasius setzt sein Leben, die Kirche, einfach alles auf eine Karte, seine letzte Karte, genauer gesagt: auf einen Old-School-Punk.
Tief in der Wüste südlich Alexandriens lebt Antonius, fast 80, 105 soll er werden, verehrt wie kein anderer Mensch, der legendenumwobene Vater der Mönche, voll schwarzen Humors und struppigen Haars, niemanden fürchtend, einem Kaiser auf dessen Befehl zur Reise nach Konstantinopel hin antwortend, „nein, keine Chance, ein Mönch gehört der Wildnis, nicht der Stadt, ich bleibe, wo ich bin“, diesen Antonius besucht Athanasius in seiner Einöde, seiner totalen Armut, seiner Hingabe an den Herrn. Er schildert ihm den verzweifelten Ernst der Lage, die beiden beten tagelang zusammen, und das Wunder geschieht: Antonius verläßt die Wüste und folgt Athanasius für eine Zeit in den Sündenpfuhl.
Dieser Coup überwältigt die begeisterungsfähigen Alexandrier, die Stimmung kippt, alles glüht für Athanasius. Wenn Antonius, der lebende Heilige, für ihn ist, dann sind sie es auch. Die nächsten Jahrzehnte kann sich ihr Erzbischof auf seine Schäflein verlassen, durch dick und dünn stehen sie zur Orthodoxie, zum schwierigen, fordernden, rechten Glauben.
Athanasius, uns Heutigen ein vergessener Name vergangener Tage, wird später mit dem Ehrentitel „Säule der Kirche“ benannt. Tatsächlich sind es nur eine Handvoll Menschen, die das Steuer herumreißen, die den Bau vor dem Einsturz bewahren, vor der Entsorgung auf der riesigen Müllhalde der spätantiken Beliebigkeit, den Glauben retten vorm endlosen, fruchtlosen esoterischen Spintisieren.
Die neuere Geschichtsschreibung hört so etwas nicht gerne. Soziale Entwicklungen sind am Werk, ökonomische Strömungen, Klassengegensätze. - Aber, Geschichte ist Geschichte von Menschen, Geschichte wird gemacht, jeden Tag, von uns.
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Heiliger des Monats April 2012: Georg
saintblog, 20:08h
Heiliger des Monats April 2012: Georg
Festtag: 23. April
Schutzpatron: der Soldaten und unzähliger Berufe, Nationalheiliger Englands, Byzanz, Äthiopiens, Georgiens, Serbiens, Griechenlands, Aragoniens und Kataloniens
Die Geschichte des heiligen Georg ist von Legenden durchdrungen und überwuchert wie mancher Maya-Tempel vom Dschungel. Im Kern ist er ein Retter, der strahlende Ritter auf dem weißen Roß, eine Lichtgestalt.
Ein böser Drache belagert eine Stadt, verseucht umher alles mit seinem Pesthauch. Täglich opfert man ihm Schafe, als es keine mehr gibt, Menschen. Irgendwann trifft das Los auch die junge schöne Königstochter Margarete. Sie geht hinaus zu dem Untier, aber rechtzeitig erscheint Georg, besiegt den Drachen, bekehrt die Stadt zum Christentum und reitet einsam fort in den Sonnenuntergang, wie sich das für Westernhelden so gehört.
Eine archetypische Situation: im Angesicht des Bösen sind die Menschen feige. Nacheinander lassen sie sich abschlachten, statt gemeinsam aufzustehen und sich zu wehren. Es braucht das Erscheinen des „Leitwolfs“, um ihren Kleinmut in neue Lebenskraft zu verwandeln.
In dem Western „High Noon“ des Regisseurs Fred Zinnemann, der als emigrierter österreichischer Jude seine eigenen Ideen zum Thema hatte, flieht der Held vor den anrückenden Bösen auf Anraten seiner Frau zunächst – um dann kehrt zu machen und „zu tun, was ein Mann eben tun muß“.
Es gibt Heilige, die das Opfer leben – wie Pater Maximilian Kolbe, der sein Leben für das eines anderen gibt - und Jesus selbst, der im Moment der Festnahme zu seinem schon dreinhauenden Bodyguard sagt: „Steck das Schwert zurück. Wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert sterben.“
Und natürlich ist das alles wahr. Gewalt erzeugt Gegengewalt, wo gehobelt wird, fallen Späne. Wenn heutzutage unsere amerikanischen Waffenbrüder einen Drachen töten, färbt das Blut der „Kollateralschäden“ die Flüsse rot.
Es gibt keine blütenweiße, saubere Antwort. Haudraufs wie der heilige Georg haben die Welt von so einigen Bestien befreit – zum Vorteil der Stillen im Lande. Wer nichts macht, macht auch nichts verkehrt. Ich persönlich glaube nicht, daß Gott dem Georg Elser Vorhaltungen gemacht hat, weil er auf den Spuren seines Namenspatrons versuchte, den bösen Drachen Hitler in die Luft zu sprengen – und durch unglückliche Umstände stattdessen Unschuldige erwischte. Achselzucken wird ER, der Chef, und john-wayne-mäßig sagen: „Irgendwann stirbt jeder – was zählt ist, als was.“
Der heilige Georg wurde schließlich geköpft.
Festtag: 23. April
Schutzpatron: der Soldaten und unzähliger Berufe, Nationalheiliger Englands, Byzanz, Äthiopiens, Georgiens, Serbiens, Griechenlands, Aragoniens und Kataloniens
Die Geschichte des heiligen Georg ist von Legenden durchdrungen und überwuchert wie mancher Maya-Tempel vom Dschungel. Im Kern ist er ein Retter, der strahlende Ritter auf dem weißen Roß, eine Lichtgestalt.
Ein böser Drache belagert eine Stadt, verseucht umher alles mit seinem Pesthauch. Täglich opfert man ihm Schafe, als es keine mehr gibt, Menschen. Irgendwann trifft das Los auch die junge schöne Königstochter Margarete. Sie geht hinaus zu dem Untier, aber rechtzeitig erscheint Georg, besiegt den Drachen, bekehrt die Stadt zum Christentum und reitet einsam fort in den Sonnenuntergang, wie sich das für Westernhelden so gehört.
Eine archetypische Situation: im Angesicht des Bösen sind die Menschen feige. Nacheinander lassen sie sich abschlachten, statt gemeinsam aufzustehen und sich zu wehren. Es braucht das Erscheinen des „Leitwolfs“, um ihren Kleinmut in neue Lebenskraft zu verwandeln.
In dem Western „High Noon“ des Regisseurs Fred Zinnemann, der als emigrierter österreichischer Jude seine eigenen Ideen zum Thema hatte, flieht der Held vor den anrückenden Bösen auf Anraten seiner Frau zunächst – um dann kehrt zu machen und „zu tun, was ein Mann eben tun muß“.
Es gibt Heilige, die das Opfer leben – wie Pater Maximilian Kolbe, der sein Leben für das eines anderen gibt - und Jesus selbst, der im Moment der Festnahme zu seinem schon dreinhauenden Bodyguard sagt: „Steck das Schwert zurück. Wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert sterben.“
Und natürlich ist das alles wahr. Gewalt erzeugt Gegengewalt, wo gehobelt wird, fallen Späne. Wenn heutzutage unsere amerikanischen Waffenbrüder einen Drachen töten, färbt das Blut der „Kollateralschäden“ die Flüsse rot.
Es gibt keine blütenweiße, saubere Antwort. Haudraufs wie der heilige Georg haben die Welt von so einigen Bestien befreit – zum Vorteil der Stillen im Lande. Wer nichts macht, macht auch nichts verkehrt. Ich persönlich glaube nicht, daß Gott dem Georg Elser Vorhaltungen gemacht hat, weil er auf den Spuren seines Namenspatrons versuchte, den bösen Drachen Hitler in die Luft zu sprengen – und durch unglückliche Umstände stattdessen Unschuldige erwischte. Achselzucken wird ER, der Chef, und john-wayne-mäßig sagen: „Irgendwann stirbt jeder – was zählt ist, als was.“
Der heilige Georg wurde schließlich geköpft.
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Heiliger des Monats Juni 2012 Apostel Petrus
saintblog, 19:59h
Heiliger des Monats Juni 2012 Apostel Petrus
Festtag: 29. Juni
Schutzpatron von Rom, Berlin und Trier, der Schlosser und Fischer, der reuigen Sünder, aller Wettererscheinungen, der Päpste und der Kirche – und dieses tapferen Bloggers.
Im 1875 erschienenen vierten Band von Stadlers „Vollständigem Heiligen=Lexikon“ heißt es über Petrus: „Ohne alle gelehrte Bildung, aber von Natur aus frisch und feurig, und wie sein Bruder Andreas für alle religiösen Eindrücke empfänglich, hörte er in der Wüste die Predigten des hl. Johannes des Täufers und ließ sich unter seine Jünger aufnehmen.“
Oh je, das muß man zu Ende denken. Ein junger Mann, der sich zusammen mit seiner Frau, seinem Bruder und seinen Freunden eigene Gedanken darüber macht, warum wir Menschen so sind, wie wir sind. Dem die Antworten und die Repräsentanten der Amtskirche lächerlich, verkalkt und vorgestrig, ja bösartig erscheinen. Der weiteren, ermüdenden Diskussionen mit den denkfaulen, tranigen Mitgläubigen seiner Ortsgemeinde nichts mehr abgewinnen kann, sich statt dessen zu Johannes begibt, dem König der Punks, der frech wie Rotz den Kirchenoberen sagt, was sie sind: nichts als eingebildete, aufgeblasene Fatzkes, die auf Fassade stehen, aber hinter der Fassade finden sich nur stinkende, faulende Gräber: ja „Schlangenbrut“ nennt er die selbsternannten „Frommen“, tödliche Nester der Lieblosigkeit, Hindernisse auf dem Weg zum Guten.
„Von Natur aus frisch und feurig“, begeistert er sich von Anfang an für diesen atemberaubenden Propheten Jesus, zu dem Johannes ihn schickt. Der noch krasser, noch klarer sagt, was zählt in eines Menschen Leben, und was nicht. Er verfällt Jesus mit Haut und Haaren, hängt an seinen Lippen, behütet ihn mit dem ihm eigenen praktischen Sinn des harten, ländlichen Gang-Leaders wie ein älterer Bruder seinen gedichteschreibenden, feinsinnigen, aus der Art geschlagenen jüngeren Bruder beschützt, der halt einfach zu gut ist für diese Welt. Als dieser geliebte Spinner dann zum ersten Mal vor anderen Leuten davon spricht, daß er bald sterben müsse, zieht ihn Petrus raus aus der Runde und verbietet ihm nachdrücklich, so einen Quatsch zu erzählen, was soll der Unsinn, jetzt langts aber, warum machen wir uns die ganze Mühe mit Dir. - Heute würde er den Kleinen ungefragt zur Therapie anmelden: was zu weit geht, geht zu weit. - Jesus schimpft und wird frech, na soll er nur, der fängt sich schon wieder.
Als die Dinge aus dem Ruder laufen, ist es Petrus, der sich bewaffnet, der das Schwert auch zieht, der Blut fließen läßt, der das ganze Lumpenpack gern erschlagen hätte – aber das Weichei will nicht, gibt nach, läßt sich umbringen, mein Gott.
Dieser frische und feurige Petrus wird mit seinem Organisationstalent der Begründer der neuen Kirche des Jesus, ist nach den wilden Osterereignissen und der alles verändernden Geist-Verleihung an Pfingsten komplett unstoppable, er packt den Wolf an den Ohren, wirkt mitten in Rom im Herzen der Finsternis, wird dort unter dem irren Diktator Nero ermordet, aber seine Schülerinnen und Schüler machen weiter.
Und da, auf dem Grab dieses begeisterten Menschen, der die gegen alle Konventionen gerichtete Flower-Power-Liebes-Message des einfach wunderbaren Jesus nach Europa gebracht hat, thront nun Bendikt der Soundsovielte, eingeklemmt von Millionen von Büchern, Tonnen von Marmor, Zentnern von Gold, Heerscharen von verdrehten Professoren und unzählbaren, kosmischen Mengen von lieblosen, sinnentleerten Geboten - mehr, als je ein regelwütiger Pharisäer in der Lage gewesen wäre zu erfinden.
Wie sagte Jesus zu Petrus in den guten Zeiten: „Geh und weide meine Lämmer.“ - Da sähen wir ihn gern, den Benedikt, den 265. Nachfolger des heißblütigen Petrus, wandelnd auf einer duftenden Sommerwiese unter dem blauen Himmel Latiums, seine Schäflein weidend, mit viel Zeit nachzudenken und lockerer zu werden, so viel viel lockerer. Und abends könnte er dann mit seiner zärtlichen Benedikta traulich bei einem Gläschen Wein in der Schäferhütte sitzen - Petrus war ja auch verheiratet und glücklicher Vater, „habemus papam“ heißt das, gelle ?
Festtag: 29. Juni
Schutzpatron von Rom, Berlin und Trier, der Schlosser und Fischer, der reuigen Sünder, aller Wettererscheinungen, der Päpste und der Kirche – und dieses tapferen Bloggers.
Im 1875 erschienenen vierten Band von Stadlers „Vollständigem Heiligen=Lexikon“ heißt es über Petrus: „Ohne alle gelehrte Bildung, aber von Natur aus frisch und feurig, und wie sein Bruder Andreas für alle religiösen Eindrücke empfänglich, hörte er in der Wüste die Predigten des hl. Johannes des Täufers und ließ sich unter seine Jünger aufnehmen.“
Oh je, das muß man zu Ende denken. Ein junger Mann, der sich zusammen mit seiner Frau, seinem Bruder und seinen Freunden eigene Gedanken darüber macht, warum wir Menschen so sind, wie wir sind. Dem die Antworten und die Repräsentanten der Amtskirche lächerlich, verkalkt und vorgestrig, ja bösartig erscheinen. Der weiteren, ermüdenden Diskussionen mit den denkfaulen, tranigen Mitgläubigen seiner Ortsgemeinde nichts mehr abgewinnen kann, sich statt dessen zu Johannes begibt, dem König der Punks, der frech wie Rotz den Kirchenoberen sagt, was sie sind: nichts als eingebildete, aufgeblasene Fatzkes, die auf Fassade stehen, aber hinter der Fassade finden sich nur stinkende, faulende Gräber: ja „Schlangenbrut“ nennt er die selbsternannten „Frommen“, tödliche Nester der Lieblosigkeit, Hindernisse auf dem Weg zum Guten.
„Von Natur aus frisch und feurig“, begeistert er sich von Anfang an für diesen atemberaubenden Propheten Jesus, zu dem Johannes ihn schickt. Der noch krasser, noch klarer sagt, was zählt in eines Menschen Leben, und was nicht. Er verfällt Jesus mit Haut und Haaren, hängt an seinen Lippen, behütet ihn mit dem ihm eigenen praktischen Sinn des harten, ländlichen Gang-Leaders wie ein älterer Bruder seinen gedichteschreibenden, feinsinnigen, aus der Art geschlagenen jüngeren Bruder beschützt, der halt einfach zu gut ist für diese Welt. Als dieser geliebte Spinner dann zum ersten Mal vor anderen Leuten davon spricht, daß er bald sterben müsse, zieht ihn Petrus raus aus der Runde und verbietet ihm nachdrücklich, so einen Quatsch zu erzählen, was soll der Unsinn, jetzt langts aber, warum machen wir uns die ganze Mühe mit Dir. - Heute würde er den Kleinen ungefragt zur Therapie anmelden: was zu weit geht, geht zu weit. - Jesus schimpft und wird frech, na soll er nur, der fängt sich schon wieder.
Als die Dinge aus dem Ruder laufen, ist es Petrus, der sich bewaffnet, der das Schwert auch zieht, der Blut fließen läßt, der das ganze Lumpenpack gern erschlagen hätte – aber das Weichei will nicht, gibt nach, läßt sich umbringen, mein Gott.
Dieser frische und feurige Petrus wird mit seinem Organisationstalent der Begründer der neuen Kirche des Jesus, ist nach den wilden Osterereignissen und der alles verändernden Geist-Verleihung an Pfingsten komplett unstoppable, er packt den Wolf an den Ohren, wirkt mitten in Rom im Herzen der Finsternis, wird dort unter dem irren Diktator Nero ermordet, aber seine Schülerinnen und Schüler machen weiter.
Und da, auf dem Grab dieses begeisterten Menschen, der die gegen alle Konventionen gerichtete Flower-Power-Liebes-Message des einfach wunderbaren Jesus nach Europa gebracht hat, thront nun Bendikt der Soundsovielte, eingeklemmt von Millionen von Büchern, Tonnen von Marmor, Zentnern von Gold, Heerscharen von verdrehten Professoren und unzählbaren, kosmischen Mengen von lieblosen, sinnentleerten Geboten - mehr, als je ein regelwütiger Pharisäer in der Lage gewesen wäre zu erfinden.
Wie sagte Jesus zu Petrus in den guten Zeiten: „Geh und weide meine Lämmer.“ - Da sähen wir ihn gern, den Benedikt, den 265. Nachfolger des heißblütigen Petrus, wandelnd auf einer duftenden Sommerwiese unter dem blauen Himmel Latiums, seine Schäflein weidend, mit viel Zeit nachzudenken und lockerer zu werden, so viel viel lockerer. Und abends könnte er dann mit seiner zärtlichen Benedikta traulich bei einem Gläschen Wein in der Schäferhütte sitzen - Petrus war ja auch verheiratet und glücklicher Vater, „habemus papam“ heißt das, gelle ?
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Heiliger des Monats Juli 2012 Ignatius von Loyola
saintblog, 19:46h
Heiliger des Monats Juli 2012 Ignatius von Loyola
Gedenktag: 31. Juli
Schutzpatron des Baskenlandes, der Jesuiten und der Soldaten, Helfer gegen Zauberei
Das Schlimmste gleich zum Anfang. Ignatius äußert allen Ernstes: „Wir müssen, um in allem das Rechte zu treffen, immer festhalten: ich glaube, daß das Weiße, das ich sehe, schwarz ist, wenn die Hierarchische Kirche es so definiert." - Und Ignatius hat diesen Satz genau so gemeint, wie er ihn geschrieben hat. Man staunt.
Da können die wackeren Urenkel Luthers nicht mit, wenden sich die Enkel der französischen Revolution mit Grausen, schütteln die Kinder des modernen Relativismus den Kopf. „Gehorsam“, das geht heute gar nicht mehr.
Ignatius war ein verwegener Offizier gewesen, dann fromm geworden. Er sah das morsch gewordene mittelalterliche Kirchengebäude in den 1520ern zerbröseln. Auf dem Balkan stürmte der Islam Richtung Wien und Mitteleuropa, viele Intellektuelle der Renaissance gefielen sich in neuheidnischer Indifferenz, in Deutschland wurde aus dem Versuch,die Kirche zu reformieren, die Mißstände zu heben, eine Teilung in Altgläubige und Neugläubige. Der Spaltpilz, einmal freigesetzt, wuchert auf beiden Seiten munter weiter und weiter und weiter, bald gibt es christliche Religionsgemeinschaften wie Sand am Meer.
Hatte Jesus den Menschen nicht aufgetragen, sie sollten eine Herde sein unter einem Hirten ? Hatte er nicht zu Petrus gesagt, „Weide meine Lämmer ?“ - Ignatius geht die Sache so an, wie er es gelernt hat: militärisch, mit straffster Disziplin. Auf die zu bestehenden Kämpfe bereitet er sich durch ein gründliches Studium an den besten Universitäten vor. Er sammelt eine durch und durch entschlossene Truppe um sich. Er boxt sich durch, die „alte“ Kirche will ihn nicht, er wandert mehrfach in Gefängnisse der Inquisition, hätte leicht auf dem Scheiterhaufen enden können. Letztlich versteht der Papst: hier will sich einer ernsthaft für die eine heilige, katholische und apostolische Kirche schlagen. Dieser Ignatius und seine Gesellschaft Jesu glauben an die Einheit der Christen.
In den folgenden Jahren und Jahrhunderten sind die Jesuiten die Kaderschmiede des Katholizismus (zu deutsch, man muß es sich hin und wieder wörtlich übersetzen: der die Einheit erstrebende Teil der Kirche). Ihr scharfer, asketischer Intellektualismus durchdringt und transformiert den verrotteten römischen Lotterbau, bringt ihn wieder auf Vordermann – unwahrscheinlich, daß es ihn ohne Ignatius heute noch gäbe.
Der Weg, der Preis, die Mittel ? - „Geistige Bewegungen können nur mit geistigen Mitteln aufgehalten werden.“ sagt Ignatius, und setzt der protestantischen Freiheit eines Christenmenschen bewußt Gehorsam entgegen. „Ich glaube, daß das Weiße, das ich sehe, schwarz ist, wenn die Hierarchische Kirche es so definiert.“ - Klar, so ein Satz könnte von Stalin stammen, der hielt auch nichts von viel Gequatsche und Basisdemokratie. Wie weit darf man gehen, um ein Ziel zu erreichen ?
Natürlich weiß jeder Vereinserfahrene: ohne Satzung, Tagesordnung und gelegentlich ein Ausschlußverfahren läuft das nicht, ob Schrebergärten oder Weltrettung ist da völlig Wurst.
Vielleicht ist Ignatius einfach ein toller Patron für alle Parteigänger und Vereinsmeier in diesen unvermeidlichen, schrecklichen Momenten, wo der „Weg“ davor steht, das „Ziel“ zu vernichten – sowas kennt ja jeder, oder ?
Gedenktag: 31. Juli
Schutzpatron des Baskenlandes, der Jesuiten und der Soldaten, Helfer gegen Zauberei
Das Schlimmste gleich zum Anfang. Ignatius äußert allen Ernstes: „Wir müssen, um in allem das Rechte zu treffen, immer festhalten: ich glaube, daß das Weiße, das ich sehe, schwarz ist, wenn die Hierarchische Kirche es so definiert." - Und Ignatius hat diesen Satz genau so gemeint, wie er ihn geschrieben hat. Man staunt.
Da können die wackeren Urenkel Luthers nicht mit, wenden sich die Enkel der französischen Revolution mit Grausen, schütteln die Kinder des modernen Relativismus den Kopf. „Gehorsam“, das geht heute gar nicht mehr.
Ignatius war ein verwegener Offizier gewesen, dann fromm geworden. Er sah das morsch gewordene mittelalterliche Kirchengebäude in den 1520ern zerbröseln. Auf dem Balkan stürmte der Islam Richtung Wien und Mitteleuropa, viele Intellektuelle der Renaissance gefielen sich in neuheidnischer Indifferenz, in Deutschland wurde aus dem Versuch,die Kirche zu reformieren, die Mißstände zu heben, eine Teilung in Altgläubige und Neugläubige. Der Spaltpilz, einmal freigesetzt, wuchert auf beiden Seiten munter weiter und weiter und weiter, bald gibt es christliche Religionsgemeinschaften wie Sand am Meer.
Hatte Jesus den Menschen nicht aufgetragen, sie sollten eine Herde sein unter einem Hirten ? Hatte er nicht zu Petrus gesagt, „Weide meine Lämmer ?“ - Ignatius geht die Sache so an, wie er es gelernt hat: militärisch, mit straffster Disziplin. Auf die zu bestehenden Kämpfe bereitet er sich durch ein gründliches Studium an den besten Universitäten vor. Er sammelt eine durch und durch entschlossene Truppe um sich. Er boxt sich durch, die „alte“ Kirche will ihn nicht, er wandert mehrfach in Gefängnisse der Inquisition, hätte leicht auf dem Scheiterhaufen enden können. Letztlich versteht der Papst: hier will sich einer ernsthaft für die eine heilige, katholische und apostolische Kirche schlagen. Dieser Ignatius und seine Gesellschaft Jesu glauben an die Einheit der Christen.
In den folgenden Jahren und Jahrhunderten sind die Jesuiten die Kaderschmiede des Katholizismus (zu deutsch, man muß es sich hin und wieder wörtlich übersetzen: der die Einheit erstrebende Teil der Kirche). Ihr scharfer, asketischer Intellektualismus durchdringt und transformiert den verrotteten römischen Lotterbau, bringt ihn wieder auf Vordermann – unwahrscheinlich, daß es ihn ohne Ignatius heute noch gäbe.
Der Weg, der Preis, die Mittel ? - „Geistige Bewegungen können nur mit geistigen Mitteln aufgehalten werden.“ sagt Ignatius, und setzt der protestantischen Freiheit eines Christenmenschen bewußt Gehorsam entgegen. „Ich glaube, daß das Weiße, das ich sehe, schwarz ist, wenn die Hierarchische Kirche es so definiert.“ - Klar, so ein Satz könnte von Stalin stammen, der hielt auch nichts von viel Gequatsche und Basisdemokratie. Wie weit darf man gehen, um ein Ziel zu erreichen ?
Natürlich weiß jeder Vereinserfahrene: ohne Satzung, Tagesordnung und gelegentlich ein Ausschlußverfahren läuft das nicht, ob Schrebergärten oder Weltrettung ist da völlig Wurst.
Vielleicht ist Ignatius einfach ein toller Patron für alle Parteigänger und Vereinsmeier in diesen unvermeidlichen, schrecklichen Momenten, wo der „Weg“ davor steht, das „Ziel“ zu vernichten – sowas kennt ja jeder, oder ?
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Heilige des Monats August 2012 Mariä Himmelfahrt
saintblog, 19:43h
Heilige des Monats August 2012 Mariä Himmelfahrt
Gedenktag: 15. August
Ziel aller tapferen Reformatoren, unerschrockenen Revoluzzer und voll durchblickender Aufklärer war stets, die Kirche vom „eingeschlichenen“ Aberglauben zu befreien, rein sinnlich-gegenständliche Bräuche abzustellen, der Bilderverehrung Einhalt zu gebieten und nach glücklich vollzogener Reinigung dann mit frohem Herzen Gott allein zu loben.
Und so sitzen die von der gereinigten Fraktion denn in ihren weiß getünchten, ungeschmückten, bilderlos hellen Kirchen, hören sich lange schlaue Predigten an, atmen die frische, weihrauchfreie Luft, immer in voller Konzentration auf den HERRN, und nur den HERRN, der am Anfang war, der am Ende sein wird – und in der Zwischenzeit wird unermüdlich die Bibel studiert.
Mit Katholisch hat das soviel zu tun wie die Kuh mit dem Fußballspielen, weil der katholische Blick auf die Welt ein integrativer, kein puristischer ist. „Puristisch“ heißt, an einen Kern zu glauben, der sich unter dem Dreck und dem „Bling-bling“ der Welt finden läßt, wenn man nur ernsthaft genug sucht. „Integrativ“ heißt, die Welt immer zuerst als Gottes Schöpfung zu begreifen, mit all ihrem Gewachsenen und Gewordenen so zu nehmen, wie sie ist, aber das ganze bunte Durcheinander mit dem Licht der Frohen Botschaft der Liebe zu durchdringen und zu erleuchten.
Was hat das mit dem Fest Mariä Himmelfahrt zu tun ? Nun, puristisch-protestantisch betrachtet gibt es an diesem Tag nicht viel zu feiern. Des Todes der Gottesmutter wird in der Bibel nicht gedacht, und wen interessiert es überhaupt, fertig.
Sehr im Gegensatz dazu hat integrativ-katholische Ballungsfreude an diesem Tag munter Aberglauben auf Glauben gehäuft, unbeweisbare Legenden zu Dogmen erklärt, mit staunenswert kindlicher Unbekümmertheit eine richtige Blütenlese altheidnischer Bräuche installiert.
Ist der Tag selbst doch ein Echo der nachweisbar jahrtausendealten Feiern in der Mitte zwischen der Sommersonnenwende am Johannistag und der Herbsttagundnachtgleiche vor St. Michael – die anderen ebenso alten „Zwischentermine“ sind St. Martin zwschen der Herbsttagundnachtgleiche und der Wintersonnenwende, Mariä Lichtmeß zwischen dieser und der Frühlingstagundnachtgleiche, die Maifeiern vor der Sommersonnenwende. Unser Festtag läßt sich schon an jungsteinzeitlichen Kalenderbauten ablesen – so viel zum Thema Tradition.
Eigentlich gefeiert wird heute die Komplett-Aufnahme Mariens in den Himmel, mit Körper und Seele: was eine schöne und durchaus feiernswürdige Idee ist, aber natürlich eine ganz und gar unbeweisbare, sofern man einzig der sogenannten Wissenschaft die Ehre gibt. Die fromme Überlieferung weiß natürlich mehr, als Frau und Herr Professor sich nach einem Gläschen trockenen Bio-Weins träumen lassen.
Beim feierlichen Begräbnis der Gottesmutter im Beisein aller Apostel (ohne Easy Jet und I-Phone ist eine solche Vollversammlung doppelt mirakulös) war Mariens Sarg auf einmal nur noch von den prachtvollsten Rosen erfüllt, sie selbst hatte andere Wege genommen, wurde im Himmel von ihrem Sohn gekrönt und geehrt, was bildlich gern als harmonische Vierfaltigkeit erscheint. Diese Form der Himmelfahrt leitet elegant und floral zur folgenden Sakramentalie des Tages, der Kräutersegnung.
In katholischen Gemeinden werden an Mariä Himmelfahrt am Altar feierlich Heilkräuter, Getreideähren und Blumen gesegnet, was die Schöpfung so hergibt Mitte August. Man kann die Kräuter zu Hause an die Wand hängen - aber es hindert einen auch niemand daran, herrlichen altfränkischen Spökes damit zu treiben: dem kranken Haustier mischt man sie ins Futter, bei Gewitter wandert ein Zweiglein in den Ofen, man selber kann Tee davon trinken – und das Bändel vom Kräuterstrauß um ein verrenktes Gelenk gebunden entlastet die Krankenkasse – also alles geht, was die Volkssitte von Herzen liebt und schätzt. In unserem kleinen Eifeldorf heißt der ganze Tag gleich „Kruutwöschfess“ ….
Wir leben in einem freien Land, und auch diese Wahl ist frei: abgeklärt-gereinigt-protestantisch kann man sich dieses Feiertags begeben und dabei die hohe Wonne fühlen, auf den Schultern der nüchternen Mütter und Väter der Aufklärung zu stehen – oder man rollt sich an diesem Sonntagmorgen aus den Federn, bindet sich einen Strauß und feiert in einer katholischen Marienkirche an diesem herrlichen Spätsommertermin das Fest mit, die Nase umweht von Kräuterduft und Weihrauch, die Ohren erfreut von barockem Liedgut und donnernden Orgelklängen, die Augen erfüllt vom Schmuck des Gotteshauses.
Jede Jeck is anders, säät mer ze Kölle – ich werde wieder einen narrenkappenbunten Kruutwösch zusammensuchen, denn für verpaßte Feiertage ist das Leben einfach zu kurz.
Gedenktag: 15. August
Ziel aller tapferen Reformatoren, unerschrockenen Revoluzzer und voll durchblickender Aufklärer war stets, die Kirche vom „eingeschlichenen“ Aberglauben zu befreien, rein sinnlich-gegenständliche Bräuche abzustellen, der Bilderverehrung Einhalt zu gebieten und nach glücklich vollzogener Reinigung dann mit frohem Herzen Gott allein zu loben.
Und so sitzen die von der gereinigten Fraktion denn in ihren weiß getünchten, ungeschmückten, bilderlos hellen Kirchen, hören sich lange schlaue Predigten an, atmen die frische, weihrauchfreie Luft, immer in voller Konzentration auf den HERRN, und nur den HERRN, der am Anfang war, der am Ende sein wird – und in der Zwischenzeit wird unermüdlich die Bibel studiert.
Mit Katholisch hat das soviel zu tun wie die Kuh mit dem Fußballspielen, weil der katholische Blick auf die Welt ein integrativer, kein puristischer ist. „Puristisch“ heißt, an einen Kern zu glauben, der sich unter dem Dreck und dem „Bling-bling“ der Welt finden läßt, wenn man nur ernsthaft genug sucht. „Integrativ“ heißt, die Welt immer zuerst als Gottes Schöpfung zu begreifen, mit all ihrem Gewachsenen und Gewordenen so zu nehmen, wie sie ist, aber das ganze bunte Durcheinander mit dem Licht der Frohen Botschaft der Liebe zu durchdringen und zu erleuchten.
Was hat das mit dem Fest Mariä Himmelfahrt zu tun ? Nun, puristisch-protestantisch betrachtet gibt es an diesem Tag nicht viel zu feiern. Des Todes der Gottesmutter wird in der Bibel nicht gedacht, und wen interessiert es überhaupt, fertig.
Sehr im Gegensatz dazu hat integrativ-katholische Ballungsfreude an diesem Tag munter Aberglauben auf Glauben gehäuft, unbeweisbare Legenden zu Dogmen erklärt, mit staunenswert kindlicher Unbekümmertheit eine richtige Blütenlese altheidnischer Bräuche installiert.
Ist der Tag selbst doch ein Echo der nachweisbar jahrtausendealten Feiern in der Mitte zwischen der Sommersonnenwende am Johannistag und der Herbsttagundnachtgleiche vor St. Michael – die anderen ebenso alten „Zwischentermine“ sind St. Martin zwschen der Herbsttagundnachtgleiche und der Wintersonnenwende, Mariä Lichtmeß zwischen dieser und der Frühlingstagundnachtgleiche, die Maifeiern vor der Sommersonnenwende. Unser Festtag läßt sich schon an jungsteinzeitlichen Kalenderbauten ablesen – so viel zum Thema Tradition.
Eigentlich gefeiert wird heute die Komplett-Aufnahme Mariens in den Himmel, mit Körper und Seele: was eine schöne und durchaus feiernswürdige Idee ist, aber natürlich eine ganz und gar unbeweisbare, sofern man einzig der sogenannten Wissenschaft die Ehre gibt. Die fromme Überlieferung weiß natürlich mehr, als Frau und Herr Professor sich nach einem Gläschen trockenen Bio-Weins träumen lassen.
Beim feierlichen Begräbnis der Gottesmutter im Beisein aller Apostel (ohne Easy Jet und I-Phone ist eine solche Vollversammlung doppelt mirakulös) war Mariens Sarg auf einmal nur noch von den prachtvollsten Rosen erfüllt, sie selbst hatte andere Wege genommen, wurde im Himmel von ihrem Sohn gekrönt und geehrt, was bildlich gern als harmonische Vierfaltigkeit erscheint. Diese Form der Himmelfahrt leitet elegant und floral zur folgenden Sakramentalie des Tages, der Kräutersegnung.
In katholischen Gemeinden werden an Mariä Himmelfahrt am Altar feierlich Heilkräuter, Getreideähren und Blumen gesegnet, was die Schöpfung so hergibt Mitte August. Man kann die Kräuter zu Hause an die Wand hängen - aber es hindert einen auch niemand daran, herrlichen altfränkischen Spökes damit zu treiben: dem kranken Haustier mischt man sie ins Futter, bei Gewitter wandert ein Zweiglein in den Ofen, man selber kann Tee davon trinken – und das Bändel vom Kräuterstrauß um ein verrenktes Gelenk gebunden entlastet die Krankenkasse – also alles geht, was die Volkssitte von Herzen liebt und schätzt. In unserem kleinen Eifeldorf heißt der ganze Tag gleich „Kruutwöschfess“ ….
Wir leben in einem freien Land, und auch diese Wahl ist frei: abgeklärt-gereinigt-protestantisch kann man sich dieses Feiertags begeben und dabei die hohe Wonne fühlen, auf den Schultern der nüchternen Mütter und Väter der Aufklärung zu stehen – oder man rollt sich an diesem Sonntagmorgen aus den Federn, bindet sich einen Strauß und feiert in einer katholischen Marienkirche an diesem herrlichen Spätsommertermin das Fest mit, die Nase umweht von Kräuterduft und Weihrauch, die Ohren erfreut von barockem Liedgut und donnernden Orgelklängen, die Augen erfüllt vom Schmuck des Gotteshauses.
Jede Jeck is anders, säät mer ze Kölle – ich werde wieder einen narrenkappenbunten Kruutwösch zusammensuchen, denn für verpaßte Feiertage ist das Leben einfach zu kurz.
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Heiliger des Monats September 2012 Aegidius
saintblog, 19:39h
Heiliger des Monats September 2012 Aegidius
Gedenktag: 01. September
Patron der stillenden Mütter, Helfer gegen den Blues („geistige Verlassenheit“, wie man die Melancholie einst umschrieb, „et ärm Dierche = das arme Tier“, wie das trübe Gespenst der Depression in der Eifel heißt), Schützer des Viehs allgemein, einer aus der Schar der mächtigen 14 Nothelfer
Der Heilige Aegidius ist ein ehedem viel angerufener Heiliger, sein Name war populär. Der Autor dieser Zeilen selbst hatte einen Großonkel „Egid“, und letzthin fand sich ein Foto, auf dem selbiger Autor, des Schreibens da noch ganz unkundig, weil eben erst geboren, gar von seinem Ur-Großonkel „Jilles“ auf dem Arm gehalten wird, einem Ackersmann und Schmied und Gesundbeter vor dem Herrn.
Aegidius ist Grieche, wohl aus Athen. Geboren wird er um 640, das Völkerwandern ist gerade aus der Mode gekommen, man bastelt mit Schwung an einer neuen Zivilisation, die man viel später Mittelalter nennen sollte, um sich selbst als „Neuzeit“ feiern zu können, was für ein Quatsch, morgen haben wir die Motten, das ist der Lauf der Welt. Im Osten stirbt Mohammed, und sein grünes Banner zeigt Europa bald ernstlich seine Grenzen.
Als junger Mann kommt unser Hellene in die Provence, wird nahe der Rhone-Mündung Eremit. Lange Jahre lebt er dort ohne Kontakt zu den Menschen in einer abgelegenen Waldeinsamkeit, im Einklang mit der Natur, den Herrn in dessen Schöpfung suchend, nicht in Büchern über dessen Schöpfung, oder in Büchern über Bücher, wie unsere Theologen es gewohnt sind.
Seine Legende erzählt, daß er regelmäßig von einer Hindin, also einer Hirschkuh besucht wurde, die ihn mit ihrer Milch in der Wildnis nährte.
In diese Idylle brach mit Gewalt sein blutrünstiges Jahrhundert ein – aber sind nicht alle Jahrhunderte blutrünstig ? Ein König der im Süden der Gallia herrschenden Westgoten sieht auf der Jagd die Hindin und setzt ihr nach. In Todesangst flieht das Tier zur Behausung des Einsiedlers, einer halb vom Dickicht verdeckten Höhle. Hinein ins unheimliche Dunkel traut sich der bekrönte Jäger nicht, aber einen Pfeil schießt er aufs geratewohl hinterher. Aegidius, die Zuneigung des Tieres vergeltend, stellt sich in den Weg und fängt das Geschoß mit seinem Körper auf. - Der König redet nicht von „Kollateralschaden“, wie es amerikanische Präsidenten tun, er will seinen Fehler wieder gutmachen, das Blut des heiligen Mannes von sich abwaschen. Als Aegidius den Wunsch äußert, sein einsames Leben aufzugeben und ein Kloster zu gründen, hilft der Gote dem Griechen, und die spätere französische Abtei St. Gilles nimmt ihren Anfang, von italienischen Pilgern auf dem Weg nach St. Jakob in Spanien viel besucht. Multikulti ist der innerste Kern und die Kraft Europas, Nationalismus dagegen sein Untergang, man hat es ja erlebt.
Was steckt mehr in der Geschichte ? Diana, jungfräuliche Hüterin des Waldes, als Dea Arduenna auch Göttin der Eifel, in der Gallia überall verehrt, betritt hier in ihrem heiligen Tier, der Hirschkuh, die Bühne. Fürsorglich unterstützt sie, die überwundene Herrin der alten Zeit, den neuen Bewohner des Waldes , und dieser wagt bedenkenlos sein Leben, um sie zu schützen. Ein wunderschönes Bild der Transformation, der Überführung und des kraftvollen Weiterlebens heidnischer Frömmigkeit in der weiter gespannten Spiritualität des Christentums.
Auf Bildern des heiligen Aegidius steht die gerettete Hirschkuh oft an seiner Seite, auf manchen ist sie ebenfalls durch einen Pfeil verletzt und er pflegt sie. Solche Bildtafeln schmückten die Altäre, wirkten für Jahrhunderte und tun es noch. Das ist ein Gegenbild zu einer adligen Gesellschaft, die sich im „Mittelalter“ darin gefällt, im Sommer – in jedem Sommer ! - in endlosen Kriegen und Fehden und kleinen dreckigen Metzeleien anderen Menschenkindern die Schädel einzuschlagen, und die im Winter, um nicht aus der Übung zu kommen, alles bejagt, was irgend Leben in sich hat.
Die Einsiedler dagegen leben fleischlos glücklich und mühen sich, keiner Fliege etwas zu Leide zu tun.
Haben die Vegetarier eigentlich schon einen Patron ? Oder muß dafür irgendeine vatikanische Altherren-Kongregation erst noch in die Gänge kommen ? Statt Kanonen zu segnen und Truppen zu betreuen sähe man ja gern mal einen Monsignore mitten im Sojafeld stehen.
Gedenktag: 01. September
Patron der stillenden Mütter, Helfer gegen den Blues („geistige Verlassenheit“, wie man die Melancholie einst umschrieb, „et ärm Dierche = das arme Tier“, wie das trübe Gespenst der Depression in der Eifel heißt), Schützer des Viehs allgemein, einer aus der Schar der mächtigen 14 Nothelfer
Der Heilige Aegidius ist ein ehedem viel angerufener Heiliger, sein Name war populär. Der Autor dieser Zeilen selbst hatte einen Großonkel „Egid“, und letzthin fand sich ein Foto, auf dem selbiger Autor, des Schreibens da noch ganz unkundig, weil eben erst geboren, gar von seinem Ur-Großonkel „Jilles“ auf dem Arm gehalten wird, einem Ackersmann und Schmied und Gesundbeter vor dem Herrn.
Aegidius ist Grieche, wohl aus Athen. Geboren wird er um 640, das Völkerwandern ist gerade aus der Mode gekommen, man bastelt mit Schwung an einer neuen Zivilisation, die man viel später Mittelalter nennen sollte, um sich selbst als „Neuzeit“ feiern zu können, was für ein Quatsch, morgen haben wir die Motten, das ist der Lauf der Welt. Im Osten stirbt Mohammed, und sein grünes Banner zeigt Europa bald ernstlich seine Grenzen.
Als junger Mann kommt unser Hellene in die Provence, wird nahe der Rhone-Mündung Eremit. Lange Jahre lebt er dort ohne Kontakt zu den Menschen in einer abgelegenen Waldeinsamkeit, im Einklang mit der Natur, den Herrn in dessen Schöpfung suchend, nicht in Büchern über dessen Schöpfung, oder in Büchern über Bücher, wie unsere Theologen es gewohnt sind.
Seine Legende erzählt, daß er regelmäßig von einer Hindin, also einer Hirschkuh besucht wurde, die ihn mit ihrer Milch in der Wildnis nährte.
In diese Idylle brach mit Gewalt sein blutrünstiges Jahrhundert ein – aber sind nicht alle Jahrhunderte blutrünstig ? Ein König der im Süden der Gallia herrschenden Westgoten sieht auf der Jagd die Hindin und setzt ihr nach. In Todesangst flieht das Tier zur Behausung des Einsiedlers, einer halb vom Dickicht verdeckten Höhle. Hinein ins unheimliche Dunkel traut sich der bekrönte Jäger nicht, aber einen Pfeil schießt er aufs geratewohl hinterher. Aegidius, die Zuneigung des Tieres vergeltend, stellt sich in den Weg und fängt das Geschoß mit seinem Körper auf. - Der König redet nicht von „Kollateralschaden“, wie es amerikanische Präsidenten tun, er will seinen Fehler wieder gutmachen, das Blut des heiligen Mannes von sich abwaschen. Als Aegidius den Wunsch äußert, sein einsames Leben aufzugeben und ein Kloster zu gründen, hilft der Gote dem Griechen, und die spätere französische Abtei St. Gilles nimmt ihren Anfang, von italienischen Pilgern auf dem Weg nach St. Jakob in Spanien viel besucht. Multikulti ist der innerste Kern und die Kraft Europas, Nationalismus dagegen sein Untergang, man hat es ja erlebt.
Was steckt mehr in der Geschichte ? Diana, jungfräuliche Hüterin des Waldes, als Dea Arduenna auch Göttin der Eifel, in der Gallia überall verehrt, betritt hier in ihrem heiligen Tier, der Hirschkuh, die Bühne. Fürsorglich unterstützt sie, die überwundene Herrin der alten Zeit, den neuen Bewohner des Waldes , und dieser wagt bedenkenlos sein Leben, um sie zu schützen. Ein wunderschönes Bild der Transformation, der Überführung und des kraftvollen Weiterlebens heidnischer Frömmigkeit in der weiter gespannten Spiritualität des Christentums.
Auf Bildern des heiligen Aegidius steht die gerettete Hirschkuh oft an seiner Seite, auf manchen ist sie ebenfalls durch einen Pfeil verletzt und er pflegt sie. Solche Bildtafeln schmückten die Altäre, wirkten für Jahrhunderte und tun es noch. Das ist ein Gegenbild zu einer adligen Gesellschaft, die sich im „Mittelalter“ darin gefällt, im Sommer – in jedem Sommer ! - in endlosen Kriegen und Fehden und kleinen dreckigen Metzeleien anderen Menschenkindern die Schädel einzuschlagen, und die im Winter, um nicht aus der Übung zu kommen, alles bejagt, was irgend Leben in sich hat.
Die Einsiedler dagegen leben fleischlos glücklich und mühen sich, keiner Fliege etwas zu Leide zu tun.
Haben die Vegetarier eigentlich schon einen Patron ? Oder muß dafür irgendeine vatikanische Altherren-Kongregation erst noch in die Gänge kommen ? Statt Kanonen zu segnen und Truppen zu betreuen sähe man ja gern mal einen Monsignore mitten im Sojafeld stehen.
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Heiliger des Monats Oktober 2012 Franziscus von Assisi
saintblog, 19:34h
Heiliger des Monats Oktober 2012 Franziscus von Assisi
Gedenktag: 04. Oktober
Offiziell vom Papst ernannter Schutzpatron der Öko-Bewegung, Patron Italiens, der Armen, der Bekleidungsindustrie, Helfer zu mutigen Entscheidungen
Natürlich ist Franziscus ein Heiliger ! Dieser überaus schräge Vogel beeindruckt die Menschen wie nur wenige vor ihm, die Blitz-Heiligsprechung
direkt nach seinem Tod ist eine reine Formsache, mehr noch als bei Mutter Theresa bestehen nicht die leisesten Zweifel. Demut, Armut, völlige Hingabe an Gott in der wildesten Form – das ist Franziscus. Bei einem Wettbewerb „Die Welt sucht den nächsten Jesus“ hätte er alle alle ausgestochen, der Mann aus Nazareth selber wäre wohl ins Schwitzen gekommen.
So ist er, der Franziscus, nach seinem 25. Lebensjahr. Und vorher ? Heutige Enthüllungsjournalisten hätten ihre helle Freude, so richtig im Schlamm baden könnten sie beim lieben Franzerl, denn der Heilige als junger Mann ist nicht das Schwarze unterm Fingernagel wert.
Reicher Tuchhändler Sohn in Mittelitalien, wächst er in Wohlhabenheit und Überfluß auf. Wie das Leben so spielt, verdirbt ihn das gemachte Nest für die praktische Arbeit. Sein Vater mehrt auf Handelsreisen den Dukatenberg der Familie, unser Heiliger in spe wirft es mit vollen Händen aus dem Fenster. Jubel, Trubel, Heiterkeit, die Jeunesse dorée des Städtchens läßt die Puppen tanzen. Seine größte Leistung in Teenagerjahren ist, daß er den seichten Troubadour-Trallala aus Frankreich noch schmalziger als die Kumpane zu geben weiß, ein echter Karaoke-King, der Party-Kracher. Er, den seine Eltern auf den Namen Johannes getauft haben, wird von allen nur das „Französlein“ gerufen, und der Name bleibt kleben.
Steigerung unmöglich ? Ha ha: als es dem Esel komplett zu wohl wird, geht er aufs Eis respektive zieht er in den Krieg. Rausgeputzt wie ein Karnevalsprinz schwingt sich der Lotterbube aufs schmucke Pferdchen, die Gegner aus Perugia sperren ihn für ein ganzes Jahr in den Keller – und so weiter und so fort, er bestiehlt seinen eigenen Vater, geht einfach allen auf die Nerven, es ist ein Elend, das Zukucken tut schon weh.
Und wie soll das nun zusammenpassen – Franziskus 1 und Franziscus 2 ? Das Scharnier ist sein Verständnis für die Armut. Eigentlich fehlt ihm die wahre Liebe zum Mammon – er strebt nicht nach dem Geld, er haut es nur raus. Die Armen unterstützt er immer, ein schöner Zug in einem ansonsten vertändelten Leben.
Man muß es immer wieder sagen: Heilige sind krass, oder gar nicht, das macht die Heiligkeit ja gerade aus, Warmduscher sind wir anderen. Für Franziscus kommt der Moment der Wahrheit mitten auf dem Marktplatz. Sein Vater ist den Zirkus endgültig leid und bringt seinen Sohn vor das öffentliche Gericht des Bischofs von Assisi. Sein Vater verlangt dort von Franziscus, ihm allen Besitz zurückzugeben und auf das Erbe zu verzichten. Franziskus zieht sich vor allen Leuten splitterfasernackt aus, entsagt allen weltlichen Ansprüchen und sagt, „von heute an ist allein Gott mein Vater“.
Jeder normale Mensch hätte Onkels und Tanten in Stellung gebracht, sich einen Anwalt genommen, es eine Zeitlang ruhiger angehen lassen. Franziskus aber ist ein Auserwählter, er erkennt in all dem letztlich kleinlichen Familiengezeter, in dem ganz unwichtigen Kleinstadt-Skandal den heiligen Kern der Stunde. Hopp oder dopp, wenn wir nur wollen, leben wir unser Leben selber.
Der Mut zur Radikalität, zum klaren Schnitt, hat in sich die Kraft, Berge zu versetzen. Als Franziscus die Stimme Gottes hört „Mache Dich auf und stelle mein zertrümmertes Haus wieder her !“, da tut der das, eigentlich unfaßbar.
Gedenktag: 04. Oktober
Offiziell vom Papst ernannter Schutzpatron der Öko-Bewegung, Patron Italiens, der Armen, der Bekleidungsindustrie, Helfer zu mutigen Entscheidungen
Natürlich ist Franziscus ein Heiliger ! Dieser überaus schräge Vogel beeindruckt die Menschen wie nur wenige vor ihm, die Blitz-Heiligsprechung
direkt nach seinem Tod ist eine reine Formsache, mehr noch als bei Mutter Theresa bestehen nicht die leisesten Zweifel. Demut, Armut, völlige Hingabe an Gott in der wildesten Form – das ist Franziscus. Bei einem Wettbewerb „Die Welt sucht den nächsten Jesus“ hätte er alle alle ausgestochen, der Mann aus Nazareth selber wäre wohl ins Schwitzen gekommen.
So ist er, der Franziscus, nach seinem 25. Lebensjahr. Und vorher ? Heutige Enthüllungsjournalisten hätten ihre helle Freude, so richtig im Schlamm baden könnten sie beim lieben Franzerl, denn der Heilige als junger Mann ist nicht das Schwarze unterm Fingernagel wert.
Reicher Tuchhändler Sohn in Mittelitalien, wächst er in Wohlhabenheit und Überfluß auf. Wie das Leben so spielt, verdirbt ihn das gemachte Nest für die praktische Arbeit. Sein Vater mehrt auf Handelsreisen den Dukatenberg der Familie, unser Heiliger in spe wirft es mit vollen Händen aus dem Fenster. Jubel, Trubel, Heiterkeit, die Jeunesse dorée des Städtchens läßt die Puppen tanzen. Seine größte Leistung in Teenagerjahren ist, daß er den seichten Troubadour-Trallala aus Frankreich noch schmalziger als die Kumpane zu geben weiß, ein echter Karaoke-King, der Party-Kracher. Er, den seine Eltern auf den Namen Johannes getauft haben, wird von allen nur das „Französlein“ gerufen, und der Name bleibt kleben.
Steigerung unmöglich ? Ha ha: als es dem Esel komplett zu wohl wird, geht er aufs Eis respektive zieht er in den Krieg. Rausgeputzt wie ein Karnevalsprinz schwingt sich der Lotterbube aufs schmucke Pferdchen, die Gegner aus Perugia sperren ihn für ein ganzes Jahr in den Keller – und so weiter und so fort, er bestiehlt seinen eigenen Vater, geht einfach allen auf die Nerven, es ist ein Elend, das Zukucken tut schon weh.
Und wie soll das nun zusammenpassen – Franziskus 1 und Franziscus 2 ? Das Scharnier ist sein Verständnis für die Armut. Eigentlich fehlt ihm die wahre Liebe zum Mammon – er strebt nicht nach dem Geld, er haut es nur raus. Die Armen unterstützt er immer, ein schöner Zug in einem ansonsten vertändelten Leben.
Man muß es immer wieder sagen: Heilige sind krass, oder gar nicht, das macht die Heiligkeit ja gerade aus, Warmduscher sind wir anderen. Für Franziscus kommt der Moment der Wahrheit mitten auf dem Marktplatz. Sein Vater ist den Zirkus endgültig leid und bringt seinen Sohn vor das öffentliche Gericht des Bischofs von Assisi. Sein Vater verlangt dort von Franziscus, ihm allen Besitz zurückzugeben und auf das Erbe zu verzichten. Franziskus zieht sich vor allen Leuten splitterfasernackt aus, entsagt allen weltlichen Ansprüchen und sagt, „von heute an ist allein Gott mein Vater“.
Jeder normale Mensch hätte Onkels und Tanten in Stellung gebracht, sich einen Anwalt genommen, es eine Zeitlang ruhiger angehen lassen. Franziskus aber ist ein Auserwählter, er erkennt in all dem letztlich kleinlichen Familiengezeter, in dem ganz unwichtigen Kleinstadt-Skandal den heiligen Kern der Stunde. Hopp oder dopp, wenn wir nur wollen, leben wir unser Leben selber.
Der Mut zur Radikalität, zum klaren Schnitt, hat in sich die Kraft, Berge zu versetzen. Als Franziscus die Stimme Gottes hört „Mache Dich auf und stelle mein zertrümmertes Haus wieder her !“, da tut der das, eigentlich unfaßbar.
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