Freitag, 9. Mai 2014
Heiliger des Monats Mai 2014 Jakobus der Bruder Jesu
Heiliger des Monats Mai 2014 Jakobus der Bruder Jesu

Festtag: 03. Mai

Schutzpatron der Hutmacher

Ordnungsliebe kann bei Lohnbuchhaltern, Archivaren oder den unverdrossen sternenzählenden Astronomen was richtig Schönes sein, und auch das Laster des Briefmarkensammelns wäre ohne sie schlichtweg undenkbar.

Ja, selbst die liebe Mutter Kirche, der für gewöhnlich ein gewisser charmanter Schlendrian eher zu eigen ist als jede Form von Putzwut und systematischer Korrektheit, ruft bisweilen „schwäbische Kehrwochen“ aus. Wenn sich der Staub schließlich wieder legt, findet man nichts mehr da, wo es vorher lag, dafür in Kisten und Kästen verschnürt und etikettiert, was sich solche Nachbarschaft nie hätte träumen lassen.

Aus verschiedenen netten Damen des lustigen Wandervogels rund um Jesus wird so Maria Magdalena zusammengeleimt, ein ander Mal die heilige Anna mit 3 Männern überreich bedacht, die echte würde sich wahrscheinlich bedankt haben.
Beim Großreinemachen anläßlich des Konzils in Trient stopft man die meisten Jakobusse in einen Kessel Buntes, hält den Stabmixer rein und verpüriert Jakobus den Jüngeren mit Jakobus dem Bruder Jesu und Jakobus dem Kleinen. Ein Kölner „Köbes“, der morgens nach diesem Vorbild Pils, Alt und Kölsch panschte, nähme das zweiten Frühstück schon in der Zwangsjacke.

Suppen mit vielen Zutaten schmecken nach allem und nichts. Es lohnt sich, in die Zeit vor dem Quirl zurückzugehen.

Jakobus, der Bruder Jesu – allein der Name hat Generationen von Theologen ins Schwitzen gebracht. Er, und die anderen in der Bibel erwähnten Brüder und Schwestern Jesu, dürfen wegen der „ewigen Jungfräulichkeit“ Marias ja keinesfalls echte Geschwister des Herrn sein. Also hängt man dem armen Joseph eine Patchworksippe aus erster Ehe an, oder macht sich eine wüste Vettern- und Cousinenwirtschaft passend.
Wie auch immer, Jesus geht diese sensationell heilige Familie während seines Erdenwallens mächtig auf den Senkel. In seinem Herzen brennt eine grundstürzende Message für das ganze Universum, die bucklige Verwandtschaft versucht ihn an die Hobelbank zu ketten.

Erst nach Tod und Auferstehung Jesu wird Jakobus scheinbar zum Sachwalter seines Bruders. Zusammen mit Petrus und Johannes leitet er die erste Christengemeinde in Jerusalem und hält die Truppe geeint, als es Petrus nach Rom zieht. So weit, so löblich. Gleichzeitig aber ist er der mächtige Gegenspieler des neu hinzugekommenen Paulus, der, ebenfalls Jude, die offene Weltkirche fordert. Hat der Chef doch gesagt, „bleibt hier nicht stecken, schwingt die Hufe und lehrt alle Völker“. Jakobus dagegen will Neubekehrte erst zu Juden machen, Juden, die Jesus mögen, aber halt Juden.

Mit Peitschen in den Zimmermannsfäusten hat Jesus die Banker aus dem Tempel geprügelt, den hinterhältigen Sabbatpetzern sagte er „wenn Dir ein Schaf am Samstag ins Loch fällt, läßt Du es drin, Du Depp, oder holst Du es raus ?“, der heißblütigen Ehebrecherin riet er „mach mal halblang, Baby“, und abends schlürfte er nach harter Erlösungsarbeit mit den Party-People sein Weinchen aus der Amphore – ein junger Wilder, ein cooler Typ und großer Chiller vor dem Herrn.
Aus diesem Mann mit Bart, dem Revoluzzer, nachträglich ein windelweiches Abziehbildchen für´s orthodoxe Familienalbum zu machen, daran arbeiten Jakobus und seine Truppe – ausgerechnet verbündet mit den Pharisäern, und das sagt schon alles. Wer hat Jesus ans Kreuz gebracht, wenn nicht diese seelenlosen Oberfrommen, die es sooo gut meinen, die Tugend-Stalinisten, die gottfernen Erbsenzähler. Die bringen einen um vor lauter Liebe.

Das falsche Anbiedern ist letztlich für die Katz. Die Jerusalemer Bosse lassen Jakobus bei der erstbesten Gelegenheit vom Dach schubsen, mit einer Walkerstange erschlagen. Simon, ein weiterer Bruder, wird sein Nachfolger, aber dieser Irrweg zur Familiensekte endet kurz darauf tragisch im Schutt und in der Asche des brennenden Jerusalem.

Es sind Paulus und Petrus, die das Christentum aus dem verstaubten palästinensischen Sandkasten in die Metropolen bringen, Athen und Rom, und da gehört es auch hin, mitten unter die Menschen, denn die Nachfolger Jesu sind eine Bewegung, keine Institution.

Ermordet wurde Jakobus, der Vorsteher der Gemeinde, mit dem Werkzeug der Wollfilzer, weshalb ihn die Hutmacher zum Patron wählten.
Mitunter kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß der jetzige „Vorsteher der Gemeinde“ auch von Filzprofis umgeben ist, die mit ihren Bischofsstäben himmelhohe Filzmauern wirken. Wünschen wir dem lieben Franziskus, daß die Schlüssel des Petrus noch öffnen und daß das Schwert des Paulus gewetzt ist.

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