Sonntag, 25. November 2012
Heiliger des Monats Juli 2011: Mariä Heimsuchung
Heiliger des Monats Juli 2011: Mariä Heimsuchung

Fest: 2. Juli

„Mariä Heimsuchung“ – ein altfränkischer, kaum mehr verständlicher Name für diesen Festtag der totalen Frauenpower. Was war da los in Palästina ?

Joseph hat sich mit dem Teenie Maria verbandelt und schwebt im 7. Himmel. - Aber dann: eiskalte Dusche, Tiefschlag, die ist schon schwanger, oh nein, peinlich peinlich peinlich. Das Maria ihm was vom Engel erzählen will, macht die Sache nicht besser (echt nicht). OK, den Macho wird er nicht abgeben, er ist ein cooler Typ. Statt den wilden Mann zu spielen, denkt er über einen diskreten Hinterausgang nach.

Da schwant ihm im Traum, dass das sehr junge Ding an seiner Seite vielleicht wirklich Gott mit ins Spiel gebracht hat. Krass, was tun, Josef ist fromm. Ein „Siebenmonatskind“ gäbe endloses Getratsche, das Mädchen muss aus der Schusslinie. Also packt Maria ihr Rucksäckchen und schwirrt ab, „Tante Lissy besuchen“, nun denn.

Es muss gewaltig gefunkt haben, als die Ladies sich trafen: die alte Dame, wunderbarerweise schwanger mit Johannes dem Täufer, dem Urvater aller Punks, und Girlie Mariechen, schwanger mit seinem und unser aller nicht weniger wildem Chef. Jonnyboy tobt zur Begrüßungs-Umarmung im Bauch, und die beiden Mütter in spe packt der „furor poeticus“ – laut ruft Elisabeth: „Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.“ – und Maria setzt noch eins drauf und singt auf offener Straße:

„Meine Seele preist die Größe des Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.

Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten.

Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind.
Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben
und lässt die Reichen leer ausgehen.

Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen,
das er unseren Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.“

Wow, das nenne ich knackig getextet – für revolutionäre Lyrik von solchem Kaliber kommt man in Dutzenden von Staaten auch heute noch ins Gefängnis. „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen“ – hört sich anders an als „Gott erhalte Franz den Kaiser !“ (oder Karl den Kaputten oder Ferdinand den Verdrehten oder wie die Jungs alle hießen).

„Magnificat“, wie sich das Liedchen auf Latein nennt, wurde 1.000 mal vertont (hört Euch mal was auf You Tube an), aber Gema-Gebühren kriegt Maria keine, wohin auch überweisen ? Und ist jedenfalls ewig viel besser als alles aus den letzten 20 Jahren Eurovision Song Contest Geschwurbels ! – „Mariä Heimsuchung“: so ist Religion, wenn sie schön ist.

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