Sonntag, 25. November 2012
Heiliger des Monats Dezember 2011: Franz Xavier
Heiliger des Monats Dezember 2011: Franz Xavier

Fest: 3. Dezember

Patron Indiens, der Seefahrer und der Missionare

Wenn jemand alle „normalen“ Lebensziele wie Wein, Weib und Gesang, Kinder, Haus, Geld und bequemes Leben sausen lässt, sehen wir als Otto Normalverbraucher darin frustrierende Selbstverleugnung und würden uns das nicht freiwillig antun. Diese Einschätzung teilte mit uns der studierte und wohlhabende spanische Adlige Franz Xavier bis zu seinem 28. Lebensjahr uneingeschränkt und handelte auch danach. Bis ihn sein ebenfalls Franz benamster Freund aus Loyola, der spätere Gründer des Jesuitenordens, mit gescheiter geistlicher Lektüre in den Sommerurlaub schickte: und zurück kam ein neuer Mensch, ein Heiliger. So schnell geht das manchmal, wenn sich jemand frei macht, ein Ballon ohne Ballast steigt hoch.

Genau so war es Jahre vorher auch dem Heißsporn aus Loyola selbst ergangen, dem tollkühnen, todesverliebten Offizier. In einer Schlacht, in der alle Vernünftigen schon aufgeben wollten, ganz unnötig noch schwer verwundet, las er gelangweilt im Krankenbett Heiligenlegenden (weil nichts anderes da war) – und verstand: was ist der Kampf gegen warmduschende weicheirige französische Söldner im Vergleich zum Kampf gegen den Teufel selbst ? Ein Quatsch, ein Firlefanz, ein glattes Nichts !! Viel Feind, viel Ehr !!!

Franz von Loyola und seine Handvoll feuriger Mitstreitern gründen die „Gesellschaft Jesu“, den Jesuitenorden – und so ist das auch gemeint. Dieser junge Mann aus Palästina, der hatte doch gewollt, dass die Christen die Welt umkrempeln, Licht ins Dunkel bringen, die Herrschaft des Geldes brechen, den Aberglauben wegfegen (der die Menschen in so schrecklich enge Wege zwingt), die Liebe sonnenhell strahlen lassen und die Liebe zur Herrschaft bringen, ALL YOU NEED IS LOVE, brother, LET IT INTO YOUR HEART, sister !!!

Also rein ins Getümmel, wo es am dickesten ist: aus den neuen Kolonien in Afrika, Indien und weiter hinaus hört man nichts Gutes, da regieren Gewalt und Gier, da will Franz Xavier hin. Der Papst sieht das ähnlich und gibt ihm einen Titel und Briefe in die Hand.

Und was macht unser Franz Xavier jetzt ? Spielt er auf dem Schiff den dicken Prälaten der 7 Weltmeere ? Schlägt er mit seinen Vollmachten in Indien als Mini-Papst auf ? Der sich von den unterdrückten Indern in der Sänfte schaukeln und von den Kolonialbeamten bestechen lässt ?

Entgegen all den liebevoll gepflegten Vorurteilen zum Thema Kirche und Kolonisierung geht er die Sache ganz jesusmäßig an. Schon in Lissabon, wohin er zu Fuß gewandert ist, wohnt er nicht im Palazzo, sondern im Armenkrankenhaus und arbeitet dort auch. Sein Reisegepäck beschränkt sich dann auf die Klamotten am Leib und sein Gebetbuch, einen Diener lehnt er ab. Auf dem Schiff wäscht er sein Zeug selbst, kümmert sich um die einfachen Matrosen und unterrichtet sie unermüdlich, lebt von Almosen der mitreisenden Großkopferten. Glücklich in Indien angelangt, stößt er in der kleinen portugiesischen Kolonie Goa auf völlig haltlose, verrottete Zustände. Ausbeutung und Unterdrückung der Einheimischen sind der Alltag, die Europäer führen ein heilloses Lotterleben, Gemeinsinn ist ein Fremdwort.

Er erlernt mehrere Sprachen der Inder, wirkt unter ihnen und den Portugiesen täglich erfolgreich, sein Vorbild reißt einfach mit. Seine Botschaft der Liebe und der Gleichheit der Menschen aller Rassen und Hautfarben vor Gott begeistert die Menschen, tausende Inder werden Christen, Gesandte aus dem freien Indien bitten ihn hierhin und dorthin. Er bildet einheimische Missionare aus, mit ihm ist eine Apartheid nicht zu machen.

Dem portugiesischen König teilt er mit, Gott habe diesem die neue Welt nicht bloß zur Bereicherung, sondern vielmehr zum Wohle der Menschen und zur Ehre Gottes geschenkt, und wörtlich schreibt er: „Es ist mir, als hörte ich die Stimme Indiens von diesen Erdstrichen gegen den Himmel aufsteigen, klagend, dass von den Schätzen, womit es deine Schatzkammer bereichert, so wenig auf seine dringendsten Bedürfnisse verwendet werde.“ – heute würde er sich mit den Konzernen anlegen, geändert hat sich schließlich nichts.

Franz Xavier macht so weiter, der lässt sich nicht bremsen, Malaysia, Indonesien, 2 Jahre als einer der ersten Europäer in Japan, tausende Briefe mit Klartext Richtung Europa, eine Kerze, die an beiden Enden brennt, er stirbt mit gerade 48 Jahren auf einer Insel vor China.

Ein schönes Vorbild für „wenn, denn“. Kann nicht jeder, traut sich auch nicht jeder – aber halt ein viel viel schöneres Vorbild für ein Leben auf der Überholspur als all diese Pop-Stars, Film-Sternchen und Polit-Clowns, die irgendwann voller Drogen tot im Hotelzimmer, Swimmingpool oder Sportwagen liegen.

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