Sonntag, 25. November 2012
Heilige des Monats September 2010: Thekla von Ikonium
Heilige des Monats September 2010: Thekla von Ikonium

Festtag: 23. September

Patronin der Sterbenden, gegen Augenleiden, in Feuersgefahr

Den Heiligen Friedrich Spee des letzten Monats hat die Kirche noch nicht anerkannt, die heilige Thekla hat die katholische Kirche (nicht die orthodoxe) erst vor wenigen Jahren wieder aus dem Kalender gelöscht – beides schlecht begründet. Bei Thekla heißt es seitens der katholischen Offiziellen, ihr Leben und Wirken sei nicht hinreichend sicher belegbar – dabei gibt es Akten aus urchristlicher Zeit, viele Kirchenväter gedenken ihrer, schon in der Antike ist ihre Verehrung im gesamten östlichen Mittelmeerraum weit verbreitet, die Tradition ist stark und alt. Wieso diese Streichung, wo der Kirche sonst die Tradition wichtiger ist als Bibel, Fakten und gesunder Menschenverstand zusammen ? Der Wind weht hier von wo ganz anders her.

Thekla ist ein Teenager, als der heilige Paulus im Jahr 50 in ihrer Heimatstadt Ikonium (dem heute türkischen Konya) predigt. Zwei Tage lang hört sie ihm vom Balkon ihres Elternhauses aus zu: „Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen ... Selig, die das Fleisch keusch bewahren, denn sie werden Tempel Gottes werden ... Selig die Enthaltsamen, denn zu ihnen wird Gott sprechen.“ Sie ist hingerissen.

Mit dem Feuer der Jugend teilt sie ihren Eltern mit, wo der Hammer hängt, und ihrem Verlobten, dass sie nicht heiraten wird. Die Entscheidung, ihr Ding durchzuziehen, Gott mehr als den Menschen zu folgen, spirituell zu leben, steht. – Die üblichen Repressionen setzen ein: Paulus wird gegeißelt und rausgeschmissen, Thekla zum Feuertod verurteilt, kann aber (wie wunderbar auch immer) aus Ikonium fliehen und Paulus nach Antiochia in Syrien folgen. Dort wehrt sie sich erfolgreich gegen männliche Gewalt – und landet in der Arena vor den wilden Tieren, ein einzelnes Mädchen in einer fremden Stadt, wie es so geht. Sie überlebt, auch Dank des Eingreifens einer mächtigen Frau, der historisch gut belegten Königin Tryphaina von Pontos. So kann Sie in Myra, wohin sie in Männerkleidern gereist ist, endlich Paulus treffen, und erhält vom ihm den Auftrag, ihre Heimatstadt Ikonium zu missionieren. Sie wirkt dort auch erfolgreich, bevor sie nach Seleukia (dem heute türkischen Silifke) geht, wo sie ebenfalls viele Menschen bekehrt und im hohen Alter geachtet und verehrt eines natürlichen Todes stirbt.

Also warum haben die alten Männer in Rom Thekla aus dem Verzeichnis der Heiligen gelöscht? Eine erfolgreiche, jahrzehntelang tätige, vom Apostel Paulus höchstselbst eingesetzte Apostelin, Priesterin, Missionarin? Weil unsere verkalkten, verknöcherten, hartherzigen Hierarchen immer noch nicht verstanden haben, dass Gott den Menschen als Mann und Frau schuf, gleich berechtigt, gleich heilig, ganz wunderbare Geschöpfe, denen nichts fehlt – keinem von beiden.

Heilige Maria, hilf deinen Töchtern – und lass Hirn regnen, reichlich, du weißt schon wo

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