Sonntag, 25. November 2012
Heiliger des Monats November 2011: Martin von Tours
Heiliger des Monats November 2011: Martin von Tours

Fest: 11. November

Patron Frankreichs und zahlreicher Berufe, unter anderem der Soldaten, Weber und Schneider, der Bettler und der Gefangenen.

Martins Schicksalstag war nicht der mit dem Bettler. Da war er noch ein Teenager, nur durch Familientradition beim Militär, eigentlich im Geist schon ganz woanders. Mit der Mantelgeschichte machte er sich bei seinen Kameraden gründlich lächerlich, man verstand jetzt, der gehört nicht zu uns, Martin bekam kurz darauf seinen Abschied.

Der Tag, an dem sich vieles entscheidet, findet Martin in Trier. Obwohl ihn das Volk 14 Jahre zuvor zum Bischof von Tours gemacht hat, lebt er jetzt mit 54 Jahren noch genau so radikal arm wie immer seit dem er den Mantel teilte. Martin ist ein Menschenkenner, er weiß um die Macht des Geldes, wie sehr es das Werkzeug des Teufels ist. Keine 10 Pferde bekommen ihn aus seiner Hütte heraus in den Bischofspalast. Während der Messe verweigert er sich dem bischöflichen Thron, sitzt auf einem Holzschemel. Dem bettelnden Wanderprediger aus Galiläa folgt er nach, er meint es ernst. Das Volk verehrt ihn.

Seine Kollegen im Bischofsamt vererben ihre Posten seit Generationen in der Familie – genauer, seit Kaiser Konstantin die Bischöfe in den Rang von hohen Reichs-Beamten erhoben hat. Privilegien, viel Geld, de facto sind sie oft die Bosse ihrer Städte. Martin ist ein Kommunist für sie, sie wollen ihm am Zeug flicken, aber er ist einfach heilig, sie kommen nicht an ihn ran.

Wer noch dringender weg soll, ganz weg, sind die Anhänger und Freunde des Priscillian. Selber Bischof, predigt dieser wie Martin die Abkehr von Pomp und Protz, hält die Hingabe an fleischliche Begierden nicht für den Weg zu gutem Karma, ist Vegetarier, akzeptiert die Frauen in der Kirche als gleichberechtigt – und schreibt und spricht auch darüber, wird den fetten Prälaten gefährlich. Die lieben Mitbrüder im hohen Amt beschließen den Tod Priscillians, treffen sich in Trier mit dem Kaiser, dem sie nachfolgen, ihrem Goldesel.

Martin, der außer Gott niemanden fürchtet, kommt an diesem schrecklichen Tag dazu, redet mit dem Kaiser Tacheles, dass dem Hören und Sehen vergeht. Er muss versprechen, höchstens die Bischöfe unter den Freunden Priscillians abzusetzen – hat nicht Jesus selber gesagt, dass Unkraut soll mit dem Kraut aufwachsen, sortiert wird beim letzten Gericht?

Erst nach der Abreise Martins traut sich der Kaiser, den anderen Bischöfen ihren Spaß zu gönnen: der fromme Mitbruder Priscillian wird gefoltert und ermordet, seine Anhänger vor Sondergerichten abgeurteilt, die nebenbei auch das Vermögen der Opfer einziehen – es wird viel verdient und viel viel christliches Blut vergossen.

Martin ist entsetzt. Er wirkt weitere 15 Jahre in seiner Gemeinde, aber nie wieder besucht er auswärts einen Kirchentag, eine Versammlung. Er kann das feiste Pack nicht mehr ab. Er kennt sie jetzt. Es schüttelt ihn. Zum ersten Mal werden Priester von Priestern ermordet, der Böse fährt eine reiche Ernte ein im Garten des Herrn.

Heute tut die Amtskirche so etwas nicht. Weil sie nicht mehr will – oder weil sie nicht mehr kann ? Das sind so Fragen, die auch Bilder von babyknuddelnden Päpsten nicht beantworten. Die Kirche sollte sich ihrer aktuellen weltlichen Machtlosigkeit eigentlich herzlich freuen: das ist ja eine Chance. Fast wie damals. Auf Anfang.

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