Sonntag, 30. Juni 2013
Heilige des Monats Juli 2013 Anna
Heilige des Monats Juli 2013 Anna

Fest: 26. Juli

Schutzpatronin der Frauen, der Mütter, der Eheleute, der Familien

Die Oma vom lieben Gott, wow. Davon steht kein Wort in der Bibel, aber eine sehr früh einsetzende Tradition, fast noch zur Zeit der Augenzeugen, mag irgendeinen historischen Kern enthalten. In den ersten Jahrhunderten spielen diese Überlieferungen keine Rolle, alle Debatten konzentrieren sich auf die Lehre und Christus selbst, seinen Status in der Heilsgeschichte. Als 451 das große Konzil von Chalkedon endlich einen Schlußstrich zieht und definiert, daß Jesus wahrer Mensch und wahrer Gott zugleich ist, wird seine bürgerliche Biographie interessanter.
Wenn Jesus nämlich einerseits wirklich wahrer Mensch ist, dann ist Maria andererseits tatsächlich „Mutter Gottes“: und mit dieser ungeheuerlichen Aufwertung Mariens steigt auch die Konjunktur für weitere Verwandtschaft. Die bestehenden Legenden treiben neue wilde Blüten, zu Annas Mann Joachim treten der im Witwenstand geehelichte Zweitmann Cleophas und nach dessen Verbleichen als Dritter im Bunde Salomas: alle Ehen mit Töchten namens Maria gesegnet, mit Kindern und Kindeskindern, darunter der Chef höchstpersönlich sowie die Apostel Jakob der Ältere und Jakob der Jüngere, Johannes Evangelist etc.pp., eine unüberschaubare Schar. Ganz ekstatische Skribenten wollen schließlich gar von Jesu Urgroßeltern Stollanus und Emerentiana wissen, auf Gemälden der „Heiligen Sippe“ tobt eine komplette Kita durch den Saal.

Die Kirche im Osten bekennt sich früh zum bunten Trubel, während die nüchternen Theologen des Westens sich zieren. Es dauert hier volle 1000 Jahre, bis der zähe Druck der Massen die Dämme der Doktoren bricht und 1481 die Aufnahme Annas in den römischen Festkalender erzwingt.

Die Volksfrömmigkeit liebt das Begreifbare, das Anschauliche, mißtraut zutiefst der Spekulation. Jesus eingebunden in eine rundum weiblich dominierte Familie mit Großmutter Mutter Tanten, wo weder die Männer der Anna noch der brave Joseph irgendeine Rolle spielen, wo Jesus von der Wiege bis zur Bahre Sohn einer allgegenwärtigen Mutter bleibt – und nur sie steht unterm Kreuz, zusammen mit den Tanten, Johannes muß parieren, wird der Mutter zugeschlagen - das gefällt den Frauen Europas, und die tragen schließlich die Religion, wer bringt der nächsten Generation das Beten bei, etwa die Männer ? Um 1500 ist Anna der Superstar unter den Heiligen, an jeder Ecke werden ihr Kirchen und Kapellen geweiht, alles schwelgt im Familienrausch, Blut ist dicker als Wasser.

Die Reformation bringt dann einen Knick. Luther, ursprünglich selber ein heißer Annen-Verehrer, läutet die „Vermännlichung“ des Christentums ein. Nicht mehr sinnliche Volksfrömmigkeit soll das Bild der Kirche prägen, sondern ausschließlich von Männern dargebotene trockene Schrift-Exegese, eingebettet in stundenlange Predigten, wo Männer ex cathedra Moral predigen dürfen bis zur Erschöpfung aller Beteiligten, und Amen. Das reiche Ordensleben der Frauen mit ihren ganz eigenen Wegen mystischer Gotteserfahrung wird zu Gunsten der Gönner Luthers, der adligen Herren, die alles beschlagnahmen und verjubeln versaufen, ersatzlos zerschlagen. Er selbst heiratet eine Nonne und schickt sie an den Kochtopf, hält großzügig Hof im geklauten Kloster.

Und heute ? Die Protestanten haben gelernt, Frauen sind dort in Amt und Würden, prägen die Kirche zum Wohle aller. „Gott schuf den Menschen als sein Ebenbild; nach Gottes Bild erschuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie.“
Und die Katholiken ? Den Jesus haben sie aufgemotzt, der darf jetzt fresh sein, überall Jugendgottesdienste für die Handvoll gläubiger Teenager – aber Gottvater, an dem wird nicht gekratzt, der kommt irgendwie immer noch rüber wie Osama bin Laden, keine Spur davon, daß nicht nur Adam sein Ebenbild ist, sondern auch die kurvenreiche Eva, dat lecker Mädche. An der Basis rumort es derweil gewaltig. Landauf landab halten Frauen Sonntag für Sonntag Wortgottesdienste, stehen Verheiratete beiderlei Geschlechts am Ambo und machen einen guten Job.

Stoßgebet: Heilige Mutter Anna, Du hattest Deine Männer und den ganzen Clan doch fest im Griff: kannst Du Deinen Lieblingsenkel nicht dazu bringen, die schlamperte römische Junggesellenwirtschaft aufzumischen ? - Ich gelobe feierlich: nach meiner ersten Messe mit einer waschechten katholischen Priesterin am Altar gehe ich zu Fuß von der Eifel runter nach Düren und bete bei Deinem Haupt einen Rosenkranz !

Da fließt noch viel Wasser den Rhein runter, klar - aber ich lebe gesund und bin viel an der frischen Luft – wenn der Chef das vorher nicht hinkriegt und ich über 100 werden sollte, bevor sich was tut, dann komme ich eben im Auto und schiebe ersatzweise den Rollator dreimal um die Kirche.

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Sonntag, 26. Mai 2013
Heiliger des Monats Juni 2013 Antonius von Padua
Heiliger des Monats Juni 2013 Antonius von Padua

Fest: 13. Juni

Schutzpatron vieler Berufe, der Liebenden, der Eheleute, der Frauen in all ihren Nöten, der Armen, um eine gute Ernte, verläßlicher Helfer der Suchenden

Moderne Lebensbeschreibungen weisen Brüche und wilde Wendungen auf, selbst das Curriculum Vitae in der Bewerbung um einen Managerposten darf sich heute mit einer Auszeit als Zirkusclown in Kolumbien schmücken.

Antonius dagegen ist fromm von Anfang an, statt wilder Jugend und folgender Bekehrung wächst er gleich im Kloster auf, wird Mönch und bleibt es, erst in seinem Geburtsland Portugal, später in Italien bei den neuen Franziskanern, als deren erster Theologe er auf persönliches Bitten des heiligen Franziskus wirkt. Auch wenn er manchmal vor vollen Stadien predigt, der äußere Verlauf seines Lebens bleibt unspektakulär und, wie seinerzeit üblich, kurz: er stirbt in Padua am 13. Juni 1231, erst 36 Jahre alt.

Warum ist dieser Antonius so populär, warum ist er der vielleicht meist verehrte Volksheilige schlechthin ? Weil er Wunder wirkt, Wunder ohne Ende, Wunder am laufenden Band. Wunder zu Lebzeiten in ungezählter Menge, Wunder nach seinem Übergang in die bessere Welt, Wunder über Wunder. Antonius war offensichtlich davon überzeugt, daß bei uns Weltkindern „Viel viel hilft“, und so versetzt er Berge, löst Knoten, führt heraus aus Labyrinthen. Rund um den Globus wenden sich Millionen täglich zu ihm in Verzweiflung über Verlorenes, und Antonius bringt Sortier in diese widerspenstige Dingwelt, das durfte auch der Autor dieser Zeilen erfahren.

Natürlich kann man rumklügeln und angestrengt nach nicht-spirituellen Gründen für solche Erlebnisse suchen - wem´s Spaß macht, da wird sich schon was finden.
Man kann Wunder aber auch einfach staunend geschehen lassen, und zum Dank ein Gebet losschicken, eine Kerze anzünden, ein paar Blumen in die nächste Kapelle stellen, ein paar Euro extra dorthin schicken, wo sie gebraucht werden.

Wunder, eins der letzten Tabus. Normalbürger zucken zusammen, Religionslehrer winden sich wie die Aale, Berufsintellektuelle schütteln ihr schütteres Haar.
Warum das Aufgeregsel ? Wenn man an Gott glaubt, an das unseren Alltag und Kleinkram krass Übersteigende, dann sind Wunder das Normale, durchdringt der Schöpfer seine Schöpfung, ist sein hell leuchtender Funke so allgegenwärtig wie der Tau in der Wiese.
Jungferngeburt, Auferstehung, Visionen aller Art, das sind doch Peanuts für den Chef, da braucht der doch keinen Schlaumeier, ihm zu erklären, daß er das eigentlich nicht darf.

Na ja, und wenn man nicht glaubt, dann braucht man sich auch nicht zu wundern.

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Mittwoch, 1. Mai 2013
Heiliger des Monats Mai 2013 Brendan der Reisende
Heiliger des Monats Mai 2013 Brendan der Reisende

Fest: 16. Mai

Schutzpatron der Segler und Windsurfer

Zu der Zeit, als Patrick, Apostel der Iren, seinen Platz hoch auf den Stufen des ewigen Thrones der Gottheit einnimmt, wird Brendan in ein wildes, von Kampfgetümmel und niemals verklingendem Schlachtenlärm erfülltes Irland geboren; dessen Dächer von den Fackeln des Krieges, dessen Herzen von den Flammen des heiligen Geistes brennen und lodern. So viele bluttriefende Schwerter, so viele mit der vollen Macht des Herrn ausgezeichnete heilige Frauen und Männer, die es nicht auf ihrer Insel hält, die ihren alles überwältigenden Glauben mit der Menschheit teilen wollen. Durch ganz Europa ziehen sie zu Fuß und unter Segeln, Tage und Nächte, Leben lang. Kelten auf Speed christianisieren England, krempeln den ganzen Kontinent um. Die machtgeil sachlichen Franken wissen gar nicht recht, wie ihnen geschieht, die kultivierten städtischen Romanen staunen Bauklötze, die geistliche Flut der Rotschöpfe ist nicht aufzuhalten.

Brendan wird 512 zum Priester geweiht, und in seinem hundertjährigen Leben wendet er sich unermüdlich seinen keltischen Schwestern und Brüdern zu. Er lehrt, bekehrt, heilt und tröstet in Irland, Schottland, Wales und der Bretagne, wo immer die alte „britische“ Sprache noch unangefochten herrscht.

Clan-Chefs mit der Axt in der Hand zu trotzen, nicht mehr Besitz als die Kutte auf dem Leib, Kirchen bauen mit bloßen Händen, ganze Stämme taufen in eisigen Bächen, auf ein paar Brettern übers Meer.
Uns heutigen scheint ein solches Leben fabelhaft, nicht nachlebbar, aber was wissen denn wir schon ? Leben ist nicht gleich Fernsehen, und umgekehrt.
Mit Ende 40, also in einem Alter, in dem Bundesrepublikaner wie wir das Haus abbezahlt haben und nun darauf warten, wie die Rente auf einen zukommt, setzen sich Brendan und seine wettergegerbten Brüder mal wieder ins Boot. Richtung London, oder Paris, oder gleich nach Rom, neue Gebetbücher holen ? Nein, geht gar nicht Digga, die Jungs hassen Routine. Wo ist noch überhaupt nie keiner nicht hingefahren ? Nach Westen !! Und ab schippern sie in den Sonnenuntergang, Psalmen auf den Lippen zu der schönen Melodie „Ick hew mol en Hamborger Veermaster seen“.

Als die Truppe 7 Jahre später ihr Boot wieder auf den heimischen Strand zieht, hat man viel zu erzählen. Erstens, man fällt von der Erde nicht runter, da ist noch jede Menge Wasser („don´t push me cause I´m close to the edge“) – „und zweitens waren wir in Amerika, staunste !?!“

Klar, die können viel erzählen, wenn der Tag lang ist – aber wo zum Teufel sollen die denn sonst so lange gewesen sein ? Die haben doch nicht 7 Jahre auf den Ruderbänken gesessen und geangelt ! Ab nach Westen, zurück aus dem Westen, eigentlich kein Kunststück, nur altmodische Schwerarbeit.
Kolumbus kannte die Story, der hat dran geglaubt – war dann ja irgendwie auch einfacher als gedacht, man muß nur machen und nicht zu bang sein.

Äußerst unsichere Zeiten vermitteln Brendan und seinen wandernden Gefährten die Wahrheit, daß sich ein Menschendasein trotz seiner offensichtlichen Kürze nicht planen läßt. Gottesglaube heißt Vertrauen, immer frisch ans Werk, Gut und Schlecht kann jeder auseinanderhalten.

Angst und Grübelei dagegen sind Sendboten der Hölle, die Melancholie völlig zu Recht eine der sieben Todsünden, Skeptizismus die Discount-Religion der Warmduscher und Drückeberger. „Was ist Wahrheit ?“ fragt Pilatus, der Sack, dabei weiß er doch genau, was gespielt wird, wie wir.

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Montag, 1. April 2013
Heiliger des Monats April Werner von Bacharach
Heiliger des Monats April Werner von Bacharach

Fest: 19. April

Schutzpatron der Winzer oder
Schutzpatron des Antisemitismus, der Judenverfolgung und der reuelosen Mörder

Gründonnerstag 1287 wird in Bacharach am Rhein der erst 16 jährige Winzer-Tagelöhner Werner ermordet aufgefunden. Seine Leiche ist schlimm zugerichtet, es war wohl ein Sexualmord an dem völlig mittellosen Teenager. Wer immer sich an ihm vergangen hat, suchte sich gezielt einen schwachen und arglosen jungen Menschen ohne Familie und Anhang aus, das perfekte Opfer, der arme Kerl wurde schon im Hunsrücker Heimatort vom Stiefvater geprügelt, schließlich rausgeworfen. Vielleicht ist alles lange geplant, der Täter aus der Nachbarschaft - wie es so zugeht in dieser besten aller Welten.

Jetzt sollten die lieben Bürger nachfragen: wer hat den Werner zuletzt gesehen, wer waren seine Freunde – oder auch Feinde, gab es Streit ?
Die Honoratioren von Bacharach wählen nach ausgiebiger gemütlicher Beratung bei ein paar Gläschen Rheinwein eine Abkürzung des üblichen Procedere. Man beschließt, nicht den Mörder des Habenichts zu suchen (der sich möglicherweise in den eigenen Reihen fände, sehr unangenehm), sondern statt dessen – Überraschung ! - gleich noch ein paar Nachbarn mehr umzubringen. Die überschaubare christliche Gemeinde von wenigen Hundert Einwohnern schlachtet daraufhin über Ostern gut 30 der jüdischen Bacharacher ab. Die haben zwar rein gar nichts mit dem Mord zu tun, aber Vorteil 1: man plündert zusätzlich deren gesamten Besitz und spart sich so die Ausgaben für Ostergeschenke; Vorteil 2: man ist all der lästigen Schulden ledig, die man bei den weinhandelnden jüdischen Geschäftspartnern hatte und kann den bereits verkauften Wein erneut losschlagen - oder selber saufen, Wohlsein !

Eine Begründung für ihr doch sehr durchschaubares Gemetzel liefern die arischen Bacharacher auf Anfrage nach. Böse böse Juden hätten den Werner nach der Gründonnerstagsmesse abgefangen, in einem Keller an den Füßen aufgehangen, damit er die Hostie des Abendmahls wieder ausspucken solle, und ihn folgends zu Tode gefoltert.

Diesen haarsträubenden Quatsch glaubt ihnen kein Mensch, so dumm ist nicht mal das Mittelalter, auch nicht den Bacharachern zuliebe. Die übergeordneten Obrigkeiten (Bischof, König, Kaiser) verurteilen das Blutbad an friedlichen, unschuldigen Untertanen scharf mit deutlichen Worten. Höheren Orts ist man sogar richtig gründlich sauer, denn alle Juden im Reich zahlen ihre Steuern an Bischof König Kaiser, jetzt haben aber die Bacharacher die schönen, blutigen Talerchen alleine eingesackt, und natürlich gibt eine tote Kuh keine Milch.

Wer Unrecht hat, der häuft es gern. Als die fröhlichen Winzersleute merken, daß der Shitstorm an ihnen vorbeirauscht und ihre Mordorgie ungestraft bleiben wird, legen sie gleich noch eins drauf. Aus dem armen Werner, der in seinem kurzen Leben außer schlechtbezahlter Arbeit und dem letztlichen Todesstoß nichts von ihnen bekommen hat, machen sie mit atemberaubender Frechheit einen Märtyrer. Man investiert einen Teil des gestohlenen Geldes schlau und nachhaltig in Infrastruktur, in den Bau einer weithin sichtbaren Werner-Kirche, die dem verkehrsgünstig am Rhein gelegenen Wein-Ort viele durstige Pilger mit vollem Geldsack bringen soll. Zuerst bockt der nachtragende Bischof zwar, beschlagnahmt ihnen einmal sogar die Baukasse unterm Hintern weg, aber Zähigkeit siegt und irgendwann ist ihr Werner richtig amtlich heiliggesprochen.

Und jetzt ratet einmal, liebe Leserinnen und Leser, wann dieses außergewöhnlich schäbige Verbrechen samt dessen extra dummdreister Vertuschung namhaft gemacht und der falsche Heilige wieder kassiert wird ? In der Reformation ? In der alte Zöpfe abschneidenden Gegenreformation, in der Aufklärung, in der französischen Revolution ?
Im 1882 erschienenen 5. Band des offiziösen, bischöflich genehmigten „Vollständigen Heiligen=Lexikons (Stadler)“ werden die mittelalterlichen Lügen unverändert als Fakten aufgetischt, die Opfer zu Tätern gemacht, „weshalb sie der verdienten Strafe nicht entgingen“, man traut seinen Augen nicht. Verdiente Strafe ? Selbst wenn das blöde Horror-Märchen komplett wahr wäre und einige Juden so zum Spaß vor Ostern einen Christen filetiert hätten (was für ein irrer Käse überhaupt !), wäre das doch überhaupt keine Entschuldigung dafür, im Gegenzug 30 Menschen zu ermorden, allen (!) Juden den Besitz zu nehmen, die Überlebenden zu vertreiben. Wie dunkel muß es im Oberstübchen von Herrn Pastor Ginal und dem seiner geistlichen Mitautoren ausgesehen haben, wie wenig paßt solch ein dummer, finsterer Haß in ein Lexikon von Heiligen, die doch dem Gott der Liebe inbrünstig nachgelebt und entgegengestrebt haben.

Nein, auch wenn es richtig weh tut, der Kelch des Fremdschämens will bis zur Neige ausgetrunken werden: erst 1963, ein Jahr nach dem „Love me do“ der Beatles, 6 Jahre vor dem Flug zum Mond, streicht der zuständige Trierer Bischof den so vielfach mißbrauchten Werner aus dem Festkalender. 1963 ! Vorher, also auch nach 1945, wurde sein Tag fleißig gefeiert, ohne schlechtes Gewissen darüber, daß dieser wirklich tiefbraune Mist den Nazis schön breit den Weg geebnet hat, nicht aber dem Herrn.

Es gibt Fortschritte, klar: eine Werner-Kapelle in Oberwesel wurde kürzlich umgeweiht, und in den eindrucksvollen Resten der Werner-Kirche in Bacharach wurde ein „Sorry“-Plakettlein angebracht – um weiter mit der pittoresken Ruine touristisch werben zu können, das unrechte Gut gedeiht und läßt das Geld im Kasten klingen.
Zu später Stunde unterwegs auf der A61 heimwärts Richtung Eifel winkt das Hinweisschild der „Bacharacher Werner-Kapelle“ dem Wissenden recht schaurig zu, und oft habe ich mich gefragt: was denken sich jüdische Automobilisten in solchen Augenblicken, in deutscher Nacht auf deutschen Autobahnen „den Straßen des Führers“ ?

In seinem heute evangelischen Hunsrücker Geburtsort Womrath steht bis dato ein schmuckes Wernerkapellchen, und die Website der Verbandsgemeinde faselt, auch nach über 700 Jahren von keinerlei Kenntnis getrübt, vom „Märtyrerknaben Werner“ ( http://www.kirchberg-hunsrueck.de/wissenswertes38.html ).

Warum in drei Teufels Namen dauert die Aufarbeitung so vieler so platt offensichtlicher Dinge so befremdlich peinlich endlos lange ? Hat das Papamobil ein Gaspedal ? Und kann mal jemand Super tanken ?
Die Geduld vieler mit vielem ist gänzlich am Ende, so bahnen sich Revolten an.

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Sonntag, 24. Februar 2013
Heiliger des Monats März 2013 Dismas
Heiliger des Monats März 2013 Dismas

Fest: 25. März

Schutzpatron der Todgeweihten und der zum Tode Verurteilten

Als der Zimmermannssohn genug vom Dickebretterbohren hat und endlich loslegt, kann man sich gar nicht schnell genug im Keller verstecken. Alles, was am schönen blauen See Genezareth bei drei nicht auf den Bäumen ist, wird gecastet, Karpfenschlitzer, Steuerheinis, politische Wirrköpfe, egal und herzlich willkommen in der Mannschaft.

Bereits zu Lebzeiten Jesu wundert man sich über die Bauerntrampel, mit denen er durch die Lande zieht. Den Jerusalemern sind das galiläische Dialektstammler, die ihre Memorabilien in einer geradezu schmerzlich schlichten Sprache niederschreiben – so sie denn überhaupt schreiben können, horribile dictu.

Es gab wohl tausend treffliche Gründe für den Messias, sich bei der Auswahl seines terrestrischen Teams der erstbesten Dahergelaufenen zu bedienen.
Der Chef weiß schließlich mehr, als „Impulsveranstaltung“ steht Pfingsten im Firmenkalender, und reichliche Gaben von heiligem Geist werden der Gurkentruppe Feuer unterm Hintern machen: paßt schon.

Immer aber kann sich selbst die personifizierte Sanftmut nicht mit dem Gedanken an ein zukünftiges Update über das Elend hinwegtrösten. Wenn diese Vollpfosten auf offener Landstraße gerade mal zehn Meter hinter ihm sich die Köpfe blutig schlagen über der Frage, wer im Gottesreich welchen tollen tollen Job bekommen wird; wenn ihm alle neidhammelig nicht gönnen, daß ein Groupie seine frischgewaschenen Füße massiert; wenn ihm Petrus zum soundsovielten Male lautstark vor allen Leuten die Welt erklärt (und dieses Großmaul ihn dann wortgewaltig verleugnet, als es drauf ankommt) – dann reißt Jesus der Geduldsfaden, gefühlte Stunden kann er den Haufen plätten und zusammenfalten, Herrgottsakramentkruzifixnochmal.
Menschlich verständlich haben uns die Evangelisten von diesen spezielleren Herrenpredigten nur recht zarte Andeutungen überliefert.

Golgotha ist dann die Krönung des gruppendynamischen Prozesses. Er hängt gefoltert am Kreuz seinem Tod entgegen, nahebei auf einem Weg ist business as usual, die Leute kauen ihren Döner und machen sich lustig, spucken, werfen Steine, reißen Witze; selbst einer der mit ihm Todgeweihten würgt mit letzter Kraft dumme Sprüche auf den König in ihrer Mitte heraus – und seine Apostel, die Säulen der Kirche, die heiligen Zwölfboten - „standen in einiger Entfernung vom Kreuz“, wie Lukas gewohnt zurückhaltend formuliert. Einer der letzten Gedanken Jesu wird gewesen sein, „wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde“.

Und da hat der heilige Dismas seinen Moment in der kosmischen Geschichte des Heils. Er, der Mörder Vergewaltiger Schwerverbrecher am Kreuz zur Rechten des ungekrönten Königs von Juda; der nun so leidet, wie ehedem seine Opfer litten; für den es unaufhaltsam dem Tod entgegen geht; dieser Dismas sagt seinem Räuber-Kumpan, er solle das Maul halten und im Angesicht des Endes Gottesfurcht zulassen. „ Wir hängen am Holz, hätten besser früher hier gehangen. Der da hat nichts getan und stirbt wie wir. - Jesus, Mann Gottes, denk an mich.“
Und Jesus, der noch ungekrönte König, schlägt am Kreuz, diesem mystischen Thron des Menschensohnes, den Strauchdieb Dismas zum Ritter. „Der Abend dieses elenden Tages sieht uns beide – beide - nirgendwo anders als beim Vater. Uns erwartet das Paradies.“

Geprügelt haben sich seine Apostel, die Säulen der Kirche, um den Platz zu seiner Rechten. Als er aber zu vergeben war, der Platz zu seiner Rechten, da „standen sie in einiger Entfernung“, auf der Zuschauertribüne.
Und auf ewig am Thron steht Dismas, der schwarze Mann, der Böse, der einzige Heilige, den Gott selbst heiliggesprochen hat.

Sage mal einer, der Chef hätte keinen Humor – und Rache ist Blutwurst.

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Sonntag, 27. Januar 2013
Heilige des Monats Februar 2013 Methodius und Cyrillus
Heilige des Monats Februar 2013 Methodius und Cyrillus

Fest: 14. Februar

Patrone der Slawen und der slawischen Länder

Das frühe Mittelalter ist der öffentlichen Meinung eine finstere Zeit. Unwissende Mönche predigen Wasser und trinken Wein, am Wochenende wird eine Hexe geröstet, alles hockt dumpf und dumm hinter dem eigenen Misthaufen. Die vorhergehende griechisch-römische Antike hingegen war der lichte Garten Eden, mit Fußbodenheizung, gewitzten Philosophen und rauschender Wasserspülung.

Lieb gewonnene Legenden eignen der Kirche in reicher Fülle, aber diese Märlein werden heute in Anführungsstriche gesetzt, man erinnert sich ihrer mit Ironie.
Anders bei den verdrehten Halbwahrheiten der Aufklärung, die ihren Status als Fakten seit 200 Jahren so zäh und bierernst wie je ein päpstliches Dogma verteidigen.

Dabei verfolgt doch nicht das Mittelalter selbsternannte oder so bezeichnete „Hexen“, wohl aber taten das Antike und Neuzeit. Im Mittelalter gilt „Zauberei“, ähnlich wie heute, als gegenstandslos, da nicht real, als Selbsttäuschung beschränkter Gemüter. Alle Wundermacht gründet in Gott, was soll Magie da anderes sein als Kinderei.
Edle Einfalt, schlichte Größe, Humanität und überlegene Kultur ? Ein Drittel der Menschen im römischen Reich lebt in der Sklaverei, ist rechtlich Sache, darf gefoltert, vergewaltigt, getötet werden, wird gefoltert, vergewaltigt, getötet, denn was der Mensch darf, das tut er meist auch.

Das christliche Mittelalter gesteht bei aller alltäglichen Härte jedem Menschen eine Seele zu, vor Gott sind wir gleich. Diese Haltung konfrontiert die eigentliche Skaverei, sie wird an den Rand gedrängt, ist kaum mehr ein Thema. Das antike Rom wollte und konnte in keinem seiner gut 1.200 Jahre ohne diese gelebte barbarische Menschenverachtung sein.

Methodius und Cyrillus, Brüder, Kinder eines Beamten der oströmischen Verwaltung am schönen blauen ägäischen Meer. Hätten sich dort als gut ausgebildete Studierte im 9. Jahrhundert ein feines Leben machen können. Da beide aus Überzeugung Christen sind, schließlich Priester werden, tun sie Dinge, die in der durch und durch egoistischen Antike niemand, aber auch wirklich gar niemand getan hätte. Als ein Herrscher der zwischen Abend- und Morgenland beheimateten Slawen beim Papst in Rom und beim Kaiser in Konstantinopel darum bittet, ihm fähige Leute zu schicken, die seinen Völkern das Christentum nahebringen können, machen sich die beiden auf den Weg. Thessaloniki, die Heimatstadt der Brüder, grenzt schon an von Slawen besiedeltes Gebiet. Beide sind deren Sprache mächtig, vielleicht hatte die Mutter dort ihre Wurzeln.
Nachdem Methodius und Cyrillus Bulgarien und den Balkan bis hinauf nach Böhmen durchquert und sich ein Bild der Lage gemacht haben, treffen sie eine weitreichende Entscheidung. Im ehemaligen weströmischen Reich ist Latein die meistverstandene und deshalb auch die in der Kirche verwandte Sprache, im Osten entsprechend das Griechische. Die Slawen sind eine neue Größe, Volksbildung und Glaubensunterrichtung können hier erfolgreich nur auf Slawisch erfolgen.
In Kürze entwickeln sie eine komplett neue, dem Slawischen angepaßte Schrift (die Urahnin des nach einem der Brüder benannten Kyrillisch), übersetzen in atemberaubenden Tempo Bibel und Liturgie, lehren lehren lehren, hieven mit einem Hauruck die Kultur fast aller slawischen Völker hinauf in die Schriftlichkeit. - Dies riesige Werk wird in wenigen Jahren vollbracht, während Kriege toben, neidische Widersacher inner- und außerhalb der Kirche ihnen das Leben schwer machen, tausende und abertausende Kilometer legen sie per pedes apostulorum zurück.

In Zeiten wie den unseren, wo vielköpfige Kommissionen hinter warmen Öfen sitzend Jahrzehnte für zaghafte Rechtschreibreförmchen brauchen und nach aktuellem Bildungsbericht fast ein Zehntel der Deutschen ganze oder halbe Analphabeten sind, bekommt unser angelerntes Überlegensheitsgefühl beim Thema Mittelalter einen leisen Anstrich von Hochstapelei.

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Samstag, 29. Dezember 2012
Heiliger des Monats Januar 2013 Thomas von Aquin
Heiliger des Monats Januar 2013 Thomas von Aquin

Festtag: 28. Januar

Schutzpatron der Universitäten und Schulen sowie aller dort Lehrenden und Lernenden

Geistige Bewegungen brauchen mal mehr, mal weniger gedanklichen Überbau. Genügt dem Punk ein einziges Wort („nein“), so bringt es der Marxismus-Leninismus auf breite weite Bücherwände – durchaus in der Nachfolge des gestopft rappelvollen kirchlichen „Palastes der Scholastik“.

Die Grundlage dieser katholischen Gelehrsamkeit ist ganz amtlich der Thomismus, die gesammelte Schreibe des Thomas von Aquin: bis heute, das letzte Konzil hat´s bestätigt. Tausende und abertausende von Seiten Theologie, eisern konsequent durchgedacht, viel Plato, den ganzen Aristoteles, die Kirchenväter, die Tradition, die Bibel, alles drin, alles stramm auf Linie gebracht, ein geschlossenes System, von dem Querdenker abperlen wie der Regen vom frisch gewachsten Papamobil.

Der kleine Tommy hat nicht wirklich eine Chance: 1225 geboren landet er 1230 im Kloster, eine Berufung direkt aus der Windel in die Kutte. Der Abt von Monte Cassino ist ein Verwandter seiner adligen Familie, und Tommy soll irgendwann mal was Großes mit spitzer Mütze werden. Ein bißchen heiligen Bock zeigt der Teenager, als er durchsetzt, zum neuen Bettelorden der Dominikaner gehen zu dürfen – ansonsten verläuft sein Leben schnurgerade, nie wird er vom 5. Lebensjahr bis zu seinem Tod etwas anderes tun als Theologie zu lernen und zu lehren. Mit messerscharfem Verstand ordnet er, was Antike und Mittelalter bisher so zusammengebracht haben, und nennt das Ergebnis „Summa Theologia“, will sagen „wir haben fertig“.

Wie viel Überbau braucht eine Bewegung ? Was bietet hilfreiche Antworten gegen Spinner, was ist erwürgendes Zuviel ? Es sind ja nicht zufällig die Theologen ihrer Zeit, die den unberechenbaren Sponti Jesus ans Kreuz bringen, nachdem sie ihm Tag für Tag an den Hacken geklebt, das Leben versauert und jedes, aber auch jedes Wort im Mund verdreht haben. In grausligster Pharisäer-Tradition rechtfertigt Thomas bei Gelegenheit die Todesstrafe für Abweichler, Andersdenkende – wie war das, „besser einer stirbt für das Volk ...“ ? Oder schärfer: hätte der wilde Zimmermann aus Nazareth eine Chance gehabt, unseren heiligen Thomas zu überleben ?

Jesus sagte „all you need is love, sonst nix“. Nie hat er was geschrieben, nie sieht man ihn den Staub der Bibliotheken aufwühlen. Sein Leben ist seine Predigt, und die versteht, mit Verlaub, jeder Depp.

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Montag, 10. Dezember 2012
Heilige des Monats Dezember 2012: Barbara von Nikomedia
Heilige des Monats Dezember 2012: Barbara von Nikomedia

Gedenktag: 4. Dezember

Patronin der Mädchen, Schützerin vor unverhofftem Tod, vor Blitzschlag, Patronin der Gefangenen, der Bergleute, der Artilleristen und vieler Berufe

Naher Osten, ein großbürgerlicher Haushalt, die Tochter im Teenageralter. Der Vater regiert seine Familie mit harter Hand, die Mutter duckt sich bis zur Unsichtbarkeit weg, das Mädchen muss parieren, wird weggesperrt. Dabei hat die Kleine was auf dem Kasten, stellt Fragen über Gott und die Welt, die ihr niemand beantworteten kann, niemand beantworten will.

Das Patriarchat lebt und es reagiert wie erwartet: so früh wie eben möglich soll die schöne Tochter verheiratet werden, „dann hört das dumme Gequatsche von alleine auf“. Die Braut in spe zeigt sich aber sperrig, will stattdessen lernen; man hat ihr eine Falle gestellt, wohin sich drehen und wenden?

Sie wagt das Ungeheuerliche: der Vater ist auf einem Business-Trip, sie hatte vom Christentum gehört, Briefe aus ihrem heimischen Gefängnis geschmuggelt; als Arzt getarnt besucht sie ein Priester und tauft sie in der Badewanne.

Im Zorn über diese Auflehnung will der Vater sie auf der Stelle totprügeln, sie entwischt, wird verraten, nach Hause geschleift, dem Kadi übergeben. Übertritt zum Christentum heißt Todesstrafe. Nach den üblichen unvorstellbaren Grausamkeiten entreißt der ganz rasende Vater dem Henker das Schwert, köpft seine Tochter selbst. Jetzt ist die Ordnung wieder hergestellt, wo kämen wir auch hin, und sie war ja auch nur ein Mädchen.

Wann spielt diese Geschichte? 306 nach Christus? Oder 2012? Lässt sich so nicht sagen, und das ist wirklich durch und durch frustrierend.

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Sonntag, 25. November 2012
Heiliger des Monats November 2009 Acepsimas von Cyrrhus
Heiliger des Monats November 2009 Acepsimas von Cyrrhus

Fest: 03. November

Laßt uns eine Lanze brechen für die Einsiedler, die Totalaussteiger, die Super-Freaks !
Heute kennen wir (fast) nur noch himmlisches Bodenpersonal, das in Wohnungen mit Zentralheizung wohnt, lange und ordentlich studiert hat und anständig bezahlt wird.
Verlauste, stark riechende Catweazles in Kartoffelsäcken würden wir dagegen kaum direkt als heilige Männer und Frauen ansprechen.

Einer von unzählig vielen: der heilige Acepsimas. Er lebte 60 Jahre lang im 5. Jh. als Einsiedler in den Höhlen nahe der Stadt Cyrrhus - heute eine Ruinenstätte in Syrien. In hohem Alter, kurz vor seinem Tod, wurde er noch zum Priester geweiht. Der Bischof seiner Stadt überliefert uns seinen Namen - und das war's. Was soll man über einen Einsiedler auch schon groß schreiben ? Mit anderen Menschen hat er ja nichts am Hut, er heißt ja nun Einsiedler, nicht Zwei- oder gar Dreisiedler.

In der ganzen christlichen Welt gab es Einsiedler, Eremiten, Klausner. Hier in Deutschland suchten sie sich abgelegene Orte in den ehedem reichlich vorhandenen Wäldern, in Ägypten lebten sie in der Wüste, am Meer oft auf wellenumtosten Inselchen. Gut 1000 Jahre ging das so, dann rollte die Welle aus - und nach der Französischen Revolution wurden sie kaum mehr gesehen. Verträgt sich freiwillige Einsamkeit in der Natur nicht mit modernen Zeiten ?

Die Idee ist simpel und auch heute noch verständlich: man will zum Kern vordringen. Dem eigenen Kern, der Seele, dem göttlichen Funken. Und zum Kern der ganzen Schöpfung, zu Gott. Der Natur ausgesetzt, mit unendlich viel Zeit. Im Ringen mit den eigenen Dämonen, die sich zeigen, es gibt kein Versteck. Im Glück des erfüllten Gebets, des tiefen Gefühls des Eins-Seins mit Schöpfer und Schöpfung.

Manche lernten alle 150 Psalmen auswendig und sangen sie von morgens bis abends, auch bei der Handarbeit, die den einfachen Lebensunterhalt sicherte. Andere lebten wirklich den Robinson, wollten niemand sehen. Manche hattten in ihrer "Einsamkeit" einen Zulauf wie am Kölner Hauptbahnhof, waren begehrte Ratgeber, richtige Popstars.
Am Sonntag, oder auch nur zu den Hochfesten, kam man zur Feier der heiligen Messe in die Zivilisation.

Heute wird Einsamkeit erlitten, mitten unter den Menschen: da ist die eigene Wohnung das, was früher die Einöde war. Aber wird Einsamkeit auch gelebt ? Als bewußt auf sich genommene Herausforderung ?

Wir können von den Einsiedlern lernen, auch von dem verschollenen Heiligen Acepsimas, dessen die Kirche in diesem Monat gedenkt (wenn überhaupt noch jemand an ihn denkt: na ja, wir tun's !).
Momente kraftvoller Einsamkeit lassen sich einfach in den Alltag integrieren, z.B. durch tägliches Gebet, ein paar Minuten genügen, es wirkt. Oder durch energisches Entmüllen des eigenen Lebens - Fernseher wegschmeißen ist sozusagen der halbe Weg in den Wald.

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Heilige des Monats Dezember 2009 Heilige Jungfrau Maria von Guadalupe
Heilige des Monats Dezember 2009 Heilige Jungfrau Maria von Guadalupe

Festtag: 12. Dezember

Schutzpatronin: beider Amerikas und der indigenen Völker

In den Medien hört man zum Thema Kirche und Lateinamerika immer dieselbe Platte: mit den bösen spanischen Eroberern kamen finstere Mönche zu den glücklichen Blumenkindern von Indios, zerstörten deren Kultur und Finsternis war.

Als der Eroberer Cortez in Mexiko zum ersten Mal hoch oben auf dem Haupttempel stand, starrte und klebte dort alles zentimeterdick von geronnenem Menschenblut. Unten am Fuß des Tempels hatte er schon die hohen Gerüste mit tausenden von aufgespießten Menschenköpfen gesehen. Obwohl er damit einen Aufstand auslöste, der ihn und seine Soldaten fast das Leben kostete, wütete er gegen die Bilder der Götter, die solche mörderischen Opfer forderten.

10 Jahre nach dem Sieg weniger Spanier, aber vieler verbündeter Einheimischer über das durchgeknallte, menschenverachtende Aztekenregime geschieht dem getauften, einfachen indianischen Bauern Juan Diego Cuauhtlatoatzin am 9. Dezember 1531 das folgende: ihm erscheint am Fuß des Hügels Tepeyac nahe Mexiko Stadt ein indianisch aussehendes, dunkelhäutiges Mädchen von etwa 15 oder 16 Jahren. Die junge Frau sagt ihm, er solle vom Bischof die Errichtung einer Kirche auf dem Hügel fordern. Der Bischof, Juan de Zumárraga, hört sich die Geschichte an, hält den Indio aber für überspannt und schickt ihn erst mal mit dem Auftrag fort, handfeste Belege von dieser Erscheinung beizubringen. Am 12. Dezember spricht das Mädchen den Juan Diego wieder an: oben auf dem Hügel wüchsen Blumen, die solle er dem Bischof bringen. Tatsächlich findet Juan Diego dort mitten im Schnee ein ganzes Beet von Blumen. Er pflückt sie zusammen mit dem Mädchen in seine Tilmátli, den indianischen Mantel. Als er die Timátli beim Bischof öffnet, fallen die Blumen heraus – und auf dem Mantel findet sich ein Bild seiner Vision, unschwer als Maria zu identifizieren.
Der Bischof läßt die Kirche bauen, ein Neubau erfolgte zuletzt in den 1970ern, der Mantel mit dem Bild blieb immer dort.

Unter der Herrschaft der Azteken erhob sich auf dem Hügel Tepeyac ein Heiligtum der aztekischen Muttergottheit Tonantzin. Die Indios übertragen ihre Gebete, ihre ganze spirituelle Kraft nun auf die Mutter des Herrn, Maria. Wenn auch mancher Aberglaube in Mexiko bis heute weiterlebt, so gelingt die Umwandlung der alten, oft gewaltsamen und zerstörerischen, man kann deutlich sagen, bösen Religion in die neuen Pfade des friedfertigen Menschensohnes aus Nazareth überraschend schnell. Nicht zuletzt, weil in der mexikanischen Kirche schon im 16. Jahrhundert die Kräfte die Oberhand behalten, die den Indios ihre eigene Spiritualität an den altgewohnten heiligen Orten beläßt – in Gelassenheit und Geduld auf die Kraft der neuen Botschaft setzend.

Der mexikanische Unabhängigkeitskrieg gegen die Spanier vor 200 Jahren fand unter der Fahne der Jungfrau von Guadalupe statt, ebenso der Aufstand der indianischen Zapatisten für eine gerechte Verteilung des Ackerlandes vor 100 Jahren. Die Heiligsprechung des Juan Diego am 31. Juli 2002 durch den Papst erfolgt vor 12 Millionen Gläubigen; allein am 11. und 12. Dezember 2009 besuchten über 6 Millionen die Kirche der Jungfrau von Guadalupe.

Eine solche Wucht und Identifikationskraft können Heilige ausstrahlen, wenn die Kirche sich nicht im verbissenen römischen Klein-Klein verliert, sondern sich ihres allumfassenden Auftrages bewußt ist und auf die Menschen zugeht. Die Menschen warten ja nur. Oder nicht ?

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