Montag, 2. Juni 2014
Heiliger der Monats Juni 2014 Eskil von Södermanland
Heiliger der Monats Juni 2014 Eskil von Södermanland

Festtag: 12. Juni

Heutzutage wundert man sich zu hören, daß das riesige Grönland irgendwie zu dem lütten Dänemark gehört. Die Ursache liegt gute 1000 Jahre zurück. In unermüdlicher, emsiger Heimarbeit haben die Dänen eine beträchtliche Überbevölkerung zu Stande gebracht, die nordischen Winter sind lang. Dieses Jungvolk drängt nun in die große weite Welt. Sie hoffen, überall etwas besseres als Räucherhering vom Torffeuer zu finden, und recht haben sie. Also werden der Osten Englands, ganz Norwegen, Island, Grönland und sogar Teile Nordamerikas durch die überschüssigen Wikingersprößlinge besiedelt.

Dieser Einwanderungen halber versteht man sich in Nordeuropa rein sprachlich prächtig, was erklärt, daß im Gegenzug gerade aus Britannien zahlreiche Mönche als Entwicklungshelfer Richtung Schweden und Dänemark aufbrechen. Zu tun ist viel, das Christentum hat eben erst Fuß gefaßt, die Sitten sind außergewöhnlich rau.
Unter dem Patronat des fortschrittlichen Königs Ingo wirkt so auch der englische Priester Eskil als Bischof für Jahrzehnte in Tuna, heute zu seinem Andenken Eskilstuna genannt, am dem riesigen See Mälaren in Södermanland westlich Stockholm.

Der Firnis der Zivilisation ist bekanntlich erschreckend dünn, ihre Errungenschaften werden nicht von jedermann geschätzt. Sven, König Ingos Schwager, gelingt es, diesen vom Thron zu verdrängen, in dem er die Mehrzahl der Krieger in der Heeresversammlung hinter sich bekommt. Wie lauten seine verführerischen, allgemein überzeugenden Wahlversprechen ? Schluß mit Lesenlernen und so `nem Tünkram, die 10 Gebote in die Tonne, wir sind Schweden und keine Warmduscher, und vor allem: die Rückkehr der Blutopfer !! Alles brüllt bis zur Heiserkeit Hurra, dem alten König Ingo schmeißt man Dreck hinterher, und dann wird gleich eins der am Rand der Wiese grasenden Pferde gemeinsam zerfetzt, alle drinken vom warmen Blut, Bäume werden mit Blut beschmiert, lustig wird weiter geschlachtet, die Musik geht los, und zwanglos beginnt ein traditionelles schwedisches Barbecue.

Bischof Eskil sieht sein Lebenswerk vor der Vernichtung stehen. Die Offene-Hose-Machos der Kriegs-Häuptlinge mit ihrem Gesetz des Dschungels wüten wie zu Zeiten ihrer Großväter, als sich die Opferbäume unter den reingehängten Menschenopfern bogen. Der südliche Nachbar Deutschland baut steinerne Brücken, prächtige Paläste, kunstvolle Kirchen mit farbigen Fenstern, lauscht abends gesittet den Minnesängern, verpaßt sich ab und zu ein paar Beulen in Schaukampf-Tournieren, lernt in Italien römisches Recht, erschließt sich die Literatur der Welt.
Eskils eigene Schützlinge dagegen saufen und raufen sich in endlosen „Opferfesten“ die Rübe weg, es ist ein Trauerspiel.
Eskil nimmt seinen Job ernst, er kann nicht einfach so wegsehen. Viele, die jetzt „den wilden Mann machen“, sind Eskils Pfarrkinder, ja Schüler, es bricht ihm das Herz. Seinen ganzen Mut und seinen Glauben an das Gute im Menschen zusammennehmend macht er sich auf den Weg in den Nachbarort Strängnäs, wo unter dem Vorsitz Svens gerade mal wieder die Sau rausgelassen wird. Man läßt den Bischof nicht lange reden – einer steht auf und schlägt ihm einen Stein gegen den Kopf, jetzt traut sich ein zweiter der Helden und haut mit der Axt drauf, und schon wieder haben der Fortschritt und die Zivilisation einen Märtyrer mehr.

Wenig später kehrt Ingo zurück, und „Blut Sven“ wird in einem in Brand gesteckten belagerten Haus selber gegrillt, der Nostalgie-Trip zurück in die Barbarei ist zu Ende – zu Ende für die Schweden. Dafür reißt der Faden, aus dem der schützende und schmückende Mantel der Kultur gewebt wird, immer mal wieder woanders. In Deutschland ist das noch gar nicht lange her, später zerlegte sich Jugoslawien ohne Sinn und Verstand, aktuell ist Afrika an der Reihe, und das wird auch nicht aufhören, wir Menschen sind so. Erklärt eine Gruppe oder ein Gewaltherrscher die Regeln der Moral aus „höheren Gründen“ für aufgehoben, dann trösten sich die Menschen damit, daß sie ihre Laster nun ausleben können, ist ja auch mal schön. Während der Nazi-Zeit erstickte manche Gestapo-Dienststelle an den täglich waschkörbeweise eingehenden Anzeigen: jeder gegen jeden, aus Neid, aus Gier, das sind zwei der Todsünden, es gibt sieben, der Mensch ist auch im Bösen erfinderisch.

Der heilige Eskil hat die rote Karte gezogen, als es Zeit dafür war – und das ist eine gute Haltung, das geht jeden Tag. Warum weiter naturvernichtende Konzerne unterstützen, wenn man doch auch Bio-Lebensmittel und faire Produkte einkaufen kann ? Um ein paar Euro zu sparen – für was ? Warum wild pokernde Banken fördern, wenn man sein Geld mittlerweile auch bei ehtisch aufmerksamen Häusern sicher parken kann ? Und warum in drei Teufels Namen Strom vom Atomkraftwerk ? Wir haben alle Möglichkeiten, man muß einfach machen, und auch immer öfter mal nein sagen.
Fußball ohne rote Karte wird zum Rugby, Christi Himmelfahrt zum „Vatertag“, Gott bewahre.

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