Montag, 2. Juni 2014
Heiliger der Monats Juni 2014 Eskil von Södermanland
Heiliger der Monats Juni 2014 Eskil von Södermanland

Festtag: 12. Juni

Heutzutage wundert man sich zu hören, daß das riesige Grönland irgendwie zu dem lütten Dänemark gehört. Die Ursache liegt gute 1000 Jahre zurück. In unermüdlicher, emsiger Heimarbeit haben die Dänen eine beträchtliche Überbevölkerung zu Stande gebracht, die nordischen Winter sind lang. Dieses Jungvolk drängt nun in die große weite Welt. Sie hoffen, überall etwas besseres als Räucherhering vom Torffeuer zu finden, und recht haben sie. Also werden der Osten Englands, ganz Norwegen, Island, Grönland und sogar Teile Nordamerikas durch die überschüssigen Wikingersprößlinge besiedelt.

Dieser Einwanderungen halber versteht man sich in Nordeuropa rein sprachlich prächtig, was erklärt, daß im Gegenzug gerade aus Britannien zahlreiche Mönche als Entwicklungshelfer Richtung Schweden und Dänemark aufbrechen. Zu tun ist viel, das Christentum hat eben erst Fuß gefaßt, die Sitten sind außergewöhnlich rau.
Unter dem Patronat des fortschrittlichen Königs Ingo wirkt so auch der englische Priester Eskil als Bischof für Jahrzehnte in Tuna, heute zu seinem Andenken Eskilstuna genannt, am dem riesigen See Mälaren in Södermanland westlich Stockholm.

Der Firnis der Zivilisation ist bekanntlich erschreckend dünn, ihre Errungenschaften werden nicht von jedermann geschätzt. Sven, König Ingos Schwager, gelingt es, diesen vom Thron zu verdrängen, in dem er die Mehrzahl der Krieger in der Heeresversammlung hinter sich bekommt. Wie lauten seine verführerischen, allgemein überzeugenden Wahlversprechen ? Schluß mit Lesenlernen und so `nem Tünkram, die 10 Gebote in die Tonne, wir sind Schweden und keine Warmduscher, und vor allem: die Rückkehr der Blutopfer !! Alles brüllt bis zur Heiserkeit Hurra, dem alten König Ingo schmeißt man Dreck hinterher, und dann wird gleich eins der am Rand der Wiese grasenden Pferde gemeinsam zerfetzt, alle drinken vom warmen Blut, Bäume werden mit Blut beschmiert, lustig wird weiter geschlachtet, die Musik geht los, und zwanglos beginnt ein traditionelles schwedisches Barbecue.

Bischof Eskil sieht sein Lebenswerk vor der Vernichtung stehen. Die Offene-Hose-Machos der Kriegs-Häuptlinge mit ihrem Gesetz des Dschungels wüten wie zu Zeiten ihrer Großväter, als sich die Opferbäume unter den reingehängten Menschenopfern bogen. Der südliche Nachbar Deutschland baut steinerne Brücken, prächtige Paläste, kunstvolle Kirchen mit farbigen Fenstern, lauscht abends gesittet den Minnesängern, verpaßt sich ab und zu ein paar Beulen in Schaukampf-Tournieren, lernt in Italien römisches Recht, erschließt sich die Literatur der Welt.
Eskils eigene Schützlinge dagegen saufen und raufen sich in endlosen „Opferfesten“ die Rübe weg, es ist ein Trauerspiel.
Eskil nimmt seinen Job ernst, er kann nicht einfach so wegsehen. Viele, die jetzt „den wilden Mann machen“, sind Eskils Pfarrkinder, ja Schüler, es bricht ihm das Herz. Seinen ganzen Mut und seinen Glauben an das Gute im Menschen zusammennehmend macht er sich auf den Weg in den Nachbarort Strängnäs, wo unter dem Vorsitz Svens gerade mal wieder die Sau rausgelassen wird. Man läßt den Bischof nicht lange reden – einer steht auf und schlägt ihm einen Stein gegen den Kopf, jetzt traut sich ein zweiter der Helden und haut mit der Axt drauf, und schon wieder haben der Fortschritt und die Zivilisation einen Märtyrer mehr.

Wenig später kehrt Ingo zurück, und „Blut Sven“ wird in einem in Brand gesteckten belagerten Haus selber gegrillt, der Nostalgie-Trip zurück in die Barbarei ist zu Ende – zu Ende für die Schweden. Dafür reißt der Faden, aus dem der schützende und schmückende Mantel der Kultur gewebt wird, immer mal wieder woanders. In Deutschland ist das noch gar nicht lange her, später zerlegte sich Jugoslawien ohne Sinn und Verstand, aktuell ist Afrika an der Reihe, und das wird auch nicht aufhören, wir Menschen sind so. Erklärt eine Gruppe oder ein Gewaltherrscher die Regeln der Moral aus „höheren Gründen“ für aufgehoben, dann trösten sich die Menschen damit, daß sie ihre Laster nun ausleben können, ist ja auch mal schön. Während der Nazi-Zeit erstickte manche Gestapo-Dienststelle an den täglich waschkörbeweise eingehenden Anzeigen: jeder gegen jeden, aus Neid, aus Gier, das sind zwei der Todsünden, es gibt sieben, der Mensch ist auch im Bösen erfinderisch.

Der heilige Eskil hat die rote Karte gezogen, als es Zeit dafür war – und das ist eine gute Haltung, das geht jeden Tag. Warum weiter naturvernichtende Konzerne unterstützen, wenn man doch auch Bio-Lebensmittel und faire Produkte einkaufen kann ? Um ein paar Euro zu sparen – für was ? Warum wild pokernde Banken fördern, wenn man sein Geld mittlerweile auch bei ehtisch aufmerksamen Häusern sicher parken kann ? Und warum in drei Teufels Namen Strom vom Atomkraftwerk ? Wir haben alle Möglichkeiten, man muß einfach machen, und auch immer öfter mal nein sagen.
Fußball ohne rote Karte wird zum Rugby, Christi Himmelfahrt zum „Vatertag“, Gott bewahre.

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Freitag, 9. Mai 2014
Heiliger des Monats Mai 2014 Jakobus der Bruder Jesu
Heiliger des Monats Mai 2014 Jakobus der Bruder Jesu

Festtag: 03. Mai

Schutzpatron der Hutmacher

Ordnungsliebe kann bei Lohnbuchhaltern, Archivaren oder den unverdrossen sternenzählenden Astronomen was richtig Schönes sein, und auch das Laster des Briefmarkensammelns wäre ohne sie schlichtweg undenkbar.

Ja, selbst die liebe Mutter Kirche, der für gewöhnlich ein gewisser charmanter Schlendrian eher zu eigen ist als jede Form von Putzwut und systematischer Korrektheit, ruft bisweilen „schwäbische Kehrwochen“ aus. Wenn sich der Staub schließlich wieder legt, findet man nichts mehr da, wo es vorher lag, dafür in Kisten und Kästen verschnürt und etikettiert, was sich solche Nachbarschaft nie hätte träumen lassen.

Aus verschiedenen netten Damen des lustigen Wandervogels rund um Jesus wird so Maria Magdalena zusammengeleimt, ein ander Mal die heilige Anna mit 3 Männern überreich bedacht, die echte würde sich wahrscheinlich bedankt haben.
Beim Großreinemachen anläßlich des Konzils in Trient stopft man die meisten Jakobusse in einen Kessel Buntes, hält den Stabmixer rein und verpüriert Jakobus den Jüngeren mit Jakobus dem Bruder Jesu und Jakobus dem Kleinen. Ein Kölner „Köbes“, der morgens nach diesem Vorbild Pils, Alt und Kölsch panschte, nähme das zweiten Frühstück schon in der Zwangsjacke.

Suppen mit vielen Zutaten schmecken nach allem und nichts. Es lohnt sich, in die Zeit vor dem Quirl zurückzugehen.

Jakobus, der Bruder Jesu – allein der Name hat Generationen von Theologen ins Schwitzen gebracht. Er, und die anderen in der Bibel erwähnten Brüder und Schwestern Jesu, dürfen wegen der „ewigen Jungfräulichkeit“ Marias ja keinesfalls echte Geschwister des Herrn sein. Also hängt man dem armen Joseph eine Patchworksippe aus erster Ehe an, oder macht sich eine wüste Vettern- und Cousinenwirtschaft passend.
Wie auch immer, Jesus geht diese sensationell heilige Familie während seines Erdenwallens mächtig auf den Senkel. In seinem Herzen brennt eine grundstürzende Message für das ganze Universum, die bucklige Verwandtschaft versucht ihn an die Hobelbank zu ketten.

Erst nach Tod und Auferstehung Jesu wird Jakobus scheinbar zum Sachwalter seines Bruders. Zusammen mit Petrus und Johannes leitet er die erste Christengemeinde in Jerusalem und hält die Truppe geeint, als es Petrus nach Rom zieht. So weit, so löblich. Gleichzeitig aber ist er der mächtige Gegenspieler des neu hinzugekommenen Paulus, der, ebenfalls Jude, die offene Weltkirche fordert. Hat der Chef doch gesagt, „bleibt hier nicht stecken, schwingt die Hufe und lehrt alle Völker“. Jakobus dagegen will Neubekehrte erst zu Juden machen, Juden, die Jesus mögen, aber halt Juden.

Mit Peitschen in den Zimmermannsfäusten hat Jesus die Banker aus dem Tempel geprügelt, den hinterhältigen Sabbatpetzern sagte er „wenn Dir ein Schaf am Samstag ins Loch fällt, läßt Du es drin, Du Depp, oder holst Du es raus ?“, der heißblütigen Ehebrecherin riet er „mach mal halblang, Baby“, und abends schlürfte er nach harter Erlösungsarbeit mit den Party-People sein Weinchen aus der Amphore – ein junger Wilder, ein cooler Typ und großer Chiller vor dem Herrn.
Aus diesem Mann mit Bart, dem Revoluzzer, nachträglich ein windelweiches Abziehbildchen für´s orthodoxe Familienalbum zu machen, daran arbeiten Jakobus und seine Truppe – ausgerechnet verbündet mit den Pharisäern, und das sagt schon alles. Wer hat Jesus ans Kreuz gebracht, wenn nicht diese seelenlosen Oberfrommen, die es sooo gut meinen, die Tugend-Stalinisten, die gottfernen Erbsenzähler. Die bringen einen um vor lauter Liebe.

Das falsche Anbiedern ist letztlich für die Katz. Die Jerusalemer Bosse lassen Jakobus bei der erstbesten Gelegenheit vom Dach schubsen, mit einer Walkerstange erschlagen. Simon, ein weiterer Bruder, wird sein Nachfolger, aber dieser Irrweg zur Familiensekte endet kurz darauf tragisch im Schutt und in der Asche des brennenden Jerusalem.

Es sind Paulus und Petrus, die das Christentum aus dem verstaubten palästinensischen Sandkasten in die Metropolen bringen, Athen und Rom, und da gehört es auch hin, mitten unter die Menschen, denn die Nachfolger Jesu sind eine Bewegung, keine Institution.

Ermordet wurde Jakobus, der Vorsteher der Gemeinde, mit dem Werkzeug der Wollfilzer, weshalb ihn die Hutmacher zum Patron wählten.
Mitunter kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß der jetzige „Vorsteher der Gemeinde“ auch von Filzprofis umgeben ist, die mit ihren Bischofsstäben himmelhohe Filzmauern wirken. Wünschen wir dem lieben Franziskus, daß die Schlüssel des Petrus noch öffnen und daß das Schwert des Paulus gewetzt ist.

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Mittwoch, 5. März 2014
Heiliger des Monats März 2014 Oscar Romero
Heiliger des Monats März 2014 Oscar Romero

Festtag: 24. März

Während er die Messe feiert, wird am 24. März 1980 der Erzbischof des kleinen mittelamerikanischen Landes El Salvador direkt vor dem Altar erschossen. Die Mörder sind Soldaten im Auftrag der Regierung.
Der von den USA unterstützte und ausgebildete Militärapparat El Salvadors dient weniger der Verteidigung des Landes gegen äußere Feinde, sondern eher der Wahrung der Interessen der wenigen reichen Großgrundbesitzer gegen das in Armut versinkende eigene Volk. Massaker, Folter und das gezielte Töten aufrechter Bürger sind Alltag.
Erzbischof Romero, ein getreuer Hirte seiner Schafe, findet deutliche Worte gegen Terror und Unterdrückung, schweigt trotz Drohungen nicht, wird ernstlich gewarnt, bleibt aber auf seinem Posten und trinkt den Kelch eines wahren Nachfolgers Jesu.

Man leitet das Heiligsprechungsverfahren ein, alle Welt rechnet mit einem schnellen Abschluß, aber dem neuen Papst Johannes Paul II paßt dieser Theologe der Befreiung nicht ins vernagelte Weltbild. Er schickt den ebenfalls rechts gewirkten Präfekten der Glaubenskongregation Ratzinger vor, den Prozeß auf Eis zu legen, und dieser tut das gern.
Hunderte Menschen spricht dieser Papst heilig, mehr als jeder Vorgänger, aber diesen einen ganz bewußt nicht. Im Gegenteil, wie zum Hohn ernennt Johannes Paul II Jahre später den Militärbischof El Salvadors zum Nachfolger des brutal hingerichteten Oscar Romero. Die nie bestraften Killer werden sich gefreut haben, kuck mal, die in Rom haben uns lieb.

Wen Johannes Paul II dagegen erst selig- und dann heiligspricht, ist Josemaria Escriva, der Gründer des „Opus Dei“. Das „Opus Dei“ ist eine fromme Seilschaft, stramm auf Gehorsam und Linientreue ausgerichtet, entstanden und gewachsen im konservativen Flügel der unter dem Diktator Franco eh herzlich weit nach rechtsaußen gedrifteten spanischen Kirche. Durchregieren von oben runter, Priesterherrschaft statt Gemeinde, Kungeln mit den Reichen statt Solidarität mit den Armen, kurz ein ewiggestriger, rückwärtsgewandter Laden, in dem Demokratie und Gewerkschaften keinen Platz haben. Diese eher unappetitliche Truppe fördert Johannes Paul II mit aller Kraft, das sind seine Jungs.

Zur Erinnerung: Christentum, war das früher nicht die Religion, in der allein die Liebe, die Zuwendung zueinander, das Öffnen der Herzen zählte ? Hat dieser Christus nicht gesagt: „Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft. Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden". Und sein Jünger Paulus: „Wer den andern liebt, hat das Gesetz erfüllt. Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. Also ist die Liebe die Erfüllung des Gesetzes".

Wie um alles in der Welt kann irgendein Mensch der Meinung sein, er tue das Werk Gottes (= opus dei), wenn er nicht voller Liebe ist ? „Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf.“ - Wie verträgt sich das, was Paulus schreibt und Jesus sagt, mit der kaltherzigen Bunkermentalität weiter Kreise der kirchlichen Hierarchie ? Wie kann man Homosexuelle und Geschiedene als Menschen zweiter Klasse behandeln, Märtyrer der Menschenwürde wie Oscar Romero in ihrem verzweifelten Kampf alleine lassen, und gleichzeitig meinen, Gottes Werk zu tun ?

Fast überflüssig zu erwähnen, daß dieser brave Militärbischof, der frech oder unbedarft genug war, unter dem Applaus der Mörder den Platz Romeros einzunehmen, „Opus Dei“ Mitglied war.

Wenn im April 2014 Johannes Paul II im Schnellverfahren heiliggesprochen wird, während Oscar Romero in der Warteschleife der wahrhaft Sanftmütigen kreist, kann man mit Paulus denken „die Liebe erträgt alles, hält allem Stand“ - oder man läßt sich gleich vom Chef selber trösten, der sagte „die Letzten werden die Ersten sein, und die Ersten die Letzten“.
In diesem Sinn hat Oscar Romero wirklich alle Zeit der Welt.

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Mittwoch, 5. Februar 2014
Heilige des Monats Februar 2014 Anne Line
Heilige des Monats Februar 2014 Anne Line

Festtag: 27. Februar

Was tun, wenn man der durch und durch katholische Sproß einer durch und durch katholischen Familie ist, sein Brot aber am Hof einer protestantischen Königin verdient, die aus machtpolitischen Gründen alle Romtreuen im Land mit dem Tod bedroht ? Man endet als Märtyrer oder man hält fein still.

William Shakespeare wählt den lebensverlängernden Weg der Diskretion, gibt seiner ewigjungfräulichen Königin Elisabeth keinen Grund zur Klage: „There will be but one mistress here and no master.“ sagt sie, zu deutsch „Als Gott den Mann schuf, übte Sie nur.“ - und alle parieren, God save the Queen.

Aus anderem Holz geschnitzt dagegen unsere Heilige. Adlig geboren als Alice Higham, konvertiert die Teenagerin zusammen mit ihrem Bruder aus Überzeugung zum katholischen Glauben, nimmt in der Taufe einen neuen Namen an, Anne. Der Vater enterbt beide, sie heiratet heimlich und ohne elterlichen oder amtlichen Segen den ebenfalls katholischen Roger Line. Seiner religiösen Überzeugung halber verfolgt bleibt Roger standhaft, stirbt 1594 verbannt in Flandern.

Seine Witwe Anne organisiert den katholischen Untergrund in London. Für Flüchtige und Gefährdete mietet sie sichere Verstecke, in heimlichen Zusammenkünften wird ihr eigenes Haus zur Kirche. Der trotz aller Drohungen und Verbote große Andrang zu Lichtmeß 1601 macht die staatlichen Schnüffler aufmerksam. Dem anwesenden Priester gelingt dank eines von Anne vorbereiteten Verstecks später die Flucht, Anne selbst jedoch kommt in Ketten, auch Freunde werden eingekerkert. Ein Todesurteil ereilt ausschließlich sie, da ihr Temperament einer Kooperation nicht förderlich ist. Dem Richter sagt sie geradeheraus, was sie einige Tage später vom Schafott herunter laut und deutlich wiederholen wird: "I am sentenced to die for harbouring a Catholic priest, and so far I am from repenting for having so done, that I wish, with all my soul, that where I have entertained one, I could have entertained a thousand." - „Ich bin zum Tode verurteilt, weil ich einem katholischen Priester Obdach gewährt habe, und ich bereue nichts, ganz im Gegenteil, ich wünschte aus vollem Herzen, ich hätte diese Hilfe 1.000 zukommen lassen.“

So läßt eine sehr modern emanzipierte Königin eine ebenso emanzipierte Geschlechtsgenossin hängen, wo gehobelt wird, fallen Späne, Elisabeth hat sich ihr Königreich von Anfang an rücksichtslos mit dem ganz großen Beil zusammengezimmert.

Und was macht unser Poet ? Er schreibt Anne Line ein wunderhübsches Trauer-Gedicht, „Der Phönix und die Turteltaube“, aber aus Vorsicht derart verklausuliert, daß sich die Wissenschaftler seit Jahrhunderten über die Interpretation streiten. Ja, er verwischt die Spuren seiner Überzeugungen so gründlich, daß die protestantische Mehrheit der Doctores bis heute kein Weihwasser in seiner Tinte erkennen will.
Wie auch immer, die Verse seines Gedichts feiern eine große Leidenschaft:

„Liebten sich, wie wenn, verdichtet
Lieb' in Zwei'n zu einem Wesen,
Trennungslos geteilt gewesen.
Da hat Liebe Zahl vernichtet.

Herzen nah im Weiten schienen;
Denn nicht Raum war, und doch Ferne
Zwischen Taub' und ihrem Sterne.
Allen Wunder, außer ihnen.

Eigentum sich so verließ,
Daß im Selbst das Selbst verschwand,
Einzelwesen, zwiebenannt,
Weder zwei noch eines hieß.“

Ob der Dichter hier tatsächlich Anne und Roger ein Denkmal setzt, die Nebel der Vergangenheit verhüllen es. Sicher ist, daß uns überwältigende Kunstwerke vorenthalten geblieben wären, hätte sich William Shakespeare in diesen Tagen so unverblümt treu-katholisch geäußert wie Anne Line. „Othello“, „König Lear“, „Macbeth“ und „Der Sturm“ entstanden alle nach 1601, und vielleicht hätte es Elisabeth ja sogar vermocht, die Erinnerung an diesen Stückeschreiber ganz auszulöschen.
Shakespeare bleibt Dichter, er wird so wenig Held oder Heiliger wie die meisten von uns, bei ihm fließt nur Theaterblut. Während Anne Line Gottes Stadtguerilla lebt, spricht Williams Hamlet sein Unbehagen an unserem angepaßten Alltag auf offener Bühne entschuldigend aus:
„So macht Bewußtsein Feige aus uns allen;
Der angebornen Farbe der Entschließung
Wird des Gedankens Blässe angekränkelt;
Und Unternehmen, hochgezielt und wertvoll,
Durch diese Rücksicht aus der Bahn gelenkt ….“

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Samstag, 4. Januar 2014
Heiliger des Monats Januar 2014 Basilius der Große
Heiliger des Monats Januar 2014 Basilius der Große

Festtag: 02. Januar

Patron der Kinder, der Mönche, der Seefahrer, der Bibliophilen

Bücher Bücher Bücher: staubsicher verschlossen ruhen hunderte und aberhunderte Papyrusrollen in den Schränken aus geschnitzem Zedernholz, stapeln sich die dicken Codices aus Pergament dicht an dicht in den Regalen. Viele Ausgaben sind illustriert, manche uralt, schwer auffindbare vollständige Abschriften der großen Dichter und Denker, von den Zeiten des Makedoniers Alexander über des Augustus goldenes Rom bis hin zur frühesten christlichen Tradition.
Seit Generationen ist die Familie des Basilius der frohen Botschaft zugewandt, seit alters her bringt sie schlaue Köpfe hervor. Bildung gilt hier alles, ein neuer, gut gefüllter Bücherschrank ist wichtiger als ein weiterer Olivenhain.

Basilius lebt und wirkt in der Mitte des 4. Jahrhunderts in Kappadokien, in Jahrzehnten aufgeregten Umbruchs. Einerseits ist das Christentum gerade von den endlosen Blutbädern der staatlichen Verfolgung erlöst worden, andererseits sind die alten Religionen noch stark, ein Sieg der neuen Ideen keineswegs sicher, es gibt Rückschläge.
Als Priester, Bischof und Publizist ist Basilius einflußreich und angesehenen, ein Schwergewicht in jeder Diskussion. Mehrere seiner Vorfahren und engen Angehörigen werden bereits als Heilige verehrt, sein Bruder Gregor von Nyssa schreibt herrlich riskante fundamentaltheologische Betrachtungen über letzte Fragen, beide gemeinsam schätzen den sehr abgefahrenen und höchst umstrittenen Theologen Origines.

In eigenen Veröffentlichungen ist Basilius praxisnah. Aus seiner Feder stammt die prägende Regel zum Zusammenleben der Mönche, eine von ihm verfaßte Liturgie bringt Ordnung in lokalen Wildwuchs. Erfolgreich bekämpft er die Jesu Gottheit leugnende arianische Irrlehre, gegen deren Urheber Arius formuliert er das Schlagwort von dem „einen Wesen in drei Personen“. Diese Definition Gottes schließt Jesus und den heiligen Geist ein, es läuft nun auf eine Dreifaltigkeit hinaus.

Nicht überall wird in dieser wilden Zeit so feingeistig an der Weiterentwicklung der frohen Botschaft gearbeitet. Manche Gemeinden greifen schlicht zum Hammer, zerschlagen die verbliebenen Götzenbilder, demolieren die Tempel, übertünchen die Bilder der verlotterten olympischen Götterschar.
Ja, es werden Stimmen laut, die in radikaler Political Correctness fordern, die Literatur der Alten dem Feuer zu übergeben, dem reinen Gottesstaat zuliebe. Es steht auf Messers Schneide, hier fallen Entscheidungen mit langer Wirkung – in den Westen kehren Plastiken erst Jahrhunderte später zurück, die Ostkirche lehnt Statuen bis heute ab.

In Basilius Brust schlagen zwei Herzen. Einerseits will er natürlich den Untergang der wirren, unmoralischen Götterwelt der alten Zeit, das Ende des würgend einengenden Aberglaubens.
Andererseits sind er und seine Freunde Büchernarren durch und durch, Freunde des Wissens, Liebhaber der klugen – und der schönen Worte.
Die Argumente der christlichen Radikalen gegen die Schriften des Feindes wiegen schwer, aber was wäre ein Leben ohne Poesie, ohne Ovid, Horaz, Homer, Vergil ?
Zur nicht geringen Überraschung der Eiferer fällt ihnen Basilius in den Rücken. Ausgerechnet Basilius, diese Stütze der Rechtgläubigkeit, die Säule der Kirche, der Lehrer der Lehrer, bricht eine Lanze für die Lektüre der Alten. Mit seinem schnell verbreiteten „Mahnwort an die Jugend über den nützlichen Gebrauch der heidnischen Literatur“ rettet er den geistigen Ertrag der griechischen und römischen Kultur in die Zukunft:

„Wollen wir klug sein, dann eignen wir uns aus jenen Schriften nur das Passende und der Wahrheit Verwandte an, übergehen aber das andere. Und wie wir beim Pflücken der Rose die Dornen vermeiden, so werden wir auch bei einer nutzbringenden Benützung solcher Schriften vor dem Schädlichen auf der Hut sein.“ (Kap. III,1)
„Denn diejenigen, welche aus jedem Gebiete sorgfältig ihren Nutzen ziehen, bekommen so wie die großen Ströme natürlich von überallher ihren Zuwachs.“ (Kap. VIII, 12)

Wenige Sätze aus dem richtigen Mund zur richtigen Stunde sorgen dafür, daß Klöster nicht nur religiöse Kaderschmieden, sondern auch Heimstätten des kulturellen Erbes werden. Als tausend Jahre später die Humanisten auf der Suche nach den Originalen der Schriften Ciceros und Plinius´ ausschwärmen, können sie nur finden, was fleißige mönchische Schreiberhände der Nachwelt bewahrt haben. Nicht um des Bewahrens willen, sondern weil sie die Autoren der Antike zu ihrer eigenen Bildung und Schulung nutzten. Es gibt keine Überlieferung antiker Kultur außerhalb der christlichen Klöster, die ganze geistige Welt der Renaissance ruht fest auf der gelassenen Toleranz des Mittelalters und führt diese fort. Wenn Tugenden wie Individualität, gesunder Menschenverstand und Mut zur eigenen, abweichenden Meinung als gegensätzlich zur bunten und vielgestaltigen mönchischen Tradition des Mittelalters dargestellt werden, dann stimmt das einfach nicht:

„Allein es gibt nichts, was der verständige Mensch mehr fliehen muß, als für den Ruhm zu leben und auf das zu sehen, was dem großen Haufen gefällt, statt die gesunde Vernunft zur Führerin des Lebens zu wählen, an deren Hand er niemals von dem als recht Erkannten abweicht, müßte er auch allen Menschen widersprechen und um des Guten willen Schmähung und Gefahr riskieren.“

So schreibt Basilius, Schutzpatron der Mönche, zu Recht „der Große“ genannt, und welcher Humanist könnte es humaner sagen, welcher Aufklärer klarer ?

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Mittwoch, 11. Dezember 2013
Heiliger des Monats Dezember 2013 Stephanus
Heiliger des Monats Dezember 2013 Stephanus

Festtag: 26. Dezember

Patron der Steinbrecher, der Maurer, für einen guten Tod

Stephanus, der erste Jünger Jesu, der diesem in den Tod nachfolgt. Im Plan der Autoritäten setzt der Mord am Zimmermannssohn aus Nazareth den Schlußpunkt. Diese Galiläer sind aber komplett von der Rolle, außer Rand und Band, diskutieren an jeder Straßenecke, organisieren sich.
Unaufhaltsam wächst und gedeiht die basis-kommunistische Sandalentruppe, wählt sich Funktionäre. Die meisten Stimmen erhält Stephanus, er organisiert die Armenhilfe, ein mächtiges und volkstümliches Instrument der Propaganda, das ist der Griff nach der Macht.

Der Gegenschlag erfolgt schnell und effektiv. Stephanus wird gekidnappt und vor ein Gericht gestellt. Das Gericht ist durch und durch Partei, alle Zeugen gekauft, ein abgekartetes, böses Spiel.

Was ist das mit diesem Jesus ? wollen die genervten, nervösen Richter wissen. Das Volk wird unruhig, bereitet sich hier ein Aufstand vor ? Dieser Wirrkopf ist doch mausetot, alle haben ihn gesehen, wie er im Frühjahr neben der Straße am Balken hing. Die Vorstellung ist aus, und keiner geht nach Hause.

Mit Stephanus haben sie den richtigen erwischt, er nimmt kein Blatt vor den Mund. Deppen seien sie alle miteinander, blind und blöd hätten sie den Messias umgebracht, ihren eigenen König, das verheißene Heil Israels.

Der Saal kocht, manchem ist das ein Stich ins Herz, die meisten knirschen mit den Zähnen, die Stimmung ist aufgepeitscht. Unwahrscheinlich, daß Stephanus diesen Schauprozeß mit heiler Haut verlassen wird.
Und ? Was tut dieser junge Mann, macht er in De-Eskalation, rettet er sich in Kirchentagsgeschwafel ? - Einen Teufel tut er, Stephanos Protomartyros, Erz-Blutzeuge, Politkommissar Gottes: seine Arme breitet er aus, seine Augen reißt er auf, legt seinen Kopf in den Nacken und ruft laut und klar ins plötzliche verblüffte Schweigen: „Ich sehe den Himmel offen, die Herrlichkeit Gottes, und mein Freund Jesus steht zur Rechten des Herrn.“

Hundert Schreie wie einer antworten, sie treten und prügeln ihn durch die Stadt zum Tor hinaus, bewerfen ihn mit Steinen, bis er zermanscht tot liegt.

Ist das Feuer der Christen-Revolte damit ausgetreten, sieben Monate nach der Kreuzigung ? - Das Gegenteil geschieht. Wie zerstäubende Funken verteilen sich die Kader der Bewegung hinein ins Reich und darüber hinaus, ein Flächenbrand. Die Gemeinde Jesu flieht, aber Ideen nisten im Kopf, und den trägt man mit sich. Saulus, einer der Schlächter des Stephanus, eilt den Entkommenen hinterher, die Lizenz zum Töten hat er vom Hohen Rat.

Nun, es hat nicht funktioniert, es funktioniert nie. Die Gedanken sind wirklich frei, Zensur ist kindisch. So, wie es nach der alten Architektenweisheit „kein dichtes Flachdach gibt“, das Wasser findet seinen Weg, so lassen sich neue Botschaften nicht zurückrufen.

Stephanus ist in der Sekunde dem Tod geweiht, als er sagt, daß er Jesus zur Rechten Gottes sieht. Den Jesus, dem man gut 30 Jahre bei allen menschlichen und allzu menschlichen Verrichtungen zuschauen konnten. Ein Mensch, dessen menschliche Mutter noch lebt.

Das genau ist der Kern der Message selbst, wogegen alles andere zu Killefitz wird: der Unerreichbare, Ungreifbare, Gott selbst, hat sich kleingemacht, ist Mensch geworden mit allen Konsequenzen. Hat uns Menschen damit groß gemacht, sehr groß, mit allen Konsequenzen.
In dieser Gottesnähe gründet die Würde des Menschen, nicht in irgendwelchen abstrakten Menschenrechten. Die Gottesebenbildlichkeit des Menschen duldet auf die Dauer keine Sklaverei, die verträgt sich schlecht mit einem rücksichtslos triebgeleiteten Verhalten wie auf dem Affenfelsen im Kölner Zoo oder am Ballermann, die geht mit Krieg nicht zusammen.

Die Mächtigen unseres Planeten wollen durchregieren, einzelne Menschen wie Jesus oder Stephanus sind denen nur Spielsteine. Guantanamo gehört besten Freunden, und diese Freunde führen mit unserer freundlichen Hilfe einen irre-mörderischen Drohnen-Krieg gegen Frauen und Kinder. In China und Rußland herrscht das Lagersystem wie eh und je, Afrika liegt weithin im Chaos, Südamerika im Würgegriff von Drogenbossen - und genau den Wirtschaftskonzernen, die uns das tägliche Stück Fleisch auf den Tisch zaubern, kaum einer fragt nach, wie.

Das Vermächtnis des ersten Blutzeugen Stephanus ist die Botschaft der hohen Würde des Menschen. Diese Botschaft überall auf der Welt durchzusetzen, wird noch das Blut ungezählter frommer Menschen kosten. Aber auch nur das Blut, mehr können die Mächtigen den Märtyrern nicht nehmen, letztlich siegt die Wahrheit. Immer.

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Dienstag, 12. November 2013
Heiliger des Monats November 2013 Josaphat
Heiliger des Monats November 2013 Josaphat

Fest: 27. November

Wenn in einer dieser zynischen TV-Rate-Shows, wo Krümel an die Armen verteilt werden, damit diese nicht auf die Idee kommen, sich den ganzen Kuchen zu nehmen, die Millionen-Euro-Frage lautete: ist Buddha ein katholischer Heiliger ?, würden das selbst viele Theologen verneinen.

Ein junger Mann aus adliger Familie schwelgt Tag und Nacht in Luxus und Überfluß, seine bildschöne Frau liebt ihn, beide haben einen Sohn. Der Senior, in dessen Palast die kleine Familie in paradiesischer Sorglosigkeit lebt, herrscht über ein wohlhabendes Ländchen. Jeden Anblick von Elend, Armut und Vergänglichkeit hält der Herr Papa bewußt von seinem auserwählten Nachfolger fern.
Um so schockierter ist dieser dann, als ihn ein unbewachter Ausflug mit der Realität konfrontiert. Ein Greis ohne Haare und Zähne, ein Fieberkranker, ein verwesender Leichnam, ein Mönch in bewußter Armut – diese Eindrücke zerbrechen seine rosa Brille. Sofort läßt er alle und alles hinter sich, materieller Wohlstand erscheint ihm nun als täuschende Fassadenmalerei, als schaler Ersatz tieferer innerer Erfahrungen. Mehrere Jahre durchwandert er die Ferne, hört viele Philosophen und Gottesgelehrte, probiert sich in ihren Anweisungen. Nachdenkend geschieht ihm die endgültige Erleuchtung: daß jedes individuelle Begehren ganz sinnlos, ein Trugspiel ist, daß der Weg zum Heil über die Lösung von Leidenschaften führt.
Bis zu seinem Tod predigt er dies ungezählten Menschen, sammelt Schüler um sich, die ihm folgen in Wort und Tat.

Das ist die Geschichte des heiligen Josaphat, und zugleich ist sie es nicht. Denn, christlich gedeutet wird Josaphats Lebenserzählung und Lehre erst im kulturellen Einflußbereich Konstantinopels. Den Arabern ist er vorher (und noch gar nicht christlich) als „Budhasaf“ bekannt, die Tradition kam über den Iran zu ihnen, wo er „Bodisav“ heißt. Den Persern wiederum berichteten ursprünglich die benachbarten Inder vom „Bodhisattva“, „dem Erleuchteten“.
Der indische Königssohn Siddhartha Gautama Bohisattva, den jedermann „Buddha“ nennt, ist des Josaphat Kern.

„Lost in translation“, so kann man auch heiliggesprochen werden. Die Kirche jedenfalls übernimmt auf diese Weise im 8. Jahrhundert wesentliche Lehren des Buddhismus in ihren überquellenden Legendenschatz und befeuert den Eifer ihrer Gläubigen mit der Weisheit des fernen Ostens.
Der Asket und Mönch und spätere gerechte Herrscher im Reich seines Vaters namens Josaphat wird populär im Abendland, man übersetzt seine Gleichnisse und Geschichten in alle Sprachen. Mitten in der schönsten Ritterzeit sitzen die tapferen Recken auf der Gozzoburg in Krems an der Donau, deren Bankettsaal teils bis heute mit der Geschichte des heiligen Josaphat ausgemalt ist, und lassen sich vom Minnesänger zum gepflegten Bierchen auf Mittelhochdeutsch was von Buddha vorsingen: ein Bild für die Götter, wie die Haudraufs in Blechhosen da an ihrem Kharma arbeiten !

Dabei ist das buddhistische Gedankengut leicht zu christianisieren. Schon Jesu „Vorläufer“ Johannes der Täufer, von dem Jesus selber sagt „unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben“, lehrt die Abwendung von den Leidenschaften, die radikale Umkehr, die Ausrichtung des ganzen Lebens hin auf den Geist, die Liebe, Gott – und materielle Werte sind ihm, dem „Rufer in der Wüste“, so unwichtig, ja störend, wie seinem Kollegen vom fernen Ganges. „Übertünchte Gräber !“ schimpft Johannes die Kinder der Welt, und Buddha hätte seine Freude daran gehabt: Kumpel in Kutten, vier Fäuste für ein Halleluja.

Als heiliger Josaphat re-inkarniert paßt Buddha prima aufs Wolkenbänkchen, neben all die anderen Prophetinnen und Propheten. Oder hat der Herr in Orange seinen Lotosblütenthron mitgebracht ?
„Katholisch“ heißt „umfassend“, und so gehört Großzügigkeit und frohes Integrieren zum Innersten der Message.

Es ist daher recht possierlich anzuschaun, wenn Zeitgenossen das Kreuz von der Wand und vom Hals nehmen, statt dessen einen im Tchibo-Shop gekauften Buddha neben die Gartenzwerge setzen und dann meinen, sie hätten sich mit ihrer Wohlfühl-Esoterik wunders wie rabiat von der Kirche abgesetzt.
Weit gefehlt, ihr Kinder Gottes, breit lacht die bunte Heiligenschar aller Völker und Nationen, weit gefehlt.

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Sonntag, 29. September 2013
Heilige des Monats Oktober 2013 Josephine Leroux
Heilige des Monats Oktober 2013 Josephine Leroux

Fest: 23. Oktober

Die selige Josephine ist eine junge Frau von 22 Jahren, als sie 1769 den Klarissen in Valenciennes beitritt. Geboren ist sie in Cambrai, ihr ganzes Leben verbringt sie dort im Norden Frankreichs an der Grenze zum heutigen Belgien.
Die Klarissen leben die Tradition der heiligen Klara, des radikalen Franciscus von Assisi Seelenfreundin. Äußere Armut, innerer Reichtum.
Der Welt unauffällig scheinen solche sprituellen Menschen, und wahrlich bemißt sich das Gelingen eines Lebensentwurfs ja nicht daran, ob ihn die Bildzeitung oder Hallo Deutschland der Dokumentation für würdig erachten.

Nicht Josephine ist es, die spektakulär ins Rad der Geschichte greift, umgekehrt, es ist die politische Entwicklung, die ihr, der mittlerweile 47 jährigen ganz und gar harmlosen Nachfolgerin Christi ein unfaßbar grausames Ende bereitet.
Anfang September 1794 wird ihre gesamte klösterliche Gemeinschaft verhaftet. Die Gesetze Frankreichs dulden nach der Revolution von 1789 keine geistlichen Orden mehr. Steckt man sie ins Arbeitshaus, um sie „produktiv“ zu machen ? Schickt man sie zur Strafe in die Kolonien ? Nein, dieser Gruppe von wehrlosen Frauen wird in aller Öffentlichkeit, die Bürger können vom Mittagstisch aus durchs Fenster zuschauen, mitten in Valenciennes bei lebendigem Leib und vollem Bewußtsein der Kopf abgeschnitten.
Die ersten 5 sterben am 17. Oktober, die restlichen 6 eine knappe Woche später. Wollte man sie den Horror noch ein paar Tage „auskosten“ lassen, ist es einfach Willkür, wer weiß. Mit Josephine stirbt auch ihre jüngere Schwester Marguerite und die Oberin des Konvents.
Das sind 11 von Hunderten Nonnen, Mönchen, Priestern. Abertausende von adligen Männern, Frauen und Kindern werden abgeschlachtet, auf offener Straße. Napoleon, erst General der Revolution, später ihr Erbe und Diktator, schickt europaweit Millionen Soldaten und Zivilisten in einen erbärmlichen, sinnlosen Kriegstod. Zum erzwungenen Schluß 1815 ist Frankreich keinen Quadratmeter größer als vor dem Vierteljahrhundert pausenlosen Gemetzels.

Bis heute gedenken die Franzosen dieser Ereignisse – nicht etwa der Opfer, nein, der glorreichen „Revolution“, Stichtag 14. Juli, der „Sturm auf die Bastille“. Das einfache Volk schwenkt Fähnchen bei der Panzerparade, genießt den Nationalfeiertag und schläft mal aus.
Die oberen Zehntausend dagegen sitzen in ihren Stadtpalästen und Landschlößchen auf den Zinsenzinsen der Berge von Geld, die sich ihre Vorfahren in selbiger „Revolution“ zusammengerafft haben, schlürfen Austern zum Schampus - savoir vivre, in geschlossener Gesellschaft.

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Die Freiheit derer, die eh schon reich sind, noch immer reicher zu werden. Die Gleichheit der anderen in Chancenlosigkeit und Armut – und auf dem Schlachtfeld, der neu errungenen allgemeinen Wehrpflicht sei Dank, alle auf einem Haufen – und vor dem Gesetz, wo bis heute Max Mustermann in den Knast wandert und teure Rechtsanwälte die „Gleicheren“ raushauen. Und herzerwärmende Brüderlichkeit der Herrschenden gegen notleidende Banker, die sich mit Posten im Aufsichtsrat revanchieren, geteilte Freude ist halt doppelte Freude.

Im Geschichtsbuch liest sich das irgendwie „netter“, unsere verstaubten Professoren stehen nicht so auf die ekligen Details, da ist von Idealen die Rede und Menschenrechten und was nicht alles.
Vive la Trance ! möchte man diesen Träumern zurufen, es ging ums Geld, was sonst Kinder, und Papier ist geduldig.
Nüchtern betrachtet, bringt die französische Revolution diejenigen an die Macht, die sie heute noch haben, die Bourgeoisie, das Großbürgertum – und da werden sie auch bleiben, denn „alle Macht geht vom Volke aus, um nie wieder zu ihm zurückzukehren“, das ist parlamentarische Demokratie.

Josephine Leroux ist das bewußt, denn natürlich wird auch ihr Kloster beschlagnahmt und verschoben werden, korrupt bis in die Knochen ist die ganze Republik. Wer tot ist, kann nicht reklamieren, ihre Ermordung macht die Beute der Umsturzgewinnler krisenfest.

Kein noch so wild zusammenfabuliertes Traktätlein des Mittelalters ist so sehr Märchenstunde wie unser schulmäßiges Erzählen von der Französischen Revolution.

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Donnerstag, 12. September 2013
Heilige des Monats September 2013 Oranna
Heilige des Monats September 2013 Oranna

Fest: 15. September

Patronin Lothringens und des Saarlands, gegen Ohrenleiden

Es ist doch herrlich, wenn man in dieser globalisierten Welt, in der wir alle immer flexibler, mobiler und stromlinienförmiger werden sollen, jemanden trifft der Regino heißt und man weiß sofort: der Kerl ist aus Prüm ! Cordulas und Ursulas stammen gern aus Kölle (bei einer Plektrud weiß man sogar, aus welchem „Veedel“), Corbinians entspringen Bayerns Fluren, nur Augsburgerinnen heißen seit alters her Afra, das Münsterland bringt Ludger hervor, die Wiege einer Oranna steht ohne Zweifel an der Saar.

„Oranna“, was für ein abgefahrener Name für eine kerndeutsche Heilige. Irgendwann in frühfränkischen Tagen lebt und wirkt sie mit einer Freundin namens Cyrilla als gottentflammte Zweisiedlerin und beredte Vermittlerin des neuen Liebesglaubens im waldigen saarländisch-lothringischen Grenzgebiet. Beider Heimat ist Irland, der heilige Wendelin vielleicht Orannas Bruder. Die Iren haben zwar erst nach der „Römerzeit“ zum Christentum gefunden, dafür dann aber mit Karacho – und diese frischerleuchteten Inselkelten haben sich mit den ebenfalls im Keltischen wurzelnden Töchtern und Söhnen der Saar offensichtlich prachtvoll verstanden. In und um den Ort Berus vergißt man Oranna und ihre bewußtseinserweiternde Glaubensfreude nicht, der Sarkophag mit den Überresten der beiden gemeinsam bestatteten Mädels wird immer treulich bewahrt, steht nach Irrungen und Wirrungen heute wieder in der Kirche der Heiligen in der grünen Natur nahe Berus.

Kaum erinnert man sich mancher Sandkastenfreunde, nur mit Mühe der Reihe der Bundespräsidenten, geschweige denn der Könige und Herrscherinnen vergangener Zeiten, alles Schall und Rauch. Oranna aber wird seit anderthalb Jahrtausenden gedacht, Mädchen werden auf ihren Namen getauft. Atemberaubend, wie solche lokalen Heiligen das Gedächtnis ihrer Landschaft bündeln und lebendig erhalten: es gibt einen Brunnen mit heilendem Wasser in Berus und eine eiserne Krone, die läßt man sich aufsetzen, und die in der Kindheit taub gewesene Oranna nimmt sich Deines Ohrenleidens an. - Das ist keine künstliche TV-Folklore, das ist echt, das ist Wirklichkeit, die spirituelle Tradition eines konkreten Ortes, konkreter Menschen und deren Vorfahren bis zurück in die Antike.

Hoch sollen sie leben, die Ortsheiligen, die Hüter des geistigen Schatzes ihrer Wirkungsplätze ! Wohnt ihr in der Umgebung, dann besucht ihre Feste, nennt eure Kinder nach ihnen – und in drei Txxxxxx Namen, feiert die Namenstage !!! Dieses dusselige Geburtstagsfeiern, Runzelzählen mit „ehemals Gleichaltrigen“, fette Schnittchen essen, wer unter Gottes blauem Himmel braucht denn das !?!
Am Namenstag in einer Kirche des Namenspatrons hochgestimmt diesem nahen Freund aus anderen Welten gedenken und mit unmeßbarem Rückenwind aus dem Alltagstrott heraussegeln, unsichtbar getragen – das gibt Schmackes, und zu Recht und sehr katholisch singen die Iren von Celtic Glasgow „You´ll never walk alone !“ - was für ein geiles Gefühl, kein Gold der Erde wiegt das auf.

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Mittwoch, 31. Juli 2013
Heiliger des Monats August 2013 Franz Reinisch
Heiliger des Monats August 2013 Franz Reinisch

Fest: 21. August

„Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid, daß ich dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, dem Oberbefehlshaber der Wehrmacht, unbedingten Gehorsam leisten und als tapferer Soldat bereit sein will, jederzeit für diesen Eid mein Leben einzusetzen.“ - Das ist der Eid, den jeder Soldat zur Zeit der Nazi-Diktatur ablegen muß, auch die Priester, die zur weiteren Zerschlagung der Kirche zahlreich zum Kriegsdienst gezwungen werden.

Natürlich ist der 1934 eingeführte Text des Eides ein Unding. Bei Gott zu schwören, daß man einem Menschen unbedingten Gehorsam leisten wolle, geht gar nicht. Man kann sich nur wundern, daß sich die Armee eine solche Anmaßung zu eigen machte. Damals, 1934, ein Jahr nach der Inthronisierung des Postkartenklecksers aus Wien, hätten anständige Offiziere – wenn es sie denn gegeben hätte - den braunen Kehricht noch ausfegen können. Zehn Jahre später, beim Anschlag im Juli 1944, war es zehn Jahre zu spät - kein Mensch, der bei Trost ist, geht fünf Minuten vor Schluß aus dem Kino, wenn ihm der Film von Anfang an nicht gefällt.

Als dieser Fahneneid dem Pallottiner-Pater Franz Reinisch zugemutet wird, 1942, da ist es bereits ein Eid auf das Böse selbst. Knietief watet Hitler im Blut seiner Millionen Opfer, lernschwache Schüler steckt man im Rheinland in Gaswagen und schickte den fassungslosen Eltern einen Schuhkarton mit Asche, ganze Altersheime leeren sich über Nacht, die Juden Europas, Sinti und Roma, die katholische Priesterschaft Polens, wehrlose russische Kriegsgefangene, im Osten brennt man Dörfer voller Frauen und Kinder ab, der Teufel ist los.

Pater Reinisch, eine Predigerbegabung, tourt Ende der 30er Jahre rastlos durch Deutschland, stemmt sich gegen die Unmenschlichkeit, die Entchristlichung. 1940 verpaßt ihm die Gestapo einen Maulkorb, vollständiges Redeverbot, er hält sich nicht daran. Es folgt die Einberufung, er bespricht sich mit Freunden, Pater Kentenich, selbst in Dachau im KZ, bestärkt ihn. Am 15. April 1942 betritt er die Kaserne in Bad Kissingen und erklärt dort, den Fahneneid auf Adolf Hitler nicht leisten zu wollen. Zur „Erledigung“ solcher Fälle braucht das Militär keine Hilfe, das kann man selber. Überwiesen ins Wehrmachtsgefängnis in Berlin wird ihm dort vom Reichskriegsgericht der Prozeß gemacht. Der Richter versucht ihm eine Brücke zu bauen und argumentiert, er als Priester könne sich dem „Kampf gegen den Bolschewismus“ doch nicht verweigern. Pater Reinisch entgegnet sinngemäß, daß der schlimmste Feind des deutschen Volkes der Führer des deutschen Volkes sei. - Die Fakten liegen auf dem Tisch und halb Europa in Trümmern, jeder kann diese Schlußfolgerung ziehen, aber nur wenige sprechen die offenbare Wahrheit aus. Am 21. August wird Franz Reinisch von der deutschen Armee durch das Fallbeil hingerichtet.

Es braucht 12 Jahre, die Nazi-Diktatur niederzukämpfen, dann fast fünfmal so lange (bis 2002 !), um gegen dauernden Widerstand alter und neuer brauner Kameraden die offizielle Aufhebung der Urteile ihrer Terror-Gerichte zu erreichen.
Man muß sich das Mißverhältnis vor Augen halten: von den Tätern der Nazi-Zeit wird kaum einer angeklagt, noch weniger werden verurteilt, und deren Begnadigung erfolgt dann umgehend in den ersten Jahren der Bundesrepublik. Hans Filbinger, Nazi-Militärrichter, NSDAP-Mitglied und SA-Mann, kann in Baden-Württemberg sogar Ministerpräsident werden.
Franz Reinisch aber bleibt für Deutschland bis 2002 ein Schwerkrimineller - „Recht“ und „Gerechtigkeit“ sind und bleiben zwei verschiedene Paar Schuhe.

Lassen wir uns überraschen, wann wir Franz Reinisch ganz amtlich als heiligen Märtyrer, mutigen Bekenner der Wahrheit und glänzendes Vorbild begrüßen dürfen: der Seligsprechungsprozeß läuft, unsere besten Wünsche sind mit seinen sich kümmernden treuen Pallottinern.

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