Sonntag, 25. November 2012
Heiliger des Monats November 2010: der heilige Leonhard (=Lennart, Lenny und Leon)
saintblog, 19:20h
Heiliger des Monats November 2010: der heilige Leonhard (=Lennart, Lenny und Leon)
Fest: 6. November
In 2000 Jahren Kirchengeschichte finden sich Verbrecher, Helden des Alltags wie ich und Du - und Heilige. Deren große Schar auseinanderzuhalten helfen die „Attribute“: Erkennungszeichen, oft die Marterwerkzeuge (merke: die Guten werden nicht alt). Grauslich schaut das aus: Männer mit dem eigenen Kopf unter dem Arm, flotte Juffern mit einem Dolch im Hals, Jünglinge, von Pfeilen durchbohrt.
Auf uns heutige wirkt das eher leidend, passiv und nicht so richtig sportlich. Wie anders da der heilige Leonhard ! Sein Kennzeichen sind stolz vorgezeigte zerbrochene Ketten – und seine Statuen wirken mitunter recht dritte-welt-revoluzzer-mäßig (fehlt nur die Castro-Cap und die Kalaschnikow – der Bart ist da).
Leonhard war um 500 ein fränkischer Adliger im Umfeld des selbst für fränkische Verhältnisse äußerst blutdurstigen ersten getauften Königs Erst-schlagen-dann-fragen-Chlodwig. Ihm ging das alles auf den Senkel, und das Christentum mit seiner gänzlich anderen Message schlug bei ihm Funken. Er ließ seine Adelsvorrechte sausen und wurde ein radikaler Nachfolger dieses friedlichen Menschen aus Nazareth. Überzeugter Veganer ! Diakon, Mönch, vor allem Einsiedler und Waldläufer, selber Klostergründer. Ein spirituelles Leben in sehr unspirituellen Zeiten.
Warum er – wie die meisten Guten – nicht längst vergessen ist ? Leonhard hatte halt fränkischen Eroberergeist in den Genen, er brauchte neben dem Gebet auch direkte Action, und zwar reichlich. Seinerzeit war das ganze Frankenreich übersät mit Guantanamos: man führte ständig Krieg, und Kriegsgefangene wurden übelst behandelt. In Ketten geschmiedet, oft schlecht ernährt, den Hofhunden ging es besser als diesen Sklaven. Und Leonhard ging dazwischen, überall, immer wieder: und erreichte mit seinen Amnesty-International-Einsätzen die Freilassung unzähliger Gefangener. Was für eine coole Type !!
Er starb friedlich und steinalt (Veggie !) .Sein Grab findet sich wohlgepflegt in seiner schönen Kirche in Saint-Léonard-de-Noblat nahe Limoges.
Serge Gainsbourg flüchtete sich 1944 erfolgreich an den Ort des Kettenzerbrechers, um der Gefangenschaft der Nazis zu entgehen. Die Power scheint noch zu wirken.
Fest: 6. November
In 2000 Jahren Kirchengeschichte finden sich Verbrecher, Helden des Alltags wie ich und Du - und Heilige. Deren große Schar auseinanderzuhalten helfen die „Attribute“: Erkennungszeichen, oft die Marterwerkzeuge (merke: die Guten werden nicht alt). Grauslich schaut das aus: Männer mit dem eigenen Kopf unter dem Arm, flotte Juffern mit einem Dolch im Hals, Jünglinge, von Pfeilen durchbohrt.
Auf uns heutige wirkt das eher leidend, passiv und nicht so richtig sportlich. Wie anders da der heilige Leonhard ! Sein Kennzeichen sind stolz vorgezeigte zerbrochene Ketten – und seine Statuen wirken mitunter recht dritte-welt-revoluzzer-mäßig (fehlt nur die Castro-Cap und die Kalaschnikow – der Bart ist da).
Leonhard war um 500 ein fränkischer Adliger im Umfeld des selbst für fränkische Verhältnisse äußerst blutdurstigen ersten getauften Königs Erst-schlagen-dann-fragen-Chlodwig. Ihm ging das alles auf den Senkel, und das Christentum mit seiner gänzlich anderen Message schlug bei ihm Funken. Er ließ seine Adelsvorrechte sausen und wurde ein radikaler Nachfolger dieses friedlichen Menschen aus Nazareth. Überzeugter Veganer ! Diakon, Mönch, vor allem Einsiedler und Waldläufer, selber Klostergründer. Ein spirituelles Leben in sehr unspirituellen Zeiten.
Warum er – wie die meisten Guten – nicht längst vergessen ist ? Leonhard hatte halt fränkischen Eroberergeist in den Genen, er brauchte neben dem Gebet auch direkte Action, und zwar reichlich. Seinerzeit war das ganze Frankenreich übersät mit Guantanamos: man führte ständig Krieg, und Kriegsgefangene wurden übelst behandelt. In Ketten geschmiedet, oft schlecht ernährt, den Hofhunden ging es besser als diesen Sklaven. Und Leonhard ging dazwischen, überall, immer wieder: und erreichte mit seinen Amnesty-International-Einsätzen die Freilassung unzähliger Gefangener. Was für eine coole Type !!
Er starb friedlich und steinalt (Veggie !) .Sein Grab findet sich wohlgepflegt in seiner schönen Kirche in Saint-Léonard-de-Noblat nahe Limoges.
Serge Gainsbourg flüchtete sich 1944 erfolgreich an den Ort des Kettenzerbrechers, um der Gefangenschaft der Nazis zu entgehen. Die Power scheint noch zu wirken.
... link (0 Kommentare) ... comment
Heiliger des Monats Dezember 2010: Die heiligen unschuldigen Kinder
saintblog, 19:18h
Heiliger des Monats Dezember 2010: Die heiligen unschuldigen Kinder
Fest: 28. Dezember
Ein von der größten Militärmacht der Welt im Vorderen Orient als Marionetten-Präsident eingesetzter Warlord regiert mit blanker Gewalt und übernervös. Bei jedem Schatten von Verrat rollen Köpfe, auch die der eigenen Familie, Massaker sind Mittel der Innenpolitik. – Nicht wirklich neu ? Nein, nicht wirklich neu, 2000 Jahre her, der Mann heißt Herodes, und „homo homini lupus“, der Mensch ist des Menschen Wolf.
Als die damalige Sandalen-Stasi meldet, dass es Unruhe wegen eines angeblich neu geborenen Volkserlösers aus der rechtmäßigen Dynastie gebe, schickt Herodes eine Einsatzgruppe in die Kernregion von deren Clan und lässt in und um Bethlehem alle männlichen Kleinkinder unterhalb des Kindergartenalters töten. Mission accomplished !
Einer aus dem Clan ist mit seinen gastarbeitenden Eltern nach Ägypten entwischt (auch so ein palästinensisches Dauerschicksal). Den kriegen sie erst 30 Jahre später: dann aber richtig.
So geht es zu auf der Welt – Fortschritt gibt es nur in der Waffentechnik.
Und da ist die alte Tante Kirche so vorgestrig, einen vernachlässigbaren Kollateralschaden im „Bemühen um Stabilität in der Region“ Jahr für Jahr als „Fest der heiligen unschuldigen Kinder“ zu begehen ? Wo sich alle anderen doch daran gewöhnt haben, dass Kinder (und Frauen) immer zuerst dran sind ? Dass niemand, aber auch wirklich niemand, zivile Opfer zählt ? Und schon gar nicht die Kinder ?
Das sind wirklich wichtige Heilige – und Dienstag, der 28.12.2010, könnte ein prächtiger Tag sein, darüber nachzudenken, wen man heute wählt, wem man heute Geld schickt, wen man unterstützen und wen man bekämpfen sollte.
Fest: 28. Dezember
Ein von der größten Militärmacht der Welt im Vorderen Orient als Marionetten-Präsident eingesetzter Warlord regiert mit blanker Gewalt und übernervös. Bei jedem Schatten von Verrat rollen Köpfe, auch die der eigenen Familie, Massaker sind Mittel der Innenpolitik. – Nicht wirklich neu ? Nein, nicht wirklich neu, 2000 Jahre her, der Mann heißt Herodes, und „homo homini lupus“, der Mensch ist des Menschen Wolf.
Als die damalige Sandalen-Stasi meldet, dass es Unruhe wegen eines angeblich neu geborenen Volkserlösers aus der rechtmäßigen Dynastie gebe, schickt Herodes eine Einsatzgruppe in die Kernregion von deren Clan und lässt in und um Bethlehem alle männlichen Kleinkinder unterhalb des Kindergartenalters töten. Mission accomplished !
Einer aus dem Clan ist mit seinen gastarbeitenden Eltern nach Ägypten entwischt (auch so ein palästinensisches Dauerschicksal). Den kriegen sie erst 30 Jahre später: dann aber richtig.
So geht es zu auf der Welt – Fortschritt gibt es nur in der Waffentechnik.
Und da ist die alte Tante Kirche so vorgestrig, einen vernachlässigbaren Kollateralschaden im „Bemühen um Stabilität in der Region“ Jahr für Jahr als „Fest der heiligen unschuldigen Kinder“ zu begehen ? Wo sich alle anderen doch daran gewöhnt haben, dass Kinder (und Frauen) immer zuerst dran sind ? Dass niemand, aber auch wirklich niemand, zivile Opfer zählt ? Und schon gar nicht die Kinder ?
Das sind wirklich wichtige Heilige – und Dienstag, der 28.12.2010, könnte ein prächtiger Tag sein, darüber nachzudenken, wen man heute wählt, wem man heute Geld schickt, wen man unterstützen und wen man bekämpfen sollte.
... link (0 Kommentare) ... comment
Heiliger des Monats Januar 2011: Bekehrung des Heiligen Paulus
saintblog, 19:16h
Heiliger des Monats Januar 2011: Bekehrung des Heiligen Paulus
Fest: 25. Januar
Vor 2000 Jahren, türkische Mittelmeerküste. Viel Sand am Strand, die Sonne scheint, das Obst wird süß. Pax Romana, es lässt sich prima leben.
Ein nichtaufdenkopfgefallenes Söhnchen der jüdischen wohlhabenden Mittelschicht, Zelt- oder Tuch- oder Teppichmacher oder –händler, Genaueres gibt die Übersetzung nicht her, will was noch besseres werden, studiert an der hippen Uni zu Jerusalem Theologie. Das Sahnehäubchen: man ist römischer Vollbürger und fühlt sich auch so: the sky is the limit. Keine Sekunde muss der junge Mann überlegen, für welche In-Group sein Herz schlägt: es ist die herrschende Klasse, die Pharisäer, die intellektuelle Elite an den Fleischtöpfen, ohne die nichts geht.
“Es ist besser, einer stirbt für das Volk, als das Volk stirbt“ sagen sie („das Volk sind wir“) bei einem guten Glas Wein über den Spielverderber Jesus, diesen unberechenbaren Bauerntrampel-Führer aus Galiläa (und Galiläa ist für diese Jeunesse Dorée was die Eifel für Köln ist: Misthaufen, Gummistiefel, Kittelschürzen). Also Schluss mit der Provinzposse und hau weg den Wannabe-King – business as usual.
Ein bisschen Aufräumen ist dann noch noch angesagt: wer nicht hören will muss fühlen. Dem Stephan hauen sie so viele Steine auf den Kopf, dass er gleich liegen bleibt. Um die Ausbreitung dieser geistigen Pandemie zu verhindern, meldet sich Paulus gern für Syrien. Jugendliche Großmannssucht und das gute Gefühl, etwas für das eigene Portemonnaie zu tun. Die Mächtigen werden sich erkenntlich zeigen. So reitet er los, aber so kommt er nicht an.
Ein verwirrter Blinder ist es, der schließlich in Syrien um Hilfe bittet: Wirres aus der Wüste erzählt und sich nun zeitlebens als die „Missgeburt“ bezeichnet. (Anmerkung für die, die nicht so bibelfest sind: Als Paulus auf dem Weg in einer Vision dem Herrn begegnete, erblindete er. Ananias, ein Christ aus Damaskus, heilte Paulus von seiner Blindheit, indem er ihm die Hände auflegte. Allerdings tat Ananias dies nicht aus Liebe zu Paulus, sondern aus Liebe zu seinem Herrn, der dies von ihm forderte.)
Was lernen wir daraus ?
Erstens, daß der Chef up-in-the-sky reichlich schwarzen Humor hat. Der Killer wird zum Prediger, das ist lustig. Zweitens, wie schnell man sich verrennt und das Lied „wes Brot ich ess des Fahn´ ich schwenk“ für irgendwie moralisch hält. Drittens: ist nie zu spät, geht auch anders, sicher, auch für uns, für Dich und mich.
Fest: 25. Januar
Vor 2000 Jahren, türkische Mittelmeerküste. Viel Sand am Strand, die Sonne scheint, das Obst wird süß. Pax Romana, es lässt sich prima leben.
Ein nichtaufdenkopfgefallenes Söhnchen der jüdischen wohlhabenden Mittelschicht, Zelt- oder Tuch- oder Teppichmacher oder –händler, Genaueres gibt die Übersetzung nicht her, will was noch besseres werden, studiert an der hippen Uni zu Jerusalem Theologie. Das Sahnehäubchen: man ist römischer Vollbürger und fühlt sich auch so: the sky is the limit. Keine Sekunde muss der junge Mann überlegen, für welche In-Group sein Herz schlägt: es ist die herrschende Klasse, die Pharisäer, die intellektuelle Elite an den Fleischtöpfen, ohne die nichts geht.
“Es ist besser, einer stirbt für das Volk, als das Volk stirbt“ sagen sie („das Volk sind wir“) bei einem guten Glas Wein über den Spielverderber Jesus, diesen unberechenbaren Bauerntrampel-Führer aus Galiläa (und Galiläa ist für diese Jeunesse Dorée was die Eifel für Köln ist: Misthaufen, Gummistiefel, Kittelschürzen). Also Schluss mit der Provinzposse und hau weg den Wannabe-King – business as usual.
Ein bisschen Aufräumen ist dann noch noch angesagt: wer nicht hören will muss fühlen. Dem Stephan hauen sie so viele Steine auf den Kopf, dass er gleich liegen bleibt. Um die Ausbreitung dieser geistigen Pandemie zu verhindern, meldet sich Paulus gern für Syrien. Jugendliche Großmannssucht und das gute Gefühl, etwas für das eigene Portemonnaie zu tun. Die Mächtigen werden sich erkenntlich zeigen. So reitet er los, aber so kommt er nicht an.
Ein verwirrter Blinder ist es, der schließlich in Syrien um Hilfe bittet: Wirres aus der Wüste erzählt und sich nun zeitlebens als die „Missgeburt“ bezeichnet. (Anmerkung für die, die nicht so bibelfest sind: Als Paulus auf dem Weg in einer Vision dem Herrn begegnete, erblindete er. Ananias, ein Christ aus Damaskus, heilte Paulus von seiner Blindheit, indem er ihm die Hände auflegte. Allerdings tat Ananias dies nicht aus Liebe zu Paulus, sondern aus Liebe zu seinem Herrn, der dies von ihm forderte.)
Was lernen wir daraus ?
Erstens, daß der Chef up-in-the-sky reichlich schwarzen Humor hat. Der Killer wird zum Prediger, das ist lustig. Zweitens, wie schnell man sich verrennt und das Lied „wes Brot ich ess des Fahn´ ich schwenk“ für irgendwie moralisch hält. Drittens: ist nie zu spät, geht auch anders, sicher, auch für uns, für Dich und mich.
... link (0 Kommentare) ... comment
Heilige des Monats Februar 2011: Brigida / Brigitta von Kildare
saintblog, 19:14h
Heilige des Monats Februar 2011: Brigida / Brigitta von Kildare
Fest: 1. Februar
Patronin Irlands, der Schwangeren, der Kinder und der Haustiere
Auf den ersten Blick könnte uns die liebe heilige Brigida schnurzpiepe sein: viel zu lange her (1.500 Jahre), viel zu wenig Action (nix besonderes passiert). Frommes Mädchen, noch frömmere Nonne, heilige Äbtissin – ich schlaf gleich ein.
Auf den zweiten Blick zeigt uns die Verehrung der heiligen Brigida, wie offenherzig multikulti die Kirche vorhandene spirituelle Kräfte nicht bekämpft, sondern integriert, ja häuft. Indem man ihren Festtag auf den Tag der gleichnamigen keltischen Muttergöttin legte, den alten keltischen Frühlingsanfang am 1. Februar, wurde diese schöne Tradition bewahrt und weiter ausgebaut – insbesondere noch durch „Mariä Lichtmeß“ gleich am Tag darauf.
Dieses Fest des wiedererstarkenden Sonnenlichtes findet sich in den Erzählungen, dass Brigida Flammen auf dem Haupt erschienen seien – in ihrer Kirche in Kildare unterhielten noch 700 Jahre später ihre Klosterfrauen ein immerwährendes Feuer zu ihrem Gedächtnis.
Selbst heute noch flechten in Irland Kinder zum Brigida-Tag kleine Kreuze aus Röhricht, die in der Form an das alte Sonnenrad erinnern. – Reiche vergehen, Völker verschwinden, und die Kirche trägt die Tradition weiter und weiter – man mag das ja unwichtig finden, aber ich rheinischer Katholik steh auf die fette barocke volle Dröhnung. Warum weniger ?
Und Drittens wird es knallmodern: im Kleingedruckten der Lebensbeschreibung Brigidas findet sich eine weibliche Emanzipationsgeschichte.
Brigidas Vater war nämlich ein adliger Militärmacho übelster Strickart: obwohl verheiratet, kaufte er sich Ihre Mutter, eine Unfreie, als Sexsklavin. Als sein Spielzeug schwanger wurde, verkaufte er es mit Rabatt an irgendeinen Kumpel weiter und fragte nicht weiter danach. Das Mädchen Brigida wird getauft, das Christentum hält Einzug: und gibt Brigida, wie so vielen anderen, die Möglichkeit zur Revolte.
Die schöne und intelligente Brigida muß sich nicht wie ihre Mutter verhökern und missbrauchen lassen, ihr bieten sich nun ungeahnte Möglichkeiten. Mit 14 setzt sie durch, Nonne werden zu dürfen und errichtet sich unter einer Eiche – recht hippiemäßig – eine Art Wohnhöhle. Andere stoßen zu ihr: Frauen auf der Flucht vor Männern (die waren damals ja auch nicht besser als heute), Männer auf der Flucht vor dem ewigen Gemetzeln, diesem Dauerblutrausch von Fehde und Blutrache, den sie bis heute nicht so recht sein lassen können.
Es werden auf die Dauer mehrere solcher Kommunen, und hätte die Reformation nicht alles platt gehauen, bestünden sie noch heute. – Merke: wo im Mittelalter die Liebe ist, ist Mittelalter Fortschritt. – Und die Neuzeit ? – Nicht zu schnell antworten, die Frage sollte wirken können.
Fest: 1. Februar
Patronin Irlands, der Schwangeren, der Kinder und der Haustiere
Auf den ersten Blick könnte uns die liebe heilige Brigida schnurzpiepe sein: viel zu lange her (1.500 Jahre), viel zu wenig Action (nix besonderes passiert). Frommes Mädchen, noch frömmere Nonne, heilige Äbtissin – ich schlaf gleich ein.
Auf den zweiten Blick zeigt uns die Verehrung der heiligen Brigida, wie offenherzig multikulti die Kirche vorhandene spirituelle Kräfte nicht bekämpft, sondern integriert, ja häuft. Indem man ihren Festtag auf den Tag der gleichnamigen keltischen Muttergöttin legte, den alten keltischen Frühlingsanfang am 1. Februar, wurde diese schöne Tradition bewahrt und weiter ausgebaut – insbesondere noch durch „Mariä Lichtmeß“ gleich am Tag darauf.
Dieses Fest des wiedererstarkenden Sonnenlichtes findet sich in den Erzählungen, dass Brigida Flammen auf dem Haupt erschienen seien – in ihrer Kirche in Kildare unterhielten noch 700 Jahre später ihre Klosterfrauen ein immerwährendes Feuer zu ihrem Gedächtnis.
Selbst heute noch flechten in Irland Kinder zum Brigida-Tag kleine Kreuze aus Röhricht, die in der Form an das alte Sonnenrad erinnern. – Reiche vergehen, Völker verschwinden, und die Kirche trägt die Tradition weiter und weiter – man mag das ja unwichtig finden, aber ich rheinischer Katholik steh auf die fette barocke volle Dröhnung. Warum weniger ?
Und Drittens wird es knallmodern: im Kleingedruckten der Lebensbeschreibung Brigidas findet sich eine weibliche Emanzipationsgeschichte.
Brigidas Vater war nämlich ein adliger Militärmacho übelster Strickart: obwohl verheiratet, kaufte er sich Ihre Mutter, eine Unfreie, als Sexsklavin. Als sein Spielzeug schwanger wurde, verkaufte er es mit Rabatt an irgendeinen Kumpel weiter und fragte nicht weiter danach. Das Mädchen Brigida wird getauft, das Christentum hält Einzug: und gibt Brigida, wie so vielen anderen, die Möglichkeit zur Revolte.
Die schöne und intelligente Brigida muß sich nicht wie ihre Mutter verhökern und missbrauchen lassen, ihr bieten sich nun ungeahnte Möglichkeiten. Mit 14 setzt sie durch, Nonne werden zu dürfen und errichtet sich unter einer Eiche – recht hippiemäßig – eine Art Wohnhöhle. Andere stoßen zu ihr: Frauen auf der Flucht vor Männern (die waren damals ja auch nicht besser als heute), Männer auf der Flucht vor dem ewigen Gemetzeln, diesem Dauerblutrausch von Fehde und Blutrache, den sie bis heute nicht so recht sein lassen können.
Es werden auf die Dauer mehrere solcher Kommunen, und hätte die Reformation nicht alles platt gehauen, bestünden sie noch heute. – Merke: wo im Mittelalter die Liebe ist, ist Mittelalter Fortschritt. – Und die Neuzeit ? – Nicht zu schnell antworten, die Frage sollte wirken können.
... link (0 Kommentare) ... comment
Heilige des Monats März 2011: Gertrud von Nivelles
saintblog, 19:11h
Heilige des Monats März 2011: Gertrud von Nivelles
Festtag: 17. März 659 (Todestag)
Schutzpatronin der Reisenden und Pilger (auch reisender Gesellen) sowie der Gärtner (besonders gegen Mäuseplagen)
Noch dominiert in der Öffentlichkeit der männliche Blick auf die Leben von Frauen. Einfache Nonnen stopft man in die Schublade „verhärmt, weltfremd, im Kloster dahingedämmert“, zu reichen Äbtissinen assoziiert man „von der Familie in den goldenen Käfig abgeschoben, langweiliges und nutzloses Leben hinter hohen Mauern“. – Immer unausgesprochen im Hinterkopf: ein Leben ohne Mann, das kann ja nichts sein.
Im Februar hat uns das arme Mädchen Brigida schon gezeigt, wie viel Frauenpower in Nonnen steckt – jetzt im März werfen wir einen Blick auf die Upperclass.
Gertrud wurde 626 irgendwo im heutigen Belgien in die damalige Hochpolitik hineingeboren. Ihre Familie mischte überall mit – sie selbst ist die Ur-Ur-Großtante Karls des Großen. Mädchen Ihrer Herkunft wurden zwar nicht so billig verschachert wie Brigidas Mutter, aber verschachert wurden sie doch. Die Versuchung war einfach zu groß: ein Fleckchen Land billig zu erheiraten, statt es teuer zu erobern ... so verplante man kleine Mädchen (und die Mütter gleich mit, wenn sie Witwen wurden). Und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt. Soweit die Macho-Theorie – und leider häufig auch die Praxis.
Aber Frauen sind ja nicht dumm. Als es für Gertrud und ihre Mutter 640 brenzlig wird (der Politikergatte stirbt und Gertrud wird 14, also „mannbar“), ziehen beide in trauter Einigkeit die Reißleine. Mutter und Tochter gründen ein Kloster und werden dessen erste Bewohnerinnen. So behalten Sie ihren Besitz, brauchen sich nicht irgendeinem nach selbigem schielenden Tuppes zu unterwerfen, bleiben Chef im eigenen Haus und können ihren Neigungen nachgehen. Gertrud ist nämlich ein schlaues Kind, sie liest: was damals selbst mancher Priester nicht konnte (der hatte das Allernotwendigste halt auswendig gelernt). Sie baut eine Bücherei auf, lässt sogar Bücher aus dem fernen Rom kommen.
Nach dem Tod der Mutter wird Gertrud mit 26 Jahren Äbtissin des Klosters und wirkt tatkräftig. Sie engagiert sich für den Unterricht ihrer Nonnen (die später auch heiliggesprochene Amelberga ist ihre Schülerin), unterstützt Arme, Witwen, Waisen und Gefangene, baut den mittellosen irischen Wandermönchen, die den einfachen Leuten die neue Botschaft der Liebe bringen, ein kleines Krankenhaus.
Als Gertrud mit 33 Jahren stirbt (im Mittelalter lebte und starb man schneller ...), hat sie ein Frauenkloster in Gang, Licht ins Dunkel und in viele Köpfe gebracht, ihr Ding gemacht. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es – Gertrudentag ist ein prima Tag, um ein erstes Mal im Garten rumzuwuseln und der jungen, energischen Patronin der Gärten zu gedenken.
P.S.: Aus dem Krieg gegen Napoleon hat sich eine schöne Geschichte zu unserer Heiligen überliefert:
Da die Legende erzählt, Gertrud hätte einmal eine Mäuseplage mit ihrem Gebet abgewendet, gehören oft Mäuse zu ihren Attributen. Als sich nun 1815 ein siegestrunkener, übermütiger protestantischer preußischer Offizier von einem Einheimischen in Luxemburg durch die Kathedrale führen ließ (und natürlich alles für katholischen, abergläubischen Mumpitz befand), entsetzte ihn eine geschnitzte Figur der Gertrud besonders, da an deren Äbtissinnenstab kleine vergoldete Mäuse als Dank für abgewandte Plagen angebracht waren. „Ja guter Mann: glauben sie denn tatsächlich an so einen zum Himmel schreienden Unsinn ?!“ – „Nicht wirklich, Herr Offizier: sonst hätten wir schon längst auch ein paar kleine vergoldete Preußen schnitzen lassen.“
Festtag: 17. März 659 (Todestag)
Schutzpatronin der Reisenden und Pilger (auch reisender Gesellen) sowie der Gärtner (besonders gegen Mäuseplagen)
Noch dominiert in der Öffentlichkeit der männliche Blick auf die Leben von Frauen. Einfache Nonnen stopft man in die Schublade „verhärmt, weltfremd, im Kloster dahingedämmert“, zu reichen Äbtissinen assoziiert man „von der Familie in den goldenen Käfig abgeschoben, langweiliges und nutzloses Leben hinter hohen Mauern“. – Immer unausgesprochen im Hinterkopf: ein Leben ohne Mann, das kann ja nichts sein.
Im Februar hat uns das arme Mädchen Brigida schon gezeigt, wie viel Frauenpower in Nonnen steckt – jetzt im März werfen wir einen Blick auf die Upperclass.
Gertrud wurde 626 irgendwo im heutigen Belgien in die damalige Hochpolitik hineingeboren. Ihre Familie mischte überall mit – sie selbst ist die Ur-Ur-Großtante Karls des Großen. Mädchen Ihrer Herkunft wurden zwar nicht so billig verschachert wie Brigidas Mutter, aber verschachert wurden sie doch. Die Versuchung war einfach zu groß: ein Fleckchen Land billig zu erheiraten, statt es teuer zu erobern ... so verplante man kleine Mädchen (und die Mütter gleich mit, wenn sie Witwen wurden). Und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt. Soweit die Macho-Theorie – und leider häufig auch die Praxis.
Aber Frauen sind ja nicht dumm. Als es für Gertrud und ihre Mutter 640 brenzlig wird (der Politikergatte stirbt und Gertrud wird 14, also „mannbar“), ziehen beide in trauter Einigkeit die Reißleine. Mutter und Tochter gründen ein Kloster und werden dessen erste Bewohnerinnen. So behalten Sie ihren Besitz, brauchen sich nicht irgendeinem nach selbigem schielenden Tuppes zu unterwerfen, bleiben Chef im eigenen Haus und können ihren Neigungen nachgehen. Gertrud ist nämlich ein schlaues Kind, sie liest: was damals selbst mancher Priester nicht konnte (der hatte das Allernotwendigste halt auswendig gelernt). Sie baut eine Bücherei auf, lässt sogar Bücher aus dem fernen Rom kommen.
Nach dem Tod der Mutter wird Gertrud mit 26 Jahren Äbtissin des Klosters und wirkt tatkräftig. Sie engagiert sich für den Unterricht ihrer Nonnen (die später auch heiliggesprochene Amelberga ist ihre Schülerin), unterstützt Arme, Witwen, Waisen und Gefangene, baut den mittellosen irischen Wandermönchen, die den einfachen Leuten die neue Botschaft der Liebe bringen, ein kleines Krankenhaus.
Als Gertrud mit 33 Jahren stirbt (im Mittelalter lebte und starb man schneller ...), hat sie ein Frauenkloster in Gang, Licht ins Dunkel und in viele Köpfe gebracht, ihr Ding gemacht. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es – Gertrudentag ist ein prima Tag, um ein erstes Mal im Garten rumzuwuseln und der jungen, energischen Patronin der Gärten zu gedenken.
P.S.: Aus dem Krieg gegen Napoleon hat sich eine schöne Geschichte zu unserer Heiligen überliefert:
Da die Legende erzählt, Gertrud hätte einmal eine Mäuseplage mit ihrem Gebet abgewendet, gehören oft Mäuse zu ihren Attributen. Als sich nun 1815 ein siegestrunkener, übermütiger protestantischer preußischer Offizier von einem Einheimischen in Luxemburg durch die Kathedrale führen ließ (und natürlich alles für katholischen, abergläubischen Mumpitz befand), entsetzte ihn eine geschnitzte Figur der Gertrud besonders, da an deren Äbtissinnenstab kleine vergoldete Mäuse als Dank für abgewandte Plagen angebracht waren. „Ja guter Mann: glauben sie denn tatsächlich an so einen zum Himmel schreienden Unsinn ?!“ – „Nicht wirklich, Herr Offizier: sonst hätten wir schon längst auch ein paar kleine vergoldete Preußen schnitzen lassen.“
... link (0 Kommentare) ... comment
Heilige des Monats April 2011: Cantius, Cantianus und Cantianilla
saintblog, 19:09h
Heilige des Monats April 2011: Cantius, Cantianus und Cantianilla
Festtag in Hildesheim: 1. April (Ankunft der Reliquien)
Schutzpatrone der Kinder
In den vergangenen Monaten hat uns interessiert, was mit mehr oder weniger bekannten Heiligen los ist, so lange sie da sind – heute fragen wir uns einmal, was Heilige bewirken, wenn Sie wieder weg sind.
Sind sie denn weg? Nun, keiner geht so ganz. Es bleiben Andenken, vielleicht Bücher, Bekleidung – und Knochen. Noch in den 1980er Jahren durfte mein auf´s Eifler Dorf gezogene Schwager die Erfahrung machen, dass in seinem Ort die männlichen Nachbarn eine Tote unter die Erde zu bringen hatten. Man trifft sich auf dem Kirchhof, buddelt abwechselnd, trinkt eine spendierte Flasche Schnaps und versteckt die Knochen der den älteren bestens erinnerlichen Vorbelegung diskret tief unten im Loch. – Jetzt macht das auch dort ein Unternehmer, aber vorher war das überall so: in der Grüften räumte man Platz für den nächsten der Familie, auf den Kirchhöfen steckte man die regelmäßig auftauchenden Reste in ein „Beinhaus“. Wohlgemerkt, die Knochen von jedermann, ob mit oder ohne Wappen, ob reich oder arm. Der Tod macht gleich – manche macht er allerdings auch gleicher. Denn wenn es einer in den Himmel schafft, wenn eine wirklich dort oben beim Herrn ist – dann doch die Heiligen !
Da war ein Schauder, eine Aura um deren Überbleibsel, die Reliquien. Die Seele dieses Leibes war sicher geborgen beim Herrn, in Abrahams Schoß: aber hatte diese Seele nicht vorher diese Knochen belebt ? Hatten die Knochen nicht der Seele ganz konkret als Wohnung gedient ? Man fühlte sich diesen heiligen Seelen verbunden, man fühlte sich der jenseitigen Welt zum Greifen nah, war man den Reliquien nah.
Aquae Gradatae bei Aquileia in Norditalien, 304 nach Christus. Drei Kinder bzw. Jugendliche und ein Lehrer werden geköpft. Sie hatten Christen bleiben wollen, trotz der letzten und zugleich massakerreichsten Verfolgung durch den Diktator / Kaiser Diokletian. Aus guter Familie, aber verwaist, hatten sie in Rom alles verkauft und den Armen gegeben, wollten mit ihrem Mentor Protus in der Provinz untertauchen. Kurz vor dem Ziel erkannt, blieben sie ihrer Überzeugung, dem hellen Licht ihres Lebens in all der sie umgebenden römischen Barbarei treu.
Andere Opfer sind längst vergessen, ihr Staub verweht. Der Nachruhm der 3 Geschwister gründet sich darauf, dass ein Priester namens Zoelus ihren Leichen (sicher nicht risikolos) ein gemeinsames Grab zu verschaffen wusste. Den dort verwahrten Reliquien erweisen nun Gläubige seit 1706 Jahren Respekt. In Aquileia ruft man sie als Schutzpatrone der Kinder an, in Kranj (Slowenien) steht eine Kirche zu ihren Ehren – und in Hildesheim in Norddeutschland kamen an einem 1. April vor etwa 1000 Jahren einige Reliquien an. Diese Ankunft der unscheinbaren Knochen war den Menschen dort ein solches spirituelles Ereignis, dass Sie diesen Tag der Ankunft seitdem (bis heute) feiern. Ja, noch 1978 (man glaubt es kaum) wurde der neue Hochaltar der Kirche im benachbarten Söhre mit Teilen der Reliquien versehen.
Natürlich kann man darüber spotten, das macht seit Luther alle Welt, moderne Katholiken stehen da mit in der ersten Reihe: kindischer Aberglaube, schlichte Gemüter ! Es wird milde gelächelt. Als Reliquienverächter ist man zweifellos in allerbester, hochintellektueller Gesellschaft.
Wenn man aber gar nicht so oberschlau sein will, und einen dieser Anhauch aus der anderen Welt anrührt ? Wenn man die ausgestreckte Hand aus dem Himmel nicht ausschlagen will ? – Hat der Chef in seiner komischen Art nicht mal gesagt „Werdet wie die Kinder, sonst kriegt ihr nie die Kurve“ ? Und wie sieht sie aus, unsere Erwachsenenwelt ? Na ? Wie sieht sie aus ?
Festtag in Hildesheim: 1. April (Ankunft der Reliquien)
Schutzpatrone der Kinder
In den vergangenen Monaten hat uns interessiert, was mit mehr oder weniger bekannten Heiligen los ist, so lange sie da sind – heute fragen wir uns einmal, was Heilige bewirken, wenn Sie wieder weg sind.
Sind sie denn weg? Nun, keiner geht so ganz. Es bleiben Andenken, vielleicht Bücher, Bekleidung – und Knochen. Noch in den 1980er Jahren durfte mein auf´s Eifler Dorf gezogene Schwager die Erfahrung machen, dass in seinem Ort die männlichen Nachbarn eine Tote unter die Erde zu bringen hatten. Man trifft sich auf dem Kirchhof, buddelt abwechselnd, trinkt eine spendierte Flasche Schnaps und versteckt die Knochen der den älteren bestens erinnerlichen Vorbelegung diskret tief unten im Loch. – Jetzt macht das auch dort ein Unternehmer, aber vorher war das überall so: in der Grüften räumte man Platz für den nächsten der Familie, auf den Kirchhöfen steckte man die regelmäßig auftauchenden Reste in ein „Beinhaus“. Wohlgemerkt, die Knochen von jedermann, ob mit oder ohne Wappen, ob reich oder arm. Der Tod macht gleich – manche macht er allerdings auch gleicher. Denn wenn es einer in den Himmel schafft, wenn eine wirklich dort oben beim Herrn ist – dann doch die Heiligen !
Da war ein Schauder, eine Aura um deren Überbleibsel, die Reliquien. Die Seele dieses Leibes war sicher geborgen beim Herrn, in Abrahams Schoß: aber hatte diese Seele nicht vorher diese Knochen belebt ? Hatten die Knochen nicht der Seele ganz konkret als Wohnung gedient ? Man fühlte sich diesen heiligen Seelen verbunden, man fühlte sich der jenseitigen Welt zum Greifen nah, war man den Reliquien nah.
Aquae Gradatae bei Aquileia in Norditalien, 304 nach Christus. Drei Kinder bzw. Jugendliche und ein Lehrer werden geköpft. Sie hatten Christen bleiben wollen, trotz der letzten und zugleich massakerreichsten Verfolgung durch den Diktator / Kaiser Diokletian. Aus guter Familie, aber verwaist, hatten sie in Rom alles verkauft und den Armen gegeben, wollten mit ihrem Mentor Protus in der Provinz untertauchen. Kurz vor dem Ziel erkannt, blieben sie ihrer Überzeugung, dem hellen Licht ihres Lebens in all der sie umgebenden römischen Barbarei treu.
Andere Opfer sind längst vergessen, ihr Staub verweht. Der Nachruhm der 3 Geschwister gründet sich darauf, dass ein Priester namens Zoelus ihren Leichen (sicher nicht risikolos) ein gemeinsames Grab zu verschaffen wusste. Den dort verwahrten Reliquien erweisen nun Gläubige seit 1706 Jahren Respekt. In Aquileia ruft man sie als Schutzpatrone der Kinder an, in Kranj (Slowenien) steht eine Kirche zu ihren Ehren – und in Hildesheim in Norddeutschland kamen an einem 1. April vor etwa 1000 Jahren einige Reliquien an. Diese Ankunft der unscheinbaren Knochen war den Menschen dort ein solches spirituelles Ereignis, dass Sie diesen Tag der Ankunft seitdem (bis heute) feiern. Ja, noch 1978 (man glaubt es kaum) wurde der neue Hochaltar der Kirche im benachbarten Söhre mit Teilen der Reliquien versehen.
Natürlich kann man darüber spotten, das macht seit Luther alle Welt, moderne Katholiken stehen da mit in der ersten Reihe: kindischer Aberglaube, schlichte Gemüter ! Es wird milde gelächelt. Als Reliquienverächter ist man zweifellos in allerbester, hochintellektueller Gesellschaft.
Wenn man aber gar nicht so oberschlau sein will, und einen dieser Anhauch aus der anderen Welt anrührt ? Wenn man die ausgestreckte Hand aus dem Himmel nicht ausschlagen will ? – Hat der Chef in seiner komischen Art nicht mal gesagt „Werdet wie die Kinder, sonst kriegt ihr nie die Kurve“ ? Und wie sieht sie aus, unsere Erwachsenenwelt ? Na ? Wie sieht sie aus ?
... link (0 Kommentare) ... comment
Heiliger des Monats Mai 2011: Hermann-Joseph von Steinfeld
saintblog, 19:07h
Heiliger des Monats Mai 2011: Hermann-Joseph von Steinfeld
Festtag: 21. Mai
Schutzpatron der Uhrmacher, Mechaniker und Obstbauern
„Street Credibility“, am besten schlicht mit Glaubwürdigkeit übersetzt, ist das, wofür nicht wenige Künstler, aber auch so mancher Politiker und Medienstar seine Seele verpfänden würde. Hat man sie, gehen die Leute mit einem durch dick und dünn – hat man sie nicht, bleibt man ein Papiertiger. Glaubwürdigkeit gründet sich darauf, dass man das lebt, was man sagt.
Hermann wurde fast 100 Jahre vor der Grundsteinlegung des jetzigen Kölner Doms um 1150 geboren. Seine Eltern waren verarmte Kölner Bürger, die ihrem begabten Sohn trotzdem den damals noch ganz ungewöhnlichen Schulbesuch ermöglichten. Außerdem lernt er irgendwann das Handwerk des Uhrmachers – diese riesengroßen, handgeschmiedeten Ungetüme von Turmuhren waren damals der letzte Schrei. Er hätte in diesem stark nachgefragten Mode-Beruf ein gutes Auskommen haben können. Statt dessen wird er Mönch, in Steinfeld in der Eifel.
Kein Heiliger ohne Glaubwürdigkeit. Heiligkeit definiert sich geradezu durch diese weitgehende Übereinstimmung von Herz und Leben, von Traum und Wirklichkeit. Was bei den meisten Menschen Gedanke bleibt, wird bei den Heiligen Tat.
Hermann lebt seinen inbrünstigen, tief empfundenen, ihn ganz vereinnahmenden Glauben rückhaltlos, geradezu sinnlich. Der Alltag lässt ihn kalt. Wenn er die Messe liest, lässt er das Geschehen des gewandelten Brotes so unmittelbar auf sich wirken, dass er regelmäßig in Trance fällt. Kaum einer der Mitbrüder mag ihm noch Messdiener sein. Das Heilige ist seinem offenen Herzen so nah wie die Luft, die ihn umgibt. Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.
Als Junge läuft er oft in die Kirche und redet mit Maria und dem Jesuskind wie mit Mutter und Bruder – wie recht er hat. Als er eines Tages im Überschwang seiner Zuneigung dem Jesuskind den wohlverwahrten Frühstücksapfel anbietet, streckt die Figur sich und nimmt den Apfel an – wer hätte auch widerstehen können ?
Wer heute St. Maria im Kapitol besucht, wo dies geschah, der findet fast immer einen Apfel bei der Mutter und dem Kind – ebenso in Steinfeld, am Grabmal des Hermann, den sie schließlich neckend Joseph nannten, weil er mit der Gottesmutter so selbstverständlich auf Du & Du stand.
Schöne Plätze für schöne Gebete – zum Beispiel um die Gnade, unsere allzu gepanzerten Herzen geöffnet zu bekommen: für die Liebe, die tatsächlich alles überwindet.
Festtag: 21. Mai
Schutzpatron der Uhrmacher, Mechaniker und Obstbauern
„Street Credibility“, am besten schlicht mit Glaubwürdigkeit übersetzt, ist das, wofür nicht wenige Künstler, aber auch so mancher Politiker und Medienstar seine Seele verpfänden würde. Hat man sie, gehen die Leute mit einem durch dick und dünn – hat man sie nicht, bleibt man ein Papiertiger. Glaubwürdigkeit gründet sich darauf, dass man das lebt, was man sagt.
Hermann wurde fast 100 Jahre vor der Grundsteinlegung des jetzigen Kölner Doms um 1150 geboren. Seine Eltern waren verarmte Kölner Bürger, die ihrem begabten Sohn trotzdem den damals noch ganz ungewöhnlichen Schulbesuch ermöglichten. Außerdem lernt er irgendwann das Handwerk des Uhrmachers – diese riesengroßen, handgeschmiedeten Ungetüme von Turmuhren waren damals der letzte Schrei. Er hätte in diesem stark nachgefragten Mode-Beruf ein gutes Auskommen haben können. Statt dessen wird er Mönch, in Steinfeld in der Eifel.
Kein Heiliger ohne Glaubwürdigkeit. Heiligkeit definiert sich geradezu durch diese weitgehende Übereinstimmung von Herz und Leben, von Traum und Wirklichkeit. Was bei den meisten Menschen Gedanke bleibt, wird bei den Heiligen Tat.
Hermann lebt seinen inbrünstigen, tief empfundenen, ihn ganz vereinnahmenden Glauben rückhaltlos, geradezu sinnlich. Der Alltag lässt ihn kalt. Wenn er die Messe liest, lässt er das Geschehen des gewandelten Brotes so unmittelbar auf sich wirken, dass er regelmäßig in Trance fällt. Kaum einer der Mitbrüder mag ihm noch Messdiener sein. Das Heilige ist seinem offenen Herzen so nah wie die Luft, die ihn umgibt. Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.
Als Junge läuft er oft in die Kirche und redet mit Maria und dem Jesuskind wie mit Mutter und Bruder – wie recht er hat. Als er eines Tages im Überschwang seiner Zuneigung dem Jesuskind den wohlverwahrten Frühstücksapfel anbietet, streckt die Figur sich und nimmt den Apfel an – wer hätte auch widerstehen können ?
Wer heute St. Maria im Kapitol besucht, wo dies geschah, der findet fast immer einen Apfel bei der Mutter und dem Kind – ebenso in Steinfeld, am Grabmal des Hermann, den sie schließlich neckend Joseph nannten, weil er mit der Gottesmutter so selbstverständlich auf Du & Du stand.
Schöne Plätze für schöne Gebete – zum Beispiel um die Gnade, unsere allzu gepanzerten Herzen geöffnet zu bekommen: für die Liebe, die tatsächlich alles überwindet.
... link (0 Kommentare) ... comment
Heiliger des Monats: das Fest Fronleichnam
saintblog, 19:04h
Heiliger des Monats: das Fest Fronleichnam
Festtag: abhängig vom Ostertermin zwischen dem 21. Mai und dem 24. Juni
Vielen Menschen ist der Sinn des Festes Fronleichnam heute nicht mehr zugänglich. Am Feiertag selbst registriert man eventuell noch die Folklore, aber der Unterschied zum örtlichen Standard-Schützenvereins-Umzug erschließt sich nicht mehr so ohne weiteres.
Es gibt ältere Feste. Fronleichnam, die altdeutsche Übersetzung von Corpus Christi, wie der Tag in England immer noch heißt, kam erst in der Ritterzeit auf, im 13. Jahrhundert. Zunächst feierte man es in den Ardennen, in Lüttich – und als dann ein Lütticher Erzdiakon Papst wurde, führte er das Fest allgemein ein. Das hätte auch ein Flop werden können, aber es wurde ein ungeheurer, bis heute andauernder Erfolg.
Weltweit ist Fronleichnam der Tag, an dem Katholiken auf die Straße gehen.
Das 13. Jahrhundert sieht eine Blüte der Innerlichkeit, der Mystik, des persönlichen Gebetes, der direkten Begegnung mit Gott. Man ist nun aus dem finstersten Mittelalter heraus, die Städte wachsen und gedeihen, man strebt ganz allgemein zu Höherem – was man sogar der seinerzeit entworfenen Architektur ansieht: Kölner Dom etc.
Wo aber kann man Gott unmittelbarer erleben als im gewandelten Brot? Die Menschen sind ganz begeistert, richtiggehend hin und weg vom Sakrament der Eucharistie. An der ersten Berliner Love Parade nahmen 150 Raver teil, kurz darauf waren es Millionen. So in etwa muss man sich den Erfolg des Festes Fronleichnam vorstellen: nur das hier nicht der eigene Körper vergöttert und mit Drogen „verwöhnt“ wird, sondern Gott kommt hier zu den Menschen, zieht durch Ihre Straßen, kommt in der am Festtag empfangenen Kommunion in ihre Körper.
Eine globale Love Parade mit Reizen für alle Sinne: Musik, Lieder, Weihrauch, Blumen – und ER, die Liebe selbst, im Brot der vom Priester getragenen Hostie.
Wo sich die Geister dann natürlich fein säuberlich scheiden, da hilft Ökumene auch nicht weiter – oder wie ein Protestant einmal formulierte: „Könnte ich an die katholische Abendmahlslehre glauben, käme ich von den Knien nicht mehr hoch.“ Könnte – tscha.
Es ist ein Fest für Katholiken, da beißt keine Maus einen Faden ab – ein schön verrücktes und intensives Fest.
Und wenn´s regnet ? Normal wird gegangen, auch wenn es aus Eimern schüttet – Ihr glaubt doch nicht im Ernst, das Gott naß werden könnte ?
Festtag: abhängig vom Ostertermin zwischen dem 21. Mai und dem 24. Juni
Vielen Menschen ist der Sinn des Festes Fronleichnam heute nicht mehr zugänglich. Am Feiertag selbst registriert man eventuell noch die Folklore, aber der Unterschied zum örtlichen Standard-Schützenvereins-Umzug erschließt sich nicht mehr so ohne weiteres.
Es gibt ältere Feste. Fronleichnam, die altdeutsche Übersetzung von Corpus Christi, wie der Tag in England immer noch heißt, kam erst in der Ritterzeit auf, im 13. Jahrhundert. Zunächst feierte man es in den Ardennen, in Lüttich – und als dann ein Lütticher Erzdiakon Papst wurde, führte er das Fest allgemein ein. Das hätte auch ein Flop werden können, aber es wurde ein ungeheurer, bis heute andauernder Erfolg.
Weltweit ist Fronleichnam der Tag, an dem Katholiken auf die Straße gehen.
Das 13. Jahrhundert sieht eine Blüte der Innerlichkeit, der Mystik, des persönlichen Gebetes, der direkten Begegnung mit Gott. Man ist nun aus dem finstersten Mittelalter heraus, die Städte wachsen und gedeihen, man strebt ganz allgemein zu Höherem – was man sogar der seinerzeit entworfenen Architektur ansieht: Kölner Dom etc.
Wo aber kann man Gott unmittelbarer erleben als im gewandelten Brot? Die Menschen sind ganz begeistert, richtiggehend hin und weg vom Sakrament der Eucharistie. An der ersten Berliner Love Parade nahmen 150 Raver teil, kurz darauf waren es Millionen. So in etwa muss man sich den Erfolg des Festes Fronleichnam vorstellen: nur das hier nicht der eigene Körper vergöttert und mit Drogen „verwöhnt“ wird, sondern Gott kommt hier zu den Menschen, zieht durch Ihre Straßen, kommt in der am Festtag empfangenen Kommunion in ihre Körper.
Eine globale Love Parade mit Reizen für alle Sinne: Musik, Lieder, Weihrauch, Blumen – und ER, die Liebe selbst, im Brot der vom Priester getragenen Hostie.
Wo sich die Geister dann natürlich fein säuberlich scheiden, da hilft Ökumene auch nicht weiter – oder wie ein Protestant einmal formulierte: „Könnte ich an die katholische Abendmahlslehre glauben, käme ich von den Knien nicht mehr hoch.“ Könnte – tscha.
Es ist ein Fest für Katholiken, da beißt keine Maus einen Faden ab – ein schön verrücktes und intensives Fest.
Und wenn´s regnet ? Normal wird gegangen, auch wenn es aus Eimern schüttet – Ihr glaubt doch nicht im Ernst, das Gott naß werden könnte ?
... link (0 Kommentare) ... comment
Heiliger des Monats Juli 2011: Mariä Heimsuchung
saintblog, 19:02h
Heiliger des Monats Juli 2011: Mariä Heimsuchung
Fest: 2. Juli
„Mariä Heimsuchung“ – ein altfränkischer, kaum mehr verständlicher Name für diesen Festtag der totalen Frauenpower. Was war da los in Palästina ?
Joseph hat sich mit dem Teenie Maria verbandelt und schwebt im 7. Himmel. - Aber dann: eiskalte Dusche, Tiefschlag, die ist schon schwanger, oh nein, peinlich peinlich peinlich. Das Maria ihm was vom Engel erzählen will, macht die Sache nicht besser (echt nicht). OK, den Macho wird er nicht abgeben, er ist ein cooler Typ. Statt den wilden Mann zu spielen, denkt er über einen diskreten Hinterausgang nach.
Da schwant ihm im Traum, dass das sehr junge Ding an seiner Seite vielleicht wirklich Gott mit ins Spiel gebracht hat. Krass, was tun, Josef ist fromm. Ein „Siebenmonatskind“ gäbe endloses Getratsche, das Mädchen muss aus der Schusslinie. Also packt Maria ihr Rucksäckchen und schwirrt ab, „Tante Lissy besuchen“, nun denn.
Es muss gewaltig gefunkt haben, als die Ladies sich trafen: die alte Dame, wunderbarerweise schwanger mit Johannes dem Täufer, dem Urvater aller Punks, und Girlie Mariechen, schwanger mit seinem und unser aller nicht weniger wildem Chef. Jonnyboy tobt zur Begrüßungs-Umarmung im Bauch, und die beiden Mütter in spe packt der „furor poeticus“ – laut ruft Elisabeth: „Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.“ – und Maria setzt noch eins drauf und singt auf offener Straße:
„Meine Seele preist die Größe des Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten.
Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind.
Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben
und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen,
das er unseren Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.“
Wow, das nenne ich knackig getextet – für revolutionäre Lyrik von solchem Kaliber kommt man in Dutzenden von Staaten auch heute noch ins Gefängnis. „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen“ – hört sich anders an als „Gott erhalte Franz den Kaiser !“ (oder Karl den Kaputten oder Ferdinand den Verdrehten oder wie die Jungs alle hießen).
„Magnificat“, wie sich das Liedchen auf Latein nennt, wurde 1.000 mal vertont (hört Euch mal was auf You Tube an), aber Gema-Gebühren kriegt Maria keine, wohin auch überweisen ? Und ist jedenfalls ewig viel besser als alles aus den letzten 20 Jahren Eurovision Song Contest Geschwurbels ! – „Mariä Heimsuchung“: so ist Religion, wenn sie schön ist.
Fest: 2. Juli
„Mariä Heimsuchung“ – ein altfränkischer, kaum mehr verständlicher Name für diesen Festtag der totalen Frauenpower. Was war da los in Palästina ?
Joseph hat sich mit dem Teenie Maria verbandelt und schwebt im 7. Himmel. - Aber dann: eiskalte Dusche, Tiefschlag, die ist schon schwanger, oh nein, peinlich peinlich peinlich. Das Maria ihm was vom Engel erzählen will, macht die Sache nicht besser (echt nicht). OK, den Macho wird er nicht abgeben, er ist ein cooler Typ. Statt den wilden Mann zu spielen, denkt er über einen diskreten Hinterausgang nach.
Da schwant ihm im Traum, dass das sehr junge Ding an seiner Seite vielleicht wirklich Gott mit ins Spiel gebracht hat. Krass, was tun, Josef ist fromm. Ein „Siebenmonatskind“ gäbe endloses Getratsche, das Mädchen muss aus der Schusslinie. Also packt Maria ihr Rucksäckchen und schwirrt ab, „Tante Lissy besuchen“, nun denn.
Es muss gewaltig gefunkt haben, als die Ladies sich trafen: die alte Dame, wunderbarerweise schwanger mit Johannes dem Täufer, dem Urvater aller Punks, und Girlie Mariechen, schwanger mit seinem und unser aller nicht weniger wildem Chef. Jonnyboy tobt zur Begrüßungs-Umarmung im Bauch, und die beiden Mütter in spe packt der „furor poeticus“ – laut ruft Elisabeth: „Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.“ – und Maria setzt noch eins drauf und singt auf offener Straße:
„Meine Seele preist die Größe des Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten.
Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind.
Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben
und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen,
das er unseren Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.“
Wow, das nenne ich knackig getextet – für revolutionäre Lyrik von solchem Kaliber kommt man in Dutzenden von Staaten auch heute noch ins Gefängnis. „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen“ – hört sich anders an als „Gott erhalte Franz den Kaiser !“ (oder Karl den Kaputten oder Ferdinand den Verdrehten oder wie die Jungs alle hießen).
„Magnificat“, wie sich das Liedchen auf Latein nennt, wurde 1.000 mal vertont (hört Euch mal was auf You Tube an), aber Gema-Gebühren kriegt Maria keine, wohin auch überweisen ? Und ist jedenfalls ewig viel besser als alles aus den letzten 20 Jahren Eurovision Song Contest Geschwurbels ! – „Mariä Heimsuchung“: so ist Religion, wenn sie schön ist.
... link (0 Kommentare) ... comment
Heilige des Monats August 2011: Helena
saintblog, 19:01h
Heilige des Monats August 2011: Helena
Fest: 18. August
Patronin der Archäologen und der Schatzsucher, der Stadt Trier, angerufen zur Aufdeckung von Diebstählen und alles Verborgenen
Heilige, die was taugen, sind Radikale, so oder so oder so. Mit dem industriegrau sauertöpfisch-frommen Getue mancher Kirchenkreise / Kirchengreise haben die dann so viel zu tun wie Jesus mit den päpstlichen Samtschlappen, nämlich nüscht.
Helena ist die einem recht schummrigen levantinischen Schankwirt von irgendwem unter dunklen Umständen geborene Tochter. Später führt sie selber eine derbe balkanesische Rummelbude, in der sich die Soldaten der Donaufront “entspannen“. Konni, der wildeste Haudrauf von all den unzählbaren Sandalenheinis wird ihr Dauer-Schatz: und weil er so schön brutal ist und nach 100 Schlachten immer noch lebt bringt er es zum guten Schluss tatsächlich zum römischen Kaiser. Paff pardautz, wer hätte das gedacht ! – Pech nur für Lenchen, denn die muss er nun erst mal in der Besenkammer verstecken und statt dessen eine parfümierte und frisch gebügelte höhere Tochter heiraten.
Konni sitzt in Trier und regiert so vor sich hin aber Helena denkt gar nicht dran, nur in der Eifel spazieren zu gehen und den Wölfen beim Heulen zuzuhören. Sie fuhrwerkt im Hintergrund so lange hin und her, bis die höhere Tochter ins Kabuff kommt und ihr uneheliches Söhnchen Konstantin den römischen Chef abgeben darf. Zähigkeit siegt, man hat der Beispiele mehrere.
Helena, inzwischen Christin geworden, hat viel nachzuholen und tut´s auch: als Queen Mum mit der goldenen Kreditkarte räumt sie im Heiligen Land mit der Brechstange so auf, daß es staubt, läßt Tempel abreißen und Kirchen bauen, findet das Grab Jesu, sein Kreuz, sein letztes Hemd, tonnenweise Souvenirs, es geht richtig rund. Ihr Sprössling, ganz braver Sohn der Matrona Maxima, hat die Christen inzwischen zu ehrlichen Leuten gemacht, die Antike ist vorbei, es geht Vollgas ab ins Mittelalter, Helenas Palast in Trier wird zum Dom umgebaut (und steht immer noch).
Im Nachhinein hat man an Helena viel herumgeflickt „wegen Ihrer Herkunft usw.“, alles Käse. Den Herren Klerikern war die fromme Helene wohl einfach einen Zahn zu steil – aber Jesus stand ja definitiv eher auf die ganze lebensfrohe Prolobande als auf so steifleinene Scheinheilige. – Also denn Prost auf´s Trierer Lenchen mit Riesling aus Riol – und den Deckel holen wir als Heiligenschein !!
Fest: 18. August
Patronin der Archäologen und der Schatzsucher, der Stadt Trier, angerufen zur Aufdeckung von Diebstählen und alles Verborgenen
Heilige, die was taugen, sind Radikale, so oder so oder so. Mit dem industriegrau sauertöpfisch-frommen Getue mancher Kirchenkreise / Kirchengreise haben die dann so viel zu tun wie Jesus mit den päpstlichen Samtschlappen, nämlich nüscht.
Helena ist die einem recht schummrigen levantinischen Schankwirt von irgendwem unter dunklen Umständen geborene Tochter. Später führt sie selber eine derbe balkanesische Rummelbude, in der sich die Soldaten der Donaufront “entspannen“. Konni, der wildeste Haudrauf von all den unzählbaren Sandalenheinis wird ihr Dauer-Schatz: und weil er so schön brutal ist und nach 100 Schlachten immer noch lebt bringt er es zum guten Schluss tatsächlich zum römischen Kaiser. Paff pardautz, wer hätte das gedacht ! – Pech nur für Lenchen, denn die muss er nun erst mal in der Besenkammer verstecken und statt dessen eine parfümierte und frisch gebügelte höhere Tochter heiraten.
Konni sitzt in Trier und regiert so vor sich hin aber Helena denkt gar nicht dran, nur in der Eifel spazieren zu gehen und den Wölfen beim Heulen zuzuhören. Sie fuhrwerkt im Hintergrund so lange hin und her, bis die höhere Tochter ins Kabuff kommt und ihr uneheliches Söhnchen Konstantin den römischen Chef abgeben darf. Zähigkeit siegt, man hat der Beispiele mehrere.
Helena, inzwischen Christin geworden, hat viel nachzuholen und tut´s auch: als Queen Mum mit der goldenen Kreditkarte räumt sie im Heiligen Land mit der Brechstange so auf, daß es staubt, läßt Tempel abreißen und Kirchen bauen, findet das Grab Jesu, sein Kreuz, sein letztes Hemd, tonnenweise Souvenirs, es geht richtig rund. Ihr Sprössling, ganz braver Sohn der Matrona Maxima, hat die Christen inzwischen zu ehrlichen Leuten gemacht, die Antike ist vorbei, es geht Vollgas ab ins Mittelalter, Helenas Palast in Trier wird zum Dom umgebaut (und steht immer noch).
Im Nachhinein hat man an Helena viel herumgeflickt „wegen Ihrer Herkunft usw.“, alles Käse. Den Herren Klerikern war die fromme Helene wohl einfach einen Zahn zu steil – aber Jesus stand ja definitiv eher auf die ganze lebensfrohe Prolobande als auf so steifleinene Scheinheilige. – Also denn Prost auf´s Trierer Lenchen mit Riesling aus Riol – und den Deckel holen wir als Heiligenschein !!
... link (0 Kommentare) ... comment
... nächste Seite