Dienstag, 13. November 2012
Heilige des Monats August 2012 Mariä Himmelfahrt
Heilige des Monats August 2012 Mariä Himmelfahrt

Gedenktag: 15. August

Ziel aller tapferen Reformatoren, unerschrockenen Revoluzzer und voll durchblickender Aufklärer war stets, die Kirche vom „eingeschlichenen“ Aberglauben zu befreien, rein sinnlich-gegenständliche Bräuche abzustellen, der Bilderverehrung Einhalt zu gebieten und nach glücklich vollzogener Reinigung dann mit frohem Herzen Gott allein zu loben.
Und so sitzen die von der gereinigten Fraktion denn in ihren weiß getünchten, ungeschmückten, bilderlos hellen Kirchen, hören sich lange schlaue Predigten an, atmen die frische, weihrauchfreie Luft, immer in voller Konzentration auf den HERRN, und nur den HERRN, der am Anfang war, der am Ende sein wird – und in der Zwischenzeit wird unermüdlich die Bibel studiert.

Mit Katholisch hat das soviel zu tun wie die Kuh mit dem Fußballspielen, weil der katholische Blick auf die Welt ein integrativer, kein puristischer ist. „Puristisch“ heißt, an einen Kern zu glauben, der sich unter dem Dreck und dem „Bling-bling“ der Welt finden läßt, wenn man nur ernsthaft genug sucht. „Integrativ“ heißt, die Welt immer zuerst als Gottes Schöpfung zu begreifen, mit all ihrem Gewachsenen und Gewordenen so zu nehmen, wie sie ist, aber das ganze bunte Durcheinander mit dem Licht der Frohen Botschaft der Liebe zu durchdringen und zu erleuchten.

Was hat das mit dem Fest Mariä Himmelfahrt zu tun ? Nun, puristisch-protestantisch betrachtet gibt es an diesem Tag nicht viel zu feiern. Des Todes der Gottesmutter wird in der Bibel nicht gedacht, und wen interessiert es überhaupt, fertig.

Sehr im Gegensatz dazu hat integrativ-katholische Ballungsfreude an diesem Tag munter Aberglauben auf Glauben gehäuft, unbeweisbare Legenden zu Dogmen erklärt, mit staunenswert kindlicher Unbekümmertheit eine richtige Blütenlese altheidnischer Bräuche installiert.
Ist der Tag selbst doch ein Echo der nachweisbar jahrtausendealten Feiern in der Mitte zwischen der Sommersonnenwende am Johannistag und der Herbsttagundnachtgleiche vor St. Michael – die anderen ebenso alten „Zwischentermine“ sind St. Martin zwschen der Herbsttagundnachtgleiche und der Wintersonnenwende, Mariä Lichtmeß zwischen dieser und der Frühlingstagundnachtgleiche, die Maifeiern vor der Sommersonnenwende. Unser Festtag läßt sich schon an jungsteinzeitlichen Kalenderbauten ablesen – so viel zum Thema Tradition.
Eigentlich gefeiert wird heute die Komplett-Aufnahme Mariens in den Himmel, mit Körper und Seele: was eine schöne und durchaus feiernswürdige Idee ist, aber natürlich eine ganz und gar unbeweisbare, sofern man einzig der sogenannten Wissenschaft die Ehre gibt. Die fromme Überlieferung weiß natürlich mehr, als Frau und Herr Professor sich nach einem Gläschen trockenen Bio-Weins träumen lassen.
Beim feierlichen Begräbnis der Gottesmutter im Beisein aller Apostel (ohne Easy Jet und I-Phone ist eine solche Vollversammlung doppelt mirakulös) war Mariens Sarg auf einmal nur noch von den prachtvollsten Rosen erfüllt, sie selbst hatte andere Wege genommen, wurde im Himmel von ihrem Sohn gekrönt und geehrt, was bildlich gern als harmonische Vierfaltigkeit erscheint. Diese Form der Himmelfahrt leitet elegant und floral zur folgenden Sakramentalie des Tages, der Kräutersegnung.
In katholischen Gemeinden werden an Mariä Himmelfahrt am Altar feierlich Heilkräuter, Getreideähren und Blumen gesegnet, was die Schöpfung so hergibt Mitte August. Man kann die Kräuter zu Hause an die Wand hängen - aber es hindert einen auch niemand daran, herrlichen altfränkischen Spökes damit zu treiben: dem kranken Haustier mischt man sie ins Futter, bei Gewitter wandert ein Zweiglein in den Ofen, man selber kann Tee davon trinken – und das Bändel vom Kräuterstrauß um ein verrenktes Gelenk gebunden entlastet die Krankenkasse – also alles geht, was die Volkssitte von Herzen liebt und schätzt. In unserem kleinen Eifeldorf heißt der ganze Tag gleich „Kruutwöschfess“ ….

Wir leben in einem freien Land, und auch diese Wahl ist frei: abgeklärt-gereinigt-protestantisch kann man sich dieses Feiertags begeben und dabei die hohe Wonne fühlen, auf den Schultern der nüchternen Mütter und Väter der Aufklärung zu stehen – oder man rollt sich an diesem Sonntagmorgen aus den Federn, bindet sich einen Strauß und feiert in einer katholischen Marienkirche an diesem herrlichen Spätsommertermin das Fest mit, die Nase umweht von Kräuterduft und Weihrauch, die Ohren erfreut von barockem Liedgut und donnernden Orgelklängen, die Augen erfüllt vom Schmuck des Gotteshauses.

Jede Jeck is anders, säät mer ze Kölle – ich werde wieder einen narrenkappenbunten Kruutwösch zusammensuchen, denn für verpaßte Feiertage ist das Leben einfach zu kurz.

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