Dienstag, 13. November 2012
Heiliger des Monats Mai 2012 Athanasius von Alexandria
saintblog, 20:17h
Heiliger des Monats Mai 2012 Athanasius von Alexandria
Festtag: 02. Mai
Patron und Helfer der Menschen, die unter Kopfschmerzen leiden (Denken kann anstrengend sein)
Athanasius ist ab 328 nach Christus fast ein halbes Jahrhundert lang Erzbischof und Patriarch von Alexandrien in Ägypten, davon insgesamt 17 Jahre auf der Flucht und im Exil. Alexandrien, nach dem Niedergang Athens die intellektuelle Hauptstadt der Antike, an deren Unis die Kugelgestalt der Erde und die Unbeweglichkeit der Sonne im Zentrum der um sie kreisenden Planeten gelehrt wird. Dessen Ingenieure sich selbst öffnende, automatische Türen bauen und die Dampfmaschine auf dem Papier entwerfen, ja durch raffinierte optische Spiegelapparaturen den heidnischen Tempeln spektakulär-kinomäßige Götterauftritte „hinzaubern“.
Diese Metropolis der Antike, dieser kochende Melting Pot, wo Chinesen und Südafrikaner auf Norweger und Araber treffen, wo Ideen, Waren, Menschen gehandelt werden, deren berüchtigte „mean streets“ die Londoner Unruhen von 2011 zum Waldorf-Kindergarten-Ausflug deklassieren. Pogrome, Rassen- und Religionskrawalle mit tausenden von Toten, Aufstände der Verlierer der Globalisierung gegen die Superreichen, eine extrem gereizte politische Stimmung. Über den Hafen dieser Stadt erhält das fette Rom seinen Weizen: die Kaiser fürchten diese Stadt wie keine zweite, schon ihren Ahn Caesar hat sie fast das Leben gekostet, sein Gegener Antonius stürzt sich hier ins Schwert.
Diesem Hexenkessel steht Athanasius kirchlich vor, und kann sich nicht einen Tag seines Lebens sicher sein. Schon als Sekretär des vorigen Erzbischofs hat er energisch gegen die Arianer gekämpft, hat er dieser überwältigend erfolgreichen Sekte keinen Zentimeter Boden preisgegeben. Aber sein Posten scheint verloren, selbst die Kaiser neigen der Irrlehre zu, er wird vertrieben und herumgeschubst sein Leben lang.
Kern und Angelpunkt des Arianismus ist eine klare Botschaft: Jesus Christus war nicht Gott gleich. Irgendwie ähnlich schon, man verliert sich da in Spitzfindigkeiten, aber halt nicht gleich. Die schwer vermittelbare, wirklich revolutionäre Botschaft des Neuen Tesatmentes, das Gott selbst Mensch wurde, das Gott selbst sich klein machte, ein hilfloses Baby in Windeln, am Schluß gequält und gekreuzigt, dann aus eigener Machtvollkommenheit wieder auferstanden, das kreatürliche „Fressen und Gefressenwerden“, den Tod, besiegend, hautnah an uns Menschen dran – wird umfrisiert in eine Lehre, die einen entfernten Gott kennt, der weit weg von den Menschen ist, dann einen Gesandten schickt, na ja.
Der Arianismus gefällt besonders den Eliten: denn nur wenn Gott selbst sich klein macht, muß man sich auch selber klein machen wollen, nur wenn Gott selbst sich hingab, muß man zum Opfer bereit sein. Wenn Jesus dagegen nur ein Gesandter war, läßt sich ungestörter regieren, aussaugen, unterdrücken – ja, man kann sich als Kaiser dann leicht selber zum Gesandten stilisieren, zum gerade aktuellen Vertreter des den Menschen unerreichbaren Gottes. Die Kaiser lieben diese Idee, die germanischen Haudraufheerführer nicht weniger: dieser ganze erzlästige demutsvolle Fußwaschungskram kommt in die Mottenkiste. - Das Christentum ist in Gefahr, innerhalb von wenigen Jahrem im Sumpf des spätantiken Religionsbreis zu versinken, zu gut für diese Welt, und ab dafür.
In Konstantinopel und Rom ist man zu nah an den Herrschern dran, die größte Last des Widerstands liegt auf den Schultern des Athanasius. Schon kurz nach seinem Amtsantritt steht die Situation auf Messers Schneide, vielen scheint die Sache entschieden. Athanasius setzt sein Leben, die Kirche, einfach alles auf eine Karte, seine letzte Karte, genauer gesagt: auf einen Old-School-Punk.
Tief in der Wüste südlich Alexandriens lebt Antonius, fast 80, 105 soll er werden, verehrt wie kein anderer Mensch, der legendenumwobene Vater der Mönche, voll schwarzen Humors und struppigen Haars, niemanden fürchtend, einem Kaiser auf dessen Befehl zur Reise nach Konstantinopel hin antwortend, „nein, keine Chance, ein Mönch gehört der Wildnis, nicht der Stadt, ich bleibe, wo ich bin“, diesen Antonius besucht Athanasius in seiner Einöde, seiner totalen Armut, seiner Hingabe an den Herrn. Er schildert ihm den verzweifelten Ernst der Lage, die beiden beten tagelang zusammen, und das Wunder geschieht: Antonius verläßt die Wüste und folgt Athanasius für eine Zeit in den Sündenpfuhl.
Dieser Coup überwältigt die begeisterungsfähigen Alexandrier, die Stimmung kippt, alles glüht für Athanasius. Wenn Antonius, der lebende Heilige, für ihn ist, dann sind sie es auch. Die nächsten Jahrzehnte kann sich ihr Erzbischof auf seine Schäflein verlassen, durch dick und dünn stehen sie zur Orthodoxie, zum schwierigen, fordernden, rechten Glauben.
Athanasius, uns Heutigen ein vergessener Name vergangener Tage, wird später mit dem Ehrentitel „Säule der Kirche“ benannt. Tatsächlich sind es nur eine Handvoll Menschen, die das Steuer herumreißen, die den Bau vor dem Einsturz bewahren, vor der Entsorgung auf der riesigen Müllhalde der spätantiken Beliebigkeit, den Glauben retten vorm endlosen, fruchtlosen esoterischen Spintisieren.
Die neuere Geschichtsschreibung hört so etwas nicht gerne. Soziale Entwicklungen sind am Werk, ökonomische Strömungen, Klassengegensätze. - Aber, Geschichte ist Geschichte von Menschen, Geschichte wird gemacht, jeden Tag, von uns.
Festtag: 02. Mai
Patron und Helfer der Menschen, die unter Kopfschmerzen leiden (Denken kann anstrengend sein)
Athanasius ist ab 328 nach Christus fast ein halbes Jahrhundert lang Erzbischof und Patriarch von Alexandrien in Ägypten, davon insgesamt 17 Jahre auf der Flucht und im Exil. Alexandrien, nach dem Niedergang Athens die intellektuelle Hauptstadt der Antike, an deren Unis die Kugelgestalt der Erde und die Unbeweglichkeit der Sonne im Zentrum der um sie kreisenden Planeten gelehrt wird. Dessen Ingenieure sich selbst öffnende, automatische Türen bauen und die Dampfmaschine auf dem Papier entwerfen, ja durch raffinierte optische Spiegelapparaturen den heidnischen Tempeln spektakulär-kinomäßige Götterauftritte „hinzaubern“.
Diese Metropolis der Antike, dieser kochende Melting Pot, wo Chinesen und Südafrikaner auf Norweger und Araber treffen, wo Ideen, Waren, Menschen gehandelt werden, deren berüchtigte „mean streets“ die Londoner Unruhen von 2011 zum Waldorf-Kindergarten-Ausflug deklassieren. Pogrome, Rassen- und Religionskrawalle mit tausenden von Toten, Aufstände der Verlierer der Globalisierung gegen die Superreichen, eine extrem gereizte politische Stimmung. Über den Hafen dieser Stadt erhält das fette Rom seinen Weizen: die Kaiser fürchten diese Stadt wie keine zweite, schon ihren Ahn Caesar hat sie fast das Leben gekostet, sein Gegener Antonius stürzt sich hier ins Schwert.
Diesem Hexenkessel steht Athanasius kirchlich vor, und kann sich nicht einen Tag seines Lebens sicher sein. Schon als Sekretär des vorigen Erzbischofs hat er energisch gegen die Arianer gekämpft, hat er dieser überwältigend erfolgreichen Sekte keinen Zentimeter Boden preisgegeben. Aber sein Posten scheint verloren, selbst die Kaiser neigen der Irrlehre zu, er wird vertrieben und herumgeschubst sein Leben lang.
Kern und Angelpunkt des Arianismus ist eine klare Botschaft: Jesus Christus war nicht Gott gleich. Irgendwie ähnlich schon, man verliert sich da in Spitzfindigkeiten, aber halt nicht gleich. Die schwer vermittelbare, wirklich revolutionäre Botschaft des Neuen Tesatmentes, das Gott selbst Mensch wurde, das Gott selbst sich klein machte, ein hilfloses Baby in Windeln, am Schluß gequält und gekreuzigt, dann aus eigener Machtvollkommenheit wieder auferstanden, das kreatürliche „Fressen und Gefressenwerden“, den Tod, besiegend, hautnah an uns Menschen dran – wird umfrisiert in eine Lehre, die einen entfernten Gott kennt, der weit weg von den Menschen ist, dann einen Gesandten schickt, na ja.
Der Arianismus gefällt besonders den Eliten: denn nur wenn Gott selbst sich klein macht, muß man sich auch selber klein machen wollen, nur wenn Gott selbst sich hingab, muß man zum Opfer bereit sein. Wenn Jesus dagegen nur ein Gesandter war, läßt sich ungestörter regieren, aussaugen, unterdrücken – ja, man kann sich als Kaiser dann leicht selber zum Gesandten stilisieren, zum gerade aktuellen Vertreter des den Menschen unerreichbaren Gottes. Die Kaiser lieben diese Idee, die germanischen Haudraufheerführer nicht weniger: dieser ganze erzlästige demutsvolle Fußwaschungskram kommt in die Mottenkiste. - Das Christentum ist in Gefahr, innerhalb von wenigen Jahrem im Sumpf des spätantiken Religionsbreis zu versinken, zu gut für diese Welt, und ab dafür.
In Konstantinopel und Rom ist man zu nah an den Herrschern dran, die größte Last des Widerstands liegt auf den Schultern des Athanasius. Schon kurz nach seinem Amtsantritt steht die Situation auf Messers Schneide, vielen scheint die Sache entschieden. Athanasius setzt sein Leben, die Kirche, einfach alles auf eine Karte, seine letzte Karte, genauer gesagt: auf einen Old-School-Punk.
Tief in der Wüste südlich Alexandriens lebt Antonius, fast 80, 105 soll er werden, verehrt wie kein anderer Mensch, der legendenumwobene Vater der Mönche, voll schwarzen Humors und struppigen Haars, niemanden fürchtend, einem Kaiser auf dessen Befehl zur Reise nach Konstantinopel hin antwortend, „nein, keine Chance, ein Mönch gehört der Wildnis, nicht der Stadt, ich bleibe, wo ich bin“, diesen Antonius besucht Athanasius in seiner Einöde, seiner totalen Armut, seiner Hingabe an den Herrn. Er schildert ihm den verzweifelten Ernst der Lage, die beiden beten tagelang zusammen, und das Wunder geschieht: Antonius verläßt die Wüste und folgt Athanasius für eine Zeit in den Sündenpfuhl.
Dieser Coup überwältigt die begeisterungsfähigen Alexandrier, die Stimmung kippt, alles glüht für Athanasius. Wenn Antonius, der lebende Heilige, für ihn ist, dann sind sie es auch. Die nächsten Jahrzehnte kann sich ihr Erzbischof auf seine Schäflein verlassen, durch dick und dünn stehen sie zur Orthodoxie, zum schwierigen, fordernden, rechten Glauben.
Athanasius, uns Heutigen ein vergessener Name vergangener Tage, wird später mit dem Ehrentitel „Säule der Kirche“ benannt. Tatsächlich sind es nur eine Handvoll Menschen, die das Steuer herumreißen, die den Bau vor dem Einsturz bewahren, vor der Entsorgung auf der riesigen Müllhalde der spätantiken Beliebigkeit, den Glauben retten vorm endlosen, fruchtlosen esoterischen Spintisieren.
Die neuere Geschichtsschreibung hört so etwas nicht gerne. Soziale Entwicklungen sind am Werk, ökonomische Strömungen, Klassengegensätze. - Aber, Geschichte ist Geschichte von Menschen, Geschichte wird gemacht, jeden Tag, von uns.
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