Dienstag, 13. November 2012
Heiliger des Monats Juli 2012 Ignatius von Loyola
Heiliger des Monats Juli 2012 Ignatius von Loyola

Gedenktag: 31. Juli

Schutzpatron des Baskenlandes, der Jesuiten und der Soldaten, Helfer gegen Zauberei

Das Schlimmste gleich zum Anfang. Ignatius äußert allen Ernstes: „Wir müssen, um in allem das Rechte zu treffen, immer festhalten: ich glaube, daß das Weiße, das ich sehe, schwarz ist, wenn die Hierarchische Kirche es so definiert." - Und Ignatius hat diesen Satz genau so gemeint, wie er ihn geschrieben hat. Man staunt.
Da können die wackeren Urenkel Luthers nicht mit, wenden sich die Enkel der französischen Revolution mit Grausen, schütteln die Kinder des modernen Relativismus den Kopf. „Gehorsam“, das geht heute gar nicht mehr.

Ignatius war ein verwegener Offizier gewesen, dann fromm geworden. Er sah das morsch gewordene mittelalterliche Kirchengebäude in den 1520ern zerbröseln. Auf dem Balkan stürmte der Islam Richtung Wien und Mitteleuropa, viele Intellektuelle der Renaissance gefielen sich in neuheidnischer Indifferenz, in Deutschland wurde aus dem Versuch,die Kirche zu reformieren, die Mißstände zu heben, eine Teilung in Altgläubige und Neugläubige. Der Spaltpilz, einmal freigesetzt, wuchert auf beiden Seiten munter weiter und weiter und weiter, bald gibt es christliche Religionsgemeinschaften wie Sand am Meer.

Hatte Jesus den Menschen nicht aufgetragen, sie sollten eine Herde sein unter einem Hirten ? Hatte er nicht zu Petrus gesagt, „Weide meine Lämmer ?“ - Ignatius geht die Sache so an, wie er es gelernt hat: militärisch, mit straffster Disziplin. Auf die zu bestehenden Kämpfe bereitet er sich durch ein gründliches Studium an den besten Universitäten vor. Er sammelt eine durch und durch entschlossene Truppe um sich. Er boxt sich durch, die „alte“ Kirche will ihn nicht, er wandert mehrfach in Gefängnisse der Inquisition, hätte leicht auf dem Scheiterhaufen enden können. Letztlich versteht der Papst: hier will sich einer ernsthaft für die eine heilige, katholische und apostolische Kirche schlagen. Dieser Ignatius und seine Gesellschaft Jesu glauben an die Einheit der Christen.

In den folgenden Jahren und Jahrhunderten sind die Jesuiten die Kaderschmiede des Katholizismus (zu deutsch, man muß es sich hin und wieder wörtlich übersetzen: der die Einheit erstrebende Teil der Kirche). Ihr scharfer, asketischer Intellektualismus durchdringt und transformiert den verrotteten römischen Lotterbau, bringt ihn wieder auf Vordermann – unwahrscheinlich, daß es ihn ohne Ignatius heute noch gäbe.

Der Weg, der Preis, die Mittel ? - „Geistige Bewegungen können nur mit geistigen Mitteln aufgehalten werden.“ sagt Ignatius, und setzt der protestantischen Freiheit eines Christenmenschen bewußt Gehorsam entgegen. „Ich glaube, daß das Weiße, das ich sehe, schwarz ist, wenn die Hierarchische Kirche es so definiert.“ - Klar, so ein Satz könnte von Stalin stammen, der hielt auch nichts von viel Gequatsche und Basisdemokratie. Wie weit darf man gehen, um ein Ziel zu erreichen ?

Natürlich weiß jeder Vereinserfahrene: ohne Satzung, Tagesordnung und gelegentlich ein Ausschlußverfahren läuft das nicht, ob Schrebergärten oder Weltrettung ist da völlig Wurst.
Vielleicht ist Ignatius einfach ein toller Patron für alle Parteigänger und Vereinsmeier in diesen unvermeidlichen, schrecklichen Momenten, wo der „Weg“ davor steht, das „Ziel“ zu vernichten – sowas kennt ja jeder, oder ?

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