Dienstag, 13. November 2012
Heiliger des Monats September 2012 Aegidius
saintblog, 19:39h
Heiliger des Monats September 2012 Aegidius
Gedenktag: 01. September
Patron der stillenden Mütter, Helfer gegen den Blues („geistige Verlassenheit“, wie man die Melancholie einst umschrieb, „et ärm Dierche = das arme Tier“, wie das trübe Gespenst der Depression in der Eifel heißt), Schützer des Viehs allgemein, einer aus der Schar der mächtigen 14 Nothelfer
Der Heilige Aegidius ist ein ehedem viel angerufener Heiliger, sein Name war populär. Der Autor dieser Zeilen selbst hatte einen Großonkel „Egid“, und letzthin fand sich ein Foto, auf dem selbiger Autor, des Schreibens da noch ganz unkundig, weil eben erst geboren, gar von seinem Ur-Großonkel „Jilles“ auf dem Arm gehalten wird, einem Ackersmann und Schmied und Gesundbeter vor dem Herrn.
Aegidius ist Grieche, wohl aus Athen. Geboren wird er um 640, das Völkerwandern ist gerade aus der Mode gekommen, man bastelt mit Schwung an einer neuen Zivilisation, die man viel später Mittelalter nennen sollte, um sich selbst als „Neuzeit“ feiern zu können, was für ein Quatsch, morgen haben wir die Motten, das ist der Lauf der Welt. Im Osten stirbt Mohammed, und sein grünes Banner zeigt Europa bald ernstlich seine Grenzen.
Als junger Mann kommt unser Hellene in die Provence, wird nahe der Rhone-Mündung Eremit. Lange Jahre lebt er dort ohne Kontakt zu den Menschen in einer abgelegenen Waldeinsamkeit, im Einklang mit der Natur, den Herrn in dessen Schöpfung suchend, nicht in Büchern über dessen Schöpfung, oder in Büchern über Bücher, wie unsere Theologen es gewohnt sind.
Seine Legende erzählt, daß er regelmäßig von einer Hindin, also einer Hirschkuh besucht wurde, die ihn mit ihrer Milch in der Wildnis nährte.
In diese Idylle brach mit Gewalt sein blutrünstiges Jahrhundert ein – aber sind nicht alle Jahrhunderte blutrünstig ? Ein König der im Süden der Gallia herrschenden Westgoten sieht auf der Jagd die Hindin und setzt ihr nach. In Todesangst flieht das Tier zur Behausung des Einsiedlers, einer halb vom Dickicht verdeckten Höhle. Hinein ins unheimliche Dunkel traut sich der bekrönte Jäger nicht, aber einen Pfeil schießt er aufs geratewohl hinterher. Aegidius, die Zuneigung des Tieres vergeltend, stellt sich in den Weg und fängt das Geschoß mit seinem Körper auf. - Der König redet nicht von „Kollateralschaden“, wie es amerikanische Präsidenten tun, er will seinen Fehler wieder gutmachen, das Blut des heiligen Mannes von sich abwaschen. Als Aegidius den Wunsch äußert, sein einsames Leben aufzugeben und ein Kloster zu gründen, hilft der Gote dem Griechen, und die spätere französische Abtei St. Gilles nimmt ihren Anfang, von italienischen Pilgern auf dem Weg nach St. Jakob in Spanien viel besucht. Multikulti ist der innerste Kern und die Kraft Europas, Nationalismus dagegen sein Untergang, man hat es ja erlebt.
Was steckt mehr in der Geschichte ? Diana, jungfräuliche Hüterin des Waldes, als Dea Arduenna auch Göttin der Eifel, in der Gallia überall verehrt, betritt hier in ihrem heiligen Tier, der Hirschkuh, die Bühne. Fürsorglich unterstützt sie, die überwundene Herrin der alten Zeit, den neuen Bewohner des Waldes , und dieser wagt bedenkenlos sein Leben, um sie zu schützen. Ein wunderschönes Bild der Transformation, der Überführung und des kraftvollen Weiterlebens heidnischer Frömmigkeit in der weiter gespannten Spiritualität des Christentums.
Auf Bildern des heiligen Aegidius steht die gerettete Hirschkuh oft an seiner Seite, auf manchen ist sie ebenfalls durch einen Pfeil verletzt und er pflegt sie. Solche Bildtafeln schmückten die Altäre, wirkten für Jahrhunderte und tun es noch. Das ist ein Gegenbild zu einer adligen Gesellschaft, die sich im „Mittelalter“ darin gefällt, im Sommer – in jedem Sommer ! - in endlosen Kriegen und Fehden und kleinen dreckigen Metzeleien anderen Menschenkindern die Schädel einzuschlagen, und die im Winter, um nicht aus der Übung zu kommen, alles bejagt, was irgend Leben in sich hat.
Die Einsiedler dagegen leben fleischlos glücklich und mühen sich, keiner Fliege etwas zu Leide zu tun.
Haben die Vegetarier eigentlich schon einen Patron ? Oder muß dafür irgendeine vatikanische Altherren-Kongregation erst noch in die Gänge kommen ? Statt Kanonen zu segnen und Truppen zu betreuen sähe man ja gern mal einen Monsignore mitten im Sojafeld stehen.
Gedenktag: 01. September
Patron der stillenden Mütter, Helfer gegen den Blues („geistige Verlassenheit“, wie man die Melancholie einst umschrieb, „et ärm Dierche = das arme Tier“, wie das trübe Gespenst der Depression in der Eifel heißt), Schützer des Viehs allgemein, einer aus der Schar der mächtigen 14 Nothelfer
Der Heilige Aegidius ist ein ehedem viel angerufener Heiliger, sein Name war populär. Der Autor dieser Zeilen selbst hatte einen Großonkel „Egid“, und letzthin fand sich ein Foto, auf dem selbiger Autor, des Schreibens da noch ganz unkundig, weil eben erst geboren, gar von seinem Ur-Großonkel „Jilles“ auf dem Arm gehalten wird, einem Ackersmann und Schmied und Gesundbeter vor dem Herrn.
Aegidius ist Grieche, wohl aus Athen. Geboren wird er um 640, das Völkerwandern ist gerade aus der Mode gekommen, man bastelt mit Schwung an einer neuen Zivilisation, die man viel später Mittelalter nennen sollte, um sich selbst als „Neuzeit“ feiern zu können, was für ein Quatsch, morgen haben wir die Motten, das ist der Lauf der Welt. Im Osten stirbt Mohammed, und sein grünes Banner zeigt Europa bald ernstlich seine Grenzen.
Als junger Mann kommt unser Hellene in die Provence, wird nahe der Rhone-Mündung Eremit. Lange Jahre lebt er dort ohne Kontakt zu den Menschen in einer abgelegenen Waldeinsamkeit, im Einklang mit der Natur, den Herrn in dessen Schöpfung suchend, nicht in Büchern über dessen Schöpfung, oder in Büchern über Bücher, wie unsere Theologen es gewohnt sind.
Seine Legende erzählt, daß er regelmäßig von einer Hindin, also einer Hirschkuh besucht wurde, die ihn mit ihrer Milch in der Wildnis nährte.
In diese Idylle brach mit Gewalt sein blutrünstiges Jahrhundert ein – aber sind nicht alle Jahrhunderte blutrünstig ? Ein König der im Süden der Gallia herrschenden Westgoten sieht auf der Jagd die Hindin und setzt ihr nach. In Todesangst flieht das Tier zur Behausung des Einsiedlers, einer halb vom Dickicht verdeckten Höhle. Hinein ins unheimliche Dunkel traut sich der bekrönte Jäger nicht, aber einen Pfeil schießt er aufs geratewohl hinterher. Aegidius, die Zuneigung des Tieres vergeltend, stellt sich in den Weg und fängt das Geschoß mit seinem Körper auf. - Der König redet nicht von „Kollateralschaden“, wie es amerikanische Präsidenten tun, er will seinen Fehler wieder gutmachen, das Blut des heiligen Mannes von sich abwaschen. Als Aegidius den Wunsch äußert, sein einsames Leben aufzugeben und ein Kloster zu gründen, hilft der Gote dem Griechen, und die spätere französische Abtei St. Gilles nimmt ihren Anfang, von italienischen Pilgern auf dem Weg nach St. Jakob in Spanien viel besucht. Multikulti ist der innerste Kern und die Kraft Europas, Nationalismus dagegen sein Untergang, man hat es ja erlebt.
Was steckt mehr in der Geschichte ? Diana, jungfräuliche Hüterin des Waldes, als Dea Arduenna auch Göttin der Eifel, in der Gallia überall verehrt, betritt hier in ihrem heiligen Tier, der Hirschkuh, die Bühne. Fürsorglich unterstützt sie, die überwundene Herrin der alten Zeit, den neuen Bewohner des Waldes , und dieser wagt bedenkenlos sein Leben, um sie zu schützen. Ein wunderschönes Bild der Transformation, der Überführung und des kraftvollen Weiterlebens heidnischer Frömmigkeit in der weiter gespannten Spiritualität des Christentums.
Auf Bildern des heiligen Aegidius steht die gerettete Hirschkuh oft an seiner Seite, auf manchen ist sie ebenfalls durch einen Pfeil verletzt und er pflegt sie. Solche Bildtafeln schmückten die Altäre, wirkten für Jahrhunderte und tun es noch. Das ist ein Gegenbild zu einer adligen Gesellschaft, die sich im „Mittelalter“ darin gefällt, im Sommer – in jedem Sommer ! - in endlosen Kriegen und Fehden und kleinen dreckigen Metzeleien anderen Menschenkindern die Schädel einzuschlagen, und die im Winter, um nicht aus der Übung zu kommen, alles bejagt, was irgend Leben in sich hat.
Die Einsiedler dagegen leben fleischlos glücklich und mühen sich, keiner Fliege etwas zu Leide zu tun.
Haben die Vegetarier eigentlich schon einen Patron ? Oder muß dafür irgendeine vatikanische Altherren-Kongregation erst noch in die Gänge kommen ? Statt Kanonen zu segnen und Truppen zu betreuen sähe man ja gern mal einen Monsignore mitten im Sojafeld stehen.
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