Dienstag, 13. November 2012
Heiliger des Monats Juli 2012 Ignatius von Loyola
saintblog, 19:46h
Heiliger des Monats Juli 2012 Ignatius von Loyola
Gedenktag: 31. Juli
Schutzpatron des Baskenlandes, der Jesuiten und der Soldaten, Helfer gegen Zauberei
Das Schlimmste gleich zum Anfang. Ignatius äußert allen Ernstes: „Wir müssen, um in allem das Rechte zu treffen, immer festhalten: ich glaube, daß das Weiße, das ich sehe, schwarz ist, wenn die Hierarchische Kirche es so definiert." - Und Ignatius hat diesen Satz genau so gemeint, wie er ihn geschrieben hat. Man staunt.
Da können die wackeren Urenkel Luthers nicht mit, wenden sich die Enkel der französischen Revolution mit Grausen, schütteln die Kinder des modernen Relativismus den Kopf. „Gehorsam“, das geht heute gar nicht mehr.
Ignatius war ein verwegener Offizier gewesen, dann fromm geworden. Er sah das morsch gewordene mittelalterliche Kirchengebäude in den 1520ern zerbröseln. Auf dem Balkan stürmte der Islam Richtung Wien und Mitteleuropa, viele Intellektuelle der Renaissance gefielen sich in neuheidnischer Indifferenz, in Deutschland wurde aus dem Versuch,die Kirche zu reformieren, die Mißstände zu heben, eine Teilung in Altgläubige und Neugläubige. Der Spaltpilz, einmal freigesetzt, wuchert auf beiden Seiten munter weiter und weiter und weiter, bald gibt es christliche Religionsgemeinschaften wie Sand am Meer.
Hatte Jesus den Menschen nicht aufgetragen, sie sollten eine Herde sein unter einem Hirten ? Hatte er nicht zu Petrus gesagt, „Weide meine Lämmer ?“ - Ignatius geht die Sache so an, wie er es gelernt hat: militärisch, mit straffster Disziplin. Auf die zu bestehenden Kämpfe bereitet er sich durch ein gründliches Studium an den besten Universitäten vor. Er sammelt eine durch und durch entschlossene Truppe um sich. Er boxt sich durch, die „alte“ Kirche will ihn nicht, er wandert mehrfach in Gefängnisse der Inquisition, hätte leicht auf dem Scheiterhaufen enden können. Letztlich versteht der Papst: hier will sich einer ernsthaft für die eine heilige, katholische und apostolische Kirche schlagen. Dieser Ignatius und seine Gesellschaft Jesu glauben an die Einheit der Christen.
In den folgenden Jahren und Jahrhunderten sind die Jesuiten die Kaderschmiede des Katholizismus (zu deutsch, man muß es sich hin und wieder wörtlich übersetzen: der die Einheit erstrebende Teil der Kirche). Ihr scharfer, asketischer Intellektualismus durchdringt und transformiert den verrotteten römischen Lotterbau, bringt ihn wieder auf Vordermann – unwahrscheinlich, daß es ihn ohne Ignatius heute noch gäbe.
Der Weg, der Preis, die Mittel ? - „Geistige Bewegungen können nur mit geistigen Mitteln aufgehalten werden.“ sagt Ignatius, und setzt der protestantischen Freiheit eines Christenmenschen bewußt Gehorsam entgegen. „Ich glaube, daß das Weiße, das ich sehe, schwarz ist, wenn die Hierarchische Kirche es so definiert.“ - Klar, so ein Satz könnte von Stalin stammen, der hielt auch nichts von viel Gequatsche und Basisdemokratie. Wie weit darf man gehen, um ein Ziel zu erreichen ?
Natürlich weiß jeder Vereinserfahrene: ohne Satzung, Tagesordnung und gelegentlich ein Ausschlußverfahren läuft das nicht, ob Schrebergärten oder Weltrettung ist da völlig Wurst.
Vielleicht ist Ignatius einfach ein toller Patron für alle Parteigänger und Vereinsmeier in diesen unvermeidlichen, schrecklichen Momenten, wo der „Weg“ davor steht, das „Ziel“ zu vernichten – sowas kennt ja jeder, oder ?
Gedenktag: 31. Juli
Schutzpatron des Baskenlandes, der Jesuiten und der Soldaten, Helfer gegen Zauberei
Das Schlimmste gleich zum Anfang. Ignatius äußert allen Ernstes: „Wir müssen, um in allem das Rechte zu treffen, immer festhalten: ich glaube, daß das Weiße, das ich sehe, schwarz ist, wenn die Hierarchische Kirche es so definiert." - Und Ignatius hat diesen Satz genau so gemeint, wie er ihn geschrieben hat. Man staunt.
Da können die wackeren Urenkel Luthers nicht mit, wenden sich die Enkel der französischen Revolution mit Grausen, schütteln die Kinder des modernen Relativismus den Kopf. „Gehorsam“, das geht heute gar nicht mehr.
Ignatius war ein verwegener Offizier gewesen, dann fromm geworden. Er sah das morsch gewordene mittelalterliche Kirchengebäude in den 1520ern zerbröseln. Auf dem Balkan stürmte der Islam Richtung Wien und Mitteleuropa, viele Intellektuelle der Renaissance gefielen sich in neuheidnischer Indifferenz, in Deutschland wurde aus dem Versuch,die Kirche zu reformieren, die Mißstände zu heben, eine Teilung in Altgläubige und Neugläubige. Der Spaltpilz, einmal freigesetzt, wuchert auf beiden Seiten munter weiter und weiter und weiter, bald gibt es christliche Religionsgemeinschaften wie Sand am Meer.
Hatte Jesus den Menschen nicht aufgetragen, sie sollten eine Herde sein unter einem Hirten ? Hatte er nicht zu Petrus gesagt, „Weide meine Lämmer ?“ - Ignatius geht die Sache so an, wie er es gelernt hat: militärisch, mit straffster Disziplin. Auf die zu bestehenden Kämpfe bereitet er sich durch ein gründliches Studium an den besten Universitäten vor. Er sammelt eine durch und durch entschlossene Truppe um sich. Er boxt sich durch, die „alte“ Kirche will ihn nicht, er wandert mehrfach in Gefängnisse der Inquisition, hätte leicht auf dem Scheiterhaufen enden können. Letztlich versteht der Papst: hier will sich einer ernsthaft für die eine heilige, katholische und apostolische Kirche schlagen. Dieser Ignatius und seine Gesellschaft Jesu glauben an die Einheit der Christen.
In den folgenden Jahren und Jahrhunderten sind die Jesuiten die Kaderschmiede des Katholizismus (zu deutsch, man muß es sich hin und wieder wörtlich übersetzen: der die Einheit erstrebende Teil der Kirche). Ihr scharfer, asketischer Intellektualismus durchdringt und transformiert den verrotteten römischen Lotterbau, bringt ihn wieder auf Vordermann – unwahrscheinlich, daß es ihn ohne Ignatius heute noch gäbe.
Der Weg, der Preis, die Mittel ? - „Geistige Bewegungen können nur mit geistigen Mitteln aufgehalten werden.“ sagt Ignatius, und setzt der protestantischen Freiheit eines Christenmenschen bewußt Gehorsam entgegen. „Ich glaube, daß das Weiße, das ich sehe, schwarz ist, wenn die Hierarchische Kirche es so definiert.“ - Klar, so ein Satz könnte von Stalin stammen, der hielt auch nichts von viel Gequatsche und Basisdemokratie. Wie weit darf man gehen, um ein Ziel zu erreichen ?
Natürlich weiß jeder Vereinserfahrene: ohne Satzung, Tagesordnung und gelegentlich ein Ausschlußverfahren läuft das nicht, ob Schrebergärten oder Weltrettung ist da völlig Wurst.
Vielleicht ist Ignatius einfach ein toller Patron für alle Parteigänger und Vereinsmeier in diesen unvermeidlichen, schrecklichen Momenten, wo der „Weg“ davor steht, das „Ziel“ zu vernichten – sowas kennt ja jeder, oder ?
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Heilige des Monats August 2012 Mariä Himmelfahrt
saintblog, 19:43h
Heilige des Monats August 2012 Mariä Himmelfahrt
Gedenktag: 15. August
Ziel aller tapferen Reformatoren, unerschrockenen Revoluzzer und voll durchblickender Aufklärer war stets, die Kirche vom „eingeschlichenen“ Aberglauben zu befreien, rein sinnlich-gegenständliche Bräuche abzustellen, der Bilderverehrung Einhalt zu gebieten und nach glücklich vollzogener Reinigung dann mit frohem Herzen Gott allein zu loben.
Und so sitzen die von der gereinigten Fraktion denn in ihren weiß getünchten, ungeschmückten, bilderlos hellen Kirchen, hören sich lange schlaue Predigten an, atmen die frische, weihrauchfreie Luft, immer in voller Konzentration auf den HERRN, und nur den HERRN, der am Anfang war, der am Ende sein wird – und in der Zwischenzeit wird unermüdlich die Bibel studiert.
Mit Katholisch hat das soviel zu tun wie die Kuh mit dem Fußballspielen, weil der katholische Blick auf die Welt ein integrativer, kein puristischer ist. „Puristisch“ heißt, an einen Kern zu glauben, der sich unter dem Dreck und dem „Bling-bling“ der Welt finden läßt, wenn man nur ernsthaft genug sucht. „Integrativ“ heißt, die Welt immer zuerst als Gottes Schöpfung zu begreifen, mit all ihrem Gewachsenen und Gewordenen so zu nehmen, wie sie ist, aber das ganze bunte Durcheinander mit dem Licht der Frohen Botschaft der Liebe zu durchdringen und zu erleuchten.
Was hat das mit dem Fest Mariä Himmelfahrt zu tun ? Nun, puristisch-protestantisch betrachtet gibt es an diesem Tag nicht viel zu feiern. Des Todes der Gottesmutter wird in der Bibel nicht gedacht, und wen interessiert es überhaupt, fertig.
Sehr im Gegensatz dazu hat integrativ-katholische Ballungsfreude an diesem Tag munter Aberglauben auf Glauben gehäuft, unbeweisbare Legenden zu Dogmen erklärt, mit staunenswert kindlicher Unbekümmertheit eine richtige Blütenlese altheidnischer Bräuche installiert.
Ist der Tag selbst doch ein Echo der nachweisbar jahrtausendealten Feiern in der Mitte zwischen der Sommersonnenwende am Johannistag und der Herbsttagundnachtgleiche vor St. Michael – die anderen ebenso alten „Zwischentermine“ sind St. Martin zwschen der Herbsttagundnachtgleiche und der Wintersonnenwende, Mariä Lichtmeß zwischen dieser und der Frühlingstagundnachtgleiche, die Maifeiern vor der Sommersonnenwende. Unser Festtag läßt sich schon an jungsteinzeitlichen Kalenderbauten ablesen – so viel zum Thema Tradition.
Eigentlich gefeiert wird heute die Komplett-Aufnahme Mariens in den Himmel, mit Körper und Seele: was eine schöne und durchaus feiernswürdige Idee ist, aber natürlich eine ganz und gar unbeweisbare, sofern man einzig der sogenannten Wissenschaft die Ehre gibt. Die fromme Überlieferung weiß natürlich mehr, als Frau und Herr Professor sich nach einem Gläschen trockenen Bio-Weins träumen lassen.
Beim feierlichen Begräbnis der Gottesmutter im Beisein aller Apostel (ohne Easy Jet und I-Phone ist eine solche Vollversammlung doppelt mirakulös) war Mariens Sarg auf einmal nur noch von den prachtvollsten Rosen erfüllt, sie selbst hatte andere Wege genommen, wurde im Himmel von ihrem Sohn gekrönt und geehrt, was bildlich gern als harmonische Vierfaltigkeit erscheint. Diese Form der Himmelfahrt leitet elegant und floral zur folgenden Sakramentalie des Tages, der Kräutersegnung.
In katholischen Gemeinden werden an Mariä Himmelfahrt am Altar feierlich Heilkräuter, Getreideähren und Blumen gesegnet, was die Schöpfung so hergibt Mitte August. Man kann die Kräuter zu Hause an die Wand hängen - aber es hindert einen auch niemand daran, herrlichen altfränkischen Spökes damit zu treiben: dem kranken Haustier mischt man sie ins Futter, bei Gewitter wandert ein Zweiglein in den Ofen, man selber kann Tee davon trinken – und das Bändel vom Kräuterstrauß um ein verrenktes Gelenk gebunden entlastet die Krankenkasse – also alles geht, was die Volkssitte von Herzen liebt und schätzt. In unserem kleinen Eifeldorf heißt der ganze Tag gleich „Kruutwöschfess“ ….
Wir leben in einem freien Land, und auch diese Wahl ist frei: abgeklärt-gereinigt-protestantisch kann man sich dieses Feiertags begeben und dabei die hohe Wonne fühlen, auf den Schultern der nüchternen Mütter und Väter der Aufklärung zu stehen – oder man rollt sich an diesem Sonntagmorgen aus den Federn, bindet sich einen Strauß und feiert in einer katholischen Marienkirche an diesem herrlichen Spätsommertermin das Fest mit, die Nase umweht von Kräuterduft und Weihrauch, die Ohren erfreut von barockem Liedgut und donnernden Orgelklängen, die Augen erfüllt vom Schmuck des Gotteshauses.
Jede Jeck is anders, säät mer ze Kölle – ich werde wieder einen narrenkappenbunten Kruutwösch zusammensuchen, denn für verpaßte Feiertage ist das Leben einfach zu kurz.
Gedenktag: 15. August
Ziel aller tapferen Reformatoren, unerschrockenen Revoluzzer und voll durchblickender Aufklärer war stets, die Kirche vom „eingeschlichenen“ Aberglauben zu befreien, rein sinnlich-gegenständliche Bräuche abzustellen, der Bilderverehrung Einhalt zu gebieten und nach glücklich vollzogener Reinigung dann mit frohem Herzen Gott allein zu loben.
Und so sitzen die von der gereinigten Fraktion denn in ihren weiß getünchten, ungeschmückten, bilderlos hellen Kirchen, hören sich lange schlaue Predigten an, atmen die frische, weihrauchfreie Luft, immer in voller Konzentration auf den HERRN, und nur den HERRN, der am Anfang war, der am Ende sein wird – und in der Zwischenzeit wird unermüdlich die Bibel studiert.
Mit Katholisch hat das soviel zu tun wie die Kuh mit dem Fußballspielen, weil der katholische Blick auf die Welt ein integrativer, kein puristischer ist. „Puristisch“ heißt, an einen Kern zu glauben, der sich unter dem Dreck und dem „Bling-bling“ der Welt finden läßt, wenn man nur ernsthaft genug sucht. „Integrativ“ heißt, die Welt immer zuerst als Gottes Schöpfung zu begreifen, mit all ihrem Gewachsenen und Gewordenen so zu nehmen, wie sie ist, aber das ganze bunte Durcheinander mit dem Licht der Frohen Botschaft der Liebe zu durchdringen und zu erleuchten.
Was hat das mit dem Fest Mariä Himmelfahrt zu tun ? Nun, puristisch-protestantisch betrachtet gibt es an diesem Tag nicht viel zu feiern. Des Todes der Gottesmutter wird in der Bibel nicht gedacht, und wen interessiert es überhaupt, fertig.
Sehr im Gegensatz dazu hat integrativ-katholische Ballungsfreude an diesem Tag munter Aberglauben auf Glauben gehäuft, unbeweisbare Legenden zu Dogmen erklärt, mit staunenswert kindlicher Unbekümmertheit eine richtige Blütenlese altheidnischer Bräuche installiert.
Ist der Tag selbst doch ein Echo der nachweisbar jahrtausendealten Feiern in der Mitte zwischen der Sommersonnenwende am Johannistag und der Herbsttagundnachtgleiche vor St. Michael – die anderen ebenso alten „Zwischentermine“ sind St. Martin zwschen der Herbsttagundnachtgleiche und der Wintersonnenwende, Mariä Lichtmeß zwischen dieser und der Frühlingstagundnachtgleiche, die Maifeiern vor der Sommersonnenwende. Unser Festtag läßt sich schon an jungsteinzeitlichen Kalenderbauten ablesen – so viel zum Thema Tradition.
Eigentlich gefeiert wird heute die Komplett-Aufnahme Mariens in den Himmel, mit Körper und Seele: was eine schöne und durchaus feiernswürdige Idee ist, aber natürlich eine ganz und gar unbeweisbare, sofern man einzig der sogenannten Wissenschaft die Ehre gibt. Die fromme Überlieferung weiß natürlich mehr, als Frau und Herr Professor sich nach einem Gläschen trockenen Bio-Weins träumen lassen.
Beim feierlichen Begräbnis der Gottesmutter im Beisein aller Apostel (ohne Easy Jet und I-Phone ist eine solche Vollversammlung doppelt mirakulös) war Mariens Sarg auf einmal nur noch von den prachtvollsten Rosen erfüllt, sie selbst hatte andere Wege genommen, wurde im Himmel von ihrem Sohn gekrönt und geehrt, was bildlich gern als harmonische Vierfaltigkeit erscheint. Diese Form der Himmelfahrt leitet elegant und floral zur folgenden Sakramentalie des Tages, der Kräutersegnung.
In katholischen Gemeinden werden an Mariä Himmelfahrt am Altar feierlich Heilkräuter, Getreideähren und Blumen gesegnet, was die Schöpfung so hergibt Mitte August. Man kann die Kräuter zu Hause an die Wand hängen - aber es hindert einen auch niemand daran, herrlichen altfränkischen Spökes damit zu treiben: dem kranken Haustier mischt man sie ins Futter, bei Gewitter wandert ein Zweiglein in den Ofen, man selber kann Tee davon trinken – und das Bändel vom Kräuterstrauß um ein verrenktes Gelenk gebunden entlastet die Krankenkasse – also alles geht, was die Volkssitte von Herzen liebt und schätzt. In unserem kleinen Eifeldorf heißt der ganze Tag gleich „Kruutwöschfess“ ….
Wir leben in einem freien Land, und auch diese Wahl ist frei: abgeklärt-gereinigt-protestantisch kann man sich dieses Feiertags begeben und dabei die hohe Wonne fühlen, auf den Schultern der nüchternen Mütter und Väter der Aufklärung zu stehen – oder man rollt sich an diesem Sonntagmorgen aus den Federn, bindet sich einen Strauß und feiert in einer katholischen Marienkirche an diesem herrlichen Spätsommertermin das Fest mit, die Nase umweht von Kräuterduft und Weihrauch, die Ohren erfreut von barockem Liedgut und donnernden Orgelklängen, die Augen erfüllt vom Schmuck des Gotteshauses.
Jede Jeck is anders, säät mer ze Kölle – ich werde wieder einen narrenkappenbunten Kruutwösch zusammensuchen, denn für verpaßte Feiertage ist das Leben einfach zu kurz.
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Heiliger des Monats September 2012 Aegidius
saintblog, 19:39h
Heiliger des Monats September 2012 Aegidius
Gedenktag: 01. September
Patron der stillenden Mütter, Helfer gegen den Blues („geistige Verlassenheit“, wie man die Melancholie einst umschrieb, „et ärm Dierche = das arme Tier“, wie das trübe Gespenst der Depression in der Eifel heißt), Schützer des Viehs allgemein, einer aus der Schar der mächtigen 14 Nothelfer
Der Heilige Aegidius ist ein ehedem viel angerufener Heiliger, sein Name war populär. Der Autor dieser Zeilen selbst hatte einen Großonkel „Egid“, und letzthin fand sich ein Foto, auf dem selbiger Autor, des Schreibens da noch ganz unkundig, weil eben erst geboren, gar von seinem Ur-Großonkel „Jilles“ auf dem Arm gehalten wird, einem Ackersmann und Schmied und Gesundbeter vor dem Herrn.
Aegidius ist Grieche, wohl aus Athen. Geboren wird er um 640, das Völkerwandern ist gerade aus der Mode gekommen, man bastelt mit Schwung an einer neuen Zivilisation, die man viel später Mittelalter nennen sollte, um sich selbst als „Neuzeit“ feiern zu können, was für ein Quatsch, morgen haben wir die Motten, das ist der Lauf der Welt. Im Osten stirbt Mohammed, und sein grünes Banner zeigt Europa bald ernstlich seine Grenzen.
Als junger Mann kommt unser Hellene in die Provence, wird nahe der Rhone-Mündung Eremit. Lange Jahre lebt er dort ohne Kontakt zu den Menschen in einer abgelegenen Waldeinsamkeit, im Einklang mit der Natur, den Herrn in dessen Schöpfung suchend, nicht in Büchern über dessen Schöpfung, oder in Büchern über Bücher, wie unsere Theologen es gewohnt sind.
Seine Legende erzählt, daß er regelmäßig von einer Hindin, also einer Hirschkuh besucht wurde, die ihn mit ihrer Milch in der Wildnis nährte.
In diese Idylle brach mit Gewalt sein blutrünstiges Jahrhundert ein – aber sind nicht alle Jahrhunderte blutrünstig ? Ein König der im Süden der Gallia herrschenden Westgoten sieht auf der Jagd die Hindin und setzt ihr nach. In Todesangst flieht das Tier zur Behausung des Einsiedlers, einer halb vom Dickicht verdeckten Höhle. Hinein ins unheimliche Dunkel traut sich der bekrönte Jäger nicht, aber einen Pfeil schießt er aufs geratewohl hinterher. Aegidius, die Zuneigung des Tieres vergeltend, stellt sich in den Weg und fängt das Geschoß mit seinem Körper auf. - Der König redet nicht von „Kollateralschaden“, wie es amerikanische Präsidenten tun, er will seinen Fehler wieder gutmachen, das Blut des heiligen Mannes von sich abwaschen. Als Aegidius den Wunsch äußert, sein einsames Leben aufzugeben und ein Kloster zu gründen, hilft der Gote dem Griechen, und die spätere französische Abtei St. Gilles nimmt ihren Anfang, von italienischen Pilgern auf dem Weg nach St. Jakob in Spanien viel besucht. Multikulti ist der innerste Kern und die Kraft Europas, Nationalismus dagegen sein Untergang, man hat es ja erlebt.
Was steckt mehr in der Geschichte ? Diana, jungfräuliche Hüterin des Waldes, als Dea Arduenna auch Göttin der Eifel, in der Gallia überall verehrt, betritt hier in ihrem heiligen Tier, der Hirschkuh, die Bühne. Fürsorglich unterstützt sie, die überwundene Herrin der alten Zeit, den neuen Bewohner des Waldes , und dieser wagt bedenkenlos sein Leben, um sie zu schützen. Ein wunderschönes Bild der Transformation, der Überführung und des kraftvollen Weiterlebens heidnischer Frömmigkeit in der weiter gespannten Spiritualität des Christentums.
Auf Bildern des heiligen Aegidius steht die gerettete Hirschkuh oft an seiner Seite, auf manchen ist sie ebenfalls durch einen Pfeil verletzt und er pflegt sie. Solche Bildtafeln schmückten die Altäre, wirkten für Jahrhunderte und tun es noch. Das ist ein Gegenbild zu einer adligen Gesellschaft, die sich im „Mittelalter“ darin gefällt, im Sommer – in jedem Sommer ! - in endlosen Kriegen und Fehden und kleinen dreckigen Metzeleien anderen Menschenkindern die Schädel einzuschlagen, und die im Winter, um nicht aus der Übung zu kommen, alles bejagt, was irgend Leben in sich hat.
Die Einsiedler dagegen leben fleischlos glücklich und mühen sich, keiner Fliege etwas zu Leide zu tun.
Haben die Vegetarier eigentlich schon einen Patron ? Oder muß dafür irgendeine vatikanische Altherren-Kongregation erst noch in die Gänge kommen ? Statt Kanonen zu segnen und Truppen zu betreuen sähe man ja gern mal einen Monsignore mitten im Sojafeld stehen.
Gedenktag: 01. September
Patron der stillenden Mütter, Helfer gegen den Blues („geistige Verlassenheit“, wie man die Melancholie einst umschrieb, „et ärm Dierche = das arme Tier“, wie das trübe Gespenst der Depression in der Eifel heißt), Schützer des Viehs allgemein, einer aus der Schar der mächtigen 14 Nothelfer
Der Heilige Aegidius ist ein ehedem viel angerufener Heiliger, sein Name war populär. Der Autor dieser Zeilen selbst hatte einen Großonkel „Egid“, und letzthin fand sich ein Foto, auf dem selbiger Autor, des Schreibens da noch ganz unkundig, weil eben erst geboren, gar von seinem Ur-Großonkel „Jilles“ auf dem Arm gehalten wird, einem Ackersmann und Schmied und Gesundbeter vor dem Herrn.
Aegidius ist Grieche, wohl aus Athen. Geboren wird er um 640, das Völkerwandern ist gerade aus der Mode gekommen, man bastelt mit Schwung an einer neuen Zivilisation, die man viel später Mittelalter nennen sollte, um sich selbst als „Neuzeit“ feiern zu können, was für ein Quatsch, morgen haben wir die Motten, das ist der Lauf der Welt. Im Osten stirbt Mohammed, und sein grünes Banner zeigt Europa bald ernstlich seine Grenzen.
Als junger Mann kommt unser Hellene in die Provence, wird nahe der Rhone-Mündung Eremit. Lange Jahre lebt er dort ohne Kontakt zu den Menschen in einer abgelegenen Waldeinsamkeit, im Einklang mit der Natur, den Herrn in dessen Schöpfung suchend, nicht in Büchern über dessen Schöpfung, oder in Büchern über Bücher, wie unsere Theologen es gewohnt sind.
Seine Legende erzählt, daß er regelmäßig von einer Hindin, also einer Hirschkuh besucht wurde, die ihn mit ihrer Milch in der Wildnis nährte.
In diese Idylle brach mit Gewalt sein blutrünstiges Jahrhundert ein – aber sind nicht alle Jahrhunderte blutrünstig ? Ein König der im Süden der Gallia herrschenden Westgoten sieht auf der Jagd die Hindin und setzt ihr nach. In Todesangst flieht das Tier zur Behausung des Einsiedlers, einer halb vom Dickicht verdeckten Höhle. Hinein ins unheimliche Dunkel traut sich der bekrönte Jäger nicht, aber einen Pfeil schießt er aufs geratewohl hinterher. Aegidius, die Zuneigung des Tieres vergeltend, stellt sich in den Weg und fängt das Geschoß mit seinem Körper auf. - Der König redet nicht von „Kollateralschaden“, wie es amerikanische Präsidenten tun, er will seinen Fehler wieder gutmachen, das Blut des heiligen Mannes von sich abwaschen. Als Aegidius den Wunsch äußert, sein einsames Leben aufzugeben und ein Kloster zu gründen, hilft der Gote dem Griechen, und die spätere französische Abtei St. Gilles nimmt ihren Anfang, von italienischen Pilgern auf dem Weg nach St. Jakob in Spanien viel besucht. Multikulti ist der innerste Kern und die Kraft Europas, Nationalismus dagegen sein Untergang, man hat es ja erlebt.
Was steckt mehr in der Geschichte ? Diana, jungfräuliche Hüterin des Waldes, als Dea Arduenna auch Göttin der Eifel, in der Gallia überall verehrt, betritt hier in ihrem heiligen Tier, der Hirschkuh, die Bühne. Fürsorglich unterstützt sie, die überwundene Herrin der alten Zeit, den neuen Bewohner des Waldes , und dieser wagt bedenkenlos sein Leben, um sie zu schützen. Ein wunderschönes Bild der Transformation, der Überführung und des kraftvollen Weiterlebens heidnischer Frömmigkeit in der weiter gespannten Spiritualität des Christentums.
Auf Bildern des heiligen Aegidius steht die gerettete Hirschkuh oft an seiner Seite, auf manchen ist sie ebenfalls durch einen Pfeil verletzt und er pflegt sie. Solche Bildtafeln schmückten die Altäre, wirkten für Jahrhunderte und tun es noch. Das ist ein Gegenbild zu einer adligen Gesellschaft, die sich im „Mittelalter“ darin gefällt, im Sommer – in jedem Sommer ! - in endlosen Kriegen und Fehden und kleinen dreckigen Metzeleien anderen Menschenkindern die Schädel einzuschlagen, und die im Winter, um nicht aus der Übung zu kommen, alles bejagt, was irgend Leben in sich hat.
Die Einsiedler dagegen leben fleischlos glücklich und mühen sich, keiner Fliege etwas zu Leide zu tun.
Haben die Vegetarier eigentlich schon einen Patron ? Oder muß dafür irgendeine vatikanische Altherren-Kongregation erst noch in die Gänge kommen ? Statt Kanonen zu segnen und Truppen zu betreuen sähe man ja gern mal einen Monsignore mitten im Sojafeld stehen.
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Heiliger des Monats Oktober 2012 Franziscus von Assisi
saintblog, 19:34h
Heiliger des Monats Oktober 2012 Franziscus von Assisi
Gedenktag: 04. Oktober
Offiziell vom Papst ernannter Schutzpatron der Öko-Bewegung, Patron Italiens, der Armen, der Bekleidungsindustrie, Helfer zu mutigen Entscheidungen
Natürlich ist Franziscus ein Heiliger ! Dieser überaus schräge Vogel beeindruckt die Menschen wie nur wenige vor ihm, die Blitz-Heiligsprechung
direkt nach seinem Tod ist eine reine Formsache, mehr noch als bei Mutter Theresa bestehen nicht die leisesten Zweifel. Demut, Armut, völlige Hingabe an Gott in der wildesten Form – das ist Franziscus. Bei einem Wettbewerb „Die Welt sucht den nächsten Jesus“ hätte er alle alle ausgestochen, der Mann aus Nazareth selber wäre wohl ins Schwitzen gekommen.
So ist er, der Franziscus, nach seinem 25. Lebensjahr. Und vorher ? Heutige Enthüllungsjournalisten hätten ihre helle Freude, so richtig im Schlamm baden könnten sie beim lieben Franzerl, denn der Heilige als junger Mann ist nicht das Schwarze unterm Fingernagel wert.
Reicher Tuchhändler Sohn in Mittelitalien, wächst er in Wohlhabenheit und Überfluß auf. Wie das Leben so spielt, verdirbt ihn das gemachte Nest für die praktische Arbeit. Sein Vater mehrt auf Handelsreisen den Dukatenberg der Familie, unser Heiliger in spe wirft es mit vollen Händen aus dem Fenster. Jubel, Trubel, Heiterkeit, die Jeunesse dorée des Städtchens läßt die Puppen tanzen. Seine größte Leistung in Teenagerjahren ist, daß er den seichten Troubadour-Trallala aus Frankreich noch schmalziger als die Kumpane zu geben weiß, ein echter Karaoke-King, der Party-Kracher. Er, den seine Eltern auf den Namen Johannes getauft haben, wird von allen nur das „Französlein“ gerufen, und der Name bleibt kleben.
Steigerung unmöglich ? Ha ha: als es dem Esel komplett zu wohl wird, geht er aufs Eis respektive zieht er in den Krieg. Rausgeputzt wie ein Karnevalsprinz schwingt sich der Lotterbube aufs schmucke Pferdchen, die Gegner aus Perugia sperren ihn für ein ganzes Jahr in den Keller – und so weiter und so fort, er bestiehlt seinen eigenen Vater, geht einfach allen auf die Nerven, es ist ein Elend, das Zukucken tut schon weh.
Und wie soll das nun zusammenpassen – Franziskus 1 und Franziscus 2 ? Das Scharnier ist sein Verständnis für die Armut. Eigentlich fehlt ihm die wahre Liebe zum Mammon – er strebt nicht nach dem Geld, er haut es nur raus. Die Armen unterstützt er immer, ein schöner Zug in einem ansonsten vertändelten Leben.
Man muß es immer wieder sagen: Heilige sind krass, oder gar nicht, das macht die Heiligkeit ja gerade aus, Warmduscher sind wir anderen. Für Franziscus kommt der Moment der Wahrheit mitten auf dem Marktplatz. Sein Vater ist den Zirkus endgültig leid und bringt seinen Sohn vor das öffentliche Gericht des Bischofs von Assisi. Sein Vater verlangt dort von Franziscus, ihm allen Besitz zurückzugeben und auf das Erbe zu verzichten. Franziskus zieht sich vor allen Leuten splitterfasernackt aus, entsagt allen weltlichen Ansprüchen und sagt, „von heute an ist allein Gott mein Vater“.
Jeder normale Mensch hätte Onkels und Tanten in Stellung gebracht, sich einen Anwalt genommen, es eine Zeitlang ruhiger angehen lassen. Franziskus aber ist ein Auserwählter, er erkennt in all dem letztlich kleinlichen Familiengezeter, in dem ganz unwichtigen Kleinstadt-Skandal den heiligen Kern der Stunde. Hopp oder dopp, wenn wir nur wollen, leben wir unser Leben selber.
Der Mut zur Radikalität, zum klaren Schnitt, hat in sich die Kraft, Berge zu versetzen. Als Franziscus die Stimme Gottes hört „Mache Dich auf und stelle mein zertrümmertes Haus wieder her !“, da tut der das, eigentlich unfaßbar.
Gedenktag: 04. Oktober
Offiziell vom Papst ernannter Schutzpatron der Öko-Bewegung, Patron Italiens, der Armen, der Bekleidungsindustrie, Helfer zu mutigen Entscheidungen
Natürlich ist Franziscus ein Heiliger ! Dieser überaus schräge Vogel beeindruckt die Menschen wie nur wenige vor ihm, die Blitz-Heiligsprechung
direkt nach seinem Tod ist eine reine Formsache, mehr noch als bei Mutter Theresa bestehen nicht die leisesten Zweifel. Demut, Armut, völlige Hingabe an Gott in der wildesten Form – das ist Franziscus. Bei einem Wettbewerb „Die Welt sucht den nächsten Jesus“ hätte er alle alle ausgestochen, der Mann aus Nazareth selber wäre wohl ins Schwitzen gekommen.
So ist er, der Franziscus, nach seinem 25. Lebensjahr. Und vorher ? Heutige Enthüllungsjournalisten hätten ihre helle Freude, so richtig im Schlamm baden könnten sie beim lieben Franzerl, denn der Heilige als junger Mann ist nicht das Schwarze unterm Fingernagel wert.
Reicher Tuchhändler Sohn in Mittelitalien, wächst er in Wohlhabenheit und Überfluß auf. Wie das Leben so spielt, verdirbt ihn das gemachte Nest für die praktische Arbeit. Sein Vater mehrt auf Handelsreisen den Dukatenberg der Familie, unser Heiliger in spe wirft es mit vollen Händen aus dem Fenster. Jubel, Trubel, Heiterkeit, die Jeunesse dorée des Städtchens läßt die Puppen tanzen. Seine größte Leistung in Teenagerjahren ist, daß er den seichten Troubadour-Trallala aus Frankreich noch schmalziger als die Kumpane zu geben weiß, ein echter Karaoke-King, der Party-Kracher. Er, den seine Eltern auf den Namen Johannes getauft haben, wird von allen nur das „Französlein“ gerufen, und der Name bleibt kleben.
Steigerung unmöglich ? Ha ha: als es dem Esel komplett zu wohl wird, geht er aufs Eis respektive zieht er in den Krieg. Rausgeputzt wie ein Karnevalsprinz schwingt sich der Lotterbube aufs schmucke Pferdchen, die Gegner aus Perugia sperren ihn für ein ganzes Jahr in den Keller – und so weiter und so fort, er bestiehlt seinen eigenen Vater, geht einfach allen auf die Nerven, es ist ein Elend, das Zukucken tut schon weh.
Und wie soll das nun zusammenpassen – Franziskus 1 und Franziscus 2 ? Das Scharnier ist sein Verständnis für die Armut. Eigentlich fehlt ihm die wahre Liebe zum Mammon – er strebt nicht nach dem Geld, er haut es nur raus. Die Armen unterstützt er immer, ein schöner Zug in einem ansonsten vertändelten Leben.
Man muß es immer wieder sagen: Heilige sind krass, oder gar nicht, das macht die Heiligkeit ja gerade aus, Warmduscher sind wir anderen. Für Franziscus kommt der Moment der Wahrheit mitten auf dem Marktplatz. Sein Vater ist den Zirkus endgültig leid und bringt seinen Sohn vor das öffentliche Gericht des Bischofs von Assisi. Sein Vater verlangt dort von Franziscus, ihm allen Besitz zurückzugeben und auf das Erbe zu verzichten. Franziskus zieht sich vor allen Leuten splitterfasernackt aus, entsagt allen weltlichen Ansprüchen und sagt, „von heute an ist allein Gott mein Vater“.
Jeder normale Mensch hätte Onkels und Tanten in Stellung gebracht, sich einen Anwalt genommen, es eine Zeitlang ruhiger angehen lassen. Franziskus aber ist ein Auserwählter, er erkennt in all dem letztlich kleinlichen Familiengezeter, in dem ganz unwichtigen Kleinstadt-Skandal den heiligen Kern der Stunde. Hopp oder dopp, wenn wir nur wollen, leben wir unser Leben selber.
Der Mut zur Radikalität, zum klaren Schnitt, hat in sich die Kraft, Berge zu versetzen. Als Franziscus die Stimme Gottes hört „Mache Dich auf und stelle mein zertrümmertes Haus wieder her !“, da tut der das, eigentlich unfaßbar.
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Sonntag, 28. Oktober 2012
Heiliger des Monats November 2012 Stephanos der Jüngere
saintblog, 20:18h
Heiliger des Monats November 2012 Stephanos der Jüngere
Gedenktag: 28. November
Schutzpatron der Kunst, insbesondere der Malerei
Anfangs der 1980er Jahre las man auf manchen innerstädtischen Betonmauern der völlig überraschend kurzfristig vom Punk infizierten Bundesrepublik den anarchistischen Slogan „Wir brauchen keine anderen Herren, wir brauchen gar keine !“. Gerichtet war das gegen die Linken und deren Tendenz, nach Erringung politischer Macht zu „roten Zaren“ zu mutieren – im „realexistierenden Sozialismus“ des damaligen Ostblocks hatte man das Trauerspiel ja ständig vor Augen.
Herrschaftsfreiheit, ein schöner philosophischer Traum. - Als an einem Mittwoch im Jahr 765 in der hochzivilisierten, kultivierten und prächtigen Metropole Konstantinopel die Obrigkeit zu verstehen gibt, daß sie sich etwaigen spontanen Äußerungen des Volkszorns gegen einige bereits inhaftierte, dem Kaiser mißliebige Mönche nicht entgegenstellen werde, verwandeln sich im Handumdrehen scheinbar normale Bürger zu begeisterten Killern. Mit Hurra!! wird das Gefängnis gestürmt, mit tobender Begeisterung werden der Abt Stephanos und einige andere Mönche herausgeschleift und so lange von mittlerweile blutbeschmierten, ganz freiwillig tätigen „Normalbürgern“ durch die gefegten und gepflasterten, von übervollen Läden gesäumten Straßen der Stadt geprügelt, bis von Stephanos und den Brüdern selbst die Leichen in Stücke gerissen sind.
Dieselben lieben Mitmenschen drücken abends ihre Kinder ans Herz, liegen im Ehebett, gehen am anderen Morgen ihrer Arbeit nach – ganz wie die SS-Leute der Vernichtungslager, die nach getanem Werk mit Pantoffeln an den Füßen im Familienkreis den Tag gemütvoll ausklingen lassen.
- Merke: wenn im wirklichen Leben die Zügel gelockert werden, braucht es keine Stunde bis zum ersten Pogrom, das ist der Mensch.
Und, womit brachte der kleine, ganz machtlose Abt Stephanos die Bosse gegen sich auf ? In der Zurückgezogenheit seines abgelegenen Klosters hat er sich der Ikonenverfolgung widersetzt. Kaiser Konstantin V. setzt aber wie sein Vater Leo auf eine Politik der Bilderfeindlichkeit, die de facto ein Kampf gegen das Mönchtum ist. Die Klöster sind Festungen einer unabhängigen Kirche, Horte lokaler Frömmigkeitstraditionen, der Heiligenverehrung und eben auch der Ikonen, die ja ausschließlich von Mönchen gemalt werden dürfen. Absolutistischen Staatsideen von strammem Durchregieren stoßen da an ihre Grenzen, und diese Grenzen möchten die Kaiser ausdehnen. Eine Kirche ohne Inseln der Unabhängigkeit, ohne Mönchtum, ohne Bilder, reduziert auf Symbole und Ideen, wird schnell so einflußlos, privat und blaß, daß man sie „vor einer weißen Wand nicht mehr sieht“. Prima für Tyrannen jeder Couleur ! Erbarmungslos drischt die chinesische Führung auf die tibetischen Klöster ein, abertausende Kirchen wurden im sowjetischen Rußland abgerissen, alle Orden in Nazi-Deutschland verboten. Herrschaft will alleine sein, haßt Widerworte.
Schöner Traum „Herrschaftslosigkeit“, will ohne Gewalt auskommen, klappt leider nicht auf dieser „besten aller Welten“ - schrecklicher Albtraum Diktatur, entfesselt alle Gewalt, zerstört sich immer selbst (Napoleons Außenminister Talleyrand sagte zu seinem Chef: „Mit Bajonetten kann man alles mögliche machen, nur nicht darauf sitzen.“).
Gut ist alles, was es dem Menschen ermöglicht, der Macht Zügel anzulegen, Freiräume für bunte Lebensentwürfe zu erhalten, durch Kunst und Religion und zweckfreies Denken Fenster zum ganz Anderen offen zu halten – der Abt Stephanos starb für mehr als für ein paar bemalte Bretter.
Gedenktag: 28. November
Schutzpatron der Kunst, insbesondere der Malerei
Anfangs der 1980er Jahre las man auf manchen innerstädtischen Betonmauern der völlig überraschend kurzfristig vom Punk infizierten Bundesrepublik den anarchistischen Slogan „Wir brauchen keine anderen Herren, wir brauchen gar keine !“. Gerichtet war das gegen die Linken und deren Tendenz, nach Erringung politischer Macht zu „roten Zaren“ zu mutieren – im „realexistierenden Sozialismus“ des damaligen Ostblocks hatte man das Trauerspiel ja ständig vor Augen.
Herrschaftsfreiheit, ein schöner philosophischer Traum. - Als an einem Mittwoch im Jahr 765 in der hochzivilisierten, kultivierten und prächtigen Metropole Konstantinopel die Obrigkeit zu verstehen gibt, daß sie sich etwaigen spontanen Äußerungen des Volkszorns gegen einige bereits inhaftierte, dem Kaiser mißliebige Mönche nicht entgegenstellen werde, verwandeln sich im Handumdrehen scheinbar normale Bürger zu begeisterten Killern. Mit Hurra!! wird das Gefängnis gestürmt, mit tobender Begeisterung werden der Abt Stephanos und einige andere Mönche herausgeschleift und so lange von mittlerweile blutbeschmierten, ganz freiwillig tätigen „Normalbürgern“ durch die gefegten und gepflasterten, von übervollen Läden gesäumten Straßen der Stadt geprügelt, bis von Stephanos und den Brüdern selbst die Leichen in Stücke gerissen sind.
Dieselben lieben Mitmenschen drücken abends ihre Kinder ans Herz, liegen im Ehebett, gehen am anderen Morgen ihrer Arbeit nach – ganz wie die SS-Leute der Vernichtungslager, die nach getanem Werk mit Pantoffeln an den Füßen im Familienkreis den Tag gemütvoll ausklingen lassen.
- Merke: wenn im wirklichen Leben die Zügel gelockert werden, braucht es keine Stunde bis zum ersten Pogrom, das ist der Mensch.
Und, womit brachte der kleine, ganz machtlose Abt Stephanos die Bosse gegen sich auf ? In der Zurückgezogenheit seines abgelegenen Klosters hat er sich der Ikonenverfolgung widersetzt. Kaiser Konstantin V. setzt aber wie sein Vater Leo auf eine Politik der Bilderfeindlichkeit, die de facto ein Kampf gegen das Mönchtum ist. Die Klöster sind Festungen einer unabhängigen Kirche, Horte lokaler Frömmigkeitstraditionen, der Heiligenverehrung und eben auch der Ikonen, die ja ausschließlich von Mönchen gemalt werden dürfen. Absolutistischen Staatsideen von strammem Durchregieren stoßen da an ihre Grenzen, und diese Grenzen möchten die Kaiser ausdehnen. Eine Kirche ohne Inseln der Unabhängigkeit, ohne Mönchtum, ohne Bilder, reduziert auf Symbole und Ideen, wird schnell so einflußlos, privat und blaß, daß man sie „vor einer weißen Wand nicht mehr sieht“. Prima für Tyrannen jeder Couleur ! Erbarmungslos drischt die chinesische Führung auf die tibetischen Klöster ein, abertausende Kirchen wurden im sowjetischen Rußland abgerissen, alle Orden in Nazi-Deutschland verboten. Herrschaft will alleine sein, haßt Widerworte.
Schöner Traum „Herrschaftslosigkeit“, will ohne Gewalt auskommen, klappt leider nicht auf dieser „besten aller Welten“ - schrecklicher Albtraum Diktatur, entfesselt alle Gewalt, zerstört sich immer selbst (Napoleons Außenminister Talleyrand sagte zu seinem Chef: „Mit Bajonetten kann man alles mögliche machen, nur nicht darauf sitzen.“).
Gut ist alles, was es dem Menschen ermöglicht, der Macht Zügel anzulegen, Freiräume für bunte Lebensentwürfe zu erhalten, durch Kunst und Religion und zweckfreies Denken Fenster zum ganz Anderen offen zu halten – der Abt Stephanos starb für mehr als für ein paar bemalte Bretter.
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