Sonntag, 28. Oktober 2012
Heiliger des Monats November 2012 Stephanos der Jüngere
saintblog, 20:18h
Heiliger des Monats November 2012 Stephanos der Jüngere
Gedenktag: 28. November
Schutzpatron der Kunst, insbesondere der Malerei
Anfangs der 1980er Jahre las man auf manchen innerstädtischen Betonmauern der völlig überraschend kurzfristig vom Punk infizierten Bundesrepublik den anarchistischen Slogan „Wir brauchen keine anderen Herren, wir brauchen gar keine !“. Gerichtet war das gegen die Linken und deren Tendenz, nach Erringung politischer Macht zu „roten Zaren“ zu mutieren – im „realexistierenden Sozialismus“ des damaligen Ostblocks hatte man das Trauerspiel ja ständig vor Augen.
Herrschaftsfreiheit, ein schöner philosophischer Traum. - Als an einem Mittwoch im Jahr 765 in der hochzivilisierten, kultivierten und prächtigen Metropole Konstantinopel die Obrigkeit zu verstehen gibt, daß sie sich etwaigen spontanen Äußerungen des Volkszorns gegen einige bereits inhaftierte, dem Kaiser mißliebige Mönche nicht entgegenstellen werde, verwandeln sich im Handumdrehen scheinbar normale Bürger zu begeisterten Killern. Mit Hurra!! wird das Gefängnis gestürmt, mit tobender Begeisterung werden der Abt Stephanos und einige andere Mönche herausgeschleift und so lange von mittlerweile blutbeschmierten, ganz freiwillig tätigen „Normalbürgern“ durch die gefegten und gepflasterten, von übervollen Läden gesäumten Straßen der Stadt geprügelt, bis von Stephanos und den Brüdern selbst die Leichen in Stücke gerissen sind.
Dieselben lieben Mitmenschen drücken abends ihre Kinder ans Herz, liegen im Ehebett, gehen am anderen Morgen ihrer Arbeit nach – ganz wie die SS-Leute der Vernichtungslager, die nach getanem Werk mit Pantoffeln an den Füßen im Familienkreis den Tag gemütvoll ausklingen lassen.
- Merke: wenn im wirklichen Leben die Zügel gelockert werden, braucht es keine Stunde bis zum ersten Pogrom, das ist der Mensch.
Und, womit brachte der kleine, ganz machtlose Abt Stephanos die Bosse gegen sich auf ? In der Zurückgezogenheit seines abgelegenen Klosters hat er sich der Ikonenverfolgung widersetzt. Kaiser Konstantin V. setzt aber wie sein Vater Leo auf eine Politik der Bilderfeindlichkeit, die de facto ein Kampf gegen das Mönchtum ist. Die Klöster sind Festungen einer unabhängigen Kirche, Horte lokaler Frömmigkeitstraditionen, der Heiligenverehrung und eben auch der Ikonen, die ja ausschließlich von Mönchen gemalt werden dürfen. Absolutistischen Staatsideen von strammem Durchregieren stoßen da an ihre Grenzen, und diese Grenzen möchten die Kaiser ausdehnen. Eine Kirche ohne Inseln der Unabhängigkeit, ohne Mönchtum, ohne Bilder, reduziert auf Symbole und Ideen, wird schnell so einflußlos, privat und blaß, daß man sie „vor einer weißen Wand nicht mehr sieht“. Prima für Tyrannen jeder Couleur ! Erbarmungslos drischt die chinesische Führung auf die tibetischen Klöster ein, abertausende Kirchen wurden im sowjetischen Rußland abgerissen, alle Orden in Nazi-Deutschland verboten. Herrschaft will alleine sein, haßt Widerworte.
Schöner Traum „Herrschaftslosigkeit“, will ohne Gewalt auskommen, klappt leider nicht auf dieser „besten aller Welten“ - schrecklicher Albtraum Diktatur, entfesselt alle Gewalt, zerstört sich immer selbst (Napoleons Außenminister Talleyrand sagte zu seinem Chef: „Mit Bajonetten kann man alles mögliche machen, nur nicht darauf sitzen.“).
Gut ist alles, was es dem Menschen ermöglicht, der Macht Zügel anzulegen, Freiräume für bunte Lebensentwürfe zu erhalten, durch Kunst und Religion und zweckfreies Denken Fenster zum ganz Anderen offen zu halten – der Abt Stephanos starb für mehr als für ein paar bemalte Bretter.
Gedenktag: 28. November
Schutzpatron der Kunst, insbesondere der Malerei
Anfangs der 1980er Jahre las man auf manchen innerstädtischen Betonmauern der völlig überraschend kurzfristig vom Punk infizierten Bundesrepublik den anarchistischen Slogan „Wir brauchen keine anderen Herren, wir brauchen gar keine !“. Gerichtet war das gegen die Linken und deren Tendenz, nach Erringung politischer Macht zu „roten Zaren“ zu mutieren – im „realexistierenden Sozialismus“ des damaligen Ostblocks hatte man das Trauerspiel ja ständig vor Augen.
Herrschaftsfreiheit, ein schöner philosophischer Traum. - Als an einem Mittwoch im Jahr 765 in der hochzivilisierten, kultivierten und prächtigen Metropole Konstantinopel die Obrigkeit zu verstehen gibt, daß sie sich etwaigen spontanen Äußerungen des Volkszorns gegen einige bereits inhaftierte, dem Kaiser mißliebige Mönche nicht entgegenstellen werde, verwandeln sich im Handumdrehen scheinbar normale Bürger zu begeisterten Killern. Mit Hurra!! wird das Gefängnis gestürmt, mit tobender Begeisterung werden der Abt Stephanos und einige andere Mönche herausgeschleift und so lange von mittlerweile blutbeschmierten, ganz freiwillig tätigen „Normalbürgern“ durch die gefegten und gepflasterten, von übervollen Läden gesäumten Straßen der Stadt geprügelt, bis von Stephanos und den Brüdern selbst die Leichen in Stücke gerissen sind.
Dieselben lieben Mitmenschen drücken abends ihre Kinder ans Herz, liegen im Ehebett, gehen am anderen Morgen ihrer Arbeit nach – ganz wie die SS-Leute der Vernichtungslager, die nach getanem Werk mit Pantoffeln an den Füßen im Familienkreis den Tag gemütvoll ausklingen lassen.
- Merke: wenn im wirklichen Leben die Zügel gelockert werden, braucht es keine Stunde bis zum ersten Pogrom, das ist der Mensch.
Und, womit brachte der kleine, ganz machtlose Abt Stephanos die Bosse gegen sich auf ? In der Zurückgezogenheit seines abgelegenen Klosters hat er sich der Ikonenverfolgung widersetzt. Kaiser Konstantin V. setzt aber wie sein Vater Leo auf eine Politik der Bilderfeindlichkeit, die de facto ein Kampf gegen das Mönchtum ist. Die Klöster sind Festungen einer unabhängigen Kirche, Horte lokaler Frömmigkeitstraditionen, der Heiligenverehrung und eben auch der Ikonen, die ja ausschließlich von Mönchen gemalt werden dürfen. Absolutistischen Staatsideen von strammem Durchregieren stoßen da an ihre Grenzen, und diese Grenzen möchten die Kaiser ausdehnen. Eine Kirche ohne Inseln der Unabhängigkeit, ohne Mönchtum, ohne Bilder, reduziert auf Symbole und Ideen, wird schnell so einflußlos, privat und blaß, daß man sie „vor einer weißen Wand nicht mehr sieht“. Prima für Tyrannen jeder Couleur ! Erbarmungslos drischt die chinesische Führung auf die tibetischen Klöster ein, abertausende Kirchen wurden im sowjetischen Rußland abgerissen, alle Orden in Nazi-Deutschland verboten. Herrschaft will alleine sein, haßt Widerworte.
Schöner Traum „Herrschaftslosigkeit“, will ohne Gewalt auskommen, klappt leider nicht auf dieser „besten aller Welten“ - schrecklicher Albtraum Diktatur, entfesselt alle Gewalt, zerstört sich immer selbst (Napoleons Außenminister Talleyrand sagte zu seinem Chef: „Mit Bajonetten kann man alles mögliche machen, nur nicht darauf sitzen.“).
Gut ist alles, was es dem Menschen ermöglicht, der Macht Zügel anzulegen, Freiräume für bunte Lebensentwürfe zu erhalten, durch Kunst und Religion und zweckfreies Denken Fenster zum ganz Anderen offen zu halten – der Abt Stephanos starb für mehr als für ein paar bemalte Bretter.
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