Mittwoch, 31. Juli 2013
Heiliger des Monats August 2013 Franz Reinisch
Heiliger des Monats August 2013 Franz Reinisch

Fest: 21. August

„Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid, daß ich dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, dem Oberbefehlshaber der Wehrmacht, unbedingten Gehorsam leisten und als tapferer Soldat bereit sein will, jederzeit für diesen Eid mein Leben einzusetzen.“ - Das ist der Eid, den jeder Soldat zur Zeit der Nazi-Diktatur ablegen muß, auch die Priester, die zur weiteren Zerschlagung der Kirche zahlreich zum Kriegsdienst gezwungen werden.

Natürlich ist der 1934 eingeführte Text des Eides ein Unding. Bei Gott zu schwören, daß man einem Menschen unbedingten Gehorsam leisten wolle, geht gar nicht. Man kann sich nur wundern, daß sich die Armee eine solche Anmaßung zu eigen machte. Damals, 1934, ein Jahr nach der Inthronisierung des Postkartenklecksers aus Wien, hätten anständige Offiziere – wenn es sie denn gegeben hätte - den braunen Kehricht noch ausfegen können. Zehn Jahre später, beim Anschlag im Juli 1944, war es zehn Jahre zu spät - kein Mensch, der bei Trost ist, geht fünf Minuten vor Schluß aus dem Kino, wenn ihm der Film von Anfang an nicht gefällt.

Als dieser Fahneneid dem Pallottiner-Pater Franz Reinisch zugemutet wird, 1942, da ist es bereits ein Eid auf das Böse selbst. Knietief watet Hitler im Blut seiner Millionen Opfer, lernschwache Schüler steckt man im Rheinland in Gaswagen und schickte den fassungslosen Eltern einen Schuhkarton mit Asche, ganze Altersheime leeren sich über Nacht, die Juden Europas, Sinti und Roma, die katholische Priesterschaft Polens, wehrlose russische Kriegsgefangene, im Osten brennt man Dörfer voller Frauen und Kinder ab, der Teufel ist los.

Pater Reinisch, eine Predigerbegabung, tourt Ende der 30er Jahre rastlos durch Deutschland, stemmt sich gegen die Unmenschlichkeit, die Entchristlichung. 1940 verpaßt ihm die Gestapo einen Maulkorb, vollständiges Redeverbot, er hält sich nicht daran. Es folgt die Einberufung, er bespricht sich mit Freunden, Pater Kentenich, selbst in Dachau im KZ, bestärkt ihn. Am 15. April 1942 betritt er die Kaserne in Bad Kissingen und erklärt dort, den Fahneneid auf Adolf Hitler nicht leisten zu wollen. Zur „Erledigung“ solcher Fälle braucht das Militär keine Hilfe, das kann man selber. Überwiesen ins Wehrmachtsgefängnis in Berlin wird ihm dort vom Reichskriegsgericht der Prozeß gemacht. Der Richter versucht ihm eine Brücke zu bauen und argumentiert, er als Priester könne sich dem „Kampf gegen den Bolschewismus“ doch nicht verweigern. Pater Reinisch entgegnet sinngemäß, daß der schlimmste Feind des deutschen Volkes der Führer des deutschen Volkes sei. - Die Fakten liegen auf dem Tisch und halb Europa in Trümmern, jeder kann diese Schlußfolgerung ziehen, aber nur wenige sprechen die offenbare Wahrheit aus. Am 21. August wird Franz Reinisch von der deutschen Armee durch das Fallbeil hingerichtet.

Es braucht 12 Jahre, die Nazi-Diktatur niederzukämpfen, dann fast fünfmal so lange (bis 2002 !), um gegen dauernden Widerstand alter und neuer brauner Kameraden die offizielle Aufhebung der Urteile ihrer Terror-Gerichte zu erreichen.
Man muß sich das Mißverhältnis vor Augen halten: von den Tätern der Nazi-Zeit wird kaum einer angeklagt, noch weniger werden verurteilt, und deren Begnadigung erfolgt dann umgehend in den ersten Jahren der Bundesrepublik. Hans Filbinger, Nazi-Militärrichter, NSDAP-Mitglied und SA-Mann, kann in Baden-Württemberg sogar Ministerpräsident werden.
Franz Reinisch aber bleibt für Deutschland bis 2002 ein Schwerkrimineller - „Recht“ und „Gerechtigkeit“ sind und bleiben zwei verschiedene Paar Schuhe.

Lassen wir uns überraschen, wann wir Franz Reinisch ganz amtlich als heiligen Märtyrer, mutigen Bekenner der Wahrheit und glänzendes Vorbild begrüßen dürfen: der Seligsprechungsprozeß läuft, unsere besten Wünsche sind mit seinen sich kümmernden treuen Pallottinern.

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