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Samstag, 29. Dezember 2012
Heiliger des Monats Januar 2013 Thomas von Aquin
saintblog, 21:41h
Heiliger des Monats Januar 2013 Thomas von Aquin
Festtag: 28. Januar
Schutzpatron der Universitäten und Schulen sowie aller dort Lehrenden und Lernenden
Geistige Bewegungen brauchen mal mehr, mal weniger gedanklichen Überbau. Genügt dem Punk ein einziges Wort („nein“), so bringt es der Marxismus-Leninismus auf breite weite Bücherwände – durchaus in der Nachfolge des gestopft rappelvollen kirchlichen „Palastes der Scholastik“.
Die Grundlage dieser katholischen Gelehrsamkeit ist ganz amtlich der Thomismus, die gesammelte Schreibe des Thomas von Aquin: bis heute, das letzte Konzil hat´s bestätigt. Tausende und abertausende von Seiten Theologie, eisern konsequent durchgedacht, viel Plato, den ganzen Aristoteles, die Kirchenväter, die Tradition, die Bibel, alles drin, alles stramm auf Linie gebracht, ein geschlossenes System, von dem Querdenker abperlen wie der Regen vom frisch gewachsten Papamobil.
Der kleine Tommy hat nicht wirklich eine Chance: 1225 geboren landet er 1230 im Kloster, eine Berufung direkt aus der Windel in die Kutte. Der Abt von Monte Cassino ist ein Verwandter seiner adligen Familie, und Tommy soll irgendwann mal was Großes mit spitzer Mütze werden. Ein bißchen heiligen Bock zeigt der Teenager, als er durchsetzt, zum neuen Bettelorden der Dominikaner gehen zu dürfen – ansonsten verläuft sein Leben schnurgerade, nie wird er vom 5. Lebensjahr bis zu seinem Tod etwas anderes tun als Theologie zu lernen und zu lehren. Mit messerscharfem Verstand ordnet er, was Antike und Mittelalter bisher so zusammengebracht haben, und nennt das Ergebnis „Summa Theologia“, will sagen „wir haben fertig“.
Wie viel Überbau braucht eine Bewegung ? Was bietet hilfreiche Antworten gegen Spinner, was ist erwürgendes Zuviel ? Es sind ja nicht zufällig die Theologen ihrer Zeit, die den unberechenbaren Sponti Jesus ans Kreuz bringen, nachdem sie ihm Tag für Tag an den Hacken geklebt, das Leben versauert und jedes, aber auch jedes Wort im Mund verdreht haben. In grausligster Pharisäer-Tradition rechtfertigt Thomas bei Gelegenheit die Todesstrafe für Abweichler, Andersdenkende – wie war das, „besser einer stirbt für das Volk ...“ ? Oder schärfer: hätte der wilde Zimmermann aus Nazareth eine Chance gehabt, unseren heiligen Thomas zu überleben ?
Jesus sagte „all you need is love, sonst nix“. Nie hat er was geschrieben, nie sieht man ihn den Staub der Bibliotheken aufwühlen. Sein Leben ist seine Predigt, und die versteht, mit Verlaub, jeder Depp.
Festtag: 28. Januar
Schutzpatron der Universitäten und Schulen sowie aller dort Lehrenden und Lernenden
Geistige Bewegungen brauchen mal mehr, mal weniger gedanklichen Überbau. Genügt dem Punk ein einziges Wort („nein“), so bringt es der Marxismus-Leninismus auf breite weite Bücherwände – durchaus in der Nachfolge des gestopft rappelvollen kirchlichen „Palastes der Scholastik“.
Die Grundlage dieser katholischen Gelehrsamkeit ist ganz amtlich der Thomismus, die gesammelte Schreibe des Thomas von Aquin: bis heute, das letzte Konzil hat´s bestätigt. Tausende und abertausende von Seiten Theologie, eisern konsequent durchgedacht, viel Plato, den ganzen Aristoteles, die Kirchenväter, die Tradition, die Bibel, alles drin, alles stramm auf Linie gebracht, ein geschlossenes System, von dem Querdenker abperlen wie der Regen vom frisch gewachsten Papamobil.
Der kleine Tommy hat nicht wirklich eine Chance: 1225 geboren landet er 1230 im Kloster, eine Berufung direkt aus der Windel in die Kutte. Der Abt von Monte Cassino ist ein Verwandter seiner adligen Familie, und Tommy soll irgendwann mal was Großes mit spitzer Mütze werden. Ein bißchen heiligen Bock zeigt der Teenager, als er durchsetzt, zum neuen Bettelorden der Dominikaner gehen zu dürfen – ansonsten verläuft sein Leben schnurgerade, nie wird er vom 5. Lebensjahr bis zu seinem Tod etwas anderes tun als Theologie zu lernen und zu lehren. Mit messerscharfem Verstand ordnet er, was Antike und Mittelalter bisher so zusammengebracht haben, und nennt das Ergebnis „Summa Theologia“, will sagen „wir haben fertig“.
Wie viel Überbau braucht eine Bewegung ? Was bietet hilfreiche Antworten gegen Spinner, was ist erwürgendes Zuviel ? Es sind ja nicht zufällig die Theologen ihrer Zeit, die den unberechenbaren Sponti Jesus ans Kreuz bringen, nachdem sie ihm Tag für Tag an den Hacken geklebt, das Leben versauert und jedes, aber auch jedes Wort im Mund verdreht haben. In grausligster Pharisäer-Tradition rechtfertigt Thomas bei Gelegenheit die Todesstrafe für Abweichler, Andersdenkende – wie war das, „besser einer stirbt für das Volk ...“ ? Oder schärfer: hätte der wilde Zimmermann aus Nazareth eine Chance gehabt, unseren heiligen Thomas zu überleben ?
Jesus sagte „all you need is love, sonst nix“. Nie hat er was geschrieben, nie sieht man ihn den Staub der Bibliotheken aufwühlen. Sein Leben ist seine Predigt, und die versteht, mit Verlaub, jeder Depp.
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