... newer stories
Samstag, 4. Januar 2014
Heiliger des Monats Januar 2014 Basilius der Große
saintblog, 16:54h
Heiliger des Monats Januar 2014 Basilius der Große
Festtag: 02. Januar
Patron der Kinder, der Mönche, der Seefahrer, der Bibliophilen
Bücher Bücher Bücher: staubsicher verschlossen ruhen hunderte und aberhunderte Papyrusrollen in den Schränken aus geschnitzem Zedernholz, stapeln sich die dicken Codices aus Pergament dicht an dicht in den Regalen. Viele Ausgaben sind illustriert, manche uralt, schwer auffindbare vollständige Abschriften der großen Dichter und Denker, von den Zeiten des Makedoniers Alexander über des Augustus goldenes Rom bis hin zur frühesten christlichen Tradition.
Seit Generationen ist die Familie des Basilius der frohen Botschaft zugewandt, seit alters her bringt sie schlaue Köpfe hervor. Bildung gilt hier alles, ein neuer, gut gefüllter Bücherschrank ist wichtiger als ein weiterer Olivenhain.
Basilius lebt und wirkt in der Mitte des 4. Jahrhunderts in Kappadokien, in Jahrzehnten aufgeregten Umbruchs. Einerseits ist das Christentum gerade von den endlosen Blutbädern der staatlichen Verfolgung erlöst worden, andererseits sind die alten Religionen noch stark, ein Sieg der neuen Ideen keineswegs sicher, es gibt Rückschläge.
Als Priester, Bischof und Publizist ist Basilius einflußreich und angesehenen, ein Schwergewicht in jeder Diskussion. Mehrere seiner Vorfahren und engen Angehörigen werden bereits als Heilige verehrt, sein Bruder Gregor von Nyssa schreibt herrlich riskante fundamentaltheologische Betrachtungen über letzte Fragen, beide gemeinsam schätzen den sehr abgefahrenen und höchst umstrittenen Theologen Origines.
In eigenen Veröffentlichungen ist Basilius praxisnah. Aus seiner Feder stammt die prägende Regel zum Zusammenleben der Mönche, eine von ihm verfaßte Liturgie bringt Ordnung in lokalen Wildwuchs. Erfolgreich bekämpft er die Jesu Gottheit leugnende arianische Irrlehre, gegen deren Urheber Arius formuliert er das Schlagwort von dem „einen Wesen in drei Personen“. Diese Definition Gottes schließt Jesus und den heiligen Geist ein, es läuft nun auf eine Dreifaltigkeit hinaus.
Nicht überall wird in dieser wilden Zeit so feingeistig an der Weiterentwicklung der frohen Botschaft gearbeitet. Manche Gemeinden greifen schlicht zum Hammer, zerschlagen die verbliebenen Götzenbilder, demolieren die Tempel, übertünchen die Bilder der verlotterten olympischen Götterschar.
Ja, es werden Stimmen laut, die in radikaler Political Correctness fordern, die Literatur der Alten dem Feuer zu übergeben, dem reinen Gottesstaat zuliebe. Es steht auf Messers Schneide, hier fallen Entscheidungen mit langer Wirkung – in den Westen kehren Plastiken erst Jahrhunderte später zurück, die Ostkirche lehnt Statuen bis heute ab.
In Basilius Brust schlagen zwei Herzen. Einerseits will er natürlich den Untergang der wirren, unmoralischen Götterwelt der alten Zeit, das Ende des würgend einengenden Aberglaubens.
Andererseits sind er und seine Freunde Büchernarren durch und durch, Freunde des Wissens, Liebhaber der klugen – und der schönen Worte.
Die Argumente der christlichen Radikalen gegen die Schriften des Feindes wiegen schwer, aber was wäre ein Leben ohne Poesie, ohne Ovid, Horaz, Homer, Vergil ?
Zur nicht geringen Überraschung der Eiferer fällt ihnen Basilius in den Rücken. Ausgerechnet Basilius, diese Stütze der Rechtgläubigkeit, die Säule der Kirche, der Lehrer der Lehrer, bricht eine Lanze für die Lektüre der Alten. Mit seinem schnell verbreiteten „Mahnwort an die Jugend über den nützlichen Gebrauch der heidnischen Literatur“ rettet er den geistigen Ertrag der griechischen und römischen Kultur in die Zukunft:
„Wollen wir klug sein, dann eignen wir uns aus jenen Schriften nur das Passende und der Wahrheit Verwandte an, übergehen aber das andere. Und wie wir beim Pflücken der Rose die Dornen vermeiden, so werden wir auch bei einer nutzbringenden Benützung solcher Schriften vor dem Schädlichen auf der Hut sein.“ (Kap. III,1)
„Denn diejenigen, welche aus jedem Gebiete sorgfältig ihren Nutzen ziehen, bekommen so wie die großen Ströme natürlich von überallher ihren Zuwachs.“ (Kap. VIII, 12)
Wenige Sätze aus dem richtigen Mund zur richtigen Stunde sorgen dafür, daß Klöster nicht nur religiöse Kaderschmieden, sondern auch Heimstätten des kulturellen Erbes werden. Als tausend Jahre später die Humanisten auf der Suche nach den Originalen der Schriften Ciceros und Plinius´ ausschwärmen, können sie nur finden, was fleißige mönchische Schreiberhände der Nachwelt bewahrt haben. Nicht um des Bewahrens willen, sondern weil sie die Autoren der Antike zu ihrer eigenen Bildung und Schulung nutzten. Es gibt keine Überlieferung antiker Kultur außerhalb der christlichen Klöster, die ganze geistige Welt der Renaissance ruht fest auf der gelassenen Toleranz des Mittelalters und führt diese fort. Wenn Tugenden wie Individualität, gesunder Menschenverstand und Mut zur eigenen, abweichenden Meinung als gegensätzlich zur bunten und vielgestaltigen mönchischen Tradition des Mittelalters dargestellt werden, dann stimmt das einfach nicht:
„Allein es gibt nichts, was der verständige Mensch mehr fliehen muß, als für den Ruhm zu leben und auf das zu sehen, was dem großen Haufen gefällt, statt die gesunde Vernunft zur Führerin des Lebens zu wählen, an deren Hand er niemals von dem als recht Erkannten abweicht, müßte er auch allen Menschen widersprechen und um des Guten willen Schmähung und Gefahr riskieren.“
So schreibt Basilius, Schutzpatron der Mönche, zu Recht „der Große“ genannt, und welcher Humanist könnte es humaner sagen, welcher Aufklärer klarer ?
Festtag: 02. Januar
Patron der Kinder, der Mönche, der Seefahrer, der Bibliophilen
Bücher Bücher Bücher: staubsicher verschlossen ruhen hunderte und aberhunderte Papyrusrollen in den Schränken aus geschnitzem Zedernholz, stapeln sich die dicken Codices aus Pergament dicht an dicht in den Regalen. Viele Ausgaben sind illustriert, manche uralt, schwer auffindbare vollständige Abschriften der großen Dichter und Denker, von den Zeiten des Makedoniers Alexander über des Augustus goldenes Rom bis hin zur frühesten christlichen Tradition.
Seit Generationen ist die Familie des Basilius der frohen Botschaft zugewandt, seit alters her bringt sie schlaue Köpfe hervor. Bildung gilt hier alles, ein neuer, gut gefüllter Bücherschrank ist wichtiger als ein weiterer Olivenhain.
Basilius lebt und wirkt in der Mitte des 4. Jahrhunderts in Kappadokien, in Jahrzehnten aufgeregten Umbruchs. Einerseits ist das Christentum gerade von den endlosen Blutbädern der staatlichen Verfolgung erlöst worden, andererseits sind die alten Religionen noch stark, ein Sieg der neuen Ideen keineswegs sicher, es gibt Rückschläge.
Als Priester, Bischof und Publizist ist Basilius einflußreich und angesehenen, ein Schwergewicht in jeder Diskussion. Mehrere seiner Vorfahren und engen Angehörigen werden bereits als Heilige verehrt, sein Bruder Gregor von Nyssa schreibt herrlich riskante fundamentaltheologische Betrachtungen über letzte Fragen, beide gemeinsam schätzen den sehr abgefahrenen und höchst umstrittenen Theologen Origines.
In eigenen Veröffentlichungen ist Basilius praxisnah. Aus seiner Feder stammt die prägende Regel zum Zusammenleben der Mönche, eine von ihm verfaßte Liturgie bringt Ordnung in lokalen Wildwuchs. Erfolgreich bekämpft er die Jesu Gottheit leugnende arianische Irrlehre, gegen deren Urheber Arius formuliert er das Schlagwort von dem „einen Wesen in drei Personen“. Diese Definition Gottes schließt Jesus und den heiligen Geist ein, es läuft nun auf eine Dreifaltigkeit hinaus.
Nicht überall wird in dieser wilden Zeit so feingeistig an der Weiterentwicklung der frohen Botschaft gearbeitet. Manche Gemeinden greifen schlicht zum Hammer, zerschlagen die verbliebenen Götzenbilder, demolieren die Tempel, übertünchen die Bilder der verlotterten olympischen Götterschar.
Ja, es werden Stimmen laut, die in radikaler Political Correctness fordern, die Literatur der Alten dem Feuer zu übergeben, dem reinen Gottesstaat zuliebe. Es steht auf Messers Schneide, hier fallen Entscheidungen mit langer Wirkung – in den Westen kehren Plastiken erst Jahrhunderte später zurück, die Ostkirche lehnt Statuen bis heute ab.
In Basilius Brust schlagen zwei Herzen. Einerseits will er natürlich den Untergang der wirren, unmoralischen Götterwelt der alten Zeit, das Ende des würgend einengenden Aberglaubens.
Andererseits sind er und seine Freunde Büchernarren durch und durch, Freunde des Wissens, Liebhaber der klugen – und der schönen Worte.
Die Argumente der christlichen Radikalen gegen die Schriften des Feindes wiegen schwer, aber was wäre ein Leben ohne Poesie, ohne Ovid, Horaz, Homer, Vergil ?
Zur nicht geringen Überraschung der Eiferer fällt ihnen Basilius in den Rücken. Ausgerechnet Basilius, diese Stütze der Rechtgläubigkeit, die Säule der Kirche, der Lehrer der Lehrer, bricht eine Lanze für die Lektüre der Alten. Mit seinem schnell verbreiteten „Mahnwort an die Jugend über den nützlichen Gebrauch der heidnischen Literatur“ rettet er den geistigen Ertrag der griechischen und römischen Kultur in die Zukunft:
„Wollen wir klug sein, dann eignen wir uns aus jenen Schriften nur das Passende und der Wahrheit Verwandte an, übergehen aber das andere. Und wie wir beim Pflücken der Rose die Dornen vermeiden, so werden wir auch bei einer nutzbringenden Benützung solcher Schriften vor dem Schädlichen auf der Hut sein.“ (Kap. III,1)
„Denn diejenigen, welche aus jedem Gebiete sorgfältig ihren Nutzen ziehen, bekommen so wie die großen Ströme natürlich von überallher ihren Zuwachs.“ (Kap. VIII, 12)
Wenige Sätze aus dem richtigen Mund zur richtigen Stunde sorgen dafür, daß Klöster nicht nur religiöse Kaderschmieden, sondern auch Heimstätten des kulturellen Erbes werden. Als tausend Jahre später die Humanisten auf der Suche nach den Originalen der Schriften Ciceros und Plinius´ ausschwärmen, können sie nur finden, was fleißige mönchische Schreiberhände der Nachwelt bewahrt haben. Nicht um des Bewahrens willen, sondern weil sie die Autoren der Antike zu ihrer eigenen Bildung und Schulung nutzten. Es gibt keine Überlieferung antiker Kultur außerhalb der christlichen Klöster, die ganze geistige Welt der Renaissance ruht fest auf der gelassenen Toleranz des Mittelalters und führt diese fort. Wenn Tugenden wie Individualität, gesunder Menschenverstand und Mut zur eigenen, abweichenden Meinung als gegensätzlich zur bunten und vielgestaltigen mönchischen Tradition des Mittelalters dargestellt werden, dann stimmt das einfach nicht:
„Allein es gibt nichts, was der verständige Mensch mehr fliehen muß, als für den Ruhm zu leben und auf das zu sehen, was dem großen Haufen gefällt, statt die gesunde Vernunft zur Führerin des Lebens zu wählen, an deren Hand er niemals von dem als recht Erkannten abweicht, müßte er auch allen Menschen widersprechen und um des Guten willen Schmähung und Gefahr riskieren.“
So schreibt Basilius, Schutzpatron der Mönche, zu Recht „der Große“ genannt, und welcher Humanist könnte es humaner sagen, welcher Aufklärer klarer ?
... link (0 Kommentare) ... comment
... older stories