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Sonntag, 24. Februar 2013
Heiliger des Monats März 2013 Dismas
saintblog, 21:28h
Heiliger des Monats März 2013 Dismas
Fest: 25. März
Schutzpatron der Todgeweihten und der zum Tode Verurteilten
Als der Zimmermannssohn genug vom Dickebretterbohren hat und endlich loslegt, kann man sich gar nicht schnell genug im Keller verstecken. Alles, was am schönen blauen See Genezareth bei drei nicht auf den Bäumen ist, wird gecastet, Karpfenschlitzer, Steuerheinis, politische Wirrköpfe, egal und herzlich willkommen in der Mannschaft.
Bereits zu Lebzeiten Jesu wundert man sich über die Bauerntrampel, mit denen er durch die Lande zieht. Den Jerusalemern sind das galiläische Dialektstammler, die ihre Memorabilien in einer geradezu schmerzlich schlichten Sprache niederschreiben – so sie denn überhaupt schreiben können, horribile dictu.
Es gab wohl tausend treffliche Gründe für den Messias, sich bei der Auswahl seines terrestrischen Teams der erstbesten Dahergelaufenen zu bedienen.
Der Chef weiß schließlich mehr, als „Impulsveranstaltung“ steht Pfingsten im Firmenkalender, und reichliche Gaben von heiligem Geist werden der Gurkentruppe Feuer unterm Hintern machen: paßt schon.
Immer aber kann sich selbst die personifizierte Sanftmut nicht mit dem Gedanken an ein zukünftiges Update über das Elend hinwegtrösten. Wenn diese Vollpfosten auf offener Landstraße gerade mal zehn Meter hinter ihm sich die Köpfe blutig schlagen über der Frage, wer im Gottesreich welchen tollen tollen Job bekommen wird; wenn ihm alle neidhammelig nicht gönnen, daß ein Groupie seine frischgewaschenen Füße massiert; wenn ihm Petrus zum soundsovielten Male lautstark vor allen Leuten die Welt erklärt (und dieses Großmaul ihn dann wortgewaltig verleugnet, als es drauf ankommt) – dann reißt Jesus der Geduldsfaden, gefühlte Stunden kann er den Haufen plätten und zusammenfalten, Herrgottsakramentkruzifixnochmal.
Menschlich verständlich haben uns die Evangelisten von diesen spezielleren Herrenpredigten nur recht zarte Andeutungen überliefert.
Golgotha ist dann die Krönung des gruppendynamischen Prozesses. Er hängt gefoltert am Kreuz seinem Tod entgegen, nahebei auf einem Weg ist business as usual, die Leute kauen ihren Döner und machen sich lustig, spucken, werfen Steine, reißen Witze; selbst einer der mit ihm Todgeweihten würgt mit letzter Kraft dumme Sprüche auf den König in ihrer Mitte heraus – und seine Apostel, die Säulen der Kirche, die heiligen Zwölfboten - „standen in einiger Entfernung vom Kreuz“, wie Lukas gewohnt zurückhaltend formuliert. Einer der letzten Gedanken Jesu wird gewesen sein, „wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde“.
Und da hat der heilige Dismas seinen Moment in der kosmischen Geschichte des Heils. Er, der Mörder Vergewaltiger Schwerverbrecher am Kreuz zur Rechten des ungekrönten Königs von Juda; der nun so leidet, wie ehedem seine Opfer litten; für den es unaufhaltsam dem Tod entgegen geht; dieser Dismas sagt seinem Räuber-Kumpan, er solle das Maul halten und im Angesicht des Endes Gottesfurcht zulassen. „ Wir hängen am Holz, hätten besser früher hier gehangen. Der da hat nichts getan und stirbt wie wir. - Jesus, Mann Gottes, denk an mich.“
Und Jesus, der noch ungekrönte König, schlägt am Kreuz, diesem mystischen Thron des Menschensohnes, den Strauchdieb Dismas zum Ritter. „Der Abend dieses elenden Tages sieht uns beide – beide - nirgendwo anders als beim Vater. Uns erwartet das Paradies.“
Geprügelt haben sich seine Apostel, die Säulen der Kirche, um den Platz zu seiner Rechten. Als er aber zu vergeben war, der Platz zu seiner Rechten, da „standen sie in einiger Entfernung“, auf der Zuschauertribüne.
Und auf ewig am Thron steht Dismas, der schwarze Mann, der Böse, der einzige Heilige, den Gott selbst heiliggesprochen hat.
Sage mal einer, der Chef hätte keinen Humor – und Rache ist Blutwurst.
Fest: 25. März
Schutzpatron der Todgeweihten und der zum Tode Verurteilten
Als der Zimmermannssohn genug vom Dickebretterbohren hat und endlich loslegt, kann man sich gar nicht schnell genug im Keller verstecken. Alles, was am schönen blauen See Genezareth bei drei nicht auf den Bäumen ist, wird gecastet, Karpfenschlitzer, Steuerheinis, politische Wirrköpfe, egal und herzlich willkommen in der Mannschaft.
Bereits zu Lebzeiten Jesu wundert man sich über die Bauerntrampel, mit denen er durch die Lande zieht. Den Jerusalemern sind das galiläische Dialektstammler, die ihre Memorabilien in einer geradezu schmerzlich schlichten Sprache niederschreiben – so sie denn überhaupt schreiben können, horribile dictu.
Es gab wohl tausend treffliche Gründe für den Messias, sich bei der Auswahl seines terrestrischen Teams der erstbesten Dahergelaufenen zu bedienen.
Der Chef weiß schließlich mehr, als „Impulsveranstaltung“ steht Pfingsten im Firmenkalender, und reichliche Gaben von heiligem Geist werden der Gurkentruppe Feuer unterm Hintern machen: paßt schon.
Immer aber kann sich selbst die personifizierte Sanftmut nicht mit dem Gedanken an ein zukünftiges Update über das Elend hinwegtrösten. Wenn diese Vollpfosten auf offener Landstraße gerade mal zehn Meter hinter ihm sich die Köpfe blutig schlagen über der Frage, wer im Gottesreich welchen tollen tollen Job bekommen wird; wenn ihm alle neidhammelig nicht gönnen, daß ein Groupie seine frischgewaschenen Füße massiert; wenn ihm Petrus zum soundsovielten Male lautstark vor allen Leuten die Welt erklärt (und dieses Großmaul ihn dann wortgewaltig verleugnet, als es drauf ankommt) – dann reißt Jesus der Geduldsfaden, gefühlte Stunden kann er den Haufen plätten und zusammenfalten, Herrgottsakramentkruzifixnochmal.
Menschlich verständlich haben uns die Evangelisten von diesen spezielleren Herrenpredigten nur recht zarte Andeutungen überliefert.
Golgotha ist dann die Krönung des gruppendynamischen Prozesses. Er hängt gefoltert am Kreuz seinem Tod entgegen, nahebei auf einem Weg ist business as usual, die Leute kauen ihren Döner und machen sich lustig, spucken, werfen Steine, reißen Witze; selbst einer der mit ihm Todgeweihten würgt mit letzter Kraft dumme Sprüche auf den König in ihrer Mitte heraus – und seine Apostel, die Säulen der Kirche, die heiligen Zwölfboten - „standen in einiger Entfernung vom Kreuz“, wie Lukas gewohnt zurückhaltend formuliert. Einer der letzten Gedanken Jesu wird gewesen sein, „wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde“.
Und da hat der heilige Dismas seinen Moment in der kosmischen Geschichte des Heils. Er, der Mörder Vergewaltiger Schwerverbrecher am Kreuz zur Rechten des ungekrönten Königs von Juda; der nun so leidet, wie ehedem seine Opfer litten; für den es unaufhaltsam dem Tod entgegen geht; dieser Dismas sagt seinem Räuber-Kumpan, er solle das Maul halten und im Angesicht des Endes Gottesfurcht zulassen. „ Wir hängen am Holz, hätten besser früher hier gehangen. Der da hat nichts getan und stirbt wie wir. - Jesus, Mann Gottes, denk an mich.“
Und Jesus, der noch ungekrönte König, schlägt am Kreuz, diesem mystischen Thron des Menschensohnes, den Strauchdieb Dismas zum Ritter. „Der Abend dieses elenden Tages sieht uns beide – beide - nirgendwo anders als beim Vater. Uns erwartet das Paradies.“
Geprügelt haben sich seine Apostel, die Säulen der Kirche, um den Platz zu seiner Rechten. Als er aber zu vergeben war, der Platz zu seiner Rechten, da „standen sie in einiger Entfernung“, auf der Zuschauertribüne.
Und auf ewig am Thron steht Dismas, der schwarze Mann, der Böse, der einzige Heilige, den Gott selbst heiliggesprochen hat.
Sage mal einer, der Chef hätte keinen Humor – und Rache ist Blutwurst.
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